„Eiertanz“ um Planung Multifunktionshalle Minden

Matthias Beier des Kreistags Minden-Lübbecke kritisiert Entscheidungen der Mindener Stadtverwaltung zur Machbarkeitsstudie über Veranstaltungs- und Kongressarena

Matthias Beier, Mitglied im Kreistag Minden-Lübbecke, engagiert sich weiter für das Projekt „Multifunktionshalle“, kritisiert jedoch Entscheidungen der Mindener Stadtverwaltung rund um die Planung – Symbolfoto: onm (Beier hier bei IHK-Veranstaltung)

Kreistagsmitglied Matthias Beier von der „Unabhängige Bürgerpolitik – Unabhängige Wählergemeinschaft“ (kurz: UB-UWG) und Ideengeber der geplanten Multifunktionshalle in Minden rügt Ratsentscheidungen unter Leitung von Bürgermeister Michel Jäcke über in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudien und bezeichnet das Verhalten als „Eiertanz“.

In einem am 7. Oktober geführten Gespräch mit Matthias Beier, den wir in Minden antrafen, erklärte er, wie sehr er sich darüber ärgere, dass sein Vorschlag für ein „Drei-Hallen-Modell“ in den Machbarkeitsstudien zum geplanten Großprojekt der Veranstaltungs- und Kongressarena auf dem ehemaligen Mindener Güterbahnhofsgelände (auch „Multifunktionshalle“ oder „Multihalle“ genannt) keine Berücksichtigung fand.

Außerdem ginge es um wichtige „Showroom-Flächen“ für künftige Sponsoren und Werbepartner, ohne die die Stadt Minden das Projekt Multifunktionshalle wahrscheinlich gar nicht verwirklichen könnte, und um die Gesamtkosten des Projekts, die die Haushaltskasse und damit die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Minden (sowie des Kreises Minden-Lübbecke und das Land Nordrhein-Westfalens) belasten.

Weitere Ausführungen ergeben sich aus der E-Mail-Korrespondenz mit Beier:

Matthias Beier: Offenbar unterliegen die „Mindener Ratsleute“ unter der Leitung von Bürgermeister Jäcke einem kolossalen Denkfehler. Es bringt nichts, wenn man extrem teuer etwas bis ins Detail ausrechnen lassen will, wenn eine vorherige Abwägung von Bau-Modellen und von Konzepten gar nicht zuvor stattfand.

ON: Könnten Sie das bitte etwas näher erläutern?

Matthias Beier: Gern. Ich habe im Juli 2016 in Rundschreiben (insbesondere an alle Firmen-Chefs) meinen Vorschlag für ein „Drei-Hallen-Modell“ der Stadt Minden vorgestellt. Auch ein großes Eingangsportal, also eine Portal-Halle, war darin mein Vorschlag. Auch da hatte ich schon argumentiert, dass die Sponsoren und Werbepartner eine solche Eingangshalle als Showroom-Fläche benötigen. Nur so erhalten die Sponsoren einen Gegenwert. Dagegen würde eine „All-in-One-Arena“ allein schon daran scheitern, dass ein Jahr mit 52 Wochenenden kaum noch Kapazitäten zur Anwerbung von Messen, Tagungen oder Versammlungen haben würde. Erst durch die Extra-Hallen besteht überhaupt „terminlich“ noch Potenzial.

ON: Sie überreichten uns eine Beispielskizze, wie Sie sich ein „Drei-Hallen-Modell“ vorstellen. Anhand dieser erwägen Sie eine Messehalle, eine Arena für beispielsweise Musikkonzerte bzw. Sportveranstaltungen (z.B. des GWD Minden), und eine Tagungshalle. Alle drei Hallen würden durch ein Eingangsportal miteinander verbunden werden, das (neben den Hallen) ein großes Potenzial für Werbeflächen biete.

Matthias Beier: Richtig. Und dieses „Modell B“ hätte Bürgermeister Jäcke in seiner 300.000-Euro-Studie bereits darstellen und in seinen Berechnungen einfließen lassen können. Offenbar hat Jäcke dies aber abgeblockt. Von den Ergebnissen der von ihm offenbar falsch beauftragen Studie wird nichts verlautbart. Man lässt diese anscheinend im Papierkorb verschwinden. Dasselbe steht Jäckes 200.000-Euro-Studie nun bevor.

ON: Das geplante Systemparkhaus oder überhaupt Parkplätze scheinen in Ihrem Konzept jedoch zu fehlen.

Matthias Beier: Parkplätze? Das große „zusätzliche Plus“ ist bei dem Drei-Hallen-Modell überwiegend über den Bahnhof Minden/Westfalen anreisendes Publikum. Die Anwerbung von überregionalen Tagungen und Jahreshauptversammlungen wäre auch kontinuierlich steigerbar. Hier ist wiederum sehr positiv zu sehen, dass der Bad Oeynhauser Bauunternehmer Kögel die Bahnhofskaserne erworben hat. (Er hat auch als Veranstaltungs-Location das Schloss Ovelgönne, wo ich ihm einmal vom Konzept Westfalen-Arena persönlich berichtet hatte). Damit ist er in den Startlöchern, um ein Hostel aus der Bahnhofskaserne zu machen. Im Gegensatz zu Mindener „Miesmacher“-Ratsleuten verdient er Unterstützung. Das Unterfangen dürfte für ihn halt eher ein garantierter Verlust – statt Gewinn – sein: ohne Übernachtungs-Angebot keine Tagungen.




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ON: Sie sehen also keinen Bedarf für Parklätze auf dem Gelände. Sie geben aber eine interessante Information zu der Bahnhofskaserne. Es wäre in der Tat praktisch, wenn man direkt gegenüber den Veranstaltungshallen auch übernachten könnte, zumal dies mehr Touristen und Geschäftsleute von weit her nach Minden holen würde, die vielleicht gleich ein ganzes Wochenende hier verbringen möchten, indem sie beispielsweise die jeweilige Veranstaltung mit einem Stadtrundgang verbinden.

Matthias Beier: Zum Beispiel. Wichtig ist aber noch: Würde man erst nachträglich eine Messehalle und eine Tagungshalle neben der Multifunktionshalle bauen, wäre das von mir erwähnte Eingangsportal nicht nachrüstbar. Das Gefühl, in die „Westfalen-Arena“ (wenn diese nach meinem Vorschlag so heißen würde) einzutreten, wäre nicht erlebbar. Mit „Tor C“ oder „Eingang D“ oder „Halle E“ ginge die Gemeinsamkeit verloren. Schon die Gutachter der vom Kreis Minden-Lübbecke beauftragten Machbarkeitsstudie hatten ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ihre Befragungen eine oftmals zu klein geplante Showroom-Fläche ergaben – ihr Appell war, dass man hieran nicht sparen sollte.

ON: Was würde Ihrer Meinung nach das „Drei-Hallen-Modell“ denn kosten inklusive Eingangsportal (bitte Kosten für jedes Gebäude einzeln angeben)? Unserer Kenntnis nach liegen die Kosten für die geplante Multifunktionshalle ja irgendwo zwischen 35,2 und 38,6 Millionen Euro zuzüglich Sondierungen und Mehrwertsteuer (siehe unser Bericht).

Matthias Beier: Ich nehme an, dass die Arena 40 Prozent preisgünstiger sein könnte und die Messehalle baulich sehr einfach und günstig so wie eine Supermarkt-Halle (geschätzt ca. 500.000 bis eine Million Euro). Eine Tagungshalle für 1200 Sitzplätze würde vermutlich zwei bis drei Millionen Euro kosten. Das Eingangsportal würde natürlich sehr viel beinhalten, um welches die Arena dann günstiger werden kann, zum Beispiel Info/Rezeption, Garderoben, WC/Sanitär, Imbiss und Aufenthaltsfläche. Darum ist der Preisvergleich nur in Gesamtheit sinnvoll. Ich meine aber, dass vier baulich einfachere Gebäudeteile weniger Anfälligkeit gegen Planungsfehler haben.

ON: Dass Sie damals die Idee für die „Westfalen-Arena“ hatten und die marode Kampa-Halle neu aufgebaut sehen möchten, wissen wir ja seit der Podiumsdiskussion der IHK in 2015 (siehe Bericht). Doch wie erklärt sich Ihr weiteres enormes Engagement für das geplante Großprojekt auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände?

Matthias Beier: Ich war halt derjenige, der in den Sondersitzungen die Umorientierung in Richtung einer Neubau-Chance am Bahnhof Minden/Westfalen bewirkt hat. Nun möchte ich natürlich nicht, dass durch unkluge und ungeschickte Fehler diese Chance zunichtegemacht wird. Es ist übrigens keinesfalls sicher, dass als Notlösung die Kampa-Halle mit berechneten 6,5 Millionen Euro saniert würde. Die Notlösung wäre eher das „Ende aller Großveranstaltungen“ – es wäre dann nämlich die Situation, keine Halle mehr zu haben.

ON: Verstanden. Und warum erklären Sie uns das gerade jetzt?

Matthias Beier: Weil am Donnerstag, 12. Oktober 2017, um 14.30 Uhr eine der immer seltener gewordenen, höchst geheimen Sondersitzungen im Sitzungssaal des Kreishauses stattfindet, wo ich Bürgermeister Jäcke wohl sehr deutlich sagen werde, dass es kein gutes Zwischenergebnis ist, was er da unklug angerichtet hat.

Textquelle: Matthias Beier, OctoberNews


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