Bombenfund in Minden-Rodenbeck

1000-Kilo-Bombe in Baustelle vor Penny-Markt entdeckt, Menschen evakuiert und Bombe erfolgreich entschärft

Fotos: onm
Feuerwehr brachte ältere Anwohner mit Familie außerhalb der Evakuierungszone – Foto + Bilderstrecke: onm

Minden im Ausnahmezustand. Am 28. Juli 2014 wurde eine 1000 Kilo schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg während morgendlichen Bauarbeiten (Versorgungsleitungsverlegen) vor einem Penny-Markt in der Rodenbecker Straße in rund 1,5 Meter Tiefe entdeckt.

Laut einem Interview mit dem Feuerwerker des Kampfmittelräumdienstes aus Arnsberg, Karl-Heinz Clemens, handele es sich hierbei um eine doppelt bezünderte amerikanische Fliegerbombe, deren Größe wohl selten sei. Die Bombe hätte zwei Zündsysteme, einen Bodenzünder und einen Kopfzünder.

Sogleich wurden Evakuierungsmaßnahmen von der westfälischen Stadt Minden in die Wege geleitet, Pläne an Einsatzkräfte verteilt und im Internet veröffentlicht. Örtliche Medien berichteten im Liveticker und Radio Westfalica informierte die Bürger zusätzlich. Außerdem wurde eine Hotline für die Mindener eingerichtet.

Im Umkreis von ca. 700 Metern um die Fundstelle in Minden-Rodenbeck mussten zwischen 18 und ca. 23 Uhr Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen sowie Obdachlose sich aus der Evakuierungszone begeben. Altenheimbewohner wurden in Sicherheit gebracht, was wegen der Liegentransporte zu einer Verzögerung der Bombenentschärfung führte, die eigentlich schon um 22 Uhr beginnen sollte. Außerdem mussten Sportplätze geräumt werden.

Zahlreiche Absperrungen, sogar an Park- und sonstigen Durchgangswegen, und polizeiliche Einsatzkräfte sorgten dafür, dass während der Evakuierungsphase weder Fahrzeuge noch Fußgänger Zutritt erlangten.

Untergebracht wurden die Evakuierten im Besselgymnasium, wo sie sich registrieren mussten und angemessen versorgt wurden. Größtenteils brachten die Mindener eigene Lebensmittel mit und kamen sogar mit vollbepackten Koffern an. Die Kampa-Halle stand notfalls zur Verfügung, falls das Gymnasium überfüllt wäre, was gegen ca. 21:30 Uhr bereits der Fall war. Autos durften auf dem Parkplatz der Kampa-Halle abgestellt werden.

Rote Sonderbusse fuhren in regelmäßigen Abständen immer wieder die gleichen vorgegebenen Stationen ab, wie z. B. der sympathische Busfahrer, den wir am Schwabenring Ecke Rodenbecker Straße antrafen, um möglichst viele Menschen zum Besselgymnasium transportieren zu können. Wir grüßen ihn an dieser Stelle herzlich, denn er winkte uns bei seiner nächsten Tour noch aus dem voll besetzten Bus zu. 

Der Einsatzleiter eines Rettungsdienstes am Gymnasium durfte uns ansonsten keine Auskunft geben, das wäre allen Einsatzkräften strikt untersagt worden. Die einzige Chance, an Informationen heranzukommen, wäre die offizielle Pressekonferenz, die in der Feuerwehrwache Marienstraße 75 abgehalten wurde.

Auf dem Schwabenring, eine bekannte Durchfahrtsstraße in Minden-Rodenbeck, bildeten sich Staus an den Ampeln und Kreuzungen. Eine Dame kam gerade vom Tennis und wunderte sich, dass die Straße so voll ist: „So was habe ich ja noch nie erlebt.“ Sie fragte, was hier los sei und ob irgendwas im Radio kam. Von einer Bombe wusste sie nichts. Sie zeigte auf ein Gebäude, wo sie wohne, was direkt an der Grenze außerhalb der abgesperrten Zone lag.

Fundstelle der Bombe Rodenbecker Straße am Penny-Markt
Fundstelle der Bombe in der Rodenbecker Straße am Penny-Markt – Leserfoto: Joachim G.

Gegen 20:45 Uhr hörte man immer wieder Aufrufe über Lautsprecher aus der Kuhlenstraße, dass die Bewohner ihre Behausungen verlassen möchten. Allerdings sollen sich etliche Menschen geweigert haben, ihre Häuser zu verlassen, was zu Evakuierungsproblemen führte und den Beginn der Bombenentschärfung stundenlang hinauszögerte. Obwohl man gegen 0.38 Uhr damit begonnen hatte, musste gegen 1 Uhr morgens die Aktion deshalb gestoppt werden.

„Das reinste Chaos“, bemerkte ein älterer Herr im Vorbeigehen, „das ist ja wie im Zweiten Weltkrieg. Damals bei der Bundeswehr hätten wir dafür eins auf den Deckel gekriegt.“

Ein älteres Ehepaar machte sich auf den beschwerlichen Fußweg zu ihrer Tochter, die ganz nah außerhalb der Evakuierungszone wohnt. Ansonsten versammelten sich Menschen an den verschiedensten Stellen, um Informationen auszutauschen. Polizisten hatte eine Menge Aufklärungsarbeit zu leisten, beantworteten geduldig jede Frage der Anwohner und zeigten anhand des ihnen ausgehändigten Evakuierungsplans, welche Straßen gesperrt und welche frei zugänglich waren.

Insbesondere in der Schenkendorfstraße ging es hoch her. Die Schlange herausfahrender Fahrzeuge wollte nicht enden. Und Rodenbecker Bürger standen immer wieder überrascht an der Absperrung, was denn hier los sei. Andere holten ihre älteren Verwandten mit dem Auto ab. Die Mindener Feuerwehr befand sich außerdem im Dauereinsatz.

Von 22 bis 24 Uhr hörte man immer wieder das Martinshorn aufheulen. Gegen 23 Uhr wurde die Evakuierungszone am Schwabenring etwas erweitert und die Zufahrt zur Rodenbecker Straße dreifach abgesichert. Gegen 0.20 Uhr sollen sich Mindener den Scherz erlaubt haben, Böller in der Nordstadt von Minden knallen zu lassen.

Unter dem Hashtag #mindenbombe beim Kurznachrichtendienst Twitter wurde aufgeregt mitgefiebert bis zum Zeitpunkt der Bombenentschärfung. Die Online-Webseite des Mindener Tageblatts litt aufgrund des großen öffentlichen Interesses gegen 23 Uhr unter Serverüberlastung. Die Mindener Rundschau informierte weiter. Kurz vor Mitternacht spielte Radio Westfalica „The Final Countdown„, ein Lied der schwedischen Hardrockband Europe, was kurzerhand für Aufruhr sorgte.

Gegen 0.30 Uhr standen DRK-Einsatzkräfte auf Kanzlers Weide (ein Großraumparkplatz an der Weser in Minden, der von Wohnmobilen stark genutzt wird) und warteten darauf, endlich nach Hause zu kommen. Im Übrigen waren aus Bielefeld Dutzende von ehrenamtlichen Helfern vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) nach Minden gekommen, um tatkräftig zu unterstützen.

Die Bombenentschärfung wurde letztendlich von den Mitarbeitern der benannten Firma für Kampfmittelbeseitigung um 1.25 Uhr erfolgreich durchgeführt. Die Bombe wurde abtransportiert, diese ja wahrscheinlich irgendwo kontrolliert gesprengt wird.

Die evakuierten Menschen konnten gegen 2.20 Uhr zu ihren Wohnplätzen zurück und waren froh, endlich ins Bett zu kommen.

Das Team der Bombenentschärfer aus Arnsberg übermittelte ein Foto von Karl-Heinz Clemens zusammen mit der Bombe, was auch bei Twitter veröffentlicht wurde. Außerdem wurde das Hashtag #mindenbombe in den Twitter-Trends aufgenommen.

Die Bombe aus dem zweiten Weltkrieg ist um 1.30 Uhr entschärft gewesen
Die Bombe aus dem zweiten Weltkrieg ist um 1.25 Uhr entschärft gewesen – Foto: Pressestelle Minden / Clemens

Etliche Mindener Bürger, insbesondere Rodenbecker, bedankten sich schlussendlich bei den tatkräftigen Einsatzkräften und Helfern. Es machte zwar teilweise einen chaotischen Eindruck für Außenstehende, insbesondere für diejenige, die von den Absperrungen, Verkehrsstaus und der Nachricht rund um die Bombe überrascht wurden. Doch letztlich hatte man alles unter Kontrolle und das Team der Kampfmittelbeseitigung, insbesondere Karl-Heinz Clemens, wurden zu Helden des Tages ernannt.

Auch wir danken allen, die die Evakuierung erfolgreich managten und sich die Nacht auf der Straße um die Ohren schlagen mussten, wie natürlich dem Team aus Arnsberg, das nach etlichen Verzögerungen erfolgreich die Bombe entschärfen konnte.

Allen Rodenbeckern, insbesondere den über Nacht Evakuierten, wünschen wir heute einen ruhigen, sonnigen Tag!


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