Deutsche Telekom will bis 2018 Telefonate nur noch übers Internet

Verbraucherzentrale NRW klärt auf: Wer von der Umstellung betroffen ist und welche Tücken sich in IP-Telefonie verstecken

Ist analoges Telefonieren bald nicht mehr möglich, sondern nur noch über die Datenautobahn Internet? Wenn es nach der Deutschen Telekom geht, müssen sich Kunden bis 2018 auf IP-Telefonie einstellen und ihr analoges Telefon aufgeben – Symbolfoto: unsplash/pixabay CC0

Das Aus für das analoge Festnetz sei für die Deutsche Telekom beschlossene Sache, berichtet die Geschäftsstelle in Minden der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW). Eigentlich sollte es schon bis 2016 kommen – nun will der Telekommunikationsriese bis 2018 dafür sorgen, dass sämtliche Kunden nur noch online telefonieren.

“Voice over IP” (s. Wikipedia) über DECT-fähige Telefone oder WLAN gibt es schon lange und wird aus Kostengründen gern genutzt. Die IP-Telefonie soll aber auch die Sprachqualität und Datenübertragung beim Telefonieren und Onlinesurfen verbessern im Vergleich zum analogen Telefon. Man hat also bisher die Wahl zwischen analog und digital. Doch die Deutsche Telekom will durchsetzen, dass das analoge Festnetz gänzlich abgeschaltet und nur noch übers Internet telefoniert wird.

Insbesondere älteren Menschen bzw. die, die mit dem World Wide Web nicht viel am Hut haben, bliebe dann keine Alternative. Zudem würden viele Kunden nicht richtig mitgenommen auf dem Weg in die digitale Zukunft oder blieben mit ihrer Unkenntnis auf der Strecke. „Kunden, die eigentlich von der digitalen Umstellung auf IP-Telefonie profitieren sollen, berichten von dürftigen Informationen, unerwarteten Zusatzkosten und massiven technischen Störungen nach dem Technologiewechsel der Telekom“, zählen Mitarbeiter der Verbraucherzentrale NRW einige Probleme auf.

Was Telefonkunden bei der geplanten Umstellung vom analogen Festnetz auf die digitale Internettelefonie wissen und beachten sollten, wird anhand folgender Punkte von der Verbraucherzentrale NRW erklärt:

Betroffene Telefonkunden

Sämtliche Kunden, die bislang einen analogen oder einen ISDN-Anschluss nutzen und einen DSL-Anschluss für ihren Zugang zum Internet hinzugebucht haben, müssen innerhalb der nächsten drei Jahre mit dem “Umswitchen” ihres Festnetzanschlusses auf Internettechnik rechnen. Bei Kunden ohne Internetzugang vollzieht die Telekom den Technologiewechsel automatisch und somit meist unbemerkt. Kunden mit Internetanschluss werden hingegen vom Telefonanbieter über die geplante Umstellung und die damit verbundene Vertragsänderung informiert.

Uneinheitliche Umstellungspraxis

Viele Kunden fühlen sich jedoch von der Ankündigung der Telekom überrumpelt. Häufig melden sich deren Mitarbeiter Monate vor Ablauf des bisherigen Vertrags schriftlich oder persönlich am Telefon bei den Kunden oder stehen unangemeldet vor der Tür, um sie über die technischen und vertraglichen Änderungen zu informieren und zu einem raschen Vertragswechsel zu bewegen. Kunden, denen die Umstellung ihres Anschlusses auf IP-Technik ins Haus steht, sollten dem Wechsel jedoch nicht vorschnell zustimmen, sondern sich zuvor informieren, was an Neuerungen, Kosten, neuen Endgeräten, aber auch an möglichen Umstellungsproblemen auf sie zukommen kann.

Vertrag für IP-Telefonie in der Warteschleife

Der bisherige Vertrag mit der Telekom gilt auf alle Fälle bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit und kann nicht zugunsten der Einführung der IP-Telefonie vorzeitig vom Unternehmen gekündigt werden. Fürs künftige Telefonieren und Surfen per IP-Technik muss dann ein neuer Vertrag geschlossen werden. Kunden sollten die geänderten Bedingungen – etwa Zusatzkosten für neue Endgeräte, teuere Tarife für schnellere Datenübertragung, die Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist – zuvor gründlich prüfen und mit Angeboten anderer Telekommunikationsanbieter vergleichen. Einige Konkurrenzunternehmen locken Neukunden zudem mit Rabatten.

Mögliche Extrakosten

Kunden ohne Internetanschluss müssen nicht mit Extrakosten rechnen. Wer jedoch zu Hause online unterwegs ist, benötigt fürs neue Telefonieren unter Umständen einen neuen Router, der die IP-Telefonie ermöglicht. Diese Zusatzhilfe müssen Kunden jedoch meist aus eigener Tasche zahlen.

Stockender Service

Der Technologiewechsel verläuft nicht immer reibungslos. Viele Kunden stehen anschließend auf der lahmen Leitung und haben mit technischen Störungen und Gesprächsausfällen zu kämpfen. Kunden sollten technische Probleme mit dem IP-Anschluss unverzüglich der Telekom melden mit der dringenden Aufforderung, die Störung zu beseitigen.

Problem Hausnotrufsysteme

Der IP-Anschluss funktioniert nur, wenn er unter Strom steht. Bei einem Stromausfall kann das Telefon nicht genutzt werden. Aber auch installierte Hausnotruf- oder Alarmsysteme versagen ohne Stromversorgung ihren Dienst. Kunden, die ein Hausnotruf- oder Alarmsystem nutzen, sollten sich rechtzeitig erkundigen, ob ihre Geräte die technische Umstellung mitmachen und wie sie bei einem Stromausfall trotzdem einen Notruf absetzen können.

Verbraucherzentrale NRW bietet Beratung an

Rechtlichen Rat zur Umstellung auf IP-Telefonie bietet die örtliche Beratungsstelle Minden, Portastr. 9, 32423 Minden (Google Maps) der Verbraucherzentrale NRW an wie auch alle Beratungsstellen in Nordrhein-Westfalen.

Passende Auskunft erhalten Ratsuchende auch am Verbrauchertelefon NRW, und zwar montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 0900 1 89 79 69 für 1,86 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz (Mobilfunkpreise können variieren).


Die Deutsche Telekom räumte gegenüber dem Nachrichtenmagazin “Focus” ein, dass es in fünf Prozent der Fälle Probleme gebe, so Verivox in einem Bericht vom 19. Oktober. Laut Verbraucherzentrale Bayern sei die wahre Zahl jedoch viel höher: Unter rund 2000 gesammelten Beschwerden sei in jedem vierten Fall die Telefonleitung mindestens eine Woche tot gewesen. Wie störanfällig IP-Telefonate wirklich seien, zeigt Focus Online in einem aktuellen Bericht auf.

Quelle: Verbraucherzentrale NRW, Verivox.de, Focus.de


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