ADFC und interessierte Bürger erkundigten geplanten Radschnellweg OWL

Rund 70 Radfahrer des ADFC und interessierte Bürger fuhren Teilstück des geplanten "Radschnellweg OWL" von Minden und Herford bis nach Bad Oeynhausen ab

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Ein Projektplaner erklärte während einer Info-Pause anhand eines Internetausdrucks, wie der zukünftige Radschnellweg OWL aussehen könnte – Leserfoto: „Jojo“

Bei einer „Sternfahrt“ erkundigten rund 70 Fahrradfahrer des ADFC Minden-Lübbecke und interessierte Bürger am 4. Juni 2016 Teilstrecken des geplanten „Radschnellweg OWL“. Städte und Kreise klärten während und am Ziel der Radtour über das Projekt auf und achteten zusammen mit den Teilnehmern auf den Zustand der Radwege.

Zu einer öffentlichen Radtour luden am Samstag die beteiligten Projektpartner Stadt Minden, Bad Oeynhausen, Porta Westfalica, Löhne und Herford ein. Die Teilnehmer konnten entweder in Minden oder Herford ihre Fahrt aufnehmen – gemeinsames Ziel war Bad Oeynhausen.

Los ging es am Straßenverkehrsamt in Minden, wo die städtische Fahrradbeauftragte der Stadt Bad Oeynhausen, Linda Noack, die Gäste begrüßte und Warnwesten mit dem blauen Projektlogo „Radschnellweg OWL“ überreichte. Rund 25 Radfahrer warteten bereits auf den Start – unter ihnen auch Petra Rehling von der Abteilung Verkehrsplanung der Stadt Minden, die sich selbst einen Eindruck von den Teilnehmern verschaffte:

„Die Mindener Gruppe war bunt gemischt. Der jüngste Teilnehmer war zwei Jahre alt und wurde zusammen mit seiner Schwester von dem Vater auf dem ‚Familienfahrrad‘ mitgenommen. Die älteste Teilnehmerin mit 79 Jahren war extra aus Bierde angereist, um sich über den Radschnellweg zu informieren. Auch die Drahtesel waren ganz unterschiedlich – gefahren wurde unter anderem auf Tourenrädern, einem Rennrad, auf Pedelecs, einem Lastenrad und einem Familienfahrrad.“

Was sie nicht wusste: Auch „Jojo“, Schlagzeuger und Mitglied einer Rockband sowie freiwilliger Hintergrundakteur von OctoberNews, der unsere Redakteurin auf vielen ihrer Berichtsfahrten begleitet, war dabei – und das wohl als einziger Fahrer mit einem (1982er) Rennrad. Der Wahl-Mindener hatte nicht nur Lust auf eine Radtour, sondern interessiert sich vor allem persönlich für die Planungsstrecke.

Als er dann aber gefragt wurde „sind Sie ein interessierter Radfahrer oder Clubangehöriger?“ wurde er hellhörig und erfuhr im Gespräch mit anderen Teilnehmern, dass die überwiegende Anzahl an Teilnehmern dem ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) des Kreisverbandes Minden-Lübbecke angehören, die bekanntermaßen das Projekt maßgeblich unterstützen.

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Der OctoberNews-Leser „Jojo“ (li.) radelte auch ohne Warnweste kräftig mit auf dem geplanten Radschnellweg – Foto: Stadt Minden, Petra Rehling

In Herford starteten circa 45 Personen. So machten sich rund 70 Radler, schätzte „Jojo“, auf den Weg nach Bad Oeynhausen. Entlang der Weser zeigte sich schnell, dass der Weg auf den meisten Streckenabschnitten zu schmal sei, so die Stadt Minden. Denn neben anderen Radtour-Gruppen würden auch einige Inlinefahrer und Fußgänger den Weg nutzen, sodass oftmals abgebremst werden müsste. Auch zeigte sich bei der Befahrung, dass die vorhandenen Gegebenheiten für einen Radschnellweg noch nicht ausreichend seien.

Ähnliche Erfahrungen machte die Gruppe wohl auch auf den straßenbegleitenden Radwegen und an den beampelten Kreuzungen, so die Stadt Minden weiter. Die benutzungspflichtigen Radwege wären teilweise so schmal, dass diese für ein Lastenfahrrad oder Familienfahrrad nicht ausreichend wären und der angrenzende Gehweg mitbenutzt wurde. Ebenfalls zeige sich im Praxistest, dass die Gruppe an den Kreuzungen häufig nicht innerhalb einer Grünphase gemeinsam queren könne. Das läge zum einen daran, dass die Grünphasen zu kurz wären und zum anderen, dass auf den Mittelinseln maximal sieben Fahrradfahrer gleichzeitig Platz hätten.

Während der rund zweieinhalbstündigen Tour wurden drei Pausen eingelegt, in denen – neben mitgebrachten Kaltgetränken und selbstgebackenen Muffins und Kuchen – Planer der Kommunen und des beauftragten Ingenieurbüros über das rund 30 Millionen verschlingende Projekt informierten und für Fragen zur Verfügung standen. Denn der 36 Kilometer lange, geplante Radschnellweg von Minden über Bad Oeynhausen und Löhne bis nach Herford stößt nicht bei jedem auf Zustimmung.

So war „Jojo“ zum Beispiel entsetzt über die Aussage eines Teilnehmers: „Hier ist doch genug Platz.“ Gemeint war, dass mitten durch die Maisfelder der Radschnellweg führen soll. Von einem der Vortragenden erfuhr er, dass diese Baumaßnahme vom LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) so vorgegeben wäre. Schließlich war bei Bekanntgabe der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie Ende Januar 2016 vonseiten der Planer bereits vorgesehen, dass Grunderwerbe von fünf bis sechs Hektar notwendig würden.

Einige Fragen blieben ebenfalls offen, beispielsweise wann mit der tatsächlichen Planung oder gar mit dem Bau begonnen wird. Dies konnten die Vertreter der Behörden nicht beantworten, berichtet die Stadt Minden weiter. Auch durfte eine Mappe mit Plänen und Skizzen zwar eingesehen werden, aber herausgeben wollte man sie nicht – man verwies auf die Webseite der Stadt Bad Oeynhausen, wo man sich alles herunterladen könne. Dies sei zwar etwas unübersichtlich, aber wenn man sich „durchwühlt“, finde man alle Informationen, so die Planer.

Schließlich waren alle Radlerinnen und Radler am Zielpunkt Inowroclaw Platz in Bad Oeynhausen eingetroffen. Kurz vor dem Ziel stürzte jedoch eine ältere Teilnehmerin auf der Mindener Straße / Höhe Werrepark aufgrund von ausgefahrenen Spurrinnen. Es wäre aber nichts Schlimmes passiert, sie sei unversehrt. Letztendlich tauschten sich alle Teilnehmer hier noch über die gefahrene Strecke aus. Auch wurde darauf hingewiesen, dass die Fahrradfahrer nur auf dem Hinweg versichert waren, auf dem Rückweg nicht, denn eine gemeinsame Rücktour war nicht vorgesehen. Die Warnwesten konnte jeder als Andenken behalten.

„Mit der bereits erstellten Machbarkeitsstudie zum Radschnellweg OWL würde eine fundierte planerische Grundlage geschaffen. Es liegt jetzt bei den Politikern, sich für die Förderung des Radverkehrs einzusetzen und sich somit zu einer umweltfreundlichen Verkehrspolitik zu bekennen“, erklärten die beteiligten Projektpartner.

Die teilnehmenden Städte und Kreise wünschen sich, dass das Votum positiv ausfällt und mit dem Radschnellweg OWL ein wichtiger Schritt in die Zukunft des Radverkehrs getan wird, berichtet die Stadt Minden abschließend.

Weitere Informationen findet man auf der Homepage der Stadt Minden und auf der Facebookseite des VCD (Verkehrsclub Deutschland).

Quelle: Pressemeldung Stadt Minden, OctoberNews-Leser „Jojo“


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