Der “Sheriff” von Rodenbeck

Interview mit Guido Niemeyer, Quartiersmanager in Minden-Rodenbeck

Guido Niemeyer - Fotos: onm
Quartiermanager Guido Niemeyer hilft Rodenbeckern, Projekte zu verwirklichen – Fotos: onm

Sie wohnen in Minden-Rodenbeck und wollen einen privaten Flohmarkt unter Nachbarn aufziehen, wissen aber nicht wie? Ihr Sprössling gleitet Ihnen aus den Händen und Sie wissen nicht weiter? Sie planen ein soziales Projekt, finden aber nicht den richtigen Ansprechpartner?

Dann wenden Sie sich doch an Guido Niemeyer im Stadtteilbüro Rodenbeck. Der Netzwerker, gelernte Tischler, Sozialarbeiter und Sozialpädagoge kann Ihnen garantiert die richtige Anlaufstelle vermitteln.

“Ich komme!”

“Hallo Herr Niemeyer.”

“Hallo, tut mir leid, ich bin etwas zu spät. Ich komme gerade von einem Termin.”

“Macht nichts, kein Problem.”

“Jetzt brauche ich nur noch meinen Schlüssel, dann können wir auch reingehen. Ach, da ist er ja.”

“Ich dachte, das wäre ein gesondertes Gebäude, aber es handelt sich ja um einen normalen Wohnblock, wo Sie Ihr Büro drin haben.”

“Ja, ist das nicht klasse? Das ist eine ganz normale Wohnung. Eigentlich ein Treffpunkt des hexenHAUS – Perspektiven für Frauen. Hier habe ich mein Büro drin.”

Donnerstag, 4. September 2014, 15 Uhr. Herr Guido Niemeyer, seit Mai dieses Jahres sog. “Quartiermanager” von Minden-Rodenbeck, hat sich Zeit für ein Interview mit OctoberNews genommen, um ihn und seine Arbeit kennenlernen zu dürfen.

Er ist zwar seit zwei Jahren für die Stadt und Schulen in Minden als Sozialarbeiter tätig und wurde beim 9. Rodenbecker Herbstmarkt von Ortsvorsteher Bernd Müller den Rodenbecker Bürgern offiziell vorgestellt. Doch OctoberNews wollte wissen, wer wirklich hinter dem Mann und seiner Arbeit steckt, der ein soziales Pilot-Projekt in Rodenbeck gestartet hat, was wegweisend für alle Stadtteile Mindens werden soll. Schließlich will “Guido” möglichst viele Menschen zusammenbringen.

Zuerst einmal steht einem ein 42-jähriger Mann in legerem Outfit mit langem dunklem Haar, zum Zopf gebunden, gegenüber mit markantem Schnauzer rund um Kinn und Oberlippe. Ein typischer Sozialarbeiter eben, würde man denken, wenn man ihm auf der Straße begegnet. Das oder so ähnlich hat die Stadt Minden auch gedacht und ihn kurzerhand für drei Jahre zum Quartiermanager ernannt.

Wie genau es dazu kam, was ein Quartiermanager macht und wer dieser Guido Niemeyer eigentlich ist, das erfahren Sie in unserem

Interview mit Guido Niemeyer, dem “Sheriff” von Rodenbeck:

Foto ...
“Guido” lädt zum Gespräch auf dem Balkon ein

ON: Herr Niemeyer, herzlichen Dank für Ihre Zeit. Können wir anfangen?

Guido Niemeyer: “Ja gern. Wollen wir uns auf den Balkon setzen? Wir können auch grillen. Erst neulich haben die Frauen vom hexenHAUS mich dazu eingeladen, mit ihnen gemeinsam einen Grillnachmittag zu veranstalten. Möchten Sie einen Kaffee?”

ON: Kaffee ist immer gut, vielen Dank. Grillen brauchen wir jetzt nicht, danke, aber gern setzen wir uns auf den Balkon, ist ja herrliches Wetter.

Nach kurzer Stuhl- und Tisch-Räumaktion und Kaffeeübergabe konnte es auch schon losgehen. Rauchen ist auf dem Balkon erlaubt – ohne schiefen Blick, ohne Anmerkung.

Guido Niemeyer: “Ich war selbst jahrelang Raucher, habe es aber aufgegeben.”

ON: Sehr lobenswert, Herr Niemeyer. Fangen wir an mit Ihrer

Biografie

ON: Herr Niemeyer, welchen Beruf haben Sie ursprünglich erlernt?

Guido Niemeyer: Tischler. Habe ich nicht lange ausgeübt, weil ich frühzeitig Rückenprobleme bekam. Kommt aber gut an bei den Jugendlichen – gerade Jungs sind ansprechbarer, wenn man selbst aktiv wird und mit denen was auf die Beine stellen kann. Das sieht man gern, ist halt was anderes als nur diese psychologischen Gespräche zu führen.”

Auf die Frage nach dem Schulabschluss hat Herr Niemeyer gleich wie ein Wasserfall angefangen zu reden. Er redet eben gern und viel, verriet er.

Guido Niemeyer: Realschulabschluss und Fachabitur. Studiert habe ich an der Fachhochschule Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Dort habe ich gleich zwei Diplome gemacht, wahnsinnig, wie man damals war: Dipl.-Sozialpädagoge FH und Dipl.-Sozialarbeiter FH.”

ON: Sind Sie in Minden geboren?

Guido Niemeyer: “Ja, aber die ersten sieben Jahre lebte meine Familie noch in Südhemmern. Aber nach dem zweiten Schuljahr bin ich mit meinen Eltern nach Häverstädt an der Grenze zu Bölhorst umgezogen und dort aufgewachsen. Seit rund 21 Jahren wohne ich in einem Mietshaus am Rande der Innenstadt Mindens.”

ON: Warum wohnen Sie nicht in Rodenbeck oder Bärenkämpen? Die beiden Mindener Stadtteile werden ja als “soziale Brennpunkte” bezeichnet.

Guido Niemeyer: “Das hat sich so ergeben. Ich bin ein beständiger Mensch. Also wenn ich mich einmal irgendwo niedergelassen habe …”

ON: Verraten Sie uns Ihr genaues Geburtsdatum?

Guido Niemeyer zögerte ein wenig und verriet lediglich, dass er von Sternzeichen Schütze ist.

ON: Was war Ihr Traumberuf in Ihrer Kindheit bzw. Jugend?

Guido Niemeyer: “Zum Abschluss meiner Regelschulzeit: Arbeitslos. Ich war ja damals anti eingestellt. Ansonsten Schauspieler. Ich war ja in so einer Schüler-Theater-AG.”

ON: Im Internet findet sich noch ein Beitrag vom 20. Dezember 2006, wo Sie als Maulwurf verkleidet protestieren. Haben wir da richtig recherchiert?

Guido Niemeyer: “Ja. Manni, der Maulwurf, mein alter Ego, hat dort an einer Podiumsdiskussion teilgenommen. Das war an der Fachhochschule Bielefeld. Als man damals die Studiengebühren einführen wollte, war ich Vorsitzender des AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss). Wenn sich dann 600 Studierende gemeinsam mit dem AStA in den Senatssitzungen dafür einsetzen, die Satzung zu ändern, die sich damals als nicht rechtskonform herausstellte, zeigt das schon Wirkung. Da musste die Fachhochschule viel Geld zurückbezahlen. Die Blinden-Binde um den Arm von Manni war ein Symbol für den nicht vorhandenen Weitblick der damals schwarz-gelben Landesregierung. Mein Reden könnte man also auch als ‘diskussionsstark’ bezeichnen.”

Charakter

ON: Vielen Dank für Ihre Offenheit, Herr Niemeyer. Nun möchten wir gern ein paar Charaktereigenschaften abfragen. Sind Sie im Allgemeinen sozial veranlagt?

Guido Niemeyer: “Ja. Wir waren eine große Familie. Unser Vater war immer stolz auf seine Kinder, hat uns immer alle überall mit hingenommen. Meine Mutter war Krankenschwester und kam aus Holland, Krankenschwester für Neurologie und Psychiatrie. Daher kannte ich schon in frühen Jahren den Unterschied zwischen Neurose und Psychose. Meine soziale Einstellung kommt also von den Eltern. Es wird einem ja immer während der Kindheit in der Familie vorgelebt.”

ON: Und Sie haben anscheinend ein schauspielerisches Talent.

Guido Niemeyer: “Ja. Weil ich irgendwann später erkannt habe, dass ich meine Worte auch einsetzen kann, habe ich ab 2010 in einer Kabarettgruppe mitgespielt. Jetzt nicht mehr. Dann habe ich mit vier Freunden noch ein Jahr ein eigenes Kabarett kreiert. Ich habe dort auch gesungen. Das war ein schönes Jahr, hat Spaß gemacht.”

Guido würde gern Akustikgitarre spielen lernen
“Guido” würde gern Akustikgitarre spielen lernen

ON: Spielen Sie Instrumente?

Guido Niemeyer: “Nein, das ist aber eins von den Dingen, die ich bedaure, versäumt zu haben, was ich noch nachholen will. Ich habe ja eine Akustik-Gitarre, aber da muss ich noch viel lernen und üben, braucht man ja auch die Zeit dazu. Aber ich habe ja auf der Bühne gesungen und höre gern Musik. Erst neulich war ich bei dem Festival ‘Weserlieder’ dabei und habe an der Coctail-Theke gestanden. Ich kenne ja den 2. Vorsitzenden Andreas Schöneberg und die anderen Mitmachenden schon sehr lange, wir verstehen uns gut.”

Jetzt entstand eine kleine Debatte zu dem Weserstrand in Minden, zu der Herr Niemeyer äußerte, dass dieser von einem Schausteller betrieben wird, und über die Müllwegräumaktion nach Vatertag, zu der Andreas Schöneberg aufgerufen hatte und in einer spontanen freiwilligen Aktion (weil die Stadtreinigung nicht so schnell wäre) mit Helfern durchführte. Hier wollen wir nicht weiter vertiefen, weil es schon heiße Diskussionen darum gab.

ON: Üben Sie privat Hobbys aus oder haben sonstige Interessen?

Nach kurzem Überlegen antwortete Guido Niemeyer: “Ich sammle alte Zweiräder mit Motor. 20 Stück davon habe ich in einer Garage zu stehen. Ich habe in meiner Jugend schon damit angefangen, Mopeds von meinen Freunden aufzukaufen. Die sind also alle im Originalzustand, so wie sie damals gefahren wurden.”

(In einem späteren Gespräch verriet er, dass er auch Fahrräder sammle und soundso einen “Sammeltick” hätte.)

ON: Erlauben Sie uns eine kritische Frage, Herr Niemeyer. Kann man Ihren Worten Glauben schenken bzw. Ihnen vertrauen, da Sie doch ein schauspielerisches Talent aufweisen? Wenn ja, warum?

Guido Niemeyer: “Ja, da ich recht authentisch bin. Wenn ich Leute mag, dann merken die das. Wer mir auf die Nerven geht, dem sage ich das. Ich setze auch Grenzen auf. Ich bin dafür, dass man Dinge auf Augenhöhe bespricht. Außerdem stehe ich auf Loyalität. Ich mag kein Lästern, sondern das Geradeaus. Ich bin auch kein Mitläufer.”

ON: Man findet so gut wie keine persönlichen Informationen über Sie im Internet. Wie kommt das?

Guido Niemeyer: “Ich habe das Buch ‘1984’ von George Orwell gelesen. Ein großartiges Buch. Es beschreibt den Überwachungsstaat, dass wir zu gläsernen Bürgern werden. Ich bewahre mir ein gewisses Maß an Privatsphäre, das stammt noch aus der Zeit, in der ich mich intensiver mit rechtsextremen Bestrebungen und ihren Akteuren auseinandergesetzt habe. Das Buch kann ich jedem empfehlen, gerade in der heutigen Zeit von Facebook und Co.”

ON: Nun haben wir schon einiges über Sie erfahren, Herr Niemeyer. Doch was macht Sie ganz persönlich aus? Bitte nennen Sie uns maximal fünf Eigenschaften.

Guido Niemeyer: “Kommunikativ. Aufgeschlossen. Loyalität (ich lasse niemanden im Regen stehen)! Ich beziehe Position, sowohl politisch, im Leben als auch gegen abwertendes Gequatsche.”

ON: Welche Musikrichtung hören Sie am liebsten? Haben Sie eine Lieblingsband?

Guido Niemeyer: “Ich höre alles, was mich musikalisch und textlich anspricht. Musik, die es schafft, mich zu berühren – ob Punkrock, Metal, Hardcore, Reggae oder Johnny Cash. Von Sophie Hunger, eine Sängerin aus der Schweiz, höre ich mir schon mal ganze Kassetten an beim Autofahren. Ansonsten bin ich gerne mal im “Papagei” in Minden. Der Laden bietet eine Menge Freiraum für junge Leute und bietet jeden zweiten Donnerstag eine offene Bühne, wo sich jeder Musiker präsentieren kann. Außerdem sind die auch sonst sehr engagiert unterwegs für Jugendliche. Es existiert im Übrigen eine Schallplatte von “Wevie Stonder” aus dem Jahr 1998, auf der meine Gaststimme zu hören ist. 

Früher war ich ja viel im “FKK” (Freie Kunst und Kultur) in Minden zu Besuch, ein überregional bekannter Musikclub, wo auch bekannte Livebands gespielt haben. Das FKK musste leider zum Jahresende 1999 schließen. Im Erdgeschoss ist immer noch der Verein Fach-Werk untergebracht. Da ich damals im FKK immer derjenige war, der von sich aus Streitigkeiten unter den Besuchern mit geschlichtet hat, bekam ich irgendwann auf einem Musikfestival dort einen Mitarbeiterausweis um den Hals mit der Aufschrift SHERIFF.”

— An dieser Stelle machen wir mal einen kurzen Boxenstopp, weil diese Geschichte einfach zu gut ist, um im Nirvana zu verschwinden. Aufgrund dessen ist unser Titel entstanden: Der “Sheriff” von Rodenbeck. Passender kann man diesen Mann doch nicht beschreiben, oder?! —

ON: Spaß beiseite. Wovor fürchten Sie sich im Allgemeinen?

Guido Niemeyer: “Da meine Familie an erster Stelle steht und ich bereits Verluste erlebt habe, wohl vor Letztgenanntem.”

ON: Und worüber können Sie sich am meisten freuen?

Guido Niemeyer: Über eine positive Entwicklung, Wohlfühlmomente, privat wie beruflich, wenn sich Dinge entwickeln. So ein Wohlfühlmoment war zum Beispiel, als die ‘Weserlieder’ vorbei waren und man sich zufrieden im Backstage-Bereich gemeinsam zurücklehnte und den Tag Revue passieren ließ, während ein paar Leute die Gitarre und ihre Stimmen erklingen ließen. Und wenn Menschen sich solidarisch verhalten!”

ON: Woran erkennt man solidarisches Verhalten?

Guido Niemeyer: “Mein Tischler-Kollege Peter – Spätaussiedler mit etwas sprachlichem Manko – hatte damals unseren Chef als recht ungerecht erlebt und sein Verhalten nicht offen kritisieren können. Daraufhin haben die Kollegen ein Schachbrett fertiggestellt, zusammengeleimt, auf meine Werkbank gelegt und in der nächsten Zigarettenpause gesagt: ‘Wenn der Chef fragt, was du gemacht hast, weißt du, was du gemacht hast.’ Sie hatten untereinander bemerkt: Den Langhaarigen kannst du immer fragen, der antwortet dir vernünftig. Der Chef dort leider nicht!’ Es geht nicht darum, dass quergeschossen wird, dieser Kollege hat sich solidarisch gezeigt. Das ist gut funktionierende Kooperation.”

Aktuelle Tätigkeit

ON: Vielen Dank, Herr Niemeyer. Jetzt kann man sich schon ein ungefähres Bild von Ihrer Persönlichkeit machen. Kommen wir nun zu Ihrer aktuellen Tätigkeit als „Sheriff“ – nein, nein, natürlich als Stadtteilmanager bzw. Quartiersmanager in Minden-Rodenbeck, was Sie seit Mai dieses Jahres ausüben. Wie lautet eigentlich Ihre offizielle Bezeichnung?

Guido Niemeyer: Quartiermanager. Ohne “s”. Nicht Stadtteilmanager. Denn ein Quartier ist ein Teil eines Stadtteils.”

ON: Sie sind ja bei der Stadt Minden angestellt.

Guido Niemeyer: “Das war ein mutiger Schritt von der Stadt. So ganz ohne Fördertopf. Da etliche Schulsozialarbeiter, darunter ich, aus Kostengründen von den Schulen hätten entlassen werden müssen, entschied die Stadt Minden kurzerhand, die Stellen in der Schulsozialarbeit zu entfristen. Ich hatte mich da allerdings schon für diese Stelle hier beworben und sie dann auch angetreten. Rodenbeck wurde ausgesucht, weil dort eine besonders starke soziale Struktur bereits vorhanden ist. Nun soll ein festes Fundament gebaut werden, was schließlich als beispielhaftes Vorbild für andere Stadtteile Mindens dienen soll. Und dazu haben sie mich ausgewählt. Ich bin ja für drei Jahre fest eingeplant.”

ON: Wer ist denn Ihr Vorgesetzter?

Guido Niemeyer: “Mein oberster Chef ist Michael Buhre, also der aktuelle Bürgermeister von Minden, mein direkter Vorgesetzter. Achim Hermening leitet den Bereich Soziales bei der Stadtverwaltung. Er war auch derjenige, der mich auf den Beitrag in Ihren OctoberNews Sonntagsspaziergang durch Minden-Rodenbeck aufmerksam gemacht hat.”

An dieser Stelle senden wir herzliche Dankesgrüße an Achim Hermening!

Guido Niemeyer weiter: “Beide sind Mitglieder meines sog. “Steuerkreises“. Gemeinsam mit Vertretern aus Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und der Stadtverwaltung verfolgen sie alle den gleichen Weg: die Ressourcen von Minden-Rodenbeck auszuschöpfen und die Grundstruktur zu stärkenRodenbeck befindet sich ja im Aufbau.” 

Bürgermeister Michael Buhre war am Ort des Geschehens - Foto: onm
Bürgermeister Michael Buhre ist momentan der oberste Vorgesetzte von Guido Niemeyer.

ON: Gut zu wissen. Und was war der Auslöser, sich für das Projekt in Rodenbeck zu entscheiden?

Guido Niemeyer: “Der besondere Entwicklungsbedarf zur Stärkung des sozialen Miteinanders und die gleichzeitig vorhandene starke Angebotsstruktur, die man bekannter machen muss. Hier gibt es sehr viele klasse aktive Leute. Allerdings scheint bei einigen wenigen Zeitgenossen der Grundrespekt gegenüber den Mitmenschen verloren gegangen zu sein. Ich habe mich eine Zeit lang in Facebook-Kommentare eingemischt und diesen Leuten ein wenig den Wind aus den Segeln genommen. So wie Sie mit Ihrem Beitrag über die Iren.”

ON: Dankeschön. Nun erklären Sie uns doch bitte, was so ein “Quartiermanager” für eine Funktion hat.

Guido Niemeyer: “Ich stelle sozusagen das Zentrum für Beratung und Aktivierung von Bürgern in allen sozialen Fragen dar. Wenn zum Beispiel jemand einen privaten Flohmarkt aufziehen will, wenn jemand ein soziales Projekt plant, aber nicht weiß, wie man das durchführt usw., dann stehe ich als Netzwerker zur Verfügung. Man kann mich jederzeit kontaktieren.”

ON: Was heißt, als “Netzwerker”?

Guido Niemeyer: “Das heißt, ich vermittle Kontakte, Ideen, Räumlichkeiten, eben alles, was man braucht, um das Problem zu lösen bzw. das jeweilige Projekt umzusetzen. Ich versuche dann, auch Ehrenamtliche zu aktivieren und die schon vorhandenen Strukturen besser miteinander zu verzahnen und nach außen sichtbarer zu machen. Es stehen zahlreiche Akteure zur Verfügung in Minden-Rodenbeck (kurz: MiRo) für die Zukunft. Wir haben übrigens auch eine Homepage.” (Update: Homepage existiert nicht mehr)

ON: Ja, die haben wir schon gesehen, ist aber noch nicht besonders ansprechend.

Guido Niemeyer: „Ja, da muss noch einiges getan werden. Wir sind dabei. Bei Facebook findet man mich ja auch noch als Quartiermanager Minden-Rodenbeck.“

ON: Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen, Herr Niemeyer. Wir neigen uns nun dem Ende zu. Haben Sie selbst noch etwas hinzuzufügen?

Guido Niemeyer: Rodenbeck hat so viele Ressourcen! Nutzen wir sie und richten unseren Fokus darauf, anstatt zu sagen, ‘hier ist dieses und jenes so schlimm’. Rodenbeck hat gute Grundstrukturen!

Letztendlich haben wir es dem starken Engagement von meinem obersten Chef, Michael Buhre, zu verdanken, dass die Jugend- und Kinderarbeit gestärkt wird, das schreibe ich ihm persönlich zugute so wie die Festeinstellungen von Schulsozialarbeitern. Außerdem hat er das sehr flexible Arbeitszeiten-Modell für alle Mitarbeiter eingeführt, wahrscheinlich, weil er selbst vor seiner Amtszeit als städtischer Mitarbeiter vor dem Problem stand, neben seiner Arbeit auch für die Kinder da sein zu können, z. B. wenn sie krank sind und zum Arzt müssen. Natürlich müssen das Bürgerbüro und andere Bürgerdienste zu Kernzeiten einfach besetzt sein. Aber ich finde, das ist ein sehr arbeitnehmerfreundliches Konzept, was glaube ich in dieser Art wegweisend ist in deutschen Behörden. Ich zum Beispiel kann mir aussuchen, wann ich zwischen 7 Uhr morgens und 19 Uhr abends arbeiten will – Hauptsache, ich kriege meine Arbeit geregelt und meine Arbeitsstunden zusammen. So sind die öfter auch mal späten Termine natürlich viel besser zu regeln.”

ON: Wunderbar. Das war ein großartiges Gespräch mit Ihnen, Herr Niemeyer. Herzlichen Dank für Ihre Zeit! Wir wünschen Ihnen nunmehr viel Erfolg auf all Ihren Wegen, ob in beruflicher oder persönlicher Hinsicht. Und wir sind natürlich gespannt, wie sich der Mindener Stadtteil Rodenbeck mit Ihrer Hilfe entwickeln wird.

(In einem nachfolgenden Gespräch verriet uns Herr Niemeyer noch, dass in der Stadtverwaltung alte Stempeluhren durch eine elektronische Zeiterfassung und für die Außenstellen moderne Internettechnologie und Verschlüsselungstechnik ersetzt wurden. Es scheint sich um ein hochentwickeltes, ausgeklügeltes System zu handeln, deren Details wir hier nicht veröffentlichen, das wohl ebenfalls zu den modernsten in Deutschland zählt. Wir wussten gar nicht, wie fortschrittlich Minden ist. Jedenfalls wird dies leider nicht nach außen hin kommuniziert.)

Dieses Interview wurde sinngemäß wiedergegeben, entspricht also nicht genau dem Gesagten des Herrn Niemeyer. Einzelne Passagen wurden auf seinen Wunsch hin nachträglich entfernt und korrigiert. Eine Entnahme des o. g. Beitrages, auch nur in Teilen, und/oder Verwendung für eigene Zwecke / Veröffentlichung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion von OctoberNews erlaubt. Das Verlinken, Verbreiten u. Ä. über die unten eingebaute Social-Media-Leiste ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich gewünscht. ;o)

Liebe Rodenbecker, wenn Sie also irgendein soziales Problem haben, was Ihnen unlösbar erscheint, scheuen Sie sich nicht, sich an Ihren Quartiermanager zu wenden.

Und hier erreichen Sie Guido J. Niemeyer:

Stadtteilbüro Rodenbeck
Wilmersdorfer Weg 5
32429 Minden
Tel.: 0571 / 385 69 56
(bitte ggf. auf Anrufbeantworter sprechen, Hr. Niemeyer ruft zurück)

g.niemeyer@minden.de
www.minden.de


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