Bärenkämpen in Minden – da geht noch was

Quartiers-Spaziergang im Mindener Stadtteil Bärenkämpen zeigte schöne und weniger ansehnliche Ecken auf - Bürgermeister Jäcke will Ruf verbessern

Man kennt sich im Mindener Viertel Bärenkämpen, dennoch lassen manche Ecken, wie hier der Gemeinschaftsgarten eines Eigentumswohnungsgebäudes, zu wünschen übrig, wie sich beim Quartiersspaziergang herausstellte – Fotos: onm

„Bärenkämpen hat zwar nicht den besten Ruf, aber wir versuchen das zu verbessern“, ist der Bürgermeister von Minden, Michael Jäcke, zuversichtlich und begrüßte gemeinsam mit zwei Quartiersmanagern am vergangenen Freitag die Teilnehmer beim Quartiers-Spaziergang durch den Mindener Stadtteil Bärenkämpen.

Bürgermeister Michael Jäcke war sichtlich gut drauf beim Quartiersspaziergang und ist zuversichtlich, dass sich der Ruf Bärenkämpens bald verbessern wird mithilfe der Quartiersmanager

Bei strahlendem Sonnenschein folgten rund 20 interessierte Bürgerinnen und Bürger der Einladung von Quartiersmanager Elke Ruhe-Hartmann und Robin Flohr, am 17. November an einem gemeinsamen Kennenlern-Spaziergang durch Bärenkämpen teilzunehmen – ein Ortsteil Mindens, dessen vorauseilender Ruf schlechter scheint als verdient. Was noch verbesserungswürdig wäre, ergab sich in Gesprächen mit den Teilnehmern.

Noch vor dem ersten Willkommensgruß erklärte Flohr am Treffpunkt Baustelle Stadtteilzentrum, dass der „Rohbau bald fertig“ sein sollte. Insgesamt müsse das Bauprojekt bis Ende 2018 fertiggestellt werden, da es der NRW-Landesförderung (zu 90 Prozent) unterliege und „alle Rechnungen bis dahin gestellt sein müssen“. Das damit erste Stadtteilzentrum Mindens soll zur Anlaufstelle und Treffpunkt für die über 6700 Einwohner Bärenkämpens mit und ohne Migrationshintergrund werden, die sich dann hier austauschen, Vereinsangebote wahrnehmen und beraten lassen können.

Auch eine kleine Polizei-Dienststelle soll hier Einzug finden, weshalb Polizist Lothar Schelp aus Bad Oeynhausen die Gruppe begleitete. Als Nachfolger des Polizeibeamten Kuhmann, der zum Ende dieses Jahres in Pension geht, fühlt sich der dreifache Familienvater gut aufgehoben im neuen Revier Minden-Lübbecke und beantwortete alle Fragen der Teilnehmer geduldig und sehr freundlich.

Seit 1. August hat der Stadtteil Rodenbeck einen weiteren Quartiersmanager: Christian Niehage

Mitspazierten unter anderem auch Dieter Ziegler, Sachkundiger Bürger (SPD), sowie Christian Niehage, ein seit 1. August neuer Quartiersmanager für den Stadtteil Rodenbeck. Von dieser Nachricht überrascht, erklärte Niehage, dass er sein Büro aber nicht bei Rodenbecks Quartiersmanager Guido Niemeyer (siehe Berichte vom 17.09. und 21.11.2014) und Integrationsassistentin Akila Cheik-Hussein, die ebenfalls am Spaziergang teilnahm, habe, sondern man am Zehlendorfer Weg 4 dabei sei, ein neues Quartiersbüro einzurichten. Sobald fertiggestellt, würde man dies öffentlich bekannt geben.

Doch zurück nach Bärenkämpen. Bürgermeister Michael Jäcke begrüßte die Anwesenden mit einem „Herzlich willkommen zum ersten Quartiersrundgang mit den neuen Quartiersmanagern“ sowie mit dem oben Genannten zum Ruf des Stadtteils. Vom Parkplatz aus auf die Baustelle des Stadtteilzentrums zeigend, erklärte er, dass das Gebäude bald zum „Begegnungsort für Menschen aus dem Bezirk werde, wo sie sich einbringen könnten, sowie für diejenigen, die das Quartier betreuen“. Toll finde er auch, dass die Polizei und ein Betriebsdienst mit integriert würden. Des Weiteren machte er auf das gegenüberliegende Melittabad aufmerksam, das seit rund 30 Jahren unverändert Anklang finde, sowie die neue Mosaik-Schule und das Geschwister-Scholl-Haus, was man ja beim Spaziergang kennenlernen würde. „Ich freue mich, dass so viele gekommen sind. Nochmals herzlich willkommen und viel Spaß.“

Bärenkämpens neue Quartiersmanagerin Elke Ruhe-Hartmann (Mitte) sammelt Verbesserungsvorschläge und freut sich über jede Mitwirkung der Anwohner, zum Beispiel über die Aussage, dass man hier den „Rasen mähen“ könnte

Währenddessen schweifte unser Blick von der Baustelle aus nach links, wo sich zahlreiche dreistöckige Wohnhäuser befinden, die bis circa 1995 von den alliierten Streitkräften der Engländer und ihren Familien bewohnt wurden. Während diese Gebäudezustände eher zu wünschen übrig ließen, zeigte ein Blick nach rechts eingerüstete Reihenhäuser vermutlich gleichen Baujahrs auf, die gerade komplett saniert werden und mit „Neues Familienviertel am Melittabad“ beschildert sind. An der Straße Sieben Bauern wird – zumindest auf Höhe des Melittabades – anscheinend viel investiert, um den Stadtteil aufzuwerten.

Bärenkämpens Ortsvorsteher Dieter Kühl wünscht sich einen Boule-Platz an der Platanenallee

Ruhe-Hartmann habe schon selbst das „Gefühl, Häuslebauer zu sein“, wenn sie daran denkt, was sie in ihrem jetzigen Büro Sieben Bauern 28A schon alles an Fragen beantwortet habe, seit sie am 1. Juli als Quartiermanagerin fungiert. Doch sie genieße das und freue sich darüber, mit den Bewohnern gemeinsam diesen Weg gehen zu können.

Apropos gehen – jetzt ging’s los mit dem Spaziergang durch Bärenkämpen. Mit Ortsvorsteher Dieter Kühl an der Spitze marschierten die Teilnehmer zuerst ein paar Meter weiter ins Grüne zu dem Ort, wo man die umgepflanzten Platanen aus der Innenstadt, angeordnet als Allee, bewundern konnte. „Hier soll ein Dach entstehen durch sich verzweigende Äste sowie weitere Parkbänke“, erklärte Kühl. Doch außer den Bäumen und Wiese ist in dem kleinen Park – trotz schöner Lage direkt am Kanal – nichts zu sehen. Das soll sich ändern, so schlug Kühl einen Boule-Platz vor.

Außerdem stellte sich im Gespräch – auch mit Youssef Omeirat, seit 24. September Integrationsassistent der Stadt Minden – heraus, dass viele Anwohner auf die Wohnhaus Minden GmbH, die zahlreiche Wohnimmobilien in der Gegend verwaltet, gar nicht gut zu sprechen wären. So würden unter anderem Autostellplätze mit Schranken versehen und dafür 25 Euro Extragebühren verlangt (siehe z.B. Mietanzeige Stellplatz). Wer die Stellplatzmiete nicht zahlen kann oder will, muss halt an der Straße parken – und diese seien entsprechend überfüllt. Das sei aber noch harmlos im Gegensatz zu den Missständen, die sich mit der Wohnhaus aufgetan hätten (auf die wir an dieser Stelle nicht näher eingehen), seitdem das einst kommunale Unternehmen privatisiert wurde und seit 2006 zur Unternehmensgruppe Prajs & Drimmer (BERLINHAUS Verwaltung GmbH) aus Berlin gehöre.

Quartiersmanager Flohr regte an jedem besichtigten Platz dazu an, Ideen einzubringen

Noch an der Platanenallee stehend, renkte Quartiermanager Flohr ein und fragte in die Runde, ob der Vorschlag von Ortsvorsteher Kühl denn bei den Mitbürgern ebenfalls gut ankomme oder man sich andere Veränderungen wünsche. Dabei wurde bekannt, dass hier „früher richtig Leben war“, so ein Teilnehmer, „hier gab es einen Spielplatz, wo die Kinder sich austoben konnten“.

Weiter ging es zum Melittabad. Das Bad sei in der Stadt Minden so bekannt, dass die Bürgerinnen und Bürger bei einer Umfrage „schon an den Fahrradständern erkennen“ konnten, um welchen Ort es sich handele, so Flohr. 1991 gegründet, wurde es nach rund zweijähriger Umbauphase am 13. Juni 1998 als ganzjährig nutzbares Frei- und Hallenbad in Betrieb genommen. Zudem sei es für seine Energiespartechniken bekannt, die sich bei der Expo 2000 in Hannover im Energie- und Umweltboulevard der EMR (Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg GmbH, seit 2003 fusioniert zu E.ON Westfalen Weser) widerspiegelten.

Nach Besichtigung eines öffentlich zugänglichen Gartengrundstücks einer Eigentumswohnanlage (siehe Titelfoto), wanderte die Gruppe weiter zur Straße In den Bärenkämpen. Den 1970er bis 1990er Jahren geschuldet immer noch als „Getto“ verrufen mit seinen hässlichen Hochhausblöcken und lärmenden Bewohnern, ergab sich vor Ort ein ganz anderes Bild: überwiegend wohl frisch sanierte, meist dreistöckige Reihenhäuser prägen das Stadtteilbild, mit gepflegten Grünanlagen und Spielplätzen sowie einer fast geisterhaft ruhigen Atmosphäre. Es war kaum ein Mensch auf den Straßen zu sehen, höchstens von Balkonen aus wurde das vorbeigehende Geschehen an dem Freitagnachmittag neugierig beobachtet.

Auch fanden wir Informationen der Hausverwaltung Hauka GmbH vom 17. September 2014 an einem öffentlichen Aushang, die über umfassende vergangene Sanierungsarbeiten (Dach, Heizungsanlage, Wärmedämmung u.a.) im „Wohnpark Hahler Feld“ informiert.

Die kriegt man nicht so schnell vom Fleck weg: die Litfaßsäule in Bärenkämpen aus massivem Beton

Doch weiter zum nächsten Anlaufpunkt. Vorbei an einer fast historischen Litfaßsäule aus Beton, mit Graffitis übersät, versperrte entlang eines Fußweges ein Hindernis ankommenden Rollstuhlfahrern, Bürgerin Konni Langwald mit ihrem ungewöhnlichen Sitzfahrrad und Eltern mit ihren Kinderwagen den Durchgang zum Jugendhaus Geschwister Scholl. Sie mussten durch das Jugendhaus geführt werden zum Hinterhof. Dafür warteten dort schon warme Getränke und Gebäck auf die Spaziergänger.

Jugendhausleiter Heiko Horstmeyer begrüßte herzlich seine Gäste und machte auf die überwiegend kostenlosen Betreuungsangebote für Jugendliche aufmerksam, die gerade am Kickern waren und sich sichtlich wohlfühlten. Dafür werde das Jugendhaus auch „reichlich mit Geld beschenkt“ von der Stadt Minden, die das Projekt finanziert. „Seit ich im Mai 1984 hier angefangen habe – ich habe damals schon Stockbrot gebacken, als die Baumaschinen noch im Gange waren – und ich werde nächstes Jahr 60 Jahre alt – bin ich hier und habe immer noch Lust.“ Auch die langjährige Mitarbeiterin Silke Weber arbeite hier gerne.

Eines der architektonisch wohl schönsten Gebäude im Mindener Ortsteil Bärenkämpen: das Jugendhaus Geschwister Scholl mitten im Grünen

Kein Wunder bei dem schönen Gebäude, das sich praktisch unerkannt von außen in die Natur einfügt. Doch was verbindet die Mindener mit dem Jugendhaus Geschwister Scholl, fragte Flohr. Das Echo war positiv: Der Lärm der täglich rund 70 bis 90 Jugendlichen sei kaum hörbar, diese sehe man nur, wenn sie auf den Bus warten. So manche Pärchen seien hier sicher auch entstanden, scherzte ein Teilnehmer. Eine andere lobte, dass die Schüler hier zur Hausaufgabenbetreuung aufgefangen würden.

Viel zu steil für Grundschüler: die Rutsche der SBM vor der Mosaik-Schule

Was Kinder und Jugendliche angeht, scheint Bärenkämpen überhaupt eine Menge Einrichtungen anzubieten, zum Beispiel die Kita Bärenstark, die Mosaik-Schule, die Kita Sieben Bauern und das Martin-Luther-Haus – alles ungefähr auf einem Platz, die nächste Anlaufstelle des Quartiersspaziergangs. Wieder von Lohr in die Runde gefragt, ob das denn auch alles genutzt werde, antwortete der Ortsvorsteher: „Es ist ganz schön was los hier an den Wochentagen.“ Allerdings gab es einen Patzer bei der Herstellung der Rutsche, die für Grundschüler deutlich zu steil gebaut wäre. Eine Woche zuvor waren auch Brandstifter am Werk, weshalb das Spielgerät mit Bauzäunen gesichert ist. Verantwortlich für den Bau dieser Rutsche seien die Städtischen Betriebe Minden (SBM).

Ein großflächiger Kinderspielplatz mit diversen Spielgeräten angrenzend zum Kita-/Schulgelände ist eine Augenweide im Gegensatz zu anderen Negativbeispielen im Bezirk

Nichtsdestotrotz fehlt es den Kindern aber nicht an Spielmöglichkeiten. Ein paar Meter weiter befindet sich ein Spielplatz, der bei den Besuchern großen Anklang fand. „Das ist mal ein anders gestalteter Spielplatz“, „wird sehr stark benutzt“, „schöner Spielplatz“, hagelt es Lob von allen Seiten. „Das ist ein Spielplatz der Stadt“, erklärte Ruhe-Hartmann. Nur fehlende Sitzplätze, wie beispielsweise Baumstämme, wurden von den Anwohnern bemängelt und es fehle „ein bisschen Gebüsch drum herum“.

Konni Langwald mit ihrem ungewöhnlichen Sitzfahrrad fuhr aufmerksam mit beim Quartiersspaziergang

„Ich bin ja jetzt auch Vater und achte auf so was“, merkte Flohr an.

Die Mehrzahl der Teilnehmer hatte sich zwar mehr versprochen von dem Spaziergang durch Bärenkämpen, vor allem die Kleingartensiedlung und den Interkulturellen Garten hätten manche noch gern gesehen. Doch die Dunkelheit nahte bereits an dem November-Nachmittag, mehr war nicht drin in rund eineinhalb Stunden. So machte Flohr auf den nächsten Quartiers-Spaziergang im Frühjahr 2018 aufmerksam.

Schlussendlich im Bürgerzentrum Bärenkämpen angekommen, ein unschöner Betonpavillon, der ursprünglich wohl als Anlaufstelle für Mieter der Wohnhaus Minden gedacht war, so Cheik-Hussein, ließ man bei Kaffee und Kuchen am Tisch den Rundgang noch einmal Revue passieren, tauschte weitere Angebote, Ideen und Adressen aus, um in Kontakt zu bleiben.

Am „runden“ Tisch im Bürgerzentrum Bärenkämpen konnten sich alle Teilnehmer noch einmal austauschen

Den gut gelaunten Bürgermeister Jäcke zur Seite genommen, erklärte er: „Bärenkämpen hat noch viel Potenzial. Hier müsste man noch ein bisschen was verändern. Die Beratung durch die Quartiersmanager wird ja schon gut angenommen. Alle arbeiten hier gut zusammen. Studien haben ja ergeben, dass Menschenbegegnungen sehr wichtig sind, zum Beispiel organisiert gemeinsames Grillen im Sommer. Nächsten Freitag (24. November 2017) wird ja auch das neue Quartiersbüro ‚Rechte Weserseite‘ eröffnet ab 14 Uhr.“ Jäcke lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlichst ein, Am Exerzierplatz 7 (3. Etage mit Fahrstuhl) in Minden vorbeizukommen. Fürs leibliche Wohl wird auch gesorgt bis 17 Uhr (siehe auch Pressemeldung der Stadt Minden).

Auf die Frage, ob er sich nun vorstellen könne, in Bärenkämpen zu leben, antwortete der Bürgermeister: „Ich hab’s gerne mit Garten.“

Das dürften ihm die Bärenkämpener wohl auch nicht krumm nehmen, schließlich merkte eine Teilnehmerin an: „Ich find’s toll, dass Jäcke mitging.“

Nun aber zu unserer vollständigen Bilderstrecke:

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Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.


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