Ehe für alle – Minden feiert das!

Bundestag öffnet Ehe für Homosexuelle - Bündnis Minden gegen Rechts lädt am 1. Juli 2017 zur Feier auf dem Kleinen Domhof ein - am 9. Juli ist CSD in Köln

Ab sofort dürfen sich auch gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland mit Reis bewerfen lassen – Bundestag beschloss die Ehe für alle – Symbolfoto: onm

25 Jahre nach dem ersten Grundsatzprogramm des LSVD ist es soweit: Die Ehe für alle ist beschlossene Sache. Aufgrund der aktuellen Entscheidung des Bundestages zur Öffnung der Ehe auch für Homosexuelle lädt das Bündnis „Minden gegen Rechts“ am Samstag, 1. Juli 2017, ab 16 Uhr zu einer gemeinsamen Feier auf dem Kleinen Domhof in Minden ein.

Im Rahmen einer Kundgebung möchte das Mindener Bündnis unter dem Motto „Minden – Stadt mit Liebe“ ein Zeichen für ein buntes Minden setzen und die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare begrüßen. Neben einer Rede wird „Minden gegen Rechts“ die Feier mit Musik begleiten.

Bundestag in Berlin trifft am 30. Juni 2017 historischen Beschluss – Archivfoto: onm

Der 30. Juni 2017 hat ab sofort ein dickes Kreuz im Kalender aller gleichgeschlechtlichen Paare verdient. SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (rot-rot-grüne Koalition, auch: R2G) haben CDU-Kanzlerin Angela Merkel nach jahrelangen Debatten tatsächlich zu einer historischen Entscheidung im Bundestag gedrängt: das JA zur „Ehe für alle“.

Bei 623 abgegebenen Stimmen sprach sich die Mehrheit von 393 Abgeordneten für eine rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare aus. 226 Parlamentarier stimmten mit Nein, vier enthielten sich (siehe auch vollständiges Abstimmungsergebnis). Kanzlerin Merkel stimmte dagegen.

Damit muss das Bürgerliche Gesetzbuch in seiner aktuellen Fassung entsprechend geändert werden (siehe Gesetzesentwurf) und wird klargestellt, dass auch gleichgeschlechtliche Personen eine Ehe eingehen und Kinder adoptieren dürfen. Die Rechte der Kirchen und Religionsgemeinschaften bleiben von dieser gesetzlichen Neuregelung jedoch unberührt. Aber die 2001 in Deutschland eingeführte „eingetragene Lebenspartnerschaft“ ist damit wohl vom Tisch. Somit gehen Homosexuelle die gleichen Rechte und Pflichten ein wie bei einer Ehe heterosexueller Paare (zwischen Mann und Frau).

Ist das nun gut oder schlecht, werden sich manche (Ehe-) Paare und Geschiedenen fragen.

Axel Hochrein, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) sieht das so: „Am Ende siegen Vernunft und der konsequente Kampf für die Öffnung der Ehe“. Kurz vor Bundestagsbeschluss erklärte er unter anderem am 28. Juni: „Das Ende der rechtlichen Diskriminierung ist zum Greifen nah. … Die Blockade ist aufgebrochen. … Die Abgeordneten können nun das tun, wofür sie gewählt wurden: Dem Wohle des Volkes dienen und dafür sorgen, dass im Eherecht für alle Bürgerinnen und Bürger dieses Landes Gleichheit vor dem Gesetz gilt.“

Banner LSVD: Ehe für alle

Als am 30. Juni dann die Entscheidung des Bundestages veröffentlicht wurde, brach im Internet ein wahrer Freudensturm aus unter dem Hashtag #Ehefueralle, wie natürlich auch beim LSVD: „Deutschland hat für die Liebe gestimmt – LSVD feiert die Ehe für Alle“. So erklärt der Vorstand:

„Das ist ein historischer Tag! Nicht nur für Lesben und Schwule, sondern auch für eine gerechtere und demokratischere Gesellschaft. Ob man in Deutschland heiraten darf oder nicht, entscheidet zukünftig nicht mehr das Geschlecht, sondern Liebe, Zusammenhalt und das Versprechen, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zu sein.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) dankt allen Bundestagsabgeordneten, die ihrem Gewissen gefolgt sind und für die Liebe und die Gleichwertigkeit von homo- und heterosexuellen Partnerschaften gestimmt haben. Nun wird es darum gehen, aus der gesetzlichen Gleichstellung auch eine gelebte Akzeptanz im Alltag zu machen. Denn eine offene und freie Gesellschaft muss es allen Menschen garantieren, jederzeit, an jedem Ort, ohne Angst und Anfeindung verschieden zu sein.

Bereits 1990 forderte der damalige Schwulenverband in Deutschland (SVD) mit seinem ersten Grundsatzprogramm die Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare. Vor genau 25 Jahren, im August 1992, hat unser Verband die „Aktion Standesamt“ organisiert. 250 lesbische und schwule Paare haben damals bundesweit auf Standesämtern das Aufgebot bestellt und für sich das Recht auf Eheschließung eingefordert. Seitdem kämpfte der LSVD zusammen mit immer mehr Verbündeten auf allen Ebenen für die Öffnung der Ehe.“

Das Bündnis „Minden gegen Rechts“ unterstützt die Entscheidung des Bundestages und veröffentlicht dazu ebenfalls einen Banner:

Mit dem aktuellen Banner „Stadt mit Liebe“ feiert das Bündnis „Minden gegen Rechts“ den aktuellen Beschluss des Bundestages, der nun auch gleichgeschlechtlichen Paaren den Weg in die Ehe öffnet

„Als echte Berliner Pflanze kenne ich natürlich auch die ersten CSD’s (Christopher Street Days), die damals rund um die Siegessäule stattfanden“, weiß unsere (heterosexuelle) Redakteurin.

Aber richtig cool ist: Am 9. Juli 2017 ab 12 Uhr findet die nächste CSD-Parade in Köln statt. Tausende Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender mit Zugwagen und Fußgruppen ziehen quer durch die Innenstadt. Und das diesjährige Motto lautet: „Nie wieder!“ Passender geht’s echt nicht – als ob die Veranstalter gewusst hätten, was kommt. Da wird es dieses Jahr so richtig was zu Feiern geben! (Alle Infos siehe auf der Webseite von koeln.de)

++ UPDATE ++
„Minden gegen Rechts“ hatte zuvor geplant, auf dem Mindener Marktplatz zu feiern. Aufgrund der hohen Anmeldezahlen und da auf dem Marktplatz am Wochenende die Jazz Summer Night stattfindet, haben sie sich mit der Stadt Minden und der Kreispolizeibehörde geeinigt, dass die Kundgebung auf dem Kleinen Domhof stattfindet.

Quelle: Pressemeldung Jannes Tilicke (Bündnis Minden gegen Rechts), koeln.de, LSVD.de


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