Auflösung der letzten Hauptschule in Minden besiegelt

Keine Hauptschule mehr in Minden - Bezirksregierung Detmold stimmt endgültiger Schließung der Ganztagshauptschule Todtenhausen zu nach Ratsbeschluss

Erst aufwendig saniert, dann wird sie geschlossen – mit dem Auslaufen der Ganztagshauptschule Todtenhausen geht eine Hauptschul-Ära in der Stadt Minden zu Ende – Archivfoto: GHS Todtenhausen

Nun ist es amtlich. Die letzte Hauptschule in der Stadt Minden wird geschlossen bis spätestens 31. Juli 2021 – die Ganztagshauptschule Todtenhausen. Nach einem Beschluss des Mindener Rats stimmte nun auch die Bezirksregierung Detmold zu.

Das Aussterben der Hauptschulen ist in der Stadt Minden beschlossene Sache. Laut Pressemeldung vom 31. Januar 2017 seien bei der Stadtverwaltung Minden zwei Schreiben der Bezirksregierung Detmold eingegangen, die die am 12. Mai 2016 vom Mindener Rat beschlossene Auflösung der Ganztagshauptschule Todtenhausen besiegeln.

Scheinbar unbeeindruckt von Gegenstimmen aus der Bevölkerung wie auch von verschiedenen Parteivertretern (siehe Bericht) bedauert man im Rathaus regelrecht, dass „die Auflösung erst genehmigt werden konnte, nachdem der Rat am 24. November 2016 in einem ‚Minimalkonsens‘ mehrheitlich der Erweiterung der beiden Realschulen zugestimmt“ habe. Danach wird die Freiherr-von-Vincke-Realschule (gebundene Ganztagsschule) in Todtenhausen ab dem Schuljahr 2017/2018 vierzügig und die Käthe-Kollwitz-Realschule in Rodenbeck dreizügig geführt. Auch dafür kam jetzt die Genehmigung aus Detmold. Die Stadt Minden hatte am 20. Juni 2016 die Auflösung der letzten Hauptschule im Stadtgebiet beantragt. Ohne Ersatzlösung aber konnte die Bezirksregierung dem nicht zustimmen.

Damit geht eine Hauptschul-Ära zu Ende in der Stadt Minden. Die Hauptschule Minden-Dankersen ist schon lange von der Bildfläche verschwunden, der letzte ehemalige Schüler ist bei StayFriends mit Abschlussjahrgang 2012 verzeichnet und in der ehemaligen Turnhalle ist jetzt der Ortsverein ansässig. Die Hauptschule Minden-Süd in Stadtteil Rodenbeck wurde zum 31. Juli 2014 geschlossen, hier zog die Käthe-Kollwitz-Realschule ein. Und nun schließt bald die Ganztagshauptschule Todtenhausen – die letzte Hauptschule in der Stadt Minden.

Regina-Dolores Stieler-Hinz, Beigeordnete für Bildung, Kultur, Sport und Freizeit, erklärt zur Post der Bezirksregierung: „Die Schreiben sind zur rechten Zeit eingetroffen, denn in Kürze beginnt das Anmeldeverfahren für die weiterführenden Schulen. Nun haben wir nicht nur hier Planungssicherheit, sondern auch in dem weiteren Prozess zur Entwicklung der Mindener Schullandschaft. Gemeinsam mit den Akteuren in der Bildung und der Politik müssen wir nun schnellstmöglich zukunftweisende Entscheidungen treffen, damit alle Schülerinnen und Schüler in Minden bestmöglich versorgt werden können.“

Bereits im Sommer 2016 wurde aufgrund geringer Anmeldezahlen keine neue fünfte Klasse an der Ganztagshauptschule gebildet. Die seinerzeit in der Ganztagshauptschule Todtenhausen angemeldeten fünf Schülerinnen und Schüler wurden in der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule und der PRIMUS-Schule aufgenommen, heißt es weiter vonseiten der Pressestelle.

Nach dem Ende November erfolgten Ratsbeschluss habe die Stadt Minden am 7. Dezember 2016 erneut an die Bezirksregierung geschrieben und um eine neue Festlegung der Größen und Zügigkeiten für die beiden Realschulen gebeten. Dem wurde nun stattgegeben. Nach dem Schulgesetz Nordrhein-Westfalen sind die Schulträger verpflichtet, die Schulgrößen ihrer Schulen festzulegen. „Die Stadt Minden kommt dieser Verpflichtung hinsichtlich der Realschulen mit dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 24. November 2016 nach. Die festgelegte Zügigkeit basiert auf dem Schulentwicklungsplan Minden 2017 bis 2022 für die allgemeinbildenden weiterführenden Schulen und deckt den erwarteten Bedarf an Schulplätzen in Realschulen der Stadt Minden ab“, so die Detmolder Behörde in ihren Schreiben.

Als Begründung für die nun genehmigte Auflösung führt die Bezirksregierung an, dass in den vergangenen Jahren die für die Bildung einer Eingangsklasse erforderliche Mindestzahl von 18 Schülerinnen und Schülern nicht mehr erreicht wurde. Nur durch die Aufnahme von Schülerinnen und Schülern, die von anderen Schulen aufgrund mangelnder Kapazitäten abgewiesen wurden, konnten im Schuljahr 2015/2016 noch Eingangsklassen gebildet werden. Das entfalle nun mit der Bildung von Mehrklassen an den Realschulen (dreizügig, vierzügig, etc.).

Ab dem Schuljahr 2017/2018 würden somit keine Abweisungen mehr an den weiterbildenden Schulen erfolgen. Ein Bedürfnis für die Fortführung der Hauptschule bestehe daher nicht mehr, so die Bezirksregierung.

Sollte die auslaufende Auflösung vorzeitig beendet werden, sei dafür ein gesonderter Ratsbeschluss seitens der Stadt Minden erforderlich.

Doch „die Schülerinnen und Schüler, die in Todtenhausen jetzt noch unterrichtet werden, sollen hier auch ihren Abschluss machen“, beruhigt Horst Grüner, Leiter des Bereiches Bildung. Die Ganztagshauptschule werde auslaufend aufgelöst und beende den Schulbetrieb spätestens am 31. Juli 2021. Der Standort an sich bleibe als mögliche Schulreserve mittelfristig weiter am Netz, so die Stadt Minden.

Zudem sieht sich die Stadt Minden als Schulträger verpflichtet, ein ausreichendes Raumangebot bereitzustellen und zu unterhalten. Am Standort der Käthe-Kollwitz-Realschule am Piwittskamp in Rodenbeck wird dieses bis zum Schuljahresende 2018/2019 im Bestand ermöglicht.

Allerdings muss der ebenfalls dort ansässige Jugendtreff „Westside“ ab Sommer 2017 dafür übergangsweise auf dem Schulgelände in Containern untergebracht werden. ON: Was zum einen Kosten verursacht, und zum anderen müssen die Räume des noch gar nicht so lange existierenden Jugendzentrums komplett umgestaltet werden. Denn hier stehen Computer, ein Billardtisch, eine Küchenbar, Kicker, Kunstleder-Garnituren, Flachbildfernseher und vieles mehr zurzeit für die Jugendlichen zur Verfügung (siehe auch unser Bericht).

An der Freiherr-von-Vincke-Realschule wird der „zusätzliche Bedarf bis auf Weiteres ebenfalls durch eine Containerlösung gedeckt“, teilt die Stadt Minden mit. Sprich: Die Schüler sollen in Containern unterrichtet werden.

Und ebenfalls nur bei Bedarf soll an den Realschulen ab dem Schuljahr 2018/2019 ab Jahrgangsstufe 7 ein Bildungsgang eingeführt werden, der zu den Abschlüssen der Hauptschule führe.

ON: Also gibt es doch noch die Möglichkeit eines Hauptschulabschlusses, obwohl man an der Realschule unterrichtet wird? Und unter „ausreichendem Raumangebot“ versteht die Stadt Minden Container? Das soll einer verstehen. Naja, Stieler-Hinz sorgte schon Mitte Mai 2016 im Rat für Empörung mit dem Satz: „Seien wir doch mal ehrlich, am Ende steht ‚Hauptschule‘ über dem Zeugnis und das bedeutet schlechtere Ausbildungschancen. Arbeitgeber haben Vorbehalte gegen Hauptschüler.“ Sollte sie recht behalten? Das wird die Zukunft zeigen – die Zukunft unserer Schüler.

Quelle: Pressestelle Stadt Minden, OctoberNews


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