Das Berghotel Wittekindsburg ist eine Reise wert

Geschichte und Legende zur Wittekindsburg - Was passiert am ehemaligen Berghotel Wittekindsburg? - Was gibt es zu entdecken auf dem Wittekindsberg in Porta Westfalica?

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Das ehemalige Berghotel Wittekindsburg befindet sich mitten in seiner Sanierungsphase und wird “rausgeputzt” für bessere Tage – Foto: onm

Das Berghotel Wittekindsburg feierte am 4. September 2016 “Tag der offenen Tür”. Und wir waren nicht dabei – weil wir schon am 7. August vorbeischauten und uns selbst einen Überblick über den Zustand des von Witthüs e.V. aus Minden übernommenen Projektes verschafften.

Doch bevor wir näher auf den Erhalt des Berghotels bzw. der Gaststätte auf dem Wittekindsberg in Porta Westfalica eingehen, ist ein bisschen Geschichtsunterricht von Nöten. Denn wer meint, es handelt sich bei dem – zugegeben beeindruckenden – historischen Gebäude mit Turm und Spitzdach um die “Wittekindsburg” an sich, den müssen wir aufklären:

Wittekindsburg – Realität oder Sage?

Ob und wann die eigentliche “Wittekindsburg” existierte, bleibt bis heute wohl ungeklärt, wirkliche Nachweise gibt es nicht.

Grundmauern einer Kreuzkirche, einzelne Mauern und Wälle, ein “Eingang” zur Wittekindsquelle und die erhaltene Margarethen-Kapelle (auch “Margarethen-Klus” genannt) deuten aber auf eine vorchristliche Anlage auf dem Wittekindsberg in Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke) hin.

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Wittekindsquelle – Archivfoto (2005): onm

So erwarb der Legende nach am 15. August 993 Bischof Milo von Minden von Otto II. (zu der Zeit noch römisch-deutscher König, ab 996 römisch-deutscher Kaiser) den königlichen Schutz für ein Nonnen- bzw. Benediktinerkloster, das “castello suo Wedegenburch”, frei übersetzt “sein Schloss Wittekindsberg” (siehe “Über den Ursprung des Namens Wedegen” von Alexandra Jacob), wo zuerst die Einsiedlerin Inkluse Thetwif (Thetwig), eine Äbtissin aus Minden, gelebt haben soll (erwähnt im BBKL Bd. XXII, Nordhausen 2003, Spalten 1347).

Wann letztendlich die Änderung von “Wedegenburch” zu “Wittekindsburg” erfolgte, worauf sich bis heute viele beziehen, lässt sich nur vermuten. Bis ins 13. Jahrhundert waren Namen der deutschen Heldensage als Ausdruck dieser Kulturepoche groß in Mode. Und wie es Sagen so an sich haben – in diesem Fall des Sachsenführers Widukind (8./9. Jhdt.) und des sächsischen Mönchs und Geschichtsschreibers Widukind von Corvey (10. Jhdt.) – handelt es sich um “mündliche Überlieferungen” von fantastischen, die Wirklichkeit übersteigenden, Ereignissen.

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Margarethen-Klus, eine romanische Kapelle, erwähnt 1224 – Archivfoto (2005): onm

Wenn überhaupt war die “Wittekindsburg” wohl ein Kloster – der Legende nach aus Holz gebaut, was mit der Zeit vermoderte. Ob sie auch als “Fliehburg”, also Zufluchtsort, diente, bleibt bis heute ungeklärt.

Später soll sie in Stein gebaut und erstmals 1886 durch Generalmajor August von Oppermann vermessen worden sein. Zudem sollen 1907 Ausgrabungen durch Professor Friedrich Langewiesche aus Bünde stattgefunden haben. Doch seine Funde sollen abhanden und die Grabungen nur durch einen kurzen Bericht und den Grundriss des nordwestlichen, sogenannten “Häverstädter Tores” dokumentiert worden sein. Diese Dokumentation ist jedoch nirgends auf die Schnelle auffindbar.

Fakt ist, dass König Friedrich Wilhelm IV. und seine Gemahlin am 23. August 1842 ins Wiehengebirge kamen und – anlässlich der Restauration der Margarethen-Klus – bei der Pflanzung “ihres” Baumes anwesend waren, der heutigen riesigen “Königslinde” – noch bevor das erhabene Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Osthang des Wittekindsbergs (siehe unser Beitrag) ab 1892 errichtet wurde.

Im Zuge dessen entstanden auch Gaststätten:

Das Berghotel Wittekindsburg

Die Erbauung von Gaststätten habe ihre Ursache in der zunehmenden Beliebtheit von Wanderungen und Ausflügen gegen Ende des 19. Jahrhunderts, erklärt die Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen e.V. (kurz: gefao) auf ihrer Website.

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Königslinde – Archivfoto (2005): onm

So entstand 1893/94 auf dem Wittekindsberg wohl ein erstes “Wirtshaus zur Kapelle”, ein Fachwerkgebäude mit rotem Ziegeldach (laut einer Postkarte aus dem Jahre 1896), erbaut von einer Aktiengesellschaft. Der Betrieb wurde anfangs vom Pächter des Hotels „Kaiserhof“ (am Fuße des Wittekindsbergs, um 1800 gegründet, seit Mai 2011 geschlossen, im Dezember 2011 abgebrannt, nun im Wiederaufbau) mit übernommen.

Doch das Naturschutzgebiet Wiehengebirge hatte großen Zulauf und erfreute sich nach der Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals im Jahre 1896 zunehmender Beliebtheit. Ein Neubau musste her:

Man errichtete 1895/96 ein zweites Gebäude neben dem – in 238 Metern Höhe gelegenen – Wirtshaus: das “Hotel zur Wittekindsburg” – ein zweigeschossiges, fünfachsiges Gebäude mit doppelten Rechteckfenstern, aus dem in der Mitte ein hoher Turm ragt. Im Turm befindet sich ein auskragendes Fachwerkobergeschoss, auf dem Turm thront ein spitzes, pyramidenförmiges Dach (siehe Titelbild).

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Fachwerkanbau mit Festsaal – Foto: onm

Der Sockel, das Erdgeschoss und der Turm wurden aus Bruchsteinen errichtet. Das Obergeschoss, das einst nach allen Seiten offen war und als Aussichtsplattform diente, ist heutzutage geschlossen und zeigt Schmuckfachwerk. Im Westen schließt sich an das Hauptgebäude ein 6-achsiger Fachwerkanbau an, der sogenannte Festsaal. Große Teile des Gebäudes, eine Flügeltür, eine Thekeneinrichtung und der Festsaal stammen noch aus der Erbauungszeit.

“Die Wittekindsburg – Deine Burg”

Wie man an unserer Wortwahl im vorherigen Absatz erkennen kann, existiert letztgenanntes Gebäude  – im Gegensatz zum Wirtshaus – tatsächlich bis heute, wurde zwischenzeitlich in “Berghotel Wittekindsburg” umbenannt, und wird heutzutage vom Verein Witthüs aus Minden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das mittlerweile denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten und modern einzurichten, mit dem Slogan “Die Wittekindsburg – Deine Burg” beworben.

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Der Name des ehemaligen “Berghotel Wittekindsburg” findet sich noch heute an der Fassade – Foto: onm

Wenn also jemand in der Region Minden-Lübbecke von dem Ausflugsziel “Wittekindsburg” spricht, dann meint er oder sie das ehemalige “Berghotel Wittekindsburg” – denn der Name ziert heute noch die Fassade Richtung Terrasse.

Aber alles wird anders. Wo bis zum Sommer 2013 noch Mobiliar aus den 70ern und älter dunkle Räume füllten (siehe Bilderstrecke von “Wolfram” auf HolidayCheck.de), entstehen seit Mitte 2015 nach und nach helle, moderne Räume, wo Jung, Mittel und Alt – der heutigen Zeit entsprechend – sich wohlfühlen und einkehren können. Dabei werden die historischen Elemente mit integriert und geschichtliche Aspekte auf Schautafeln dargestellt.

Doch es gibt noch viel zu tun. Die Treppenhäuser und Obergeschosse befinden sich noch im desolaten Zustand und sind zugestellt mit Utensilien aus der Vergangenheit, wie man unseren Fotos vom 7. August 2016 entnehmen kann:

Wer genau aufgepasst hat, erkennt den jungen Krieger auf dem Gemälde wieder, der sich auch unter den Fotos von “Wolfram” aus 2013 befindet.

Das Erdgeschoss hingegen sieht schon sehr einladend aus. Hier befindet sich eine “Vintage-Loft” (hinter Glaswänden) sowie ein Barzimmer:

Doch es gibt ja nicht nur die Innenräume. Rund 600 Plätze an Biergartentischen sind bereits auf der Terrasse hinter der Gaststätte “Wittekindsburg” entstanden. Außerdem wurde ein Pavillon auf dem Außenareal restauriert, aus dem die Gäste mit einem Imbiss verwöhnt werden sollen.

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Rund 600 Plätze stehen auf dem Außenareal für Gäste zur Verfügung – Foto: onm

Und als wenn das nicht schon genug wäre, bietet sich Schaulustigen an der “Klippe zum Abgrund” die Gelegenheit, Drachenfliegern beim Start zuzuschauen oder das Segel selbst in die Hand zu nehmen und durchzustarten. Der Delta-Club Wiehengebirge verlangt zwar Gebühren, ist aber für alles offen. Informationen findet man auf der Website Linkingwings.de.

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Startrampe der Drachenflieger am Berghotel Wittekindsburg – Archivfoto (2008): onm

So, wer jetzt noch nicht genug Input bekommen hat, dem empfehlen wir, doch selbst den Wittekindsberg in Porta Westfalica mit all seinen Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Nur ein paar Stunden Zeit sollte man mitbringen, um alles genießen zu können.

Wer unbedingt mit dem Auto bis zur “Wittekindsburg” hochfahren will, dem raten wir zur Vorsicht. Zwar steht ein kleiner Parkplatz (für ca. 10 Pkws) zur Verfügung, doch der Weg dorthin wird – je näher man kommt – immer steiniger, schmaler und löchriger. Zudem bilden sich große Pfützen und der Weg wird schlammig, nachdem es geregnet hat. Entweder man nimmt wie wir die abenteuerliche Fahrt auf sich und fährt im ersten Gang mit Schrittgeschwindigkeit (schon aus Rücksicht der zahlreichen Fußgänger gegenüber) hoch, oder man nimmt gleich die Füße in die Hand und wandert. Das bleibt jedem selbst überlassen.

Zur Orientierung, wie man überhaupt hinfindet, kann man entweder sich ans Kaiser-Wilhelm-Denkmal halten (auf der Kaiserstraße nach oben gibt es eine Abfahrt zur Wittekindsburg – ist mit einem kleinen Schild ausgeschildert), oder man behilft sich mit Google Maps. Hier noch eine kleine Übersichtskarte, wo sich welche historische Stätte befindet:

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Naturschutzgebiet Wittekindsberg – Quelle: LANUV NRW, © Geobasis NRW 2013, © GeoBasis-DE BKG 2013, Ergänzung mit Pfeil: onm

Quelle: gefao.de, LANUV NRW, Wikipedia, OctoberNews u. a., siehe Links


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