Corona-News und -Zahlen vom 13. April 2020

Zusammenfassende Meldung vom Osterwochenende - nur das Wichtigste aus Minden, Minden-Lübbecke und Deutschland

Das große Warten auf die Erntehelfer – Spargelbauer haben für die Fachkräfte aus anderen EU-Ländern schon alles vorbereitet – Symbolfoto: onm

Wer hätte gedacht, dass das Thema „Schulöffnung“ einmal an oberster Stelle der bundesweiten Diskussionen stehen könnte – wohlgemerkt unter den Schülern – in den Osterferien. Landwirte warten in der Spargel-Saison noch immer auf Erntehelfer aus Rumänien und Polen. Nordrhein-Westfalen musste wegen Betrugsvorfällen die Auszahlung von Soforthilfen für Selbstständige und kleine Unternehmen stoppen. Kommt der „Shutdown“ oder die Lockerung der Coronavirus-Einschränkungen? Die Wirtschaft bangt um ihre Zukunft, Kurzarbeiter um ihren Arbeitsplatz.

Hier ist unsere neunte zusammenfassende Meldung über die Fallzahlen vom Vortag 13. April 2020 und unseres Erachtens wichtigsten Corona-Nachrichten aus Minden, Minden-Lübbecke und Deutschland aus den vergangenen Osterfeiertagen.

Corona-News allgemein

„Leopoldina“ und die Bildungspolitik

Gymnasiasten bangen um ihre Abiturprüfung, (nicht verbeamtete) Lehrkräfte um ihre Arbeitsstellen, Direktionen um ihre Schulen, Studenten um ihre Jobs, Unis um ihre Studenten, Eltern um ihre Kinder und die Kinder wollen wieder zur Schule und Freunde treffen. Verpasster Lehrstoff soll aufgeholt werden. Aber irgendwie funktioniert (fast) alles übers Internet. Die Bildungswelt steht Kopf in der Coronakrise. Aber „die Rettung naht“: Leopoldina.

Seit dem 21. März 2020 legt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina (in den Medien kurz „Leopoldina“ genannt) mit Sitz in Halle an der Saale, ein Zusammenschluss von rund 1600 Gelehrten, nach und nach sogenannte Ad-hoc-Stellungnahmen zur Coronavirus-Pandemie vor – nach ihrer eigenen Beschreibung „fachkompetente, unabhängige, transparente und vorausschauende Empfehlungen“ an die Politik und Öffentlichkeit. Doch die Ad-hoc-Stellungnahme vom 13. April erhitzt die Gemüter auf beiden Seiten – insbesondere der Abschnitt Nummer 6 „Bildungsbereiche schrittweise öffnen“.

So heißt es unter anderem in dem Papier, dass „die Wiedereröffnung der Bildungseinrichtungen sobald wie irgend möglich erfolgen sollte, und zwar schrittweise und nach Jahrgangsstufen differenziert“ – unter „Einhaltung der Vorgaben zu Hygiene, Abstand, Mund-Nasen-Schutz“ sowie „Testung und die Konsequenz der Quarantäne“ für eine „längere Übergangszeit“. Wohlwissend, dass während der Coronakrise „das Lernen zu Hause für viele Kinder, Schülerinnen und Schüler weniger effektiv ist als das Lernen in Schulen“. (Da der Link zur Webseite der Stellungnahme auf dem Internetportal der Akademie zurzeit nicht funktioniert, hier die PDF zum Nachlesen).

Doch wo wissenschaftliche Voraussicht auf reale Forderungen der Gesellschaft trifft, ist „nicht gut Kirschen essen“. Hier und da fehle es an Räumlichkeiten, um Klassen aufteilen und den nötigen Sicherheitsabstand einhalten zu können, an zusätzlichen Lehrkräften (zwei Klassen = 2 Lehrkräfte), an der (computer-) technischen Ausstattung, am Internetanschluss, an der Internetbandbreite. Wer soll kontrollieren, ob die Schüler sich regelmäßig gründlich die Hände waschen? Nun ja, die Antwort auf alle Fragen wird morgen seitens der Bundesregierung erwartet.

NRW-Soforthilfe gestoppt

Vor den Osterfeiertagen warnte die Landesregierung bereits davor, dass betrügerische Webseiten im World Wide Web unterwegs seien, die die Daten von NRW-Soforthilfe-Anträgen abgreifen würden. Aufgrunddessen musste die offizielle Webseite gesperrt werden, womit keine Anträge mehr möglich waren. Mittlerweile konnte die Kriminalpolizei Betrüger aus Panama identifizieren und mehrere dieser Fake-Webseiten löschen. Die Ermittlungen sind aber wohl noch nicht abgeschlossen. Recherchen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ hätten zudem ergeben, dass die Kriminellen die komplette Webseite des NRW-Wirtschaftsministeriums gefälscht hatten. Erst mal darauf reingefallen, wurden die Anträge wohl dahin gehend manipuliert, dass die Kontodaten der Antragsteller durch die der Betrüger ersetzt wurden, in der Hoffnung, dass das Geld vom Staat in ihre Hände gelangt.

Von dem mutmaßlichen Betrug seien ersten Schätzungen zufolge 3500 bis 4000 Antragsteller betroffen“, berichtete die Tagesschau am 10. April. Ob und inwiefern die Sicherheit des Online-Übertragungsweges auf der echten Webseite des Landes NRW gegeben war, wird zudem bezweifelt. Wer bemerkt hat, dass auf seinem Bewilligungsbescheid eine falsche Kontoverbindung (IBAN) verzeichnet ist, sei vermutlich Opfer des Betrugs geworden und sollte Strafanzeige erstatten – bevorzugt über die Internet-Wache der Polizei NRW: https://polizei.nrw/internetwache. In diesem Fall kann ab dem 17. April 2020 ein neuer Antrag gestellt werden, heißt es in einer aktuellen Pressemeldung des Ministeriums.

Günstige Erntehelfer unter wagen Bedingungen für deutschen Spargel

Am 3. April gab die Bundesregierung bekannt, in der Spargelernte-Saison bis zu 80.000 Erntehelfer aus anderen EU-Staaten einfliegen zu lassen, sofern sie einen Gesundheitscheck bestehen und sich an bestimmte Corona-Maßnahmen halten (siehe unsere Meldung vom 6. April). Mit Stand 9. April, 12 Uhr, hätten auch rund 1200 landwirtschaftliche Betriebe insgesamt 10.000 Saisonarbeitskräfte für den Monat April registriert und zur Einreise angemeldet sowie etwa 5000 Saisonarbeitskräfte für den Monat Mai laut Deutscher Bauernverband. Zwischenzeitlich seien auch bereits einige Tausend Erntehelfer eingeflogen worden. Doch es gab Zwischenfälle. In Rumänien hätten sich die dringend benötigten Fachkräfte am Flughafen gedrängelt, nicht den nötigen Abstand eingehalten. Inwiefern jetzt die Bundesregierung und der Bauernverband darauf reagiert, bleibt abzuwarten.

Wir standen heute Nachmittag gegen 15 Uhr vor einem Spargelfeld in Minden. Von Erntehelfern keine Spur. Aber die Körbe zum Befüllen stehen bereit. Außerdem rankten bereits die ersten Spargelstangen durch die Schutzfolien. Wann das „große Warten auf die Billig-Arbeiter aus den ehemaligen Ostblockstaaten“ für die Landwirte ein Ende hat – schaun wir mal. Aber: Warum kann Deutschland nicht eine Saison auf Spargel verzichten? Die Frage lassen wir mal im Raum stehen.

Corona-News aus Minden und Minden-Lübbecke

„Die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Minden-Lübbecke haben sich an den Ostertagen wirklich vorbildlich verhalten“, lobt Landrat Dr. Ralf Niermann. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir in einem ländlichen Kreis leben, in dem die Wege in die freie Natur verhältnismäßig kurz und damit die Möglichkeit für Freizeit und Erholung außerhalb der eigenen vier Wände auch in Zeiten von Corona relativ nah ist.“ Auch nach dem Osterwochenende bleibt die Entwicklung ruhig, heißt es in einer aktuellen Pressemeldung des Kreises.

Entschuldigung, an dieser Stelle müssen wir eingreifen. Was sich nicht in der Öffentlichkeit bewegt hat, hielt sich umso mehr in den Privatgärten auf. Über das Osterwochenende konnten wir verstärkt Besucher aus der ehemaligen DDR, Hamburg, Schaumburg, Lippe und Polen beobachten (zu erkennen an den Kfz-Kennzeichen), die ihre Familien oder Freunde in der Stadt Minden besuchten. Grills und Räucheröfen liefen heiß, Massen von Menschen tummelten sich in den Gärten, insbesondere zu Ostersonntag – und das nicht mal leise. Versammlungsregeln einhalten auf dem eigenen Grundstück? Ein Fremdwort! Ist doch die eigene Familie, oder?! Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Warten wir einfach eine Woche bis 14 Tage ab, ob die Infektionszahlen ansteigen oder nicht. Und da war doch noch was? Ach ja …

Corona-News seitens der Bundesregierung

Das Gesundheitsministerium hat am Donnerstag, 9. April, sehr kurzfristig eine neue Verordnung erlassen, teilt die Stadt Minden in einer Pressemeldung mit. Diese trägt den Titel „Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 in Bezug auf Ein- und Rückreisende (CoronaEinreiseVO)“.  Diese gilt vom 10. April, 0 Uhr, bis einschließlich 19. April. Dabei handelt es sich um eine neue Regelung für Einreisende und Reiserückkehrer. Hintergrund ist, dass das Robert Koch-Institut ab heute die Ausweisung von Risikogebieten einstellen wird. Die Verordnung stellt eine Verschärfung zu bisherigen Regelungen dar.

Seit dem 10. April müssen Einreisende und Rückreisende sich sofort für 14 Tage in häuslichen Verbleib begeben und dürfen in der Zeit auch keine Personen außerhalb des Hausstandes empfangen. Betroffene Personen müssen sich unmittelbar nach der Ein- oder Rückreise beim Kreis-Gesundheitsamt melden. Für die Überwachungspflicht ist die Ordnungsbehörde zuständig. Verstöße gegen die Regelung stellen eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann.

Die Verordnung regelt, dass Personen, die auf dem Land-, See- oder Luftweg aus einem Staat außerhalb der Bundesrepublik Deutschland in das Land Nordrhein-Westfalen einreisen und sich zuvor mehr als 72 Stunden im Ausland aufgehalten haben, verpflichtet sind, sich unverzüglich nach der Einreise auf direktem Weg in die eigene Häuslichkeit oder eine andere geeignete Unterkunft zu begeben. Diesen Aufenthaltsort dürfen sie für einen Zeitraum von 14 Tagen nach ihrer Einreise in die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr verlassen. Das gilt auch für Personen, die zunächst in ein anderes Bundesland der Bundesrepublik Deutschland eingereist sind. Von der Grundanordnung sind Ausnahmen in Paragraf 2 der Corona-Einreiseverordnung geregelt. Weitergehende Ausnahmen können nur nach Einzelfallprüfungen über die Ordnungsbehörde zugelassen werden.

Der Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Stadt Minden (SAE) hat sich am Freitagnachmittag mit der Verordnung befasst. Die neue Verordnung ist auf der Internetseite www.minden.de/corona eingestellt.

Fallzahlen im Kreis Minden-Lübbecke und Deutschland

Wischen Sie auf dem Smartphone mit dem Finger die Tabelle nach rechts oder links oder nutzen Sie den Scrollbalken unterhalb der Tabelle.

Infektionen Genesungen Todesfälle
Kreis Minden-Lübbecke 482 256 3
Bad Oeynhausen 43 21 0
Espelkamp 38 26 0
Hille 32 16 1
Hüllhorst 36 18 0
Lübbecke 55 33 0
Minden 113 70 1
Petershagen 33 21 0
Porta Westfalica 23 7 0
Preußisch Oldendorf 18 3 0
Rahden 23 7 0
Stemwede 68 34 1
Deutschland 128.208 62.925 3.043

Quelle: Kreis Minden-Lübbecke (Fallzahlen 11 Uhr), Coronavirus-Monitor Berliner Morgenpost
Die ersten zwei Corona-Fälle im Kreis Minden-Lübbecke wurden am 6. März 2020 bekannt. Alle Angaben ohne Gewähr.


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