Aula-Sanierung vom Herder-Gymnasium durch Sponsorengelder finanziert

Schule in Minden hilft sich selbst und sammelte 100.000 Euro für ihr Projekt „Alte Aula in neuem Glanz“ - Sponsorenlauf am 14. September für technische Ausstattung

Die Empore mit ihrem schmiedeeisernen Geländer ist nur ein Teil der Aula des Mindener Herder-Gymnasiums, die mithilfe von Eltern, Lehrkräften und anderen Sponsoren aufwendig saniert wird – Foto: Stefanie Lehmkuhl / Herder-Gymnasium Minden

Bemerkenswert: Das Herder-Gymnasium sammelte über die Jahre 100.000 Euro an Sponsorengelder für die Sanierung ihrer historischen Aula, weil die Stadt Minden Handlungsbedarf bei anderen Schulen als dringlicher ansah. Für die technische Ausstattung der Aula werden bis zum Sponsorenlauf am 14. September weitere Gelder benötigt.

„Alte Aula in neuem Glanz“ – so hat Stefanie Lehmkuhl, Lehrerin am Herder-Gymnasium und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Schule, eine Präsentation überschrieben, die vor Kurzem bei einem Pressetermin vorgestellt wurde. Derzeit werde die Aula grundsaniert und stehe für den Schulbetrieb seit November 2017 nicht mehr zur Verfügung.

Was damals im Jahr der Einweihung 1909 als fortschrittlicher Bau galt, sei mittlerweile in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. Die Aula mit der darunter befindlichen ehemaligen Turnhalle (heute Mediothek) wurde bereits 1895 als südliche Erweiterung der „Höheren Mädchenschule mit Verbesserungen der Mädchenbildung“ in der Brüningstraße 2 – dem heutigen Standort des Mindener Herder-Gymnasiums – errichtet.

Auf die Sanierungsbedürftigkeit machte die Schulleitung wohl schon vor rund 15 Jahren aufmerksam und unternahm den ersten Anlauf zu Gesprächen mit der Stadt Minden, der Eigentümerin des Gebäudes. Doch der Wunsch der Aula-Sanierung fand zwar Gehör, konnte aber laut Aussage der Stadt wegen anderer dringender Schulbauten zunächst nicht umgehend umgesetzt werden.

Dachkuppel der Aula des Mindener Herder-Gymnasiums Foto: Stefanie Lehmkuhl

„2009 kam die Sache dann mit ersten Untersuchungen der Denkmalschutzexperten in Gang“, erinnert sich Jörn Schunk, Leiter der Gebäudewirtschaft. Das historische Gebäude steht nämlich unter Denkmalschutz (Denkmalnummer 628 in der Liste der Baudenkmäler der Stadt Minden). Die aktuellen Bilder von Lehmkuhl offenbaren, dass es sich durchaus lohnt, die architektonische Schönheit mit ihren schmiedeeisernen Geländern, Wandvertäfelungen und ihrer Rundbogendecke instand zu halten (siehe dazu auch ihr Bericht “Ein Blick hinter die verschlossene Tür” auf der Schulwebseite).

Die Weltwirtschaftskrise ab 2007 (ausgelöst durch das Platzen einer Immobilienpreisblase, insbesondere in den USA, mit einhergehender Finanzkrise und Bankenkrise), “stürzte jedoch auch viele deutsche Kommunen ins tiefe Defizit”, erklärt die Stadt Minden. Der Stadt drohte die Überschuldung. 2011 wurde sie schließlich zur Stärkungspaktkommune (Erklärung siehe Kommunalwiki) in Nordrhein-Westfalen (NRW). Das Land NRW stellt seitdem bis 2020 jährliche Konsolidierungshilfen in Millionenhöhe zur Verfügung.

Scheinbar haben diese aber nicht für die Sanierung der Aula ausgereicht. Nach (für die Schule weiteren) fünf Jahren Wartezeit wurden aber 2015 die Planungen in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz wieder aufgenommen, so Schunk.

Derweil nahm das Herder-Gymnasium die Sache selbst in die Hand und sammelte fleißig Sponsorengelder. Stolze 80.000 Euro kamen in mehreren Jahren zusammen, 20.000 Euro steuerte der Förderverein der Schule (ein Zusammenschluss aus aktiven Eltern und Lehrern – Infos und Flyer siehe hier) bei. „Eine stolze Summe, die maßgeblich dazu beitrug, das Projekt zu beschleunigen“, fasst der Stellvertretende Schulleiter Guido Höltke zusammen.

Diese Nachricht ging auch an Stadtkämmerer Norbert Kresse nicht spurlos vorbei. Er erkennt an: „Das ist schon ungewöhnlich, dass eine Schule so viel Geld für ein Bauprojekt gesammelt hat.“ Letztendlich habe dieses Engagement den Ausschlag dafür gegeben, für die Sanierung auch Mittel in den nächsten Haushalt einzustellen, so die Stadt Minden und erklärt weiter mit Pressemeldung vom 7. Juni:

Nach den ersten städtischen Schätzungen waren für die Arbeiten 250.000 Euro von der Stadt berechnet worden. 35.000 Euro kamen an Mehrkosten dann noch einmal für das Parkett hinzu (zuletzt bedeckte ein Filz den Boden der Aula, die schon viele „Gesichter“ – sprich Farben und Böden – gesehen hatte). „Der Parkettboden wird der Aula nun zusätzlichen Glanz geben“, freut sich Höltke. Vor der Verlegung müssten aber erst die Decke und die Wandverkleidungen fertig sein. (ON: Wenn wir das richtig verstehen, steuern die Sponsoren des Herder-Gymnasiums also praktisch einen Eigenanteil von 100.000 Euro dazu, wonach für die Stadt Minden bzw. das Land NRW bzw. aus Steuergeldern noch ein Anteil von 185.000 Euro verbleibt).

Die zweite Farbprobe von links gesehen wurde in Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde für die Wandverkleidung ausgewählt – Foto: Stadt Minden

Dr. Manuela Kramp, Architektin und Sachverständige aus Lemgo, erklärte bei einem Ortstermin zur künftigen Gestaltung der Aula „hier kann man die Farbproben sehen“ und verwies auf ein rotes Klebe-Kreuz (siehe Foto). Die Farbwahl muss letztendlich mit der Unteren Denkmalbehörde abgestimmt werden. Sowohl an der Decke, die ein handgemaltes Kassettenmuster habe, als auch an den Wänden würden sich dann die ausgesuchten Töne wiederfinden.

„Heller und damit freundlicher werde die Aula künftig sein“, freut sich Höltke. Auch die Empore (erhöhte Tribüne) erstrahle künftig in neuem Glanz. Für die großen Korbbogenfenster werde es neue, maßangefertigte Isolierglasfenster geben. Die alten Fensterelemente müssten erhalten bleiben. „Die größte Herausforderung bei Objekten, die unter Denkmalschutz stehen, ist immer, die historischen Räumlichkeiten an moderne Bedingungen und Nutzungen anzupassen“, weiß Schunk.

In einer früheren Modernisierungsphase sei die Aula bereits für die aktuellen Anforderungen des Brandschutzes ertüchtigt worden: Die Lüftungstechnik sei modernisiert und ein Teil der Seitenfenster lasse sich – für den Rauchabzug – seitdem automatisch öffnen. Auch das Treppenhaus habe eine Notbeleuchtung erhalten. Noch vorhanden seien die Sonnenschutzvorrichtungen und die wieder einzubauende Bühnenkonstruktion sowie das derzeit eingelagerte Gestühl.

Nach den Vorstellungen des Herder-Gymnasiums sollte aber auch die Technik der Aula neu und modern sein, die regelmäßig auch für Aufführungen, Konzerte, Vorträge und andere Schulveranstaltungen genutzt werde. Allerdings fehle dafür noch das Geld, berichtet der Stellvertretende Schulleiter und hofft, dass ein Teil der Kosten für die technische Ausstattung bei einem Sponsorenlauf am 14. September 2018 zusammenkomme.

Denn „alle Klassen und auch Lehrer und Eltern werden mitmachen und müssen bis dahin Sponsoren für ihre Läufe finden“, erklärt Höltke. Sein Ziel: Die Aula sollte im späten Herbst 2018 wieder für Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

Ein Jahr Verzicht auf den großen Raum, der für ein „gutes schulisches Miteinander” stehe, liege dann hinter dem Herder-Gymnasium mit seinen Schülerinnen und Schülern, die teilweise auf andere Aulen, das „Kleine Theater Am Weingarten“ oder die eigene Mediothek ausweichen mussten.

Quelle Text und Fotos: Pressestelle der Stadt Minden, Stefanie Lehmkuhl / Herder-Gymnasium Minden, Wikipedia, Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


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