Arbeitsvermittlerin in Minden verpatzt zweites Mal Termin

Eine Arbeitsvermittlerin des Jobcenters Minden war das zweite Mal zu einem selbst angeordneten Termin nicht anwesend - HartzIV-Aufstocker verärgert

Eingang
Irgendwas läuft hier schief hinter den Türen dieses Jobcenters in Minden. Wir klären auf. – Foto: onm

Schon wieder müssen wir von einem beispiellosen Fall des Jobcenters Minden berichten. Eine Arbeitsvermittlerin des Amt proArbeit Jobcenter Minden war ein zweites Mal zu einem Meldetermin, den sie selbst anordnete, nicht anwesend. Ein HartzIV-Aufstocker ist verärgert.

Ein Langzeitarbeitsloser aus Minden, der trotz seiner Arbeit als Fahrer von Menschen mit Behinderung noch mit Arbeitslosengeld II aufstocken muss, wendet sich an unsere Redaktion. Am 10. September 2015 erschien er wie immer pünktlich zum Meldetermin im Jobcenter Minden. Für 10 Uhr ist er von einer Arbeitsvermittlerin das Amt proArbeit schriftlich vorgeladen worden. Doch er stand vor verschlossenen Türen. Und das zum zweiten Mal.

„Eigentlich müsste ich um diese Zeit schlafen, da ich für meine erste Tour jeden Morgen um 5 Uhr aufstehe, die nächste Tour beginnt um 11 Uhr“, erklärt der Hilfebedürftige. „Es war schon schwierig genug, der Dame vom Amt beizubringen, dass ich zu verschiedenen Uhrzeiten am Tag beruflich unterwegs bin. Manchmal erhalte ich auch eine Zwischentour. Dass die mich jetzt aber zum zweiten Mal sitzen lässt, kann echt nicht wahr sein.“

Obwohl der 49-Jährige in seiner aktuellen sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit, die er seit rund einem Jahr ausübt, ständig für ein höheres Monatsgehalt sorgt, weil er seine Arbeit einfach gut macht, erhält er weiterhin in regelmäßigen Abständen sogenannte „Meldeaufforderungen“ vom Amt proArbeit Jobcenter Minden per Post übersandt – und zwar immer mit der Sanktionsauflage, dass man seine Arbeitslosengeld-II-Leistungen für drei Monate um 10 Prozent kürzen würde, wenn er zum vorgegebenen Termin nicht erscheinen bzw. unentschuldigt fehlen würde. Spätestens einen Tag vorher solle man Bescheid geben.

In diesem Fall scheint es öfters Probleme bei der Terminswahrnehmung zu geben. Jedoch nicht seitens des Leistungsbeziehers, sondern die Arbeitsvermittlerin selbst war zu den vorgegebenen Terminen einfach nicht anwesend. Termine, die sie selbst per Meldeaufforderung bestimmte. So kam es dazu, dass der Aufstocker wieder vor verschlossenen Türen stand. Und schon beim ersten Mal hatte die Arbeitsvermittlerin weder vorher den Termin abgesagt, noch im Nachhinein sich für ihre Abwesenheit entschuldigt.

Vielmehr wird die Schuld auf den Leistungsbezieher abgewälzt. Und das zeigte sich vergangenen Donnerstag wie folgt:

Der Hilfebedürftige erscheint – wie immer – pünktlich zum Termin im Neubau des Jobcenters Minden (Lindenstraße 6-8). Er begibt sich direkt zum vorgegebenen Büroraum der Arbeitsvermittlerin. Er klopft an die Tür, keiner antwortet. Er möchte die Tür öffnen, doch diese ist verschlossen.

„Haben Sie denn überhaupt einen Termin?“, hallt es plötzlich im 3. Obergeschoss von einer Angestellten vom Ende des Flurs aus. Der Hilfebedürftige antwortet: „Ja, bei Frau Soundso (Name wird nicht preisgegeben).“ „Frau Soundso ist nicht im Haus. Ich habe versucht, Sie anzurufen. Wir wollten ja einen neuen Termin machen. Aber Sie waren ja telefonisch nicht zu erreichen“, erklärt die für ihn fremde Mitarbeiterin des Jobcenters. „Ja wie denn ohne Nummer?“ Ein Lächeln macht sich breit unter den Leistungsbeziehern, die hinter ihm stehen.

Die Mitarbeiterin wandte sich ohne ein Wort von dem wartenden Hilfebedürftigen ab, drehte sich um und ging. „Jetzt brauchen Sie auch keinen Termin mehr zu machen. Echt nicht“, äußerte der Leistungsbezieher ihr in lauterem Tonfall quer über den Flur hinterher – erstaunt und verärgert über dieses Verhalten. Die Angestellte verschwand hinter einer Glastür und ward nicht mehr gesehen.

Der HartzIV-Aufstocker verstand die Welt nicht mehr. Mit Wut im Bauch verließ er das Gebäude und spazierte erst einmal quer durch die Innenstadt, um das Erlebte zu verarbeiten. Schließlich hatte er in rund einer Dreiviertelstunde wieder Menschen mit Behinderung zu transportieren, an denen er ganz bestimmt nicht die Verärgerung über die Mitarbeiter des Amt proArbeit bzw. Jobcenter Minden auslassen möchte.

Aber diesen Tag wird er nicht so schnell vergessen. Zuhause angekommen überlegte er noch, ob er der Arbeitsvermittlerin eine E-Mail schreiben solle, um sich über die erneute Abwesenheit und das Verhalten der Mitarbeiterin zu beschweren. Doch er entschied sich dagegen: „Soll die sich doch wieder bei mir melden, schließlich habe ich alles richtig gemacht, alles, was von mir verlangt wurde. Normalerweise müsste man ihr jetzt die 10 Prozent – nein, mittlerweile 20 Prozent – für insgesamt sechs Monate vom Gehalt abziehen, dann merkt sie vielleicht mal, wie das ist.“

Der Arbeitsvermittlerin sind im Übrigen E-Mail-Adresse und Faxnummer des Hilfebedürftigen seit Langem bekannt. Es wäre also ein Leichtes gewesen, den Termin ihrerseits kurzfristig abzusagen.

Warum die „Dame vom Amt“ an dem besagten Tag – wie auch am verpatzten Termin zuvor – abwesend war, wird der Aufstocker wohl nie erfahren. Denn wieder erhielt er keine Erklärung, geschweige denn eine Entschuldigung von der Arbeitsvermittlerin des Jobcenters Minden zu hören bzw. zu lesen.

Hinzugefügt werden muss auch, dass der Leistungsbezieher mittlerweile nur noch rund 60 Euro monatlich vom Jobcenter ausbezahlt bekommt, die Krankenversicherungsbeiträge (in deutlich geringerer Höhe als für Arbeitnehmer üblich) werden direkt an die zuständige Krankenkasse abgeführt. Ein Teil der Sozialversicherungsbeiträge zahlt sein Arbeitgeber. Sonst erhält er nichts vom Amt. Zuzüglich seines geringen Gehalts muss er davon alle monatlichen Lebenshaltungskosten wie Miete, Strom, Lebensmittel usw. selbst begleichen.

Mal ernsthaft:

Mit welcher Begründung werden Arbeitslosengeld-II-Empfänger – und das ist ganz sicher kein Einzelfall – so abweisend und respektlos behandelt? Insbesondere wenn es sich um Menschen handelt, die einer Arbeit nachgehen und alles dafür tun, um ihre Hilfebedürftigkeit baldmöglichst beenden zu können.

Aber das lernt man ja schon in der Schule: Kommen Kinder zu spät (oder gar nicht) zum Unterricht, bekommen sie einen negativen Klassenbucheintrag. Kommen Lehrer zu spät (oder gar nicht), … Na? Klingelst?

Das schikanöse Verhalten nicht nur des Jobcenters Minden muss aufhören! Besser: Sachbearbeiter und Arbeitsvermittler sollten genauso Sanktionen unterliegen, wenn sie nicht korrekt arbeiten, wie Leistungsbezieher. Oder Sanktionen endgültig abschaffen.

„Min und Din“, wie man in Minden so schön sagt.

(Gespräche sind sinngemäß wiedergegeben)


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