Das Leid mit der Stadthalle Minden und Obermarktpassage

Stadt Minden erwartet noch immer tragfähiges Konzept von Investoren für die seit 2012 leerstehende Stadthalle und Obermarktpassage - Preis spielt keine Rolle

Außen hui, innen pfui? Der Gebäudekomplex in der Lindenstraße mit der ehemaligen Stadthalle Minden und Obermarktpassage wartet seit Langem auf ein tragfähiges Konzept von Investoren – Archivfoto: onm

Bürgermeister Michael Jäcke und Baubeigeordneter Lars Bursian erläutern aktuellen Sachstand zur ewigen “Baustelle” Stadthalle Minden und Obermarktpassage. Erwartet wird ein tragfähiges Konzept von Investoren – der Preis spielt keine Rolle.

Es ist schon ein Leid mit der Immobilie in der Lindenstraße 16-24 gegenüber dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in der ostwestfälischen Stadt Minden, die außer dem gut gehenden Kaufland im Kellergeschoss, ein paar Geschäften im Erdgeschoss (Lotto-Tabak-Laden, Bäckerei, China-Imbiss, ABC-Schuhe, Tedi u.a.) und dem Parkhaus leer steht. Die im Gebäude befindliche Verkaufsebene Obermarktpassage (früher konnte man vom ZOB durch die Passage laufen zur Innenstadt und umgekehrt – siehe unsere Bilder und Bericht von 2014) meldete im Oktober 2010 Insolvenz an und die im Obergeschoss befindliche Stadthalle Minden musste aus Kostengründen zum 31.12.2011 ebenfalls schließen.

Zum aktuellen Sachstand äußerten sich die Verantwortlichen der Stadt Minden in einer Pressemeldung wie folgt:

„Die Entwicklung der Obermarktpassage kann nur als Ganzes funktionieren“, betonte Baubeigeordneter Lars Bursian. Interessenten und Investoren waren in den vergangenen Monaten in Minden und haben sich die Gegebenheiten vor Ort genau angesehen. Die städtische Wirtschaftsförderin Sigrun Lohmeier stellte Kontakte zwischen Eigentümern und potenziellen Investoren her. “Ideen und Interessenten sind in jedem Fall vorhanden”, weiß Bürgermeister Michael Jäcke. Doch haben sich daraus keine konkreten Entwicklungen ergeben.

Die Stadt Minden ist Eigentümerin der seit 2012 geschlossenen Stadthalle. Diese könne als wichtiges Element in dem Objekt mit eingebracht werden. Aber die Stadthalle sei nur ein Element im gesamten Konstrukt Obermarktpassage. „Liegt ein gutes und tragfähiges Konzept für die Passage vor, werden wir als Stadt das gerne mittragen und die Stadthalle in die Waagschale werfen. Der Preis spielt dabei keine Rolle. Uns ist es wichtig, dass es vorangeht. Doch dafür ist der Eigentümer jetzt am Zug“, machte Jäcke deutlich.

Und dieser Eigentümer wird durch das im Immobilienbereich tätige Dienstleistungs-, Beratungs- und Investment-Management-Unternehmen Jones Lang LaSalle GmbH (kurz: JLL) aus den USA vertreten. Das Unternehmen bietet spezialisierte Dienstleistungen für Eigentümer, Nutzer und Investoren, die mit Immobilien Wertzuwächse realisieren wollen. Ob mit “Eigentümer” das in New York ansässige Investmentfonds-Managementunternehmen Cerberus Capital Management gemeint ist oder nicht, das in 2013/2014 Interesse bekundete, wird nicht erläutert.

Auf jeden Fall brauche die Stadt Minden jemanden, der bestimmte Bedingungen akzeptiere und die Sache in die Hand nehme, so der Baubeigeordnete. „Wir haben viel Geld und Arbeit in die Hand genommen, um die Innenstadt aufzuwerten. Oben in der Obermarktstraße ist es bald chic, unten am ZOB ist es chic, nur leider ist die Mitte mit der Obermarktpassage noch nicht chic“, resümierte Bursian.

Die Stadt Minden sei von vornherein ausgeschlossen, die Obermarktpassage zu kaufen und selbst zu entwickeln – sie sei schließlich kein Immobilienentwickler. Aber sie könne den Entwicklungsprozess begleiten und stehe mit JLL in gutem Kontakt. Auch die Immobilien-Standortgemeinschaft Obermarkt-Quartier e.V. (kurz: ISG), die für ihre Baustellenpartys am Obermarkt bekannt wurde, möchte den Standort nach vorne bringen. Doch seien den Bemühenden die Hände gebunden.

An anderen Stellen in der Mindener Innenstadt gebe es hingegen positive Entwicklungen, wie beispielsweise im “Schnurrviertel” der Oberen Altstadt mit seinen außergewöhnlichen Ladengeschäften, Gassen und Fachwerkhäusern, das am 10. September 2016 eröffnet wurde. Allerdings hat man dies engagierten Gruppen aus Minden zu verdanken und nicht der Stadtverwaltung.

Doch auch von städtischer Seite aus wurde in den letzten Jahren viel Neues auf den Weg gebracht, um die Attraktivität des Innenstadtbereichs zu steigern. Das ehemalige Hertie-Gebäude am Wesertor wurde von der Hellmich-Baugruppe komplett saniert, sehr attraktiv gestaltet und von der Kleiderkette H&M gepachtet. 2012 wurde der neu gestaltete ZOB in Betrieb genommen. Der Scharn wurde – wenn auch mit vielen Hindernissen – modern gestaltet, neues Pflaster verlegt, auch auf dem Marktplatz, wo ein ebenerdiger Brunnen mit Leuchtspiel für Abwechslung sorgen soll.

Zudem machen weitere Planungen am Scharn von sich reden, beispielsweise die Wiederbelebung des Geschäftshauses Wehmeyer und der Umbau eines Teils des Rathauses. Die Fertigstellung der Baustelle Obermarktstraße wäre für Anfang 2017 geplant – mit neuen Kanälen und Versorgungsleitungen, einem neuen Pflaster, Bänken und Spielgeräten, Lampen und einem neu gestalteten Platz Kaak, mit mehr Barrierefreiheit und einer taktilen Leitlinie für Blinde und Sehbehinderte. Die Bäckerstraße werde im kommenden Frühjahr in Angriff genommen, sodass das neue Pflaster komplett in der Mindener Innenstadt verlegt sei. Highlight werde zukünftig ein Wassertisch sein, der den Obermarkt aufwerte und eine angenehme Aufenthaltsatmosphäre schaffe.

Vonseiten der Stadt Minden wäre es wünschenswert, diesen Schwung mit in die Obermarktpassage zu nehmen und auch dort eine Entwicklung voranzutreiben. Aber dafür könne nur der Eigentümer sorgen, fasste Bürgermeister Jäcke zusammen.

Das Thema Kino habe nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch die Mindener Stadtverwaltung in der Vergangenheit sehr beschäftigt. Pläne für die Nutzung der Stadthalle Minden als Kinosaal gäbe es bereits seit 2006. Dafür hätten auch jetzt unterschiedliche Betreiber ihr Interesse bekundet – doch die notwendige Finanzierung durch einen Investor stehe noch im Raum, sagte Lohmeier von der Abteilung Wirtschaftsförderung.

Letztendlich solle ein Konzept für die Immobilie Obermarktpassage/Stadthalle auch berücksichtigen, dass die derzeitige Eingangssituation nicht mehr den modernen Anforderungen entspräche. Der Gebäudekomplex ist 1984 gebaut worden – seitdem gäbe es aber kaum Investitionen. Ein potenzieller Investor stehe vor der Herausforderung, Brandschutzauflagen zu erfüllen und dafür intensive Umbauarbeiten am Objekt vorzunehmen.

Aber hey, der “Preis spielt keine Rolle” laut Bürgermeister Michael Jäcke. Also wenn das kein überzeugendes Argument ist … jetzt aber ran.

Quelle: Stadt Minden, Wikipedia, OctoberNews


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