Barbarossafest zwischen Historie und Public Viewing

Impressionen vom Barbarossafest in Obernkirchen - wie Mittelaltermarkt zu neuzeitlichem Fußball passt

Fotos: onm
Mittelalterlich Gewandete staunen über die neuzeitliche Fußball-Begeisterung – Fotos: onm

Die niedersächsische Stadt Obernkirchen bot am vergangenen Wochenende ein buntes Programm zwischen historischem Mittelaltertreiben, Livemusik aus allen Epochen, sportlicher Betätigung und Public Viewing.

Wir waren Samstagabend vor Ort und stürzten uns ins überwiegend schwarz-rot-golden geschmückte Getümmel vor der Sparkassenbühne, auf der gerade die Band „88 miles – maximum live music“ Klänge von Tina Turner und anderen Rockröhren zum Besten gab. Insbesondere die beiden Sängerinnen überzeugten mit ihren großartigen Stimmen.

Sodann schlenderten wir über den Mittelaltermarkt, der von Weitem gesehen von der riesigen historischen Stiftskirche praktisch „geschluckt“ wurde. Viel war nicht los zu dieser Zeit auf dem Markt, denn die Fußballfans stellten sich schon seelisch und körperlich auf das WM-Spiel vor und sicherten sich die besten Stehplätze auf dem Brunnenplatz.

Dafür hatte man viel Bewegungsfreiheit und konnte sich in Ruhe die liebevoll gestalteten Stände ansehen, die von Tonkrügen über selbstgemachte Senf-, Marmeladen- und Sirupsorten, Schmuck, Klamotten bis hin zu verlockend riechenden Fladenbroten mit selbstgemachten Soßen und anderen Belägen, natürlich mit reichlich Wein und Met serviert, alles boten, was das mittelalterliche Herz begehrt.

Dazu durfte natürlich Musik und sonstige Unterhaltung nicht fehlen. Ein Zauberer in mystisch dunklem Gewand führte Kunststücke vor und die vierköpfige Band „Grass’n Groove“ unterhielt die Besucher auf dem Kirchplatz mit ungewöhnlicher Musik irgendwo in der Stilrichtung zwischen Irish Folk, französischem Minnesänger und Volksmusik.

Interessanterweise war auch Obernkirchens Partnerstadt La Flèche mit einem Stand vertreten und informierte über Land und Leute aus ihrer französischen Stadt und Umgebung. Dort erhielten wir auch original Reiseführer von Office de Tourisme (Ausgabe des Standorts: Vallee du Loir, 20 bd Montreal, 72200 La Flèche), und eine Reiseführer-Sonderedition der hundert schönsten Abstecher in Frankreich überreicht. Wer oft nach Frankreich reist, weiß, wie begehrt diese Reiseführer sind.

La Flèche ist seit 1968 offizieller Städtepartner von Obernkirchen. Jedes Jahr besuchen sich die Vereinsmitglieder abwechselnd in Frankreich und Deutschland, aus denen bereits langjährige Freundschaftsbanden gewachsen sind. „Mittlerweile kennt man schon die Enkelkinder“, erklärt uns die sympathische Französin und wirbt dafür, mitzumachen, denn es werden neue Mitglieder gesucht. Wer also an einer Städtepartnerschaft interessiert ist – einzeln oder für einen Verein – sollte nicht zögern, Frau Gudrun Klug zu kontaktieren (Tel.: 05724/395-31, E-Mail: info@obernkirchen.de).

Und schwupp war es 21 Uhr und die Liveübertragung des WM-Spiels Deutschland gegen Ghana begann auf der riesigen Leinwand der Sparkassenbühne. Mit Spannung wurde jeder Schritt der deutschen Mannschaft beobachtet, volle Konzentration auf das Spiel. Und man hatte sich hübsch gemacht für’s Public Viewing – ob gefärbter Dutt, Irokesenschnitt, mit Strohhut, Brille, Blumengirlande oder Hasenohren – alles war schwarz-rot-gold. Wer es auf dem Weg dorthin nicht schaffte, sich “gebührend” zu schmücken, wurde kurzerhand mit Deutschlandflagge aus der Schminkdose versorgt.

Schön, dass auch Ghana-Fans darunter waren – wovon einer stolz bei beiden Toren “seiner” Mannschaft groß Flagge zeigte. Gut, dass es am Ende des Spiels unentschieden stand, so wurde der deutsche Strohhut eben vor Enttäuschung auf die Straße gefeuert und ansonsten bei der WM-Aftershowparty in Obernkirchen einfach etwas zögernder getanzt und gefeiert.

Alles in allem war es eine gelungene Mischung aus Historie und Neuzeit bei großartiger Stimmung und netten Menschen. Wenn jetzt endlich die immer noch leerstehenden Geschäfte mit Leben gefüllt werden, dürfte es mit Obernkirchen doch wieder aufwärts gehen, oder?!

Jetzt aber zu den Impressionen vom Samstag:


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