Der Mann, der zwischen Mindener Rat und PR jongliert

Interview mit Jürgen Schnake, ein Bürgermeisterkandidat für Minden

Jürgen Schnake - ein jonglierender Bürgermeisterkandidat für MInden - Foto: OctoberNews

Bürgermeisterkandidat Jürgen Schnake jongliert geschickt mit Mindener Bällen – Fotos: onm

„Moin, Herr Schnake. Ein wunderschönes altes Gebäude, in dem Sie wohnen, vor allem das Treppenhaus. So etwas sieht man nicht mehr oft.“

„Ja, finde ich auch. Kommen Sie doch herein.“

„Vielen Dank, vor allem herzlichen Dank für Ihre Einladung. Ich habe frische Brötchen mitgebracht, wie gewünscht.“

„Und ich habe den Kaffee.“

„Wunderbar. Warten wir doch, bis er durchgelaufen ist, und dann kann es auch schon losgehen.“

Donnerstag, der 12. Dezember 2013, 11 Uhr. Herr Jürgen Schnake, ein heißer – und bisher wohl einziger – Kandidat für das Bürgermeisteramt in Minden, hat sich die Zeit für ein Exklusivinterview mit OctoberNews genommen, um ihn mal ganz privat kennenlernen zu dürfen.

Denn er ist zwar auf vielen Ratssitzungen präsent, spricht des Öfteren in Live-Chats und berichtet sehr umfangreich über Social Media Portale wie Twitter, Google Plus und Facebook. Doch OctoberNews wollte wissen, wer wirklich hinter diesem „unfassbaren“ Kandidaten steckt, der schließlich einmal das Sprachrohr der Bürger von Minden sein möchte.

Zuerst einmal steht einem ein 44-jähriger Mann (der auf ca. 30 J. geschätzt werden kann) in legerem Outfit gegenüber mit Drei-Tage-Bart und frisch frisiertem Kurzhaarschnitt – ein „Normalo in zivil“ eben, an dem man in der Bäckerstraße in Minden einfach dran vorbeilaufen würde bzw. es wahrscheinlich schon getan hat.

Herr Schnake ist am 5. Januar 1970 in Bünde geboren, mit fünf Geschwistern auf einem Bauernhof in Schnathorst aufgewachsen und hat bereits sehr früh seine Liebe zu der Weserstadt Minden (NRW) entdeckt. Geile Stadt! Hat genau die richtige Größe. In wenigen Minuten erreicht man die Innenstadt, den Fluss und kann eine Glacier-Runde machen. Ich bin kein Großstädter, und ich wandere gern, z. B. spontan zum Kaiser Wilhelm. Es dauert nur ein halbes Jahr, um alle interessanten Menschen kennenzulernen. Minden ist meine Heimat geworden.“

Seit Ende 2008 wohnt Schnake nun schon in Wohngemeinschaften (kurz WGs); zunächst in einer 6er-WG, aus der die aktuelle mit drei Personen hervorgegangen ist. Die Wohnung an sich liegt in einem historischen Altbau nahe der Mindener Innenstadt und verfügt über hohe Wände, zahlreiche Räume, wo sich unter anderem auch sein „Arbeitszimmer“ befindet, bestehend aus Laptop, Fitnessgeräten, Bett mit Blick auf typische Mindener Hinterhöfe. Vor allem vom Balkon aus hat man einen weitreichenden Blick zum Dom und darüber hinaus, wenn das Wetter mitspielt. „Was zunächst als Übergangslösung gedacht war, hat sich schnell als ideale Wohnform herausgestellt: Man ist nie wirklich allein, Aufgaben, aber z. B. auch Partys, können geteilt werden.“




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Jürgen Schnake studierte einst Psychologie an der Universität Bielefeld, wobei er recht früh seinen Hang zum Verkaufstalent erkannte. So schlug er den Weg in die PR- und Verkaufsberatung ein, zunächst als Nebenjob zur Finanzierung des Studiums, dann bis hin zum „eigenen Chef sein“. So berät er zurzeit auf freiberuflicher Basis Firmen jeglicher Art auf Dienstleistungsbasis.

Bevor wir zum eigentlichen Fragebogen kamen, fing Herr Schnake an, sich ausführlich über seinen jetzigen „Widersacher“ zu mokieren, den seit 2004 amtierenden Bürgermeister Michael Buhre (SPD). Aber das steht jetzt hier nicht zur Debatte, wir wollen Jürgen Schnake ganz privat kennenlernen:

ON: Herr Schnake, da Sie in der PR-Branche tätig sind und so eine auffällige Webseite haben, haben Sie diese auch selbst erstellt und mit Inhalten versehen?

Jürgen Schnake: Nein, die Webseite hat ein anderer für mich gemacht, aber die Texte sind von mir. Die Idee, die dahintersteht, war, dass ich einen Internetauftritt haben wollte, der zeigt, dass ein „echter Mensch dahintersteht“, was in dem heutigen Internetzeitalter ja nicht alltäglich ist. Und das war eine echte Herausforderung.

Und weiter holt Herr Schnake aus: „Man schaue sich nur das neue Fotografie-Verbot im Mindener Rat an, die Öffentlichkeit darf keine Fotos mehr von öffentlichen Sitzungen machen, auch nicht die Presse. Was haben die nun davon? Anstatt den Bürgern jetzt Fotos von den einzelnen Ratsmitgliedern und deren Veranstaltungen zu zeigen, müssen diese jetzt textlich umschrieben werden, um sich ein ‚Bild’ machen zu können. Ein Bild ist nur objektiv, Text hingegen kann viel mehr als ein Bild sagen, mit Text muss die Person und die Situation genauestens umschrieben werden. Was heißt, dass hier viel mehr ausgeholt werden kann, als wenn man nur das Bild zeigt. Und schreiben kann ich, aussagekräftige Texte.“

ON: Kommen wir zu Ihren persönlichen Interessen, Herr Schnake, die Sie in Ihrem Profil auf der Businessplattform XING aufgezählt haben.

Astronomie:

„Ich bin Hobby-Astronom und habe sogar Geld draus gemacht; ein Talent, das ich gerne Minden zur Verfügung stellen möchte, aber dazu später vielleicht mehr.“

Auf die Frage nach dem Geburtsdatum hin (s. o.) bat er darum, zu raten, was sein Sternzeichen sei. Als ON mit „Schütze“ antwortete, holt Herr Schnake richtig aus: „Oh, woher wissen Sie das? Das ist mein Lieblingspunkt. Nach heutigem Horoskop bin ja angeblich Steinbock. Heutige Horoskope benutzen jedoch Daten von vor rd. 4.000 Jahren, als die Sternbilder entwickelt wurden. Damals wäre ich tatsächlich Steinbock gewesen. Durch die Präzision der Erdachse ist das aber längst nicht mehr der Fall. An meinem Geburtstag stand die Sonne ziemlich genau in der Mitte des Schützen. Außerdem gibt es noch ein 13. Sternzeichen, den Schlangenträger.“

Philosophie:

Auf die Frage nach seinem Lieblingsphilosophen kam wie aus der Pistole geschossen die Antwort „Schopenhauer“. Arthur und Adorno teilen sich ja auf dem Frankfurter Hauptfriedhof gemeinsam ein Grab mit einer schlichten Grabsteinplatte, wo nur der Name Arthur Schopenhauer eingemeißelt ist. So heißt es unter anderem, dass im „Jammertal“ des Diesseits Schopenhauer den Tod für besser als das Leben hält. Herr Schnake hatte das Grab von Schopenhauer einmal besucht und hat sich damit einen lang gehegten Wunsch erfüllt.

Hände waschen:

„Hände waschen ist eines der einfachsten und effizientesten Mittel gegen Grippeviren. Lieber 20 Sekunden Hände waschen als eine Grippe bekommen. Das ist ein sehr gutes Beispiel im Sinne von Aufwand und Effizienz.“ Er zeigt seine leicht ausgetrockneten Handflächen. „Das ist es, was ich als Bürgermeister für den Bürger tun könnte: Mit geringen Mitteln das Größtmöglichste herausholen. Das habe ich gelernt.“ Und er erklärt weiter, über welche Flächen, wie z. B. Klinken, Tastatur, fremde Toiletten usw., sich Viren verbreiten können. „Ein interessanter Spruch auf einem vergilbten Stück Papier hängt übrigens in der Herrentoilette im Rathaus“:

Foto: Jürgen Schnake

Ein unansehnlicher Hinweis für die (Rats-) Herren der Schöpfung. Foto: Jürgen Schnake

„Außerdem habe ich vor langer Zeit ein Verfahren gefunden, wie man Schnürsenkel so bindet, dass sie nicht aufgehen können, aber trotzdem leicht zu binden und zu öffnen sind. Und das mache ich seit ca. 20 Jahren so und hat immer funktioniert.“ Und diesen Trick zeigt Herr Schnake uns in einem Video:

Didgeridoo spielen:

Eine kurze Bitte reicht, Herr Schnake holt sein Didgeridoo heraus und spielt es kurz an. „Ich habe erst vor Kurzem damit angefangen.“ Auf die Frage nach dem Warum antwortet er: „Raten Sie mal.“

ON: Um die Lippen zu trainieren? Um besser küssen zu können?

Jürgen Schnake: „Nein. Da kommen Sie nie drauf. Mir hat man einmal gesagt, dass das angeblich gegen Schnarchen hilft. Hat aber leider nichts gebracht.“ Und er schmunzelt verlegen.

5-Ball-Jonglage:

„Soll ich das auch vormachen?“ „Aber bitte!“ Er entführt OctoberNews in das gemeinschaftliche, geschmackvoll eingerichtete große Wohnzimmer mit einem riesigen Bildschirm an der Wand und jongliert gekonnt mit 5 Bällen wie ein Profi. „Das ist ein sehr gutes Bewegungstraining, Koordinationstraining, auch im Sitzen.“

„Vielen Dank Herr Schnake, das war eine beeindruckende Vorführung.“

Wir gehen zurück in die relativ kleine, einfach eingerichtete Küche, wo das Interview begann, an einem schmalen einfachen Bartisch mit Barhockern. Herr Schnake schmierte zwischendurch die mitgebrachten Brötchen, seine am liebsten mit Butter anstatt Margarine, und kochte einen leckeren Kaffee. Der Kühlschrank zeigt typische WG-Inhalte auf wie Bier, Bier, ältere Margarine, Brotbelag, Bier. Eine Bierkasse steht extra bereit „für das tägliche Nahrungsmittel, meine Sünde. Lassen Sie das bloß weg in Ihrem Interview, das könnte vielleicht einen falschen Eindruck erwecken.“ Natürlich … nicht <smiiiile>, wie nachfolgendes WG-Bild direkt nach Einbau des Kühlschranks zeigt:

Foto: Namira McLeod

Erste „Pflicht“-Befüllung des WG-Kühlschranks nach Einbau. Foto: Jürgen Schnake

Jeder Mensch hat seine Sünden, es sei ihm gegönnt. Außerdem erweckt Herr Schnake nicht den Eindruck, dass er davon abhängig wäre, dazu kommt er viel zu sportlich daher.

ON: Herr Schnake, nachdem wir dieses Interview locker angingen, kommen wir jetzt zum Eingemachten.

Jürgen Schnake: „Aber gern.“

ON: Gut. Herr Schnake, was macht Sie nun ganz persönlich aus? Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Jürgen Schnake: „Relativ humorvoll, ich mag Komödien, was zum Schmunzeln, dem man etwas Lustiges abgewinnen kann, ich bin kreativ im Sinne von Finanzen regeln, Wirtschaft ankurbeln.“

ON: Wie eingerichtet leben Sie am liebsten privat? Also jetzt abgesehen von dieser Wohnung, wie würden Sie am liebsten wohnen?

Jürgen Schnake: „Ruhig. Also ich brauche ein ruhiges Umfeld. Minimalistisch. Also ich brauche nicht viel zum Leben. Ich bin ein einfacher Mensch. Ich habe zum Beispiel auch kein Problem damit, ein Lebensmittel, was mir gerade auf den Boden gefallen ist, wieder aufzuheben und zu essen.“

ON: Und welche Musikrichtung hören Sie am liebsten?

Jürgen Schnake: „Rock. Metallica.“

ON: Aber Metallica ist Metal.

Jürgen Schnake: „Ja, Hardrock, Metal. Außerdem Iron Maiden und auch … da kommen Sie nie drauf.“

ON: Heino.

Jürgen Schnake: „Richtig! Die letzte Heino-Platte ist doch genial. Außerdem La Roux / Bulletproof. Vor Kurzem habe ich Alanis Morissette gehört. Fred Timm / Monsters of Liedermaching. Wenn’s nicht ganz so rockig sein soll, greife ich übrigens auch immer gern mal wieder auf meine CDs von Melissa Etheridge zurück. Außerdem höre ich gern den Radio Bob.“

ON: Und wovor fürchten Sie sich, haben Sie richtig Angst?

Jürgen Schnake: „Vor großen Spinnen, Taranteln. Einer der Mitbewohner möchte sich ja demnächst eine anschaffen, ich weiß nicht, ob ich das gutheißen kann. Zu viel Zeit verschwendet zu haben im Leben, mindestens 82 Jahre nicht zu erreichen.“

Ein unerwünschtes Insekt im Hause Schnake - Foto: Namira McLeod

So ein lebendes Netzwerk wäre im Hause Schnake unerwünscht – Foto: onm

ON: Okay. Und worüber würden Sie sich am meisten freuen?

Jürgen Schnake: „Über die Erreichung des eben erwähnten Ziels! Ansonsten sind meine Ansprüche minimalistisch. Ich bin grundlos glücklich.“

ON: Wunderbar. Und wie kamen Sie auf die Idee „Bürgermeister mit Rückgaberecht“? Das ist ja doch was Neues, Kreatives, sehr auffällig.

Jürgen Schnake: „Ich möchte den Leuten ein Vorbild, ein gutes Beispiel sein. Und nicht wie Herr Wulff am Ende seiner Amtszeit am Sessel klebte (als 10. Bundespräsident der BRD). Oder man schaue sich den Bürgermeister von Duisburg an, Adolf Sauerland, Loveparade, wie er mit dem Unglück umgegangen ist. So möchte ich nicht sein. Außerdem unterstütze ich keine Vetternwirtschaft.“

ON: In Ordnung. Und was war der eigentliche Auslöser, Bürgermeister von Minden werden zu wollen?

Jürgen Schnake: „Ich war lange Zeit eher unpolitisch. Das Leben ist schon kompliziert genug, um sich in dieses Becken mit ‚Möchtegern-Haifischen‘ zu begeben. Allerdings sollte ich im Rahmen meiner Selbstständigkeit eine Gebühr (meiner Ansicht nach) doppelt bezahlen – was ich nicht eingesehen habe. Eine Beschwerde im Bürgerbüro (wo man mir sogar beipflichtete), brachte mich nicht weiter, und so machte ich meinem Ärger direkt beim Bürgermeister Luft. Dieser hielt mir dabei einen ca. 10-minütigen Monolog, in dem er einige für mich unglaubliche Sachen sagte. Danach dachte ich nur: Kein Wunder, dass die Stadt vor die Hunde geht. Das Amt könnte ja sogar ich besser ausfüllen. Und an dieser Überzeugung hat sich auch und vielleicht sogar gerade nach über drei Jahren Beobachtung von und Beschäftigung mit der Mindener Politik nichts geändert. Ganz im Gegenteil!“

ON: Vielen Dank. Herr Schnake, wir sind nun fast am Ende des Interviews angekommen. Haben Sie dem selbst noch etwas hinzuzufügen?

Jürgen Schnake: „Ja, das habe ich. Und das ist exklusiv für OctoberNews. Das gebe ich heute zum ersten Mal ganz offen preis, und das dürfen Sie auch genauso wiedergeben, wie ich es jetzt sage. Das dürfte eine heiße Diskussion auslösen.“

ZITAT von Jürgen Schnake – ON nennt es „Schnake macht ernst“:

Also ganz exklusiv für die OctoberNews. Zum ersten Mal ganz klar gesagt. Eine meiner Vorgehensweisen auf der Suche nach guten Ideen ist folgende. Ich sage häufig, dass ich überzeugt bin, dass die Mindener selbst sehr gute Ideen haben. Sagen im Rat auch viele. Aber scheinbar sind sie zu blöd, zu begreifen, wo sie gucken müssen. Ich lese seit Jahren sehr aufmerksam alle oder viele, viele Kommentare im MT.

ON: Aha, ja, ist eine sehr interessante Zeitung, ne?

Ob sie interessant ist, weiß ich nicht gerade, aber die Kommentare sind … also da gehen schon mal Verbalschlachten ab, und das ist eher selten, aber es kommt vor, dass einer im MT eine wirklich schöne Idee in einem Kommentar auspackt. Und ich bin dann so frei, mir diese Idee zu merken und für später schon mal abzuspeichern. Und eines der Ideen, auf die bin ich gar nicht gekommen, die stand in einem MT-Kommentar, ich könnte den glaube ich sogar noch raussuchen. Das Thema war die Stadt Monheim, die überschuldet war, die dann in einer mutigen Bewegung eben den Gewerbesteuerhebesatz gesenkt hat, damit radikal die Industrie angelockt hat, und heute zu den stärksten Geberstädten in NRW gehört.

ON: Ja, interessant.




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Total interessant. Wir haben so viel Flächen frei, die nicht genutzt werden, und wir sind in einer strategisch so grandiosen Lage, wir haben eines der wenigen Wasserstraßenkreuze, wir sind an der A2 einer der großen, wenn nicht die große Hauptlebensader verkehrstechnisch von Ost nach West. Und wir machen so wenig draus, das ist unglaublich. Und dieser eine Weg, glaube ich, würde Minden schon mal sehr schnell nach vorne bringen. Gewerbesteuerhebesatz runter, die Industrie herlocken, mit der Verkehrsanbindung werben. Das nur, was ich alles machen würde, im Moment verweise ich, verspricht man, aber das habe ich vor, anzugeben. Das war jetzt der Punkt.

ON: Sie haben dieses Thema noch nicht angegeben irgendwo öffentlich?

Ich hab’ das schon punktuell angegeben. Aber worauf ich hinaus wollte, ist, im Grunde stammt die Idee schon von Mindenern. Also ich setz’ mich nicht hin und grübel’ so Schnake-Ideen aus, sondern ich gucke schon jetzt, was kommt denn aus der Bevölkerung. Hauptgrund dafür sind im Moment MT-Kommentare.

ON: Also Sie sammeln Informationen der Bürger …

Ich höre auch auf Unternehmen, oder lehre/lebe dies in dem Fall auch im Unternehmen.

ON: … und versuchen, da etwas zu finden und sich vielleicht ein Beispiel daran zu nehmen, was andere Städte besser machen als Minden zum Beispiel?

Der Punkt hier ist für mich, dass ich nicht nur in der Bevölkerung, sondern dass ich erlebt habe, dass ja vielen Mindenern selbst ja Minden auch am Herzen liegt. Das ist nicht so, dass ich der große Retter der Stadt bin. Man muss nur auf die Leute hören. Habe ich jetzt seit drei Jahren gemacht, ich hab’ eine relativ breite Sammlung von schönen, sehr konkreten Ideen mit dabei gefunden, die ich mir alle für eine mögliche Amtszeit als Bürgermeister schon mal hingelegt habe, und die dann sofort aus dem Stand umgesetzt werden können. Und ich bin auch jedem dankbar, der noch weitere Ideen hat und mir mitteilt. Das stößt auf offene Ohren.

ON: Okay. Bürger, schreibt Kommentare, ohne Ende, quält den Schnake! ;o)

Ja, oder auch nicht direkt.

ON: Ja, haben Sie eigentlich schon mal die Leute dazu aufgefordert, Ihnen Ideen zu schicken?

Sicher, an allen Ecken und Enden.

ON: Weil, ich weiß jetzt nur von diesem ich glaube Live-Chat, kann das sein?

Ja.

ON: Was ist denn dabei so rausgekommen?

Das ist nur eine Kommunikationsmöglichkeit. Da geht’s nicht um konkrete Ideen, da habe ich mehr berichtet von Ausschüssen, die ich mir angesehen habe. Mir war dabei wichtig, dass es eben nicht immer nur in der Schriftform passiert, sondern dass ich auch als Person greifbar bin für die Leute, die mich nicht kennen. Und in dieser speziellen Form, von meiner Seite aus ist es per Video. Man kann aber auch gleichzeitig, das ist ja kein Monolog, per Chat mitmachen. Ist immer ein bisschen chaotisch, aber das ist interessant.

ON: Melden sich da eigentlich auch Leute, die nicht aus Minden kommen, oder sind das reine Mindener Bürger?

Es muss sich ja niemand anmelden, von daher weiß ich nicht, in welchen Fällen wer da zuschaut. Ich weiß, dass beim letzten Mal jemand aus München zugesehen hat. Und ich weiß bei einigen anderen Leuten, bundesweit, die sehen, was ich so tue, dass sie aufmerksam folgen.

ON: Vielen Dank für Ihr Exklusiv-Interview, Herr Schnake. Eine Frage steht jetzt natürlich noch im Raum. Warum möchten Sie Bürgermeister werden bzw. wie sind Sie auf die Idee gekommen?




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Also es gibt eine Sache, die werde ich heute gefragt, die Intension ist so: Na gut, Schnake, angenommen du wirst gewählt. Was machst du dann? Im Grunde bist du doch ein Einzelkämpfer. Du hast keine Partei auf deiner Seite, wahrscheinlich eher die meisten Parteien gegen dich, weil du nämlich einen der wichtigsten Posten weggenommen hast.

ON: Ach.

Ja doch, das spüre ich im Rat, wo ich da so immer rumsitze. Die sind alle nicht glücklich, dass es mich gibt. Das nehme ich aber als Kompliment mittlerweile. In der Bürgerschaft, so lala, also wenn du gewählt wirst, schön, aber ich glaub’, das Engagement, wie viel Leute du dann aufbringen kannst, irgendwas zu tun, weiß ich nicht. So, und dann gibt’s eine Stelle in Minden, die macht Minden auch noch mal besonders, und auch dafür habe ich ein paar kreative Gedanken in der Schublade. Ich steh’ nämlich per Definition gar nicht allein da. Mit der Wahl zum Bürgermeister bin ich stante pede Oberhaupt von 6 Bürgerbataillonen und drei kleineren Korps. Das sind ein paar hundert Leute. Und da reden wir jetzt quasi im militärischen Kontext, das ist so eine Tradition, auf die die sich berufen, auf die sie immer stolz sind, und die sie dann verdammt noch mal auch einzuhalten haben. Weil, ich hab’ ein paar Ideen in der Schublade, die ich quasi per militärischem Befehl aussprechen würde, von dem ich erwarte, dass die umgesetzt werden, von allen 6 Bürgerbataillonen. Ich möchte, dass die Bürgerbataillone nicht mehr nur so ein Haufen von Leuten sind, die ihre Holzgewehre durch die Stadt tragen, sondern das, was sie im Kittel führen: Bataillone für die Bürger. Das ist das, was ich vorhin schon mal sagte. Effizient heißt für mich auch viel für viele Bürger tun, zum Teil, ohne dass die Bürger etwas dafür tun müssen. Und da sind die Bürgerbataillone ein echtes Asset, ein echtes Vermögen in Minden. Also ab Tag Eins lassen sich Dinge bei einer großen Anzahl von Menschen umsetzen. Das habe ich vor. Die genauen Ziele behalte ich aus wahltaktischen Gründen noch in der Schublade, die werde ich jetzt nicht nennen. Aber es gibt einige, und ich hab’ noch immer Zeit, mir noch mehr zu überlegen. Es gibt ein paar schöne … und da habe ich kein Problem damit, zu sagen, hier, also jetzt Hauptmänner der Bürgerbataillone, nächsten Dienstag, 10 Uhr, Termin bei mir. Als oberster Dienstherr, per Definition – und dann gehen Anweisungen raus. Und dann bitte Umsetzung. Wir können also Minden buchstäblich ab Tag Eins verändern.

– Zitatende –

OctoberNews sagt herzlichen Dank, Herr Schnake, dass Sie uns in Ihre Privaträume blicken ließen, so einen umfangreichen Einblick in Ihre Person als Mensch gewährten und uns an Ihren Gedanken und Ideen haben teilhaben lassen. Das war ein sehr spannendes, humorvolles und interessantes Gespräch.

OctoberNews wünscht Ihnen viel Erfolg auf Ihrem Weg zum Bürgermeister der Stadt Minden – wenn der Mindener Rat und die Bürger von Minden sich nächstes Jahr für Sie entscheiden. Und wenn man Sie gewählt hat, haben die Mindener Bürger ja lt. Ihrer Kampagne 100 Tage Zeit, um Sie auf Herz und Nieren zu testen. Die Daumen sind daher fest gedrückt, dass keine Nachricht Sie erreicht mit dem Inhalt: „Sie sind gefeuert.“

Dieses zweistündige Interview wurde sinngemäß wiedergegeben, entspricht also nicht genau dem Gesagten des Herrn Schnake, mit Ausnahme des Zitates, was eine hundertprozentige Übernahme seiner Worte per Aufzeichnung und Abschrift darstellt. Eine Entnahme des o. g. Beitrages, auch nur in Teilen, und/oder Verwendung für eigene Zwecke / Veröffentlichung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung von OctoberNews erlaubt. Das Verlinken, Verbreiten u. Ä. über die unten eingebaute Social-Media-Leiste ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich gewünscht. ;o)


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