Auch Online-Händler müssen Elektroschrott zurücknehmen

Verbraucherzentrale NRW: Ab sofort müssen Einzelhändler und Online-Shops Haushalts- und Hightech-Geräte von Verbrauchern kostenlos zurücknehmen

Elektro-Altgeraete VZ NRW
Was Verbraucher bei der Elektro-Altgeräte-Entsorgung über Händler wissen müssen, darüber klärt die Verbraucherzentrale NRW in Minden auf – Flyer: VZ NRW

Ein großer Schritt für die Händler, ein kleiner Schritt für die Verbraucher. Ab sofort müssen Einzel- und Online-Händler unter bestimmten Voraussetzungen Elektroschrott wie Toaster, Smartphone, Herd oder Computer zurücknehmen – und zwar kostenlos. Elektro-Altgeräte können so von Verbrauchern leichter fachgerecht entsorgt und dem Recycling zugeführt werden.

Vielfach gammeln ausgemusterte Elektrogeräte im Haushalt vor sich hin oder landen unnütz in der Mülltonne, weiß die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW). „Durch die neue Rücknahmepflicht haben Verbraucher mehr Möglichkeiten, ihre Altgeräte abzugeben, damit verwertbare Teile daraus recycelt und der restliche Schrott richtig entsorgt werden können“, erklärt Umweltberaterin Cornelia Franke-Röthemeyer von der Beratungsstelle in Minden.

Zu verdanken haben das Verbraucher der Europäischen Union (EU). Denn was bereits 2013 umgesetzt werden sollte, ist am 24. Oktober 2015 in Kraft getreten: das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG). Es setzt die Europäische WEEE-Richtlinie (Waste of Electrical and Electronic Equipment) 2012/19/EU zur Regelung des Inverkehrbringens, der Rücknahme und der Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten in nationales Recht um, welche die Richtlinie 2002/96/EG ablöste, mit den Zielen der

  • Vermeidung von Abfällen aus Elektro- und Elektronik-Altgeräten,
  • Stärkung der Vorbereitung zur Wiederverwendung,
  • umweltgerechten Entsorgung,
  • Kreislaufführung von Elektro- und Elektronikgeräten auf der Basis der Verantwortung der Hersteller (Produktverantwortung) und damit
  • Steigerung der Ressourceneffizienz.

Seit Inkrafttreten des neuen Gesetzes galt für Einzel- und Online-Händler noch eine Übergangsfrist, um die neuen Regelungen umzusetzen durch zum Beispiel Einrichtung von Rücknahmestellen. Diese Schonfrist ist am 24. Juli 2016 abgelaufen.

Jeder Händler muss ab sofort unter bestimmten Voraussetzungen elektrische und elektronische Geräte zurücknehmen – ohne dafür Geld zu verlangen. Für Verbraucher ergeben sich daher folgende Regeln laut Verbraucherzentrale NRW:

Rücknahme von Kleingeräten ein Muss

Elektrische bzw. elektronische Altgeräte, deren Gehäuse nicht länger als 25 Zentimeter sind, müssen Einzelhändler und Onlineshops kostenlos und ohne Kassenbon zurücknehmen. Eine Rücknahmepflicht besteht auch dann, wenn man nur ein altes Elektrogerät zurückgeben möchte, ohne ein neues zu kaufen. Sprich: Saturn, Media Markt, Aldi, Lidl, Amazon, Otto Versand und Co. müssen den kleinen, aber durchaus wertvollen Elektroschrott kostenlos entgegennehmen – komme, was wolle.

Für die Rückgabe von kaputten schadstoffhaltigen Energiesparlampen und LEDs stehen bei stationären Händlern schon länger separate Rücknahmeboxen bereit.

Gibt es einen Unterschied zwischen Elektrogerät und Elektronikgerät?

Heutzutage wohl nicht mehr, in fast allen Elektrogeräten befinden sich auch elektronische Bauteile. Doch der Gesetzgeber spricht von Elektro- und Elektronikgeräten. „dalko“, Community-Experte für Elektronik, HiFi und Lautsprecher, ist der Frage im Onlineportal gutefrage.net näher auf den Grund gekommen und erklärt unter anderem:

„Der Begriff Elektrogeräte scheint nur einen technischen Aspekt von Geräten im Allgemeinen zu beschreiben, nämlich dass die Kraft für den Antrieb elektrisch gewonnen wird. Außerdem liegt der Fokus bei ‚Anwendung im Haushalt und im täglichen Leben‘ und dient zur Unterscheidung von manuell, durch Muskelkraft bedienten Geräten und elektrisch angetriebenen Geräten.

Elektrogerät: elektrisch betriebenes Messer, elektrisch betriebener Quirl, elektrisch betriebene Wäscheschleuder … also überall da, wo die Kraft, um das Gerät anzutreiben, aus elektrischer Energie gewonnen wird.

Elektronikgerät: alle elektrischen Geräte, in denen neben der Kraftgewinnung für den Betrieb bestimmte Vorgänge durch die Verwendung elektronischer Techniken gesteuert, geregelt, überwacht, gezählt, visuell  und auditiv dargestellt werden.

Wenn man diese Kategorien verwenden möchte, dann sind ‚Gerät‘ und Elektrogerät noch klar zu trennen. Elektronikgerät und Elektrogerät aber schon nicht mehr, da es kaum noch ein Elektrogerät ohne Verwendung von Elektronik gibt.

Rein elektronische Geräte sind wieder leicht zu definieren, und es gibt sie natürlich in allen Bereichen unseres täglichen Lebens, zum Beispiel Ton- und Bildverarbeitung, Computertechnik, Messtechnik, Funktechnik, Datenübertragungstechnik usw.“ (ON: Text wurde leicht korrigiert/angepasst)

Okay, bleiben wir einfach bei dem Begriff „Elektrogerät“, zu dem die Verbraucherzentrale NRW weiter ausführt:

Bei größeren Geräten gilt das Tauschprinzip

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Nee, nee, nee, diese Frau wird nicht getauscht: Cornelia Franke-Röthemeyer von der Beratungsstelle Minden leistet wertvolle Aufklärungsarbeit für Verbraucher – Archivfoto: onm

Größere Elektrogeräte vom Flachbildschirm über Mikrowelle bis hin zur Waschmaschine müssen vom Fachhändler, Kaufhaus oder Baumarkt vor Ort ebenfalls zurückgenommen werden – und zwar dann, wenn im Gegenzug ein gleichartiges Gerät gekauft wird. Auch dieser Tausch-Service ist für Kunden kostenlos. Das gilt auch in dem Fall, wenn das neue Gerät vom örtlich ansässigen Händler nach Hause geliefert wird und er das alte „Schätzchen“ mitnehmen soll.

Kunden, die den Bring- und Abhol-Service nutzen möchten, sollten darauf achten, dass der Austausch von Alt gegen Neu mit dem stationären Händler beim Abschluss des Kaufvertrages fest vereinbart ist.

Zusatzaufwand bei der Online-Rückgabe

Auch Internethändler müssen Altwaren – vom kleinen Handy über Bügeleisen bis zur großen Spülmaschine – zurücknehmen, falls der Online-Anbieter Lagerkapazitäten von mehr als 400 Quadratmetern hat. Kunden müssen bei der Online-Bestellung eines größeren Gerätes den Rücknahmewunsch des Altgerätes bei Anlieferung jedoch kundtun – etwa über ein Online-Formular oder Ankreuzen an der richtigen Stelle.

Online-Händler sind verpflichtet, Kunden geeignete Rückgabemöglichkeiten in der Umgebung zu nennen oder Geräte direkt zurückzunehmen. Zu diesem Zweck ist der Auslieferung des neuen Geräts ein Rücksende-Etikett für die ausrangierte Gerätschaft beizufügen.

Einziger Wermutstropfen: Kunden haben unter Umständen den Aufwand, die Altgeräte zu verpacken und zur genannten Annahmestelle zu bringen.

Recycling- und Wertstoffhöfe ansteuern

Die kommunalen Sammelstellen (beispielsweise die Städtischen Betriebe Minden) bleiben weiterhin eine gute Adresse, um sämtliche ausrangierten Altgeräte entgegenzunehmen.

Elektroschrott der anderen Art

Geben Pedelecs mit einer Motorenunterstützung von bis zu 25 Stundenkilometern und Photovoltaik-Module ihren dienstbaren Geist auf, zählen sie ab sofort ebenfalls zum „alten Elektroeisen“ und müssen über den Handel oder bei einem Recyclinghof entsorgt werden.

Und Vorsicht bei Nachtspeicheröfen: Enthalten alte Heizkörper Asbest, müssen die Öfen fachmännisch abgebaut und verpackt werden. Die öffentlichen Sammelstellen nehmen die Heizungen mit den giftigen Fasern kostenlos entgegen.

Batterien und Akkus separat entsorgen

Hat ein batterie- oder akkubetriebenes Gerät (Aufladegerät, Mouse, Wanduhr etc.) ausgedient, muss es vor der Entsorgung von den Energiespeichern, wie Batterien und Akkus, getrennt werden. Altbatterien nimmt jeder Händler zurück, der auch Batterien verkauft.

Was jedoch ausgediente Druckerpatronen, Glüh- und Halogenlampen oder mechanisches Spielzeug angeht, zählt dies nicht zum Elektroschrott. Diese gehören in die Restmülltonne.

Es gibt also eine Menge zu beachten für Verbraucher und Händler nach Einführung des neuen Gesetzes, was anfangs zu Missverständnissen führen könnte.

Rückfragen rund um die Rückgabe von Elektrogeräten und ihrer Entsorgung erhalten Ratsuchende daher bei der Umweltberatung der Verbraucherzentrale in Minden telefonisch unter 0571 / 38 63 79 05.

Weitere Informationen findet man auch auf der Website www.verbraucherzentrale.nrw/elektroschrott.

Quelle: Verbraucherzentrale NRW in Minden, BMUB, gutefrage.net, OctoberNews


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