Belüftungsmaßnahmen der Bastau erfolglos – Beobachtung in Petershagen

Kreis Minden-Lübbecke, Feuerwehr und THW beendeten Maßnahmen an der Bastau in Minden, Hille und Lübbecke - Beobachtung der Weser in Petershagen gibt Aufschluss

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Hat die braune Brühe, die sich in der Weser in Petershagen staut, etwas mit der “umgekippten” Bastau zu tun? – Fotos: onm

Belüftungsmaßnahmen der Bastau von Feuerwehren und Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks (THW) vom 7. bis 9. Juli 2016 seien auf Dauer nicht erfolgreich, gaben Vertreter des Kreises Minden-Lübbecke am 9. Juli bekannt. Die Pumparbeiten zur Erhöhung des Sauerstoffgehalts der Bastau in Minden, Hille und Lübbecke (siehe unser Bericht) sind daher am Samstagmittag beendet worden. Kreisbrandmeister Michael Schäfer der Berufsfeuerwehr Minden dankte dem THW für die große Einsatzbereitschaft, das unter anderem im Mindener Bezirk Rodenbeck zugange war.

Obwohl für die Weser laut Umweltamt des Mühlenkreises derzeit keine Gefahr bestünde (Radio Westfalica 07.07.2016), ist doch in Minden beobachtet worden, dass “Dreckwasser” in die Weser fließt. Das ließ uns keine Ruhe. Daher haben wir uns am 10. Juli einmal auf den Weg zur Staustufe nach Petershagen gemacht, die unter anderem den Wasserablauf der Mittelweser reguliert, sodass diese von Minden bis Bremen ganzjährig von Binnenschiffen befahren werden kann. An dieser Stelle befinden sich auch eine Bootsgasse für kleine Sportboote sowie eine Fischtreppe.

Was wir dort vorfanden, war wirklich unschön. Ein Blick von der begehbaren Staustufe nach unten offenbart schon eine bräunliche Färbung der Weser. Das könnte ja auch Sand sein, war unsere erste Vermutung. Doch dann gingen wir näher ran. Zwischen Geäst und Gras schwammen Plastikflaschen, Trinkverpackungen und eine, sich an verschiedenen Stellen stauende, bräunlich schäumende “Brühe”, insbesondere in der Fischtreppe.

Vor der Staustufe schwamm zudem ein undefinierbarer, weißer Film auf der Wasseroberfläche, der sich am Schilf sammelte. Der war auch für eine Entenmutter wohl nicht ganz geheuer, weshalb sie immer wieder ihr neugieriges Kind davon wegzog.

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Um was handelt es sich bei diesem weißem Film, der sich am Schilf auf der Wasseroberfläche staut? Die Entenmutter zog ihr neugieriges Kind jedenfalls immer wieder davon weg

Ganz am Ende der Bootsgasse konnte man jedoch unbedenklich die Füße ins Wasser halten, um sich von der enormen Hitze am Sonntag etwas abkühlen zu können. Es war weder ein Ausschlag noch sonstige Folgen bemerkbar. An dieser Stelle war das Wasser klar. Und Gestank war von der Weser aus nicht bemerkbar.

Doch auf dem Weg Richtung Baustelle Schiffsanleger Heisterholz, an großen, bewirtschafteten Agrarflächen vorbei, war er wieder da – der merkwürdig süßliche, fäulnisähnliche Gestank, der bis heute aus der Bastau in Minden dringt.

Ein wenig recherchiert und bei Wikipedia nachgeschaut, handelt es sich bei der “braunen Brühe” wahrscheinlich um Gülle – einen natürlich anfallenden Wirtschaftsdünger, der hauptsächlich aus Urin und Kot landwirtschaftlicher Nutztiere besteht. Hohe Gehalte an gebundenem Stickstoff, Phosphor, Kalium und anderen Nährstoffen machen Gülle zu einem wichtigen Dünger, dessen Vorhandensein in landwirtschaftlichen Betrieben den Bedarf an zuzukaufenden synthetischen Düngern reduzieren soll.

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Während sich in der Fischtreppe an der Staustufe in Petershagen die braune Brühe staut, ist am Ende der Bootsgasse (re.) davon nichts zu merken

Das sind also diese “Nährstoffe”, von denen der Kreis Minden-Lübbecke in seinen Pressemeldungen rund um die Bastau sprach. Ein Gemisch, was der Umwelt doch nicht schaden kann, müsste man meinen. Doch es ist ein Zustand eingetreten, der wohl nicht vorhersehbar war. Die starken Regenfälle und die Hochwassersituation im Juni dieses Jahres haben zu solch starken Überschwemmungen geführt, dass ein Teil der in die Felder eingebrachten Gülle in die Bastau gelang und Umweltalarm ausgelöst werden musste.

Denn liest man bei Wikipedia ein paar Zeilen weiter, wird auf die Gefahr der Nährstoffauswaschung und Einsickerung in Grund- und Oberflächenwasser hingewiesen. Ammonium, Nitrat und andere Gülle-Inhaltsstoffe können durch Nährstoffeintrag in Gewässern beispielsweise Algenblüten verursachen und Fischsterben auslösen.

Und genau das ist geschehen in der Bastau: Die Pflanzenfäule hat eingesetzt, es kam zu Sauerstoffmangel, und es wurden vereinzelt tote Fische gefunden. Daher belüfteten Feuerwehren und THW die Bastau vom Hiller Moor bis nach Minden. Nach Angaben des Kreises waren die Pumparbeiten zur Erhöhung des Sauerstoffgehalts jedoch nicht so erfolgreich wie vermutet und wurden am 9. Juli eingestellt.

Welche Maßnahmen als Nächstes eingeleitet werden und welche Auswirkungen auf die Gewässer und tierischen Bewohner noch zu erwarten sind, gab der Stab aus Minden-Lübbecke noch nicht bekannt. Den Gestank aus der rund 20 Kilometer langen Bastau, die in die Weser mündet, müssen die Bürgerinnen und Bürger wohl vorerst weiterhin ertragen. Wir bleiben dran.

Um was es sich bei dem “weißen Film” auf der Weser bei Petershagen handelt, bleibt erst mal unklar.

Doch hier gibt’s noch ein paar mehr Bildchen vom 10. Juli:

Quelle: Kreis Minden-Lübbecke, Wikipedia, OctoberNews


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