Bückeburger Stadtkirche rüstet sich für 400. Geburtstag

Frontfassade der Stadtkirche Bückeburg ist aufgrund Sanierungsarbeiten zurzeit komplett eingerüstet

Fotos: onm
Ein Baugerüst ziert zurzeit die Frontfassade der Stadtkirche Bückeburg – Fotos: onm

Wer die Stadt Bückeburg in diesem Jahr 2014 besucht, wird von der Hauptfassade der historischen Stadtkirche nichts erkennen können, denn diese wird zurzeit aufgrund des bevorstehenden 400. Geburtstag bis Mitte 2015 saniert und ist daher komplett eingerüstet.

Die Bückeburger Stadtkirche in Niedersachsen gilt als das erste bedeutende Kirchenbauwerk des frühen Protestantismus in Deutschland. Der Kirchenbau wurde 1615 von dem Schweizer Bildhauer Giovanni (Johann) Maria Nosseni abgeschlossen, beauftragt durch Graf Ernst zu Holstein-Schaumburg, damals regierender Graf von Schaumburg und Holstein-Pinneberg. Die Stadtkirche wurde aus Obernkirchener Sandstein erbaut. Heute ist sie Sitz der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bückeburg sowie seit 1949 Bischofskirche der evangelisch-lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe.

Eigentlich hätte die Bückeburger Stadtkirche schon im Jahr 2013 ihren 400. Geburtstag groß feiern können, wenn man den Ausführungen des Buchautors Thorsten Albrecht und dem Bericht des Hans-Peter Fiebig im Gemeindebrief „Salzkorn Nr. 40“ folgt, schließlich steht über dem Hauptportal der Stadtkirche die Jahreszahl 1613. Tatsächlich war der Rohbau des Kirchengebäudes bereits 1613 fertiggestellt worden. Denn Statiker hatten damals rechtzeitig herausgefunden, dass die schlechte Bodenbeschaffenheit unter dem Fundament der Kirche das Gewicht eines höheren Turmes nicht aushalten würde. Einem alten Bauplan zufolge sollte die Stadtkirche doppelt so hoch gebaut werden, 65 Meter anstatt heute 33,5 Meter. So verzichtete man auf den Turm und gestaltete den sog. Westgiebel (die Frontfassade) umso prunkvoller. Am Sonntag Exaudi 1615 fand sodann die öffentliche Einweihung der Kirche statt. 

Die Frontfassade der Bückeburger Stadtkirche, wie sie bis 2013 aussah - Foto: onm / Archiv 2005
Die Frontfassade der Bückeburger Stadtkirche, wie sie bis 2013 aussah – Foto: onm / Archiv

Die Gemeinde hatte den eigentlichen Geburtstag der Stadtkirche natürlich nicht vergessen, sondern veranstaltete bereits 2013 am Sonntag Kantate ein kleines Gemeindefest anlässlich der Fertigstellung des Rohbaus.

Zu erwähnen ist auch, dass die Bückeburger Stadtkirche wahrhaftig nicht die erste Kirche in Bückeburg ist. Denn bis zur Fertigstellung der Bückeburger Stadtkirche gingen damals die Bückeburger in eine Dorfkirche in Jetenburg, der älteste Stadtteil von Bückeburg (entlang der Jetenburger Straße), welcher früher ein eigenständiges Dorf war, heute jedoch auf keiner Landkarte mehr zu finden ist. Bereits im 12. Jahrhundert stand hier eine Kirche. Diese wurde durch die Jetenburger Kirche, wie sie heute noch existiert, ersetzt und noch vor dem Bau der Stadtkirche im Jahr 1573 fertiggestellt.

Aber zurück zur Bückeburger Stadtkirche. Die Sanierung der Hauptfassade wird nach Bericht der Schaumburger Nachrichten zufolge wohl rundgerechnet 1,62 Millionen Euro verschlingen – ein hübsches Sümmchen für eine kleine Stadt in Niedersachsen, die selbst nur um die 45.000 Euro im Jahr 2014 davon trägt. Den Rest erhofft man sich vom Bund, diversen Umweltstiftungen, der Synode der Landeskirche und von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz. Obwohl der Bund noch nicht zugesagt hat, wurde mit der Sanierung der Westfassade bereits Anfang dieses Jahres begonnen.

Da braucht es schon Gottes Händchen, große Überredenskunst des Fürstenhauses aus dem Schloss Bückeburg und des Kirchenvorstands Pastor Wieland Kastning sowie des Landeskirchenrats Schaumburg-Lippe unter Leitung des Präsidenten und Juristen Sebastian H. Geisler, um dieses Millionenprojekt schuldenfrei umsetzen zu können.

Aber es heißt ja: „Wer Gutes tut, dem wird Gutes widerfahren!“ Schließlich bietet die Bückeburger Stadtkirche ein ständiges umfangreiches Programm von normalen Gottesdiensten über Freizeitfahrten bis hin zu einzigartigen (leider kostenpflichtigen) Musikveranstaltungen, deren Tickets man über eventim buchen kann. Auch während der Sanierungsarbeiten bleibt der Innenraum der Stadtkirche für sämtliche Veranstaltungen geöffnet und kann besichtigt werden.

Denn „Gott nahe zu sein, ist mein Glück“ (Psalm 73, 28)  lautet die diesjährige sog. Jahreslosung – dieses Bibelwort kann doch bei dem Bauvorhaben nur helfen.


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