Bad Oeynhausener Wirtschaft gegen Streichung von IC-Halten

Geht gar nicht: Neuer Doppelstock-Intercity der Deutschen Bahn soll ab Dezember 2016 nicht mehr in Bad Oeynhausen halten - 10 von 21 IC-Verbindungen fallen weg

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Gemeinsam wehren sich die vier Vertreter des Wirtschaftsnetzwerks aus Bad Oeynhausen gegen den neuen Winterfahrplan der Deutschen Bahn AG: (v. li.) Kay-Uwe Schneider (1. Vorsitzender Wirtschaftsclub Bad Oeynhausen e.V.), Thomas Ludewig (Businessclub Bad Oeynhausen e.V.), Lorenz Lingemann (Vollversammlungsmitglied der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld) und Karl-Ludwig Meyer (Vorsitzender Initiative Bad Oeynhausen e.V.)

Mit einem offenen Brief an den Beauftragten der Konzernleitung der Deutschen Bahn AG für Nordrhein-Westfalen, Werner Lübberink, wendet sich das Netzwerk Bad Oeynhausener Wirtschaftsorganisationen gegen den massiven Abbau von IC-Halten in Bad Oeynhausen.

Der neue Doppelstock-Intercity (IC) soll ab 11. Dezember 2016 nicht mehr in Bad Oeynhausen halten. Mit diesem Fahrplanwechsel sieht die Deutsche Bahn AG zudem vor, weitere IC-Halte in Bad Oeynhausen zu streichen. Zehn von 21 Intercity-Verbindungen sollen zukünftig wegfallen. In einer Presseerklärung vom 30.08.2016 begründet die Deutsche Bahn AG die Umstellung damit, dass “dies nötig sei, um auf der stark ausgelasteten Strecke trotz zunehmender Baustellen zuverlässig den Fahrplan einzuhalten und die Anschlussverbindungen nach Berlin, Hamburg und Süddeutschland im wichtigen Knotenbahnhof Hannover zu gewährleisten. Es ist der am wenigsten genutzte Halt auf dieser IC-Linie. Der Korridor zwischen Hannover und Nordrhein-Westfalen ist im Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans bereits als Engpass eingestuft und soll langfristig ausgebaut werden.”

Alternativ bietet die Deutsche Bahn AG zu den wegfallenden IC-Verbindungen an, dass es für die Kunden ja in Bad Oeynhausen 10 bis 20 Minuten längere Umsteigeverbindungen über Herford oder Minden gäbe. Das touristische Zugpaar IC 2012/2013 von und nach Oberstdorf würde aber weiterhin in der Kurstadt halten. Hinzu kämen unverändert die Halte der IC-Linie Amsterdam–Hannover–Berlin. Mit insgesamt 13 Fernverkehrshalten behalte Bad Oeynhausen damit mehr als die Hälfte der bisherigen IC-Anschlüsse.

Dagegen wehrt sich das Wirtschaftsnetzwerk aus Bad Oeynhausen mit einem gemeinschaftlichen Beschwerdebrief, unterzeichnet von Thomas Ludewig (Businessclub Bad Oeynhausen e.V.), Lorenz Lingemann (Vollversammlungsmitglied der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld), Karl-Ludwig Meyer (Vorsitzender Initiative Bad Oeynhausen e.V.) und Kay-Uwe Schneider (1. Vorsitzender Wirtschaftsclub Bad Oeynhausen e.V.). In diesem erklären sie:

Die Wirtschaftsorganisationen sprechen sich dagegen aus, dass Bad Oeynhausen offenbar einen Hauptanteil der negativen Folgen des Einsatzes des neuen Doppelstock-Intercitys 2 mit seiner geringeren Geschwindigkeit als die bisher eingesetzten Züge tragen müsse. Die Kurstadt leide damit wesentlich unter der von der Deutschen Bahn AG mit Beschaffung des neuen Materials vermutlich angestrebten Kostenersparnis.

Bereits seit dem 4. September 2016 entfallen die Halte des IC 2445 in Fahrtrichtung Hannover/Dresden um 7:39 Uhr sowie des IC 2442 in Richtung Köln um 18:23 Uhr in Bad Oeynhausen.

Bad Oeynhausen trage durch den neuen Fahrplan auch offenbar einen hohen Anteil der negativen Folgen des seit Jahren von der Bahn nicht realisierten vierspurigen Ausbaus der Bahnstrecke bis Hannover. Diese Ausbaunotwendigkeit sei lange bekannt, wurde aber immer wieder durch Diskussionen über alternative Neu- und Ausbaumöglichkeiten verzögert. Beispielsweise bei der Tunnelneubautrasse zwischen Porta Westfalica und Bückeburg-Echtorf und dem Ausbau der Strecke Löhne-Elze (Weserbahn) war schnell klar, dass sie auf breite Ablehnung in der Region stoßen würden.

„Es ist uns keine Prüfung von Alternativen bekannt, wie auf andere Weise die negativen Folgen des Einsatzes des neuen Doppelstock-IC 2 aufgefangen oder gleichmäßiger auf mehrere Schultern verteilt werden können“, heißt es weiter im Wirtschaftsbrief.

Bei Streichungen von IC-Halten lediglich vom Status quo der Nutzerzahlen auszugehen, greife zu kurz. Die Entscheidung müsse auch eine Prognose der Nutzer sowie eine Bewertung der Wirtschafts-, Gesundheits-, Kur- und Verdichtungsregion Bad Oeynhausen einschließlich Umland umfassen.

Die Bedeutung des IC-Haltepunktes Bad Oeynhausen für private und Berufspendler könne man nicht einfach absprechen, ebenso wenig wie den Bestand und die Weiterentwicklung des Staatsbades mit seiner Gesundheits- und Tourismuslandschaft sowie die Bedeutung als Standortfaktor für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Bad Oeynhausen für Kunden und Firmenmitarbeiter.

Zudem erfolgten in den vergangenen Jahren durch die Deutsche Bahn AG erhebliche Investitionen in die Verbesserung der IC-Eignung des Bahnhofs Bad Oeynhausen sowie eine durch die Stadt angeschobene Sanierung und Neunutzung des Bahnhofsgebäudes mit Einleitung von Maßnahmen zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes.

Die Wirtschaftsorganisationen aus Bad Oeynhausen bitten daher in ihrem Brief an die Deutsche Bahn AG darum, die Streichung der Intercity-Halte in Bad Oeynhausen zu überdenken und rückgängig zu machen, oder wenigstens anteilig auf andere Haltepunkte zu verteilen bzw. zeitlich bis zum Sommerfahrplan 2017 zu befristen.

Bereits jetzt verursache all das Genannte erheblichen und nachhaltigen Schaden bei den bisherigen und zukünftigen IC-Nutzern sowie bei der Stadt Bad Oeynhausen selbst. Mit dem Winterfahrplan in seiner angekündigten Fassung nehme die Deutsche Bahn AG der Kurstadt und der Region zukünftige Entwicklungschancen.

“Geht gar nicht”, findet auch unsere Redaktion und schließt sich dem Protest gerne an.

Das vollständige Originalschreiben kann hier eingesehen werden.

Quelle: gemeinsame Presseerklärung der Bad Oeynhausener Wirtschaftsorganisationen vom 21.10.2016


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