Bürgermeister Jäcke meldet sich zur Kaufland-Schließung zu Wort

Trotz Umfeldverbesserung in der Innenstadt immer noch kein tragfähiges Konzept für die Obermarktpassage - Bürgermeister von Minden bedauert Auszug von Kaufland

Die fast leerstehende Obermarktpassage in der Mindener Innenstadt bleibt ein „Sorgenkind“, kritisiert Bürgermeister Michael Jäcke – Archivfoto: onm

Mindens Bürgermeister Michael Jäcke bedauert den Auszug der einzigen Kaufland-Filiale aus der Obermarktpassage Ende September: „Es gab viele Gespräche, viele Ideen, aber noch liegt kein tragfähiges Konzept auf dem Tisch.“

Nach unserem in sozialen Medien viel diskutierten Bericht zur Schließung der einzigen Kaufland-Filiale in Minden beraumte Mindens Bürgermeister Michael Jäcke am 13. September 2017 ein (für uns unbekanntes) Pressegespräch ein und teilt per Pressemeldung vom 14. September mit:

Die weitgehend leerstehende Obermarktpassage in der Mindener Innenstadt bleibe ein „Sorgenkind“ – für die Bürgerinnen und Bürger, die sich unbedingt wieder Belebung wünschen, und auch für die Stadt Minden, die in den vergangenen Jahren sehr viel zur Umfeldverbesserung mit dem neuen ZOB (Zentralen Omnibusbahnhof) und der Neugestaltung der Fußgängerzone beigetragen habe.

„Es gibt nach wie vor Interessenten und die eine oder andere Idee. Aber ein potenzieller Investor mit einem umsetzungsfähigen Konzept hat sich hier im Rathaus noch nicht gemeldet“, fasst Bürgermeister Jäcke zusammen. Für ihn sei es „sehr bedauerlich“, dass nun Ende September auch noch der Lebensmitteleinzelhändler Kaufland die Türen schließt und der Eigentümer sich offenbar wenig bemüht habe, die Fläche wieder zu vermieten. Viele Menschen aus der Innenstadt und der Altstadt würden hier regelmäßig einkaufen.

Jäcke habe zahlreiche Gespräche mit Lebensmittel-Unternehmen geführt, die letztlich aber kein Interesse gezeigt hätten. Des Weiteren habe er mit enttäuschten Bürgerinnen und Bürgern geredet, die nun keine adäquate Auswahl an Lebensmitteln mehr in der Innenstadt hätten.

Der Wochenmarkt biete nur ein begrenztes Sortiment und es gebe auch einen türkischen Lebensmittelladen am Königswall, aber eben keinen größeren Markt in der Nähe der Innenstadt, benennt Jäcke das Problem, das derzeit viele Mindener umtreibt.

„Es ist aber nicht die Aufgabe der Stadt, für ein Lebensmittelangebot zu sorgen“, macht der Bürgermeister deutlich. Grundsätzlich sei es in jedem freistehenden Geschäft der Innenstadt möglich, einen Lebensmittel-Markt zu eröffnen. Das sehe das Einzelhandelskonzept der Stadt vor. Es gebe auch Beispiele von kleineren City-Läden in größeren Städten, die ein Grundsortiment vorhalten, weiß Jäcke. Aber auch hier habe sich bisher kein Interessent gemeldet.

Die Branche arbeite mit geringen Gewinnmargen im einstelligen Prozentbereich, deshalb werde eine Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes auch immer sehr genau von den Unternehmen geprüft, erklärt der Bürgermeister weiter. Aus den geführten Gesprächen habe sich außerdem ergeben, dass das Parken in einer Tiefgarage, um Lebensmittel in einer anderen Ebene einzukaufen, für Kunden heutzutage ein Hindernis sei. Auch sei die Eingangssituation in der Passage für „Kaufland“ wenig attraktiv gewesen.

„In einem Center muss eigentlich alle zehn Jahre ein Relaunch stattfinden, sonst gibt es irgendwann Leerstände“, macht Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz deutlich. Bei der Mitte der 1980er Jahre gebauten Obermarktpassage habe es einige Eigentümerwechsel gegeben und die meisten hätten sich „wenig gekümmert“. Lediglich eine weitere Tiefgarage sei im Zuge der Neugestaltung des ZOB gebaut worden, die aber auch nur wenig genutzt werde.

Der Eingang der Obermarktpassage von der Obermarktstraße aus passt zwar gut ins historische Stadtbild, beinhaltet aber ein „Trümmerfeld“ an leerstehenden Geschäften – Archivfoto: onm

Die Stadt habe „ihre Hausaufgaben“ mit der neu gestalteten Obermarktstraße – mit neuem Pflaster, Lampen, Möbeln, Spielzeugen und einem Wassertisch am Kaak – gemacht. Das müsste eigentlich ein Ansporn für den Eigentümer (der Obermarktpassage) sein. Aber hier gebe es bereits seit Monaten nur sporadischen Kontakt, bedauert Bursian.

Die Obermarktpassage sei weitgehend im Besitz eines Immobilienfonds mit Namen „Promontoria“. Das Unternehmen habe vor einiger Zeit die Jones Lang LaSalle GmbH, ein Dienstleistungs-, Beratungs- und Investment-Management-Unternehmen aus den USA, mit der Vermietung und dem Verkauf beauftragt.

Die Stadt Minden sei im Besitz der ehemaligen Stadthalle (im Obergeschoss der Obermarktpassage), die seit 2012 geschlossen sei. „Die Stadthalle – das haben wir auch immer gegenüber dem Eigentümer deutlich gemacht – kann als wichtiges Element in dem Objekt mit in Verhandlungen eingebracht werden“, so der Bürgermeister. Aber sie sei eben nur ein Teil im gesamten Konstrukt Obermarktpassage.

Liege ein gutes Konzept für die Passage vor, „würden wir als Stadt das gerne mittragen und die Stadthalle in die Waagschale werfen. Der Preis spielt dabei keine Rolle“, wiederholt Jäcke (siehe unser Bericht von 2016). Der Stadt sei es wichtig, dass es vorangehe. Momentan sehe es aber leider nicht so aus.

Die Stadt habe die Planungshoheit, könne potenzielle Interessenten unterstützen und auch zu Problemlösungen beitragen, so Jäcke zur Rolle der Verwaltung. Sie beabsichtige aber nicht, aus Steuermitteln die Immobilie zu kaufen. Der Verkauf bzw. die Vermarktung sei Sache des Eigentümers und des freien Marktes. Es gebe deshalb bei der Stadt Minden auch keinen Plan B. „Wir werden weiter versuchen, mit dem Eigentümer im Gespräch zu bleiben, haben immer offene Türen für alle Interessenten und hoffen, dass sich hier irgendwann einmal etwas wieder nach vorne bewegt“, erläutert der Bürgermeister.

Nicht nur die Stadt Minden, sondern auch die Immobilien-Standortgemeinschaft (ISG) Obermarkt-Quartier habe immer wieder den Kontakt zu potenziellen Interessenten gesucht und Gespräche geführt. Auch die ISG möchte den Standort nach vorne bringen. Doch auch der ISG seien hier weitgehend die Hände gebunden, stellt Bursian klar und erklärt abschließend:

„Sehr positiv sehen wir, dass die Neugestaltung der Fußgängerzone schon erste Früchte trägt.“ So gebe es seit einigen Monaten auch Gastronomie ganz in der Nähe der Passage, die sehr gut angenommen werde. Und in Kürze sollen hier weitere Geschäfte öffnen.

ON: Sprich, seit vielen Jahren wird viel geredet und bedauert, vor allem Floskeln wiederholt. Das können wir auch, denn Bürgermeister Michael Jäcke irrt sich in einem Punkt: Wie in unserem Bericht vom 8. September 2017 beschrieben, bieten sich – mit dem Auto ca. 5 bis 10 Minuten entfernt von der Innenstadt – viele Einkaufsmöglichkeiten / größere Märkte im (für die Verwaltung der Stadt Minden anscheinend immer noch unaussprechlichen) Bezirk Rodenbeck in der Lübbecker Straße, an der Ringstraße und in der Königstraße (dort, wo stadtbekannte Herrschaften regelmäßig essen gehen und Besprechungen führen).

Textquelle: Pressestelle der Stadt Minden, Ergänzung: OctoberNews


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