Bomben-Sondierungen auf Multifunktionshalle-Gelände in Minden

Stadt Minden untersucht ehemaliges Güterbahnhofsgelände auf Verdacht nach drei Blindgängern aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg - steht Evakuierung bevor?

Auf dem alten, verwilderten Güterbahnhofsgelände hinter dem Mindener Bahnhof hat sich noch nicht wirklich viel getan, seitdem die Stadt Minden das Grundstück für Neubaumaßnahmen erwarb – nun kommen Sondierungsuntersuchungen wegen Verdachts auf Blindgänger hinzu – Archivfoto: onm

Auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände und Nachbargrundstücken führt die Stadt Minden zurzeit erste Sondierungsuntersuchungen wegen des Verdachts auf drei Blindgänger aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg durch. Hierbei handelt es sich um das Gelände hinter dem Mindener Hauptbahnhof, auf dem die geplante Multifunktionshalle gebaut werden soll. Ist in Minden bald wieder mit Evakuierungen tausender Menschen zu rechnen?

Dass auf dem 43.000 Quadratmeter großen Baugelände, das 2016 im Rahmen eines Integrierten Städtebaulichen Konzeptes (ISEK), zum Beispiel für den Bau der geplanten Multifunktionshalle(n), von der Stadt Minden erworben wurde, Bomben aus den beiden Weltkriegen liegen könnten, haben viele Mindener über die Facebook-Seite Minden an der Weser, geführt von Nico Ohlemeyer, bereits am 16. Oktober erfahren.

Er machte mit seinem Post darauf aufmerksam, dass die DB Systemtechnik Minden einen Blindgängerverdachtspunkt bestätige, und erklärte: „Eine Überprüfung soll in der KW 45 oder 46 stattfinden. Sollte dort eine Bombe gefunden werden, so wird sie wohl im Februar 2018 entschärft werden – zusammen mit den anderen beiden Fällen, die nicht näher spezifiziert wurden, womit aber die mittlerweile kolportierten Bombenfunde auf dem Multihallen-Gelände gemeint sein dürften. Kommt es zu einer Entschärfung, so wird die Bahnstrecke wohl komplett gesperrt werden und hunderte, wenn nicht tausende Anwohner müssen sich auf eine Evakuierung einrichten. Inwieweit diese Entwicklung den bereits nach hinten verschobenen Zeitplan beim Projekt Multihalle noch mehr verzögert, muss sich zeigen.“

Am 23. Oktober habe sodann nach seinen Angaben die Stadtverwaltung Minden den Verdacht auf Blindgänger gegenüber DB Systemtechnik bestätigt: „… ja, es gibt den Blindgängerverdachtspunkt im Bereich des Bahngeländes. In diesem Jahr wird durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst eine Überprüfung durchgeführt. Ob und welche Folgemaßnahmen daran angeschlossen werden sollen, hängt von den Ergebnissen der Überprüfung ab. Darüber wird die Bevölkerung frühzeitig informiert.“

Am 10. November gab die Stadt Minden per Pressemitteilung nun bekannt, dass die Arbeiten des beauftragten Kampfmittelbeseitigungsdienstes bis Freitagnachmittag beendet sein sollen. Genauer heißt es: „Die Bezirksregierung Arnsberg, die in Nordrhein Westfalen für die Beseitigung von Kampfmitteln aus den beiden Weltkriegen verantwortlich ist, nimmt im Auftrag der Stadt Minden und der Deutschen Bahn AG in dieser Woche Sondierungen auf den beiden Grundstücken vor. Damit ist ein darauf spezialisiertes Unternehmen beauftragt. Die Arbeiten sollen am Freitagnachmittag beendet sein.“ Davon ausgehend, dass hier Freitag, der 10. November, gemeint ist, sollten die ersten Sondierungsuntersuchungen also schon gelaufen sein.

Wo ungefähr die drei Verdachtspunkte auf Blindgänger liegen, hat uns Kommunalberater Jürgen Schnake verraten – Markierungen: onm, Karte: OpenStreetMap-Mitwirkende CC BY-SA

Zudem teilt die Stadt Minden mit, dass „seit Längerem bekannt“ sei, dass auf dem benachbarten Grundstück der Deutschen Bahn AG es insgesamt drei Blindgänger-Verdachtspunkte gebe, die nun „genauer unter die Lupe genommen“ würden. Grundlage für den Verdacht seien alte Luftkarten der Alliierten, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aufgenommen wurden.

„Danach müssen zunächst die Messergebnisse ausgewertet werden“, erläutert Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Mehr Klarheit darüber, ob etwas gefunden wurde, gebe es im Laufe der kommenden Woche (46. KW). „Dann wird die Stadt Minden in Absprache mit der Bezirksregierung darüber informieren“, kündigt Pressesprecherin Susann Lewerenz an.

Sollte es einen positiven Befund geben, müssten dann weitere Untersuchungen und vorbereitende Maßnahmen erfolgen, wie beispielsweise das Abpumpen von Grundwasser, aber auch Folgendes, wie die Stadt mitteilt:

Um einen Untergrund auf eine potenzielle Belastung durch Kampfmittel hin zu untersuchen, muss dieser geophysikalisch sondiert werden. Hierbei werden von dem beauftragten Unternehmen – je nach Untersuchung – die geophysikalischen Verfahren Geomagnetik, Elektromagnetik und Georadar eingesetzt. Bei der laufenden Bohrlochsondierung werden erschütterungsarme Bohrungen mit drehender Schnecke ausgeführt, um die Bohrlöcher anschließend geophysikalisch zu sondieren. Mit dieser Vorgehensweise können alle Tiefenbereiche auf Kampfmittelverdacht untersucht werden.

In Minden hat es zuletzt Ende Juli 2014 im Stadtteil Rodenbeck (siehe unser Bericht) und Mitte Februar 2015 beim Bau der neuen Schachtschleuse (siehe unser Bericht) Blindgängerfunde gegeben. Die jeweils rund 1000 Kilogramm schweren Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg mussten umgehend entschärft und vorher mehrere Tausend Menschen im Umkreis des Fundes evakuiert werden.

Ob eine Evakuierung auch im Fall des Güterbahnhofgeländes erforderlich wird, wird sich zeigen. Diese wird wenn dann sicherlich sehr umfangreich ausfallen, da in unmittelbarer Nähe mehrere Wohngebiete sowie zahlreiche Firmen angesiedelt sind, wie auch der Mindener Hauptbahnhof mit seinem laufenden Bahnbetrieb direkt betroffen sein wird.

Quelle: Pressestelle Stadt Minden, OctoberNews

++ UPDATE ++

Am 13. November haben wir uns selbst einen Eindruck verschafft von der aktuellen Lage der Baustelle und sind tatsächlich auf einen vorbereiteten Sandplatz mit rot-weißen Markierungen gestoßen, wo höchstwahrscheinlich die ersten Sondierungsmaßnahmen vorgenommen wurden. Wo vorher wilde Büsche und Wiese wuchsen (siehe Fotostrecke im Bericht vom 15.06.2017), wurde hier das Erdreich freigelegt (sieht aus wie ein Beet) – und zwar direkt neben dem Mindener Fach-Werk Vereinsgebäude (ehemaliger Lokschuppen II). Weitere ähnlich freigelegte Stellen konnten wir nicht entdecken.

Auffallend war, dass weder Bauzäune noch Verbotsschilder den Zutritt auf das Baustellengelände verwehrten. Wenn man bedenkt, dass hier Bomben liegen könnten, doch ein gefährliches Unterfangen für Menschen, die vielleicht nichts davon wissen. So lockt das Gelände mittlerweile auch Musiker an, die auf dem alten Bahnsteig Bandfotos machen.

Außerdem machten wir einen kleinen Spaziergang rund um das alte Güterbahnhofsgelände bis hin zum Firmengelände der DB Systemtechnik Minden, wo ja ebenfalls ein Blindgänger vermutet wird. Dabei konnten wir zufällig von der Bahnbrücke aus einen Blick auf die Diesellok MKB V 6, ehemals DB 216014, die enorm viele Silos hinter sich herzog, werfen.

In unserer Fotostrecke kann man alles wunderbar erkennen:

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Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.


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