Bei Nacht und Nebel zum Astronomietag 2014

Sternwarten in Melle und Ubbedissen zeigten Weg zu den Sternen

Sternwarte Melle - Fotos: onm
Sternwarten in ganz Deutschland zeigten einen nahen Blick ins Himmelsreich – Fotos: onm

Am 5. April 2014 war Astronomietag, an dem etliche Sternwarten in Deutschland den offenen Blick ins Universum ermöglichten, soweit die neblige Nacht es zuließ. Wir besuchten die Sternwarten in Ubbedissen und Melle, zwei Standorte, die nicht unterschiedlicher sein könnten.

Hinweis - Foto: onm
Wegweiser zur Sternwarte Ubbedissen – Foto: onm

Ubbedissen ist ein Stadtteil von Bielefeld, bekannt für den am Rande gelegenen futuristisch-ökologischen Bürokomplex der Firma Carolinen, eine beschauliche Gegend mit vielen Einfamilienhäusern und Altenheimen. Mittendrin zeigt uns ein Regenbogenportal und mehrere Schilder den Weg zur Volkssternwarte auf, die sich erstaunlicherweise auf dem Dach eines der Altenheim-Gebäude befindet.

Wir klingeln zu später Stunde an der Eingangstür, warten, und werden von einem der Vereinsmitglieder des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgebung e. V. freundlich empfangen und über das Treppenhaus nach oben in die Räumlichkeiten begleitet. Unerwartet viel Informationsmaterial und zahlreiche Ehrenamtliche warteten nur darauf, jedem Besucher alles rund um Astronomie und Astrofotografie ausführlich und detailliert erklären und aufzeigen zu dürfen.

Eine riesige Leinwand in einem der Zimmer zeigt gerade ein Programm auf, mit dem man Astrovideos in Einzelbilder zerlegen kann, das dann die Bilder nach ihrer Schärfe automatisch herausfiltert und die schärfsten Bilder übereinanderstapelt, um eine optimale Aufnahme erreichen zu können. Zur Orientierung am Nachthimmel dienen Stern-, Planeten- und Sternbilder-Karten. An Computerbildschirmen wurden uns die verschiedenartigsten Methoden der Himmelsbeobachtung und der effektvollen Bearbeitung von Astrobildern aufgezeigt – von den Anfängen bis zum High-tech-Equipment.

Als Astrofotografie-Laien holten wir unsere NIKON-Kamera, den T-Ring für die Kamera und die Okulare heraus, und wollten uns zeigen lassen, wie man eine DSLR-Kamera mit einem Teleskop verbindet, um selbst Aufnahmen von Planeten anfertigen zu können. Leider stellte sich bei der Prozedur heraus, dass wir den falschen Verbindungsring ersteigerten. Kein Problem für diese Fachmänner: Sofort zeigte man uns die Homepage www.teleskop-express.de, wo man den richtigen T2-NIKON Ring für 20 Euro erwerben kann.

Und dann erhielten wir den Astrofotografie-Tipp des Tages für Hobbyastronomen. Wenn man nicht ständig das schwere Teleskop mit sich herumschleppen will, bietet sich alternativ der Kauf eines sogenannten Refractors in Verbindung mit einem Weitwinkel-Okular an. Folgendes Equipment hat man uns vorgeführt:

Scopus APO-ED Refractor DGG/F400 F/6.0 = Teleskop Tuben
Modular Eyepiece Hyperion-Aspheric 36 mm / 72° = Weitwinkel-Okular

Das ist natürlich nur ein Beispiel. Sucht man nach diesen Produktbezeichnungen, werden einem etliche Alternativen aufgezeigt, je nach Bedarf und Größe des Geldbeutels – so ein “Hobby” kann ziemlich kostenintensiv sein. Daher fiel auch immer wieder der Satz: “Wenn Sie es ernsthaft betreiben wollen …”. Und diese Männer von der Volkssternwarte Ubbedissen betreiben es ernsthaft, dafür nehmen sie unter anderem Wege bis nach Mecklenburg, die Lüneburger Heide und in ferne Länder auf sich, wo die Gegenden noch am wenigsten lichtverschmutzt sind, was ungemein wichtig wäre für die astronomische Beobachtung: Kein klarer Himmel und zu viel künstliches Licht in der Gegend bedeuten keine klare Sicht.

Und die Sicht am Abend des 5. April war bekannterweise durch starken Nebel und wolkenbehangenen Himmel total verdeckt, sodass die eigentliche Sternwarte auf dem Dach des Hauses in Bielefeld-Ubbedissen gar nicht erst geöffnet wurde. Wirklich schade, aber dafür bekamen wir so viel Input und Informationsmaterial (wie zum Beispiel eine hilfreiche Starterpaket-CD der Vereinigung der Sternfreunde e. V.), dass wir erst mal wochenlang damit beschäftigt sein werden, das zu verarbeiten. In sehr guter Erinnerung bleiben uns auf jeden Fall die überaus locker-freundlichen Vereinsmitglieder.

Aber wir gaben natürlich nicht auf und wollten ja durch ein großes Teleskop einer Sternwarte die Planeten, wie beispielsweise den Jupiter, ganz groß und nah betrachten. So nahmen wir mitten in der Nacht noch den mühsamen Weg nach Melle-Oldendorf auf uns – was sich als echte Nacht- und Nebelaktion entpuppte, wie man unschwer an folgender Aufnahme während der Fahrt dorthin erkennen kann:

Sternwarte
Nacht- und Nebelfahrt zur Sternwarte Melle-Oldendorf – Foto: onm

Nach voller 30-Stundenkilometer-Fahrt auf den Landstraßen, währenddessen wir jedes Zeitgefühl verloren, haben wir die Volkssternwarte auf dem Oldendorfer Berg bei Melle (siehe Titelbild) erreicht. Diese wird von der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft des Naturwissenschaftlichen Verein Osnabrück (NVO) ehrenamtlich betrieben. Laut Wikipedia ist das Hauptinstrument ein Cassegrain-Teleskop mit 60 Zentrimetern Spiegeldurchmesser und 7,20 Brennweite, das in einer Kuppel von 6,5 Metern Durchmesser untergebracht ist. Bis zum Bau des EXPO-Teleskops in Melle stellte es das größte Teleskop Niedersachsens dar.

Was ein Glück, dass diese Sternwarte noch geöffnet hatte. Tatsächlich saß mitten in der Nacht ein Vereinsmitglied ganz allein noch in der Sternwarte, begrüßte uns freundlich, und der gesprächsbereite junge Mann fing sofort an, uns über alle Wetterbegebenheiten, Planetenkonstallationen und Astro-Veranstaltungen rund um Osnabrück zu informieren. Der Himmel hatte sich tatsächlich zwischenzeitlich aufgeklart, sodass wir endlich zu unserem Blick in die Sterne kamen.

Und da sahen wir ihn – den Jupiter, der Gasplanet, den größten Planeten des Sonnensystems, und alle rechts und links daneben liegenden Monde in einer Linie aufgereiht (siehe dazu Sternwarte Hannover); bei längerer Betrachtung konnte man sogar zwei der dunkleren Gasringe erkennen. Und die Mondoberfläche mit all seinen Kratern konnten wir so nah sehen, als ob wir nur eine Stunde dorthin zu fahren bräuchten. Allein dieser Blick ins Universum machte den beschwerlichen Weg durch Nacht und Nebel allemale wett.

Nachdem wir uns sattgesehen hatten und unser netter Begleiter der Volkssternwarte Melle-Oldendorf in seinen wohlverdienten Feierabend wollte, haben wir dann doch einen einfacheren Weg Richtung Autobahn genommen, um zurück in die Heimat Minden zu kommen. Ankunft: circa 2 Uhr morgens! Das war eine Nacht – jetzt hieß es nur noch von den Sternen träumen …

… oder die selbstgemachten, echten Astrofotos vom 24. März 2012 noch mal bestaunen:


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