Dachstuhlbrand der Bahnhofskaserne Minden

Großbrand des Dachstuhls der denkmalgeschützten Bahnhofskaserne hält Feuerwehr, BASF und Polizei seit dem 10. August 2015 in Atem - Geschichtliches und aktuell

_DSC1984 Kopie-W
Zwei neue Brandherde auf dem Dach der Bahnhofskaserne in Minden konnten durch den unterstützenden Einsatz der Werksfeuerwehr von BASF mit ihren speziellen Teleskop-Gelenkmasten erfolgreich bekämpft werden am 11. August – Foto + Bilderstrecke: onm

Wie bereits umfassend von den lokalen Medien berichtet, brach am 10. August 2015 gegen 22 Uhr ein Feuer im Dachstuhl der historischen Bahnhofskaserne in der westfälischen Stadt Minden aus. Anwohner bemerkten eine starke Rauchentwicklung im Innenhof des Gebäudes und riefen die Feuerwehr. Ein Feuerwehrmann wurde verletzt und ein Zivilist erlitt eine Rauchvergiftung. Die Löscharbeiten zogen sich hin bis zum 11. August, da immer wieder neue Brandherde ausbrachen. Ein Blitz schlug in einen Einsatzwagen ein und legte die Elektronik lahm.

Die Bahnhofskaserne – ein in U-Form gebautes massives Backsteingebäude mit vier Etagen (EG-3.OG), errichtet auf einer Fläche von rund 1600 Quadratmetern, einer Gebäudenutzfläche von ca. 6700 und Gesamtnutzfläche von 9749 Quadratmetern – befindet sich auf der rechten Weserseite in der Friedrich-Wilhelm-Str. 15 in 32423 Minden (Google Maps) mitten in einer Wohn- und Gewerbesiedlung in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs.

Die 1869 erbaute Kasernenanlage steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Von 1868 bis 1870 diente sie den Preußen als Unterkunft für in Minden stationierte Soldaten und wurde im Anschluss bis zum Ende des Ersten Weltkrieges für militärische Zwecke eingesetzt. Zwischenzeitlich wurde sie von 1919 bis Ende Oktober 2012 – mit Unterbrechung im Zweiten Weltkrieg – städtisch genutzt, von 1973 bis 2011 als Obdachlosenunterkunft, unter jedoch zweifelhaften Wohnverhältnissen (siehe Bericht Spiegel Online vom 26.06.1995). Die Unterkünfte waren sehr einfach eingerichtet, ohne Gasanschluss und Warmwasser, Öfen wurden mit Holz befeuert. Auch befand sich zeitweilig zwischen ca. 1973 bis 2010 eine Kindertagesstätte (Spiel- und Lernstube) der evangelischen Sankt-Marien-Kirchengemeinde in dem Gebäude.

_DSC1983 Kopie-W
Seitenansicht der geschichtsträchtigen Mindener Bahnhofskaserne – Foto: onm

Schon 2010 verfolgte der damalige Eigentümer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA, vorher: Bundesvermögensamt) das Interesse, die Bahnhofskaserne aus der Denkmalliste auszutragen, um es abreißen zu können. Ein Großteil der Räumlichkeiten stand zu der Zeit bereits leer, das Gebäude war marode, Brandschutzmängel bereiteten Sorgen. Bei einem Mietzins von 20000 Euro, den die Kommune an die Bundesanstalt für das „Kastell“ über mehrere Jahrzehnte entrichtete, hätte die Stadt Minden wegen des Denkmalschutzes in die Instandhaltung rund 1,2 Millionen Euro investieren müssen, was nur noch eine Last darstellte. Der Denkmalschutz blieb schließlich erhalten, die Stadt investierte keinen Cent, das Innenleben des Gebäudes verfiel, und die Bahnhofskaserne wurde schließlich verkauft.

Zum 1. November 2012 erwarb Karl-Heinz Kruse, Geschäftsführer der Kruse Immobilien GmbH aus Lohfelden (nahe Kassel), das baufällige Gebäude für ca. 220000 Euro von der BIMA. Schon damals stand die Idee des Maklers im Raum, ein Studentenwohnheim daraus zu machen, da der Campus Minden der Fachhochschule Bielefeld weiter ausgebaut und günstiger Wohnraum für die Studenten in der Weserstadt fehlen würde. Auch eine gewerbliche Nutzung oder die Einrichtung eines Seniorenwohnheims seien nicht auszuschließen, hieß es damals.

_DSC1993 Kopie-W
Durch diesen zugewucherten Innenhof der Bahnhofskaserne und vor allem die Innenräume des Gebäudes mussten sich die Einsatzkräfte schlagen während der Brandbekämpfung – Foto: onm

So vergingen die Jahre, das Grünzeug bahnte sich seinen Weg durch das Gebäude, ab und an suchten Obdachlose Schutz in dem Gebäude, die Innenräume verwahrlosten, Vandalen beschmierten die Wände, es stank nach Urin. Eine ältere Anwohnerin sprach vor ein paar Jahren mal dort herumlungernde Menschen auf die Vermüllung an. Einen Tag später wurde ihr Auto aufgebrochen. Andere Anwohner sprachen am 11. August von einem Investor, der das Gebäude aufgekauft und Appartements reinsetzen wolle. „Und jetzt brennt das Ding ab.“

Fakt ist: Am 10. August gegen 22 Uhr brach ein Feuer im Dachstuhl der Bahnhofskaserne aus. Ein Anwohner konnte aufgrund der Sommerhitze nicht schlafen, bemerkte einen Verbrennungsgestank und dann beißenden Qualm, der aus dem Innenhof des Gebäudes zog. Er alarmierte sofort die Feuerwehr. Die Rauchschwaden zogen Richtung Mindener Bahnhof und konnten gegen 23 Uhr von der B65 aus bis in Minden-Rodenbeck beobachtet werden.

Grossbrand Banhofskaserne Minden
Bei Eintreffen der Feuerwehr am 10. August stand schon ein Großteil der Dachfläche in Flammen – Foto: Feuerwehr Minden

In einem Polizeibericht vom 11.08.2015, 1.25 Uhr, heißt es: Bei Eintreffen erster Rettungskräfte stand bereits ein Teil des Dachstuhls in Flammen. Polizeibeamten sperrten den unmittelbaren Gefahrenbereich weiträumig ab. Das Feuer griff auf zwei Drittel des Dachstuhls über. Es entstand eine erhebliche Rauchentwicklung, die langsam ins östliche Stadtgebiet zog. Die Mindener Feuerwehr ist derzeit mit 100 Feuerwehrleuten im Einsatz. Schadstoffe traten nicht aus. Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Brandursache ist noch nicht bekannt.

Erschwerend kam ab ca. 23 Uhr ein schweres Unwetter mit Blitz, Donner, starkem Wind und Regenfällen hinzu.

_DSC2004 Kopie-W
Durch dieses Fenster im obersten Stockwerk sieht man deutlich, was das Feuer im Dachstuhl angerichtet hat – man kann direkt in den Himmel schauen – Foto: onm

Einsatzleiter Lutz Kölling von der Mindener Berufsfeuerwehr, der rund ein bis anderthalb Stunden nach Ausbruch des Feuers an der Bahnhofskaserne eintraf, erzählt uns am 11. August gegen 10.30 Uhr vor Ort nähere Einzelheiten:

Mehrere Brandherde konnten nicht ermittelt werden, Brandbeschleuniger seien ihm auch nicht bekannt – hier muss die polizeiliche Ermittlung abgewartet werden. Ein Feuerwehrmann stürzte aufgrund der Sichteinschränkungen beim Atemschutzeinsatz bei Löscharbeiten vom Dachgeschoss durch die Decke in das darunter liegende Geschoss, konnte sich zum Glück gerade noch an einem Balken festhalten. Er kam leicht verletzt ins Krankenhaus. Des Weiteren wurde ein Zivilist mit leichten Rauchvergiftungen ins Krankenhaus gebracht.

_DSC1922 Kopie-W
Zahlreiche Löschfahrzeuge mussten zum Großbrand der Bahnhofskaserne am 10. und 11. August anrücken – Foto: onm

Der Verkehr im Bereich der Hafenstraße sowie der Friedrich-Wilhelm-Straße musste während der Löscharbeiten großräumig umgeleitet werden – die Abbiegung von der Viktoriastraße in die Kaiserstraße wurde abgeriegelt. Ein Passant kam uns in der Friedrich-Wilhelm-Straße entgegen und fragte, wie er mit seinem Fahrzeug nun wieder rauskommen könne, war aber gelassen und übte sich in Geduld.

Das Feuer brach im Mittelteil des Gebäudetrakts in der obersten Etage (Dachstuhl) aus, was zunächst – vom Innenhof aus gesehen – nach rechts zog, sich dann aber auch nach links ausbreitete. So hatten die anfangs 100 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Minden, der überwiegend Freiwilligen Feuerwehr, Kräfte aus Petershagen (die ab ca. 4 Uhr morgens dabei waren), Meißen, Dankersen und Leteln, Porta Westfalica und aus dem Landkreis Schaumburg alle Hände voll zu tun, denn die Dachfläche alleine beträgt schon ca. 9000 Quadratmeter.

Zuerst waren zwei Löschgruppen im Einsatz, dann folgten sechs aus Petershagen. Zwischendurch musste den Einsatzkräften der Freiwilligen und Berufsfeuerwehr eine Ruhephase von 15 Stunden eingeräumt werden. Tatsächlich fanden wir zahlreiche, völlig erschöpfte Feuerwehrmänner und -frauen vor. Hinzu kam der Qualmgeruch, der einem die Augen tränen lies. Doch die Grenzwerte der Schadstoffbelastung wurden mit 0,1 bis 0,2 deutlich unter dem Grenzwert von 0,5 (Maßeinheit ist uns unbekannt) gemessen.

„Kurios dabei war, sozusagen das Highlight: Kurz nach meinem Eintreffen schlug ein Blitz in ein Feuerwehrfahrzeug am Ende der Kasernenstraße Ecke Hafenstraße ein. Seitdem ist es nicht mehr fahrbereit. Zum Glück gab es keine Verletzten“, erklärte Kölling.

Dann folgte der Regenschauer. Alle „Hubrettfahrzeuge“ (Drehleiterwagen) mussten zurückgenommen werden, bis das Gewitter abzog. Der ganze Innenhof und die oberste Etage waren nun voller Wasser, weshalb die Feuerwehrleute nur schwierig vorstoßen konnten. Das Holzdach – eine Mischung aus Kehl- und Pfannenschalung – war in vielen Teilen schon heruntergebrochen.

_DSC1975 Kopie-W
Löscharbeiten der BASF-Werksfeuerwehr – Foto: onm

Bei unserem Ortstermin am 11. August gegen 11 Uhr zogen vor unseren Augen zwei neue Rauchschwaden aus dem Dachstuhl. Kölling erklärte, dass es noch ein, zwei unzugängliche Brandherde gäbe, weshalb sie Teleskopausleger von Privatfirmen extra anordneten. Gemeint ist die Werksfeuerwehr der BASF, die mit ihrem Teleskop-Gelenkmast unterstützend hinzugerufen wurde. Da die neuen Brandherde von zwei Seiten aus bekämpft werden mussten, wurden wir Zeuge eines spektakulären Einsatzes:

Eine Einsatzkraft der BASF begab sich in den Korb des Teleskopmastes und löschte mit einem Hochdruckstrahl von der Friedrich-Wilhelm-Straße aus den Brandherd im Dach, und drei Einsatzkräfte löschten per zweiten Teleskopmast der BASF rund hundert Meter weiter. Währenddessen waren Einsatzkräfte der Feuerwehr vom Innenhof des Gebäudes aus, also auf der gegenüberliegenden Seite, damit beschäftigt, die Brandherde durch mehrere Fenster zu löschen.

Gegen 11.20 Uhr erschien die Bauaufsicht zwecks Besprechung rund um die notwendige Absperrung am nächsten Tage. Und ein Polizeibeamter verschaffte sich mittels Kamera und Drehleiter der Feuerwehr selbst ein Bild vom Dachschaden:

_DSC1919 Kopie-W
Polizeibeamter vor Beginn der Fotografie des ausgebrannten Dachstuhls – Foto: onm
Dachstuhl Bahnhofskaserne Minden
Und dieses Bild kam dabei heraus, das ganze Ausmaß des Dachstuhlbrandes ist gut zu erkennen – Foto: Polizei Minden-Lübbecke

Direkt umliegende Gebäude, wie beispielsweise von der DHL, SIXT sowie Wohnhäuser, wurden von dem Großbrand nicht ergriffen. Ausgenommen von dem Feuerwehrmann und dem Zivilisten sind keine weiteren Personen verletzt worden nach aktueller Kenntnis.

Am 12. August 2015 werden Einsatzkräfte der Feuerwehr noch „Brandwache“ halten, um sicherzustellen, dass alle Brandherde ausgeglüht bzw. gelöscht sind, notfalls müssten sie noch einmal eingreifen.

Die Polizei ermittelt nun in alle Richtungen. Daher kann jede Art von Beobachtung am Montagabend von Bedeutung sein. Hinweise aus der Bevölkerung nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 05 71 / 88 660 entgegen.

(Wie es weitergeht, siehe unter dieser Bilderstrecke)

++ Update 12.08.2015 ++
Die Sperrung der Hafenstraße wurde mittlerweile aufgehoben. Die Brandursache ist noch unklar. Angaben zur Schadenshöhe liegen der Polizei ebenfalls nicht vor. Das Dach ist in großen Teilen eingestürzt. Balken und Zwischendecken sind durchgebrochen. Die Ermittler gehen gegenwärtig davon aus, dass im Bereich des an der Friedrich-Wilhelm-Straße gelegenen Gebäudekomplexes in der Nähe des in Richtung Kaiserstraße befindlichen Turmes das Feuer ausbrach. Von dort griffen die Flammen dann auf weitere Dachteile über. Die Löscharbeiten dauerten bis mindestens 11. August, 18 Uhr, an. Zuletzt waren rund 200 Kräfte im Einsatz.

Gelände muss eingezäunt werden

Das Gelände musste nach einem Ortstermin des Bereiches Bauen und Wohnen (Bauaufsicht) weiträumig mit einem Bauzaun abgesperrt werden. Dieses übernimmt zunächst die Stadt Minden im Wege einer Ersatzvornahme und wird sich anschließend zwecks Kostenübernahme mit dem Eigentümer in Verbindung setzen. An der Friedrich-Wilhelm-Straße müssen für die Aufstellung des Sicherheitszaunes der Gehweg, die Grünflächen an der Straße und auch Stellplätze gesperrt werden. Die Kasernenstraße muss halbseitig gesperrt werden und darf nur auf der vom Gebäude abgewandten Seite einspurig befahren werden.

Nutzung des Gebäudes

Bis heute ist kein Bauantrag seitens des Eigentümers, der Kruse Immobilien GmbH, bei der Stadt Minden eingegangen. Die Nutzung der denkmalgeschützten Bahnhofskaserne bleibt somit weiterhin ungewiss.


++ Update 16.08.2015 ++
Die Bahnhofskaserne ist weiträumig durch hohe Bauzäune abgesperrt. Aber alle Straßen sind wieder befahrbar. Die Fassade ist noch immer vom Löschwasser völlig durchnässt. Der Brandgeruch ist noch wahrnehmbar.

Zeugen möchten sich bitte melden

Zwischenzeitliche Ermittlungen der Polizei Minden-Lübbecke haben ergeben, dass sich am Montagabend vor der Brandentdeckung drei Jugendliche sowie ein Mann und eine Frau im Bereich der Bahnhofskaserne aufgehalten haben sollen. Das Pärchen soll sich gegenseitig fotografiert haben. Diese Personen stehen nicht mit dem Brand in unmittelbarer Verbindung, sondern könnten vielmehr für die Beamten wertvolle Zeugen sein.

Daher werden sie dringend gebeten, sich mit den Ermittlern unter der bereits oben genannten Telefonnummer in Verbindung zu setzen.

Bahnhofskaserne Luftaufnahme
Luftaufnahme des verbrannten Dachstuhls vom 14.08.2015 – Foto: Polizei Minden-Lübbecke

Nachdem am Donnerstag, 13. August, aus einem Polizeihubschrauber heraus Luftaufnahmen von der Brandstelle gefertigt wurden, nahmen ein Brandermittler der Polizei und ein Sachverständiger am Freitag das Gebäude noch einmal genauer unter die Lupe. Dies konnte jedoch erneut nur eingeschränkt geschehen, da große Gebäudeteile noch immer nicht gefahrlos betreten werden können. Auch der Einsatz eines Brandmittelspürhundes am 12. August brachte keine relevanten Erkenntnisse.


++ Update 25.08.2015 ++
Als Ursache für den Brand in der ehemaligen Bahnhofskaserne in Minden geht die Polizei Minden-Lübbecke nun von einer fahrlässigen oder vorsätzlichen Brandstiftung aus. Hinweise für eine technische Ursache haben sich nicht gefunden. Zu diesem Ergebnis sind die Brandexperten und der Sachverständige nach ihren Untersuchungen gekommen.

Nach dem oben beschriebenen Zeugenaufruf der Polizei hatten sich mehrere Personen bei den Ermittlern gemeldet. Deren Angaben werden von den Beamten nun ausgewertet. Die Ermittlungen dauern weiterhin an.


++ Update 27.11.2016 ++
Die Bahnhofskaserne wird am 8. Dezember 2016, 11 Uhr, vor dem Amtsgericht Minden, zwangsversteigert. Öffentlich auf der Webseite Zwangsversteigerung Aktuell bekannt gemacht, wurde der Verkehrswert von 211.100 Euro ermittelt, was inklusive aller Gebühren (ohne Notar, Provision u.a.) einen Gesamtaufwand von rund 160.000 Euro ausmache.

Allerdings ergeben sich einige Differenzen zwischen der Beschreibung des Zwangsversteigerungsobjekts und den Angaben auf Wikipedia bzw. der Denkmalliste der Stadt Minden:

Zwangsversteigerung Wikipedia / Denkmalliste Stadt Minden
Baujahr: 1874 Baujahr: 1869
Denkmalschutz: keine Angabe seit 1991 unter Denkmalschutz
Anschrift: Friedrich-Wilhelm-Str. Anschrift: Friedrich-Wilhelm-Str. 15
Grundstück: 7273 qm Grundstück: keine Angabe
errichtet auf einer Fläche von: keine Angabe errichtet auf einer Fläche von: rd. 1600 qm
Nutzfläche: 5313 qm Nutzfläche:
Gebäudenutzfläche: rd. 6700 qm
Gesamtnutzfläche: 9749 qm
Ungenutzt, ehemaligen Kaserne, z. T. 3- , z. T. 4-geschoss., bis ca. 1919 Nutzung als Kaserne, danach verschiedene Nutzungen bzw. Teilnutzungen, 10.08.2015 durch Brand beschädigt, z. T. durch Löschwasser, beschädigt auch durch Witterungseinflüsse u. Vandalismus, ca. 1973 bis ca. 2010 Nutzung z. T. als Kindergarten, z. T. als Wohnungen bzw. als Obdachlosenunterkunft, seit ca. 2010 nicht mehr genutzt. Dreiflügliger Backsteinbau über drei Stockwerke mit viergeschossigen Ecktürmen.
Von 1868 bis 1870 diente sie den Preußen als Unterkunft für in Minden stationierte Soldaten und wurde im Anschluss bis zum Ende des Ersten Weltkrieges für militärische Zwecke eingesetzt.
Von 1919 bis Ende Oktober 2012 – mit Unterbrechung im Zweiten Weltkrieg – lag die Nutzung in den Händen der Stadt Minden und wurde von 1973 bis 2010 z. T. als Kindergarten und von 1973 bis 2011 z. T. als Obdachlosenunterkunft genutzt. Also seit ca. 2012 wurde das Gebäude nicht mehr genutzt.
Laut Entwicklungskonzept „NRW Urban“ (S. 74) befindet sich das Gebäude schon seit Langem in einem baulich schlechten Zustand und ist stark sanierungsbedürftig. Teile des Gebäudes unterliegen sogar einer Nutzungsuntersagung.

Hinzu kommt, wie in unserem Bericht (siehe ganz oben) beschrieben, dass schon im Jahr 2010 die BIMA das Interesse verfolgte, die Bahnhofskaserne aus der Denkmalliste auszutragen, um es abreißen zu können, da die Bahnhofskaserne für die Stadt Minden nur noch eine finanzielle Last darstellte. So blieb zwar der Denkmalschutz erhalten, aber die Stadt investierte keinen Cent in das Gebäude, sodass das Innenleben verfiel.

Dabei hat die Stadt Minden doch seit 2011 solch große Hoffnungen in das Laxviertel / die Laxburg gesteckt (s. Stadtumbau West auf der Webseite der Stadt) in puncto Entwicklung des Areals zwischen Altem Weserhafen und ehemaligem Güterbahnhof (inklusive Multifunktionshalle). Letztendlich war aber immer im Gespräch, den Denkmalschutz aufheben und das Gebäude abreißen zu wollen, um den Bereich am alten Güterbahnhof, an der Friedrich-Wilhelm Straße und der Hafenstraße umfangreich neu zu gestalten (s. Kurzbericht Radio Westfalica).

Beispielsweise finden sich Entwurfspläne zur Umgestaltung der Bahnhofskaserne auf der Webseite des Architekturbüros arch-work planungs gmbh aus Minden mit schickem Rundbogenglasdach, großem Innenhofgarten und einem Kino.

Endlich am 1. November 2012 einen Käufer gefunden, hatte dieser große Pläne, machte aber auch nichts draus. Am Abend des 10. August 2015 brach schließlich ein Feuer im Dachstuhl der Bahnhofskaserne aus.

Und schon rund ein Jahr später wird das Objekt zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben für rundgerechnet den gleichen Preis, für den die Kruse Immobilien GmbH die Kaserne in 2012 erwarb – von Denkmalschutz-Angaben keine Spur.

++ Update 09.12.2016 ++

Die Mindener Bahnhofskaserne hat einen neuen Besitzer laut Bericht von Radio Westfalica. Bei der Zwangsversteigerung am 8. Dezember 2016 vor dem Amtsgericht Minden erhielt Unternehmer Frank Kögel von der Kögel Immobilien GmbH aus Bad Oeynhausen den Zuschlag bei 361.000 Euro. Kögel Bau ist bereits durch die umfangreiche Sanierung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in aller Munde.

Der vorige Eigentümer Karl-Heinz Kruse, Geschäftsführer der Kruse Immobilien GmbH aus Lohfelden (Nordhessen), wollte dort – wie oben beschrieben – Studentenwohnungen errichten. Da es jedoch Probleme mit der Versicherung gab, wurde er zahlungsunfähig, teilt der Radiosender weiter mit.

Nun bleibt zu hoffen, dass der neue Eigentümer Kögel die eventuell noch denkmalgeschützte Außenfassade bestehen lässt, den Rest saniert (zum Beispiel mithilfe der oben genannten bestehenden Pläne des Architekturbüros arch-work planungs gmbh) und daraus ein gewinnbringendes Projekt macht. Denn zum Abreißen ist die Bahnhofskaserne einfach zu schade, bliebe doch ein wichtiges Stück Mindener Geschichte erhalten.

Quelle: Mindener Tageblatt, Wikipedia, Polizei Minden-Lübbecke, Pressestelle Minden, Zwangsversteigerung Aktuell, Radio Westfalica, OctoberNews


Diesen Bericht teilen: