Ausverkauf der deutschen Sprache

Gesellschaft für deutsche Sprache verkauft "Der Sprachdienst"-Hefte der letzten 10 Jahre für 1 Euro

Foto: Namira McLeod
Warum nicht auch mal was Niederländisches in die deutsche Sprache einbauen? Foto: onm

Das Wort des Jahres 2013 ist lt. aktueller Pressemeldung der Gesellschaft für deutsche Sprache (kurz: GfdS) gewählt worden: „GroKo“ und steht für „Große Koalition“. Dieses „Wort“, was eigentlich eher als Abkürzung zweier Wörter bzw. Begriff bezeichnet werden müsste, soll in Anlehnung an ein Krokodil eine etwaige spöttische Haltung der (wahrscheinlichen) Koalition aus CDU/CSU und SPD auf Bundesebene aufzeigen. Nun ja, ist ja außerdem am Freitag, den 13. bekannt gegeben worden – ein schlechtes Omen für die große Koalition?

Mal davon abgesehen, dass „GroKo“ kein „Wort“ im Sinne der deutschen Sprache ist, genau wie es sich bei „Freund hört mit“ (in Bezug auf die NSA-Affäre), was auf Platz 10 der Wörter des Jahres landete, um drei Wörter handelt bzw. einen Spruch, hat bei der GfdS der Ausverkauf der Hefte „Der Sprachdienst“ begonnen. „Alles muss raus!“ heißt es auf der Homepage, jedes Heft aus den Jahren 2002 bis 2012 wird für 1 Euro zzgl. Versand angeboten (siehe Bestellformular und Probeheft).

Außerdem wurde „Babo“ zum Jugendwort des Jahres 2013 gewählt, wie der Langenscheidt-Verlag am 25. November bekannt gab. „Babo“ sei 100 % Jugendsprache und bedeute so viel wie Boss oder Anführer, abgeleitet vom türkischen Baba (Vater), wobei dieser Ausdruck vor allem in kurdischen Gebieten der Türkei benutzt würde.

Vorschläge für das Unwort des Jahres 2013 können übrigens noch bis zum 31. Dezember eingereicht werden bei der Universität Trier, Fachbereich II Germanistik / Germanistische Linguistik.

OctoberNews Lieblingsbegriff ist ja immer noch „Bürgerschießen“ (wo die Redaktion vor ca. 2 Jahren sich nicht die Frage direkt an den Veranstalter in Bückeburg verkneifen konnte, ob hier öffentlich Bürger erschossen würden oder was es mit diesem Begriff auf sich hätte – ohne Antwort). Dieser Ausdruck wurde von Schützenvereinen erfunden und findet jährlich in vielen verschiedenen Orten Deutschlands statt, wo jeder (volljährige) Bürger auch einmal an die Waffen der Vereine gelassen wird, um drauflosschießen zu können – natürlich nur auf die vorgegebenen Schießscheiben. Den Begriff „Bürgerschießen“ gibt es also noch immer, irgendwie gruselig. Dafür handelt es sich um ein echtes deutsches Wort.

Ansonsten hat es wohl den Anschein, dass die deutsche Sprache irgendwie verloren geht, sozusagen „ausverkauft“ wird, einmal durch Vermischung von englischer bzw. amerikanischer und deutscher Sprache, sog. „Verenglischung“, dann durch das Hinzufügen von Begriffen aus der Computer- bzw. Programmiersprache, wie z. B. „ich adde dich jetzt als Freund“ (engl. to add = hinzufügen) oder „mach jetzt mal einen Break“ (engl. break = Unterbrechung / Pause, Pause-Taste auf der Tastatur).

Aber keine Sorge, auch in den 80er/90er Jahren sind schon etliche nette Bezeichnungen entstanden wie „Null Bock“, „krass“, „fett“, „rattenscharf“, „affengeil“, „Fete“ und viele mehr – so spricht diese Jugendgeneration im heutigen Erwachsenenalter auch nicht mehr. Deshalb „lach‘ ich mir ’nen Ast“ und sage „back‘ dir doch ein Eis“ – aus der letztgenannten Jugendzeit-Generation kommend – denn wer weiß, was die nächste Generation noch aus der deutschen Sprache machen wird.

Und warum eigentlich nicht mal niederländische Worte mit der deutschen Sprache vermischen, wie z. B. „te koop“ (dt.: zu verkaufen) oder noch schöner „te huur“ – und jetzt nichts Falsches denken! – was übersetzt „zu vermieten“ heißt. Da kann man doch was draus machen.


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