Datenbank „Jüdisches Leben in Minden und Umgebung“ geht online

Kommunalarchiv Minden schaltet nach drei Jahren Pause Online-Datenbank am "Holocaust-Gedenktag" 27. Januar 2018 wieder frei - unter bestimmten Datenschutzauflagen

Die ursprüngliche Online-Datenbank „Mindener Juden“ des Kommunalarchivs Minden erfährt einen Relaunch unter dem Namen „Jüdisches Leben in Minden und Umgebung“ – Screenshot: onm

Pünktlich zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ (auch „Holocaust-Gedenktag“ genannt) am 27. Januar 2018 wird die Online-Datenbank des Mindener Kommunalarchivs nach rund drei Jahren Pause unter dem neuen Namen „Jüdisches Leben in Minden und Umgebung“ erreichbar sein, kündigt die Stadt Minden an. Allerdings unter bestimmten Datenschutzauflagen.

Ende 2013 hatte das Kommunalarchiv Minden die Datenbank unter dem Namen „Mindener Juden“ erstmals auf ihrer Website veröffentlicht, in der Namen, persönlichen Daten und Schicksalswege von Personen aufgenommen wurden, die zwischen 1933 und 1945 in den ehemaligen Kreisen Minden und Lübbecke lebten und aufgrund ihrer wirklichen oder vermeintlichen jüdischen Herkunft oder Religion Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung wurden. Die Gestaltung, Programmierung und Bereitstellung dieses Online-Angebots wurde zu 80 Prozent aus Mitteln des Förderprogramms „Archiv und Schule“ des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert.

Bis sich Anfang 2015 der Sohn eines verstorbenen Juden an das Kommunalarchiv und die Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen (LDI NRW) wandte und sich gegen die Veröffentlichung von Daten seiner Angehörigen aussprach. Die Online-Datenbank musste bis zur endgültigen Klärung der Rechtslage offline gestellt werden – ein Zugriff war nicht mehr möglich.

Nach Medienberichten des Mindener Tageblatts, das sich mit der Offline-Stellung der Datenbank beschäftigte, beschwerte sich vor allem der Verein „KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica“ mit der Begründung, dass er für den Aufbau seiner Gedenkstätte auf die Daten des „Mindener Juden“-Archivs angewiesen sei. Teils sprach man sogar davon, dass die „Freiheit der Wissenschaft in Gefahr“ wäre.

So fand wohl Ende März 2015 auf Einladung des ehemaligen Mindener Bürgermeisters Michael Buhre ein Gespräch mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen über die Zukunft der Datenbank statt. Hierbei wurde von verschiedenen Seiten das angeblich große öffentliche Interesse an der Datenbank betont und ein Neustart gewünscht.

Woraufhin die Rechtsauffassung der Stadt Minden Mitte 2015 nochmals den Landesdatenschutzbeauftragten dargelegt und ein Treffen mit den sich gegen die Veröffentlichung der Datenbank wendenden Hinterbliebenen angeboten wurde (anscheinend teilten auch andere Angehörige die Auffassung des Einsprechenden). Anfang November 2016 kam es dann wohl zu einem Gespräch. In diesem Termin erklärten sich nach Medienangaben die Landesdatenschutzbeauftragten unter bestimmten Auflagen mit einem Neustart der Datenbank einverstanden.

Zum einen soll (vermutlich auf Vorschlag der Stadt bzw. des Kommunalarchivs Minden) das Internetangebot „Mindener Juden“ umbenannt werden in „Jüdisches Leben in Minden und Umgebung“. Zum Zweiten darf die eigentliche Datenbank mit allen greifbaren Daten nur noch über einen archivinternen Server für dienstliche und wissenschaftliche Zwecke innerhalb des Kommunalarchivs Minden zugänglich sein.

Sprich: Auf der Website des Kommunalarchivs Minden wird eine neue separate Datenbank erzeugt, die ausschließlich Daten enthält, die nach Archiv- und Datenschutzrecht frei zugelassen sind. Zudem soll engen Angehörigen – Kindern und Ehegatten – die Möglichkeit eingeräumt werden, die Daten ihrer verstorbenen Angehörigen aus der Online-Datenbank entfernen zu lassen.

Nachdem man sich auf diese Datenschutzbedingungen einigte und entsprechende Maßnahmen ergriff, wird es nun einen Relaunch des Internetauftritts geben. Dabei wurde das Datum des Neustarts der Datenbank am „Holocaust-Gedenktag“ vom Kommunalarchiv Minden bewusst gewählt.

Nach deren Aussage „soll die Datenbank schließlich neben der Erforschung des jüdischen Lebens im Raum Minden besonders dem Gedenken an die jüdischen Opfer der NS-Gewaltherrschaft aus den ehemaligen Kreisen Minden und Lübbecke dienen“.

Zurzeit befindet sich die Datenbank auf der Website des Mindener Kommunalarchivs aber noch im Aufbau mit unter anderem folgendem Einleitungstext (Zitat):

„Sie (die Datenbank) dient der Erforschung des jüdischen Lebens in der Stadt Minden und ihrer näheren Umgebung im Allgemeinen sowie der Dokumentation der nationalsozialistischen Judenverfolgung in den ehemaligen Kreisen Minden und Lübbecke im Besonderen. … Langfristig soll die Datenbank um alle Personen jüdischen Glaubens ergänzt werden, die im 19. oder 20. Jahrhundert in den ehemaligen Kreisen Minden und Lübbecke geboren wurden, hier heirateten, starben und/oder begraben wurden, hier dauerhaft oder auch nur kurzzeitig lebten, hier arbeiteten, vor Gericht standen und/oder in Haft saßen; kurz alle, die hier amtlich registriert wurden. Ferner soll die Datenbank auch die Eltern, Ehegatten, Kinder und Geschwister des oben genannten Personenkreises umfassen, da auch diese Opfer von nationalsozialistischen Repressalien und Verfolgungen wurden.

Mit der Datenbank „Jüdisches Leben in Minden und Umgebung“ stellt sich das Kommunalarchiv Minden der aus den ungeheuerlichen Verbrechen des nationalsozialistischen Rassenwahns erwachsenden moralischen Verpflichtung, die Erinnerung an alle jüdischen Opfer der NS-Gewaltherrschaft aus den ehemaligen Kreisen Minden und Lübbecke wach zu halten und an künftige Generationen weiterzugeben.

Die Angaben stammen aus verschiedenen, im Kommunalarchiv Minden und anderen Archiven verwahrten Unterlagen. Außerdem aus diversen Veröffentlichungen. Die Datenbank soll stetig erweitert und verbessert werden. Das Kommunalarchiv Minden ist daher für alle Informationen und Ergänzungen, die einzelne Juden aus den ehemaligen Kreisen Minden und Lübbecke oder deren Familienangehörige betreffen, dankbar.

Angezeigt werden nur personenbezogene Daten, bei denen die Schutzfristen des nordrhein-westfälischen Archivgesetzes bereits abgelaufen sind (vgl. § 7 Abs. 1 ArchivG NRW).“

Die Datenbank „Jüdisches Leben in Minden und Umgebung“ soll ab dem 27. Januar unter juedisches-leben.kommunalarchiv-minden.de erreichbar sein.

Quelle: Pressestelle Stadt Minden, mt.de, OctoberNews


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