Baustelle Idaturm

Masterplan der Samtgemeinde Eilsen sieht Wasserversorgung für Bückeburger Idaturm vor

Idylle Idaturm zwischen Bückeburg und Bad Eilsen täuscht - Foto: onm

Idylle Idaturm zwischen Bückeburg und Bad Eilsen täuscht – Fotos: onm

Die Idylle auf dem Harrl zwischen Bad Eilsen und Bückeburg täuscht – der Idaturm ist eine einzige Baustelle. Die anhängige Gaststätte ist seit einem Jahr geschlossen und verwahrlost. Vandalismus und der Lauf der Natur machen sich breit.

Scheiben wurden eingeschmissen, Gatter aufgebrochen, die Dächer des anliegenden Stromhauses und des Stalls haben Löcher, Türen stehen weit auf, Wegplatten liegen lose herum, der Garten verwildert, die Steinbänke vermoosen, das Grab eines vor Langem vom Turm gestürzten Mädchens ist nicht mehr zu erkennen, das Kaminzimmer ist verwaist, der Wintergarten ein einziges Chaos, Imbiss- und Getränkebuden sind abgerissen, und in dem Toilettenhäuschen möchte man kein Geschäft mehr verrichten. Ein trauriger Anblick bot sich uns am vergangenen Sonntag, den 9. März 2014.

Aussicht vom Idaturm am 14. Oktober 2007 - Foto: onm

Aussicht vom Idaturm am 14. Oktober 2007 – Foto: onm

Wenn die Eilsener und Bückeburger doch auf etwas stolz sein können, dann ist es der Idaturm, der beide Landteile verbindet. Der 28 Meter hohe Aussichtsturm auf dem Gebirgszug Harrl zwischen dem Landkreis Schaumburg und der Samtgemeinde Eilsen wurde für Landvermessungszwecke von Fürst Georg Wilhelm zu Schaumburg-Lippe in Auftrag gegeben, von Arbeitern und Bauern im Teuerungs- und Hungerjahr 1847 errichtet und nach der Gattin Fürstin Ida benannt. Der damalige „Ida Thurm“ wurde komplett aus Sandstein gebaut und beinhaltet eine Wendeltreppe mit 128 Stufen. Von der obersten Plattform aus hat man eine Rundumsicht auf Bückeburg, Bad Eilsen sowie weit bis ins Mindener Land und nach Obernkirchen, bei klarem Wetter sogar bis zum Steinhuder Meer.

Der Idaturm befindet sich bis heute im Besitz der Fürstlichen Hofkammer Bückeburg, die sich letztes Jahr dazu entschloss, die am Fuße des Turms befindliche Ausflugsgaststätte zum 31. März 2013 zu schließen, und damit auch den Zugang zum Idaturm. Einerseits waren Sanierungsarbeiten fällig und der Besucherstrom ging angeblich zurück, andererseits wurde laut Aussagen von Passanten die Pacht erhöht, sodass die Gaststätte für die damaligen Pächter nicht mehr tragfähig war. Daher wurde eine Neuverpachtung angestrebt, die allerdings ohne Frischwasserleitung, Kanalisation und Komplettrenovierung der Gaststätte und Sanierung des Turms, aus dem sich bereits einzelne Steine lösten und deren Treppenstufen gefährlich rutschig sind, nicht durchführbar sei.

Ein ehemaliger Blick vom Idaturm auf die Gaststätte verrät, dass es ein beliebter Anlaufpunkt war. Foto: onm

Ein ehemaliger Blick von der Aussichtsplattform des Idaturm auf die Gaststätte verrät, dass dieser Anlaufpunkt auf dem Harrl immer gut besucht war. Foto: onm

Der Turm ist ein beliebtes Wanderziel zwischen Bückeburg und Bad Eilsen, wie wir auch gestern bei sommerlichen Temperaturen wieder feststellen konnten. Spaziergänger und Pferdereiter, soweit das Auge reicht – von Besucherrückgang kann also keine Rede sein. Ganz im Gegenteil: Jeder hält für eine Weile am Idaturm an, begutachtet die traurige Baustelle, schüttelt mit dem Kopf und fragt sich, wie es soweit kommen konnte.




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Schließlich konnte man nach rund 30 Minuten Aufstieg – ob vom Bückeburger Bergbad oder vom Kurort Bad Eilsen aus – im Sommer im gemütlichen Biergarten pausieren, wie auch in der kühleren Jahreszeit sich am Kamin im Wintergarten bei Kaffee und Kuchen aufwärmen. Reiterinnen und Reiter konnten ihre Pferde sogar wie im Wilden Westen am quer schwebenden Baumstamm festbinden, denn es befinden sich auch fest angelegte Reitwege im Harrl. Für besondere Festimitäten stand auch ein Kaminzimmer bereit. Ein Blick durch die Fenster verrät, dass der gemauerte Kamin sich standhaft hält. An ein gemütliches Verweilen ist momentan jedoch nicht zu denken.

Der Auf- und Abstieg über die Wendeltreppe des Idaturms war schon in 2007 ein Wagnis. Foto: onm

Der Auf- und Abstieg über die Wendeltreppe des Idaturms war schon in 2007 ein Wagnis. Foto: onm

Allerdings scheint sich hier irgendwas zu tun am Idaturm. Da wurde ein großes Loch im Wald gegraben, mehrere Rohre liegen lose herum und gulliähnliche Steinpilze schießen aus dem Boden, die entweder auf eine neue Kanalisation oder neue Trinkwassertanks schließen könnten. Außerdem wachsen von der Eilsener Seite aus wie in einer Allee angeordnet frische Zypressen Richtung Turm.

Tatsächlich wurde laut Berichten der Schaumburger Nachrichten zufolge im Zuge des sogenannten „Leader“-Förderprogramms der EU ein Masterplan entwickelt, um den Kurort Bad Eilsen zukunftsfähig zu machen. So entstand das Großprojekt „Palais im Park“ (PiP), was unter anderem auch 15.000 Euro für die Wasserversorgung des Idaturms sowie 50.000 Euro für Kanalbaumaßnahmen vorsieht. Es scheint also wirklich voranzugehen am Idaturm.

Das Bückeburger Wappen bröckelt langsam an der Außenfassade des Kaminzimmers - Foto: onm

Das Bückeburger Wappen bröckelt langsam an der Außenfassade des Kaminzimmers – Foto: onm

Die Stadt Bückeburg habe sich, was die Frischwasserversorgung betrifft, sehr entgegenkommmend gezeigt. Allerdings kann man vonseiten der Stadt Bückeburg als Eigentümer des Idaturms keine nennenswerten Aktionen erkennen. Die Domain Idaturm.de steht seit Langem zum Verkauf. Kurzgefasste Informationen über den Idaturm tauchen höchstens noch auf der Bückeburger Homepage und bei Handel aktiv auf, mit dem Hinweis „geschlossen“.

Schaun wir mal. Irgendeine Art der Absprache scheint ja zu bestehen zwischen Bad Eilsen und Bückeburg, denn zumindest sind schon die ersten Anzeichen einer Sanierung zu erkennen. Der aktuelle Zustand rund um den Idaturm wie auch die zahlreichen, wahllos am Wegesrand und im Wald verteilten gefällten Baumstämme sind jedenfalls alles andere als ansprechend und schrecken potenzielle Wanderfreunde ab, die stets ein Ziel brauchen, wo sie ankommen können – gerade jetzt zu den ersten warmen Tagen im Jahr.

Wollen wir hoffen, dass die Sanierung und Renovierung des Ausflugsziels Idaturm schnell voranschreitet, damit möglichst bald eine gemütliche Einkehr zu jeder Jahreszeit und ein Blick auf die wunderschönen Landschaften vom Idaturm-Plateau aus möglich sein wird – denn ohne dem fehlt uns was auf dem Harrl.

Die aktuelle Baustelle Idaturm haben wir zur Veranschaulichung aus allen Blickwinkeln in 83 Bildern festgehalten:

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Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.

Update: Der Idaturm samt Gaststätte wurde am 6. Dezember 2014 erfreulicherweise wiederbelebt – siehe im nachfolgenden Beitrag!


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