Corona-News und -Zahlen vom 6. April 2020

Zusammenfassende Meldung vom Vortag - nur das Wichtigste aus Minden, Minden-Lübbecke und Deutschland

Maskenpflicht ist in Deutschland noch immer nicht Pflicht, obwohl die Zahl der Infizierten weiterhin steigt – Symbolfoto: Alexas_Fotos/pixabay CC0

Nach unseren aktuellen Beobachtungen scheinen viele Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Minden immer noch nicht den Ernst der Lage erkannt zu haben. In Supermärkten wird während des Schlenderns durch die Gänge sowie beim Anstehen an den Kassen oft der notwendige Mindestabstand von anderthalb Metern nicht eingehalten, Verkäufer/innen angepöbelt, weil kein Toilettenpapier vorrätig ist, Kassierer/innen von der Seite angehustet oder gar beschimpft, wenn diese darauf hinweisen, bitte keine Hamsterkäufe zu tätigen. Selbst auf einem weitläufigen Naturschutzgelände wie dem Hiller Moor wird zu den entgegenkommenden Fußgängern kein Sicherheitsabstand eingehalten. Im Gegenteil, gruppenweise wird die gesamte Breite des Weges eingenommen. Hinzu kommen Gäste, die extra aus Bielefeld oder dem Kreis Lippe mit dem Auto anreisen. Und trägt man eine Maske im öffentlichen Raum, wird man an der Ampel von Autofahrern angegafft, als wäre man im Zoo.

Da muss man sich nicht wundern, wenn die Zahl der Infizierten und Toten stetig steigt und CSU-Vorsitzender Söder mit Maskenpflicht “droht”. Hier ist unsere sechste zusammenfassende Meldung über die Fallzahlen und unserer Meinung nach wichtigsten Corona-Nachrichten aus Minden, Minden-Lübbecke und Deutschland vom 6. April 2020.

Corona-News allgemein

Die Corona-Pandemie nimmt immer weitere Ausmaße an. Wie sehr die deutsche Wirtschaft, Familien und Einzelpersonen unter den Folgen der Krise leiden, zeigt allein ein Blick auf die zahlreichen Petitionen von change.org, die in den letzten Wochen gestartet sind. Hotels, Gaststätten und andere Betriebe fordern, das Kurzarbeitergeld von derzeit 60 Prozent des Arbeitseinkommens deutlich aufzustocken (bis zu 90 Prozent). Manche bemängeln, dass seit Abschaffung des Zivildienstes der Bundeswehr es an helfenden Händen in Krankenhäusern fehle. Unter dem Hashtag #RechteStattReste fordert eine Initiative, HartzIV und Grundsicherung um 100 Euro monatlich aufzustocken, um die geschlossenen Tafeln abzufedern. Mehrere Petitionen fordern, die Mieten während der Coronakrise um 50 Prozent zu senken. Abiturienten fordern, die Prüfungen zu verschieben. Studenten, die ihre Jobs verloren, fordern finanzielle Hilfen. Andere fordern, aufgrund der Ausgangsbeschränkungen Abonnements für öffentliche Verkehrsmittel zu unterbrechen, um Geld einzusparen. Eine Kandidatin befürwortet sogar, dass jetzt die richtige Zeit gekommen wäre, ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) einzuführen.

Noch erschreckender finden wir, dass bisher lediglich rund 8500 Menschen die Petition “Wir sind mehr wert als ein Danke! Der Handelsaufstand beginnt jetzt!” unterzeichnet haben. Farina Kerekes, die ihre Petition an Wirtschaftsminister Peter Altmeier und Arbeitsminister Hubertus Heil richtet, weist umfangreich darauf hin, wie unterbezahlt Verkaufskräfte im Einzelhandel sind. Unter anderem führt sie aus:

“Von Klatschen können wir leider keine Altersvorsorge leisten. Auch die Konzernchefs bedanken sich jetzt bei “Ihren” Angestellten. Einige große Ketten wollen ihre Angestellten mit einem Warengutschein abspeisen. Das sind die gleichen Arbeitgeber, die seit Jahren die Gründung von Betriebsräten verhindern, die sich aus der Tarifbindung verabschieden, die Auszubildende als billige Arbeitskräfte ausnutzen, die sich den Gewinn in die eigenen Taschen stecken und die sich das Arbeitsrecht hinbiegen wie es ihnen passt. Uns reicht es jetzt! Wir sind mehr wert! Seit Jahren werden wir schon ausgebeutet. Nur noch 36% der Angestellten im Einzel- und Versandhandel werden nach Tarif bezahlt. Dabei sind 2 Millionen in Teilzeit angestellt und 800.000 nur geringfügig Beschäftigt. Dabei zeigt sich sehr deutlich, wer dieses System am Laufen hält: Ganze 70% der Angestellten sind Frauen.”

Als Sofortmaßnahme fordert sie eine Gefahrenzulage für alle Beschäftigten – mindestens 500 Euro (nicht als Warengutschein) – und Schutzmasken für alle. Als langfristige Maßnahme fordert sie ein, die Löhne zu erhöhen und eine allgemeinverbindliche Tarifbindung wiederherzustellen sowie den Unterbietungswettbewerb auf den Rücken der Angestellten zu unterlassen.

Corona-News aus Minden und Minden-Lübbecke

Eine erfreuliche Nachricht in der Coronakrise. Die freie Wählergemeinschaft “Bürger-Bündnis Minden” (BBM) hat – praktisch zeitgleich mit unserem Aufruf in der letzten zusammenfassenden Meldung – am 6. April 2020 einen Spendenscheck über 200 Euro an die Mindener Tafel überreicht, um Bedürftige mit Lebensmitteln zu unterstützen. Dazu die beiden BBM-Vorsitzenden Anton Dschida und Claudia Herziger-Möhlmann:

“Bis zu 350 Kunden besuchen die Mindener Tafel bis zu zwei Mal wöchentlich. Es sind bedürftige Menschen, die vorbeikommen und Lebensmittel für sich und ihre Familien gegen einen geringen Beitrag abholen. So werden ca. 1000 bis 1100 Mindener (sowie Petershäger und Heimser) mit Lebensmitteln versorgt, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Zur Verfügung gestellt werden viele dieser Lebensmittel von den lokalen Supermärkten.
In der Coronakrise ist das allerdings anders: Alle Kühllager der Tafel sind abgeschaltet, denn derzeit werden keine Lebensmittel mehr von den Supermärkten abgeholt. Die Tafeln sind darauf angewiesen, Lebensmittel zuzukaufen, um ihre Kunden versorgen zu können. Wer sich in einer akuten Lebensmittel-Notsituation befindet, vereinbart einen Termin bei der Mindener Tafel und kann dann haltbare Lebensmittel beim Team von Wolfgang Reichel und seiner Kollegin Nadine Dyck, der Tafelleiterin, abholen. Für nicht mehr mobile Tafelkunden gibt es einen Bringdienst.
Wir vom Bürger-Bürger Bündnis Minden wollen den Menschen helfen, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Daher haben wir uns dazu entschieden, zu helfen und zu spenden, anstatt in teure Wahlkampfaktionen zu investieren. Mit jeder Spende können gezielt benötigte Lebensmittel zugekauft werden.
Wir würden uns sehr freuen, wenn viele Mindener/innen unserem Beispiel folgen und der Mindener Tafel eine Spende zukommen lassen würden. Wir sagen jetzt schon einmal ‘Herzlichen Dank’ dafür.”

BBM-Vorsitzende Anton Dschida und Claudia Herziger-Möhlmann überreichten Wolfgang Reichel von der Minder Tafel einen Spendenscheck – Foto: BBM

Eltern, die die Elternbeiträge für den April 2020 bereits bezahlt haben, bekommen das Geld zurück.

Die Stadt Minden hat sich frühzeitig dafür entschieden, die Elternbeiträge für den offenen Ganztag, die Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege für den Monat April 2020 zu verzichten. Bei einigen Eltern wurde der Betrag aber bereits Ende des Monats März abgebucht. Für die Abwicklung gilt, dass von denjenigen, die ein SEPA-Lastschriftmandat erteilt haben, der Elternbeitrag für April 2020 nicht eingezogen wird (Fälligkeit: 5. April 2020). Beitragspflichtige, die einen Dauerauftrag eingerichtet und diesen für den Monat April 2020 nicht ausgesetzt haben, bekommen den Elternbeitrag unmittelbar nach Zahlungseingang in der Finanzbuchhaltung der Stadt Minden von dort zurück überwiesen. Eventuell werden Zahlungsrückstände verrechnet. Der Verzicht auf die Elternbeiträge gilt aktuell nur für April 2020. Eine eventuelle Aussetzung des Dauerauftrages sollte daher erst nur auf diesen Monat April beschränkt bleiben, teilt die Stadt Minden am 6. April mit.

Corona-News seitens der Bundesregierung

„Wir müssen die Menschen auf ein Leben mit der Pandemie vorbereiten. Dazu gehört natürlich das verstärkte Tragen von Masken dazu.“ Eine Aussage von vielen des Politikers Markus Söder in der TV-Sendung “ARD extra” (siehe Video) macht die Runde durch sämtliche Medien und sorgt für Empörung und Diskussionen in der Gesellschaft. Dabei wollte der CSU-Vorsitzende mit Blick auf die Nachbarländer lediglich darauf aufmerksam machen, dass die Coronakrise in Deutschland noch nicht vorbei ist, man sich nichts vormachen solle. Die Pflicht zum Tragen von Atemschutzmasken wäre halt – wie in vielen anderen Ländern – ein weiterer Schritt, um die stetig steigende Zahl von Infizierten und Toten einzudämmen. Schließlich nähen bereits jetzt zahlreiche Freiwillige Masken, die sie an Privathaushalte und Praxen verschenken.

Fallzahlen im Kreis Minden-Lübbecke und Deutschland

Wischen Sie auf dem Smartphone mit dem Finger die Tabelle nach rechts oder links oder nutzen Sie den Scrollbalken unterhalb der Tabelle.

Infektionen Genesungen Todesfälle
Kreis Minden-Lübbecke 410 185 1
Bad Oeynhausen 38 14 0
Espelkamp 34 20 0
Hille 29 11 0
Hüllhorst 31 10 0
Lübbecke 54 33 0
Minden 97 44 1
Petershagen 27 13 0
Porta Westfalica 11 6 0
Preußisch Oldendorf 16 3 0
Rahden 17 6 0
Stemwede 56 25 0
Deutschland 101.806 36.081 1.680

Quelle: Kreis Minden-Lübbecke (Fallzahlen 11 Uhr), Coronavirus-Monitor Berliner Morgenpost
Die ersten zwei Corona-Fälle im Kreis Minden-Lübbecke wurden am 6. März 2020 bekannt. Alle Angaben ohne Gewähr.


Diesen Bericht teilen: