Domschatzkammer Minden bald im neuen Kleid

Innenräume und Außenfassade der Domschatzkammer werden ab Januar 2016 neu gestaltet - Investition verschlingt rund 2,5 Millionen Euro

Neugestaltung Domschatzkammer Minden
Im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Ausstellungsräume erhält die Domschatzkammer Minden auch eine neue Fassade – Foto: S&P

Neben dem bereits neu gestalteten, responsive-fähigen Internetauftritt planen der Dombau-Verein Minden (DVM) und die Domgemeinde die Neugestaltung der Domschatzkammer und der Außenfassade. Die Bauarbeiten am Kleinen Domhof in Minden beginnen voraussichtlich im Januar 2016.

„Entstehen soll ein museales Kleinod, das die einzigartigen Zeugnisse der Tradition und Geschichte des Domes zu Minden und seiner Gemeinde präsentiert und die Exponate in den Kontext des kirchlichen Lebens setzt“, blickt Rudolf Bilstein, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes und Koordinator für die Neugestaltung der Schatzkammer, in die nahe Zukunft.

Mindener Kreuz
Das Mindener Kreuz anno 1070 gilt europaweit als herausragendes Werk romanischer Kunst – Foto: Arnold Weigelt

Seit Anfang der 80er Jahre ist der Domschatz im Gemeindezentrum-Haus schräg gegenüber dem Mindener Dom angesiedelt. Das Gebäude wurde damals von Architekt und Stadtplaner Prof. Friedrich Spengelin aus Hannover entworfen.

Doch für Touristen sei von außen kaum sichtbar, welch bedeutende Ausstellungsstücke sich dort – vor allem als Zeugnisse der mittelalterlichen Kunst – verbergen. Das betont seit dieser Zeit auch Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Leiter der Fachstelle Kunst des Erzbistums Paderborn und Direktor des dortigen Diözesanmuseums. Schließlich befänden sich nach Einschätzung von Prof. Dr. Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der den Kirchenvorstand und den Vorstand des Fördervereins bei der Neugestaltung der Schatzkammer berät, sich in der Sammlung des Mindener Domschatzes Stücke von „außerordentlicher Bedeutung“.

Jede Sammlung habe ihre individuellen Stärken, so der Dresdner Kunsthistoriker in einem Gutachten. Betrachte man den Umfang, den historischen Zusammenhang des mittelalterlichen Bestandes sowie seine kunsthistorische Bedeutung, „ist der Mindener Domschatz wohl bedeutender als der des erzbischöflichen Diözesanmuseums von Paderborn, zumindest bezogen auf seine mittelalterlichen Bestände“, erklärt Syndram, “aber auch bedeutender als die Schatzkammer von St. Lambertus in Düsseldorf und der Münsterschatz Unserer Lieben Frau in Konstanz, die als prominente Kirchenschätze in Deutschland zu nennen seien.”

Richtig präsentiert sei der Domschatz der Weserstadt Minden ebenbürtig mit den Schatzkammern des Halberstädter Domes und den mittelalterlichen Beständen des Domschatzes der evangelischen Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg, die zum Weltkulturerbe gehören, so die Vereinsmitglieder des DVM.

Neue Anlaufstelle für am katholischen Glauben interessierte Menschen

„Diese Einschätzungen der beiden renommierten Kunsthistoriker aus Paderborn und Dresden haben die Domgemeinde und der Dombau-Verein aufgenommen“, teilte Gerd Stenz, stellvertretender Vorsitzender des Dombau-Vereins, am 4. Dezember 2015 mit. So wurde die Dresdner Museumsarchitektin Ines Miersch-Süß mit dem Entwurf für die neue Schatzkammer beauftragt. Fachleute wie Christoph Stiegemann sind in die Neugestaltung mit einbezogen. Entstanden ist ein Entwurf, der nach außen hin die Wirkung des Gebäudeensembles am Kleinen Domhof aufnimmt, von der Fassadengestaltung her aber deutlich macht: “Hinter diesen Mauern verbirgt sich etwas ganz Besonderes.”

Modellentwurf der neuen Domschatzkammer - Foto: DVM
Modellentwurf der neuen Domschatzkammer, Stand 12.07.2015 – Foto: DVM

In der geplanten Ausstellung sollen vor allem herausragende Pretiosen das Erscheinungsbild der Schatzkammer des Mindener Domes bestimmen. Darunter das um 1070 datierte Mindener Kreuz, das europaweit als herausragendes Werk romanischer Kunst gilt, und der Petrischrein aus dem 11. Jahrhundert. Ergänzt wird die Präsentation mit Reliquiaren, liturgischen Geräten, Büchern und Textilien.

„Die Neugestaltung der Domschatzkammer soll aber auch dazu beitragen, dass den Besuchern nahe gebracht wird, wie die verschiedenen Objekte im kirchlichen Leben eingesetzt werden, welche Bedeutung sie für den katholischen Glauben und die Gemeinde haben“, schildert Geschäftsführer Hans-Jürgen Amtage. Der Einsatz multimedialer Elemente mache dies möglich.

Doch Gemeinde und Dombau-Verein verstehen die neue Domschatzkammer nicht nur als eine Art Kunstmuseum. Das neu gestaltete Erdgeschoss soll gleichzeitig Anlaufstelle und Informationszentrum für am katholischen Glauben interessierte Menschen sein. „Wir haben mit der Umgestaltung der Flächen die Möglichkeit, hier einen ganzheitlichen Ansatz zu finden“, betont Kirchenvorstand Bilstein. Gleichzeitig wolle man für Minden eine museale Einrichtung schaffen, die mit ihren Exponaten Besucher von nah und fern in die Weserstadt zieht.

Investitionsvolumen rund 2,5 Millionen Euro

Die rund 2,5 Millionen Euro teure Neugestaltung der Domschatzkammer wird vor allem von der Domgemeinde und dem Dombau-Verein Minden finanziert. Dabei trage der Förderverein, der in den vergangenen Jahren die Summe angespart hat, gut 80 Prozent der Kosten, wie Geschäftsführer Amtage erläuterte. Der Finanzierungsanteil der Domgemeinde bestehe, aufgrund fehlender Eigenmittel, aus Zuschüssen von Förderern, die im Auftrag des Kirchenvorstandes der Domgemeinde für gezielte Projekte angeworben wurden. So würden vom Erzbistum Paderborn Mittel in das Archiv fließen, die Bundes-Umwelt-Stiftung unterstütze das Forschungsprojekt „Präventive Konservierung“ und das NRW-Restaurierungsprogramm Bildende Kunst investiere in die Restaurierung von Kunstgegenständen der Mindener Domschatzkammer.

Petrischrein
Der Petrischrein stammt aus dem 11. Jhdt. – Foto: Arnold Weigelt

Der Zuschuss des Dombau-Vereins für die Schatzkammer setze sich nach Auskunft von Hans-Jürgen Amtage zum großen Teil aus den jährlichen Lotterieerträgen der WestLotto, aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden zusammen. Jahr für Jahr erwirtschafte WestLotto hohe Millionenbeträge für den Landeshaushalt Nordrhein-Westfalen, die von dort wiederum an gemeinnützige Institutionen verteilt würden. Dazu würden neben Sportverbänden und der Wohlfahrtspflege unter anderem auch einige Dombauvereine in NRW gehören, die jährlich insgesamt rund 2,8 Millionen Euro aus den Lottomitteln erhalten. Größter Destinatär des Lotterieunternehmens sei hier mit rund 1,5 Millionen Euro im Jahr der Dombauverein Köln.

Zurzeit treffe die das Projekt leitende Dompropstei-Gemeinde mit ihrem Projektkoordinator Bilstein die Vorbereitungen für den Baubeginn, nachdem die Baugenehmigung im November eingegangen sei. Parallel würden weitere Planungs- und Abstimmungsgespräche laufen, verweist der Rendant der Domgemeinde, Stephan Kurze, auf das aktuelle Vorgehen. Gebaut würde ausschließlich auf dem Grundstück der Gemeinde.

Vor allem heimische Unternehmen würden mit der Bauausführung betraut. Die Fertigstellung der neu gestalteten Domschatzkammer am Kleinen Domhof sei im Jahr 2016 vorgesehen.

Der neue Internetauftritt des Dombau-Vereins Minden ist bereits online und kompatibel mit Smartphone & Co.

Quelle: Pressemeldung DVM


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