Ab 1. April fast kein Geoblocking mehr beim Streamen

EU-Ländersperren fallen weg: Im Urlaub Videos über Netflix, Sky Go oder Amazon Prime zukünftig ohne Zusatzkosten schauen - Verbraucherzentrale NRW klärt auf

Wer im Urlaub in einem EU-Land Filme, Musik oder Videospiele über einen kostenpflichtigen Streaming-Dienst auf dem Tablet oder Smartphone nutzen möchte, braucht ab 1. April 2018 kein Extra-Abo mehr abzuschließen – Symbolfoto: cuncon/pixabay CC0

Lieblingsserie verpasst, weil im Urlaub Geoblocking-Kosten anfallen? Damit ist jetzt (fast) Schluss. Ob Filme, Sportsendungen, Musikvideos, eBooks oder Videospiele – wer sich während eines vorübergehenden Aufenthalts in einem EU-Land mittels Online-Abo über einen kostenpflichtigen Streaming-Anbieter per Smartphone oder Tablet die Zeit vertreiben möchte, kann dies zukünftig ohne weitere Zusatzkosten tun. Ab 1. April 2018 fallen die Ländersperren weg – das sogenannte Geoblocking, teilt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) mit.

Bisher bekommen Nutzer von Streaming-Diensten den Hinweis „Dieser Inhalt ist in Ihrem Land nicht verfügbar“ zu sehen, wenn sie auf Reisen in einem anderen europäischen Land Serien, Filme oder Fußballübertragungen sehen wollen – obwohl sie bei Netflix, Sky Go, Zattoo, Amazon Prime oder Maxdome regelmäßig Abo-Gebühren bezahlen. Das Streamen von Filmen, Serien, Musik oder Unterhaltungsprogrammen ist lediglich in dem EU-Land möglich, in dem Kunden einen entsprechenden (Zusatz-) Vertrag als Abonnement abgeschlossen haben.

Grund für die Blockade (Ländersperre, Geoblocking): Laut Urheberrecht durften bislang etwa begehrte Filme und Fotos nur in dem Land gezeigt werden, für das die Streaming-Anbieter von den Rechteinhabern eine Nutzungserlaubnis eingeholt hatten.

Dem hat das Europäische Parlament nun einen Riegel vorgeschoben. Der Vorschlag aus Brüssel vom 9. Dezember 2015, eine sogenannte “Portabilitätsverordnung” zu schaffen, wurde – nach langen Diskussionen – am 18. Mai 2017 verabschiedet und tritt am 1. April 2018 in Kraft. Zwar ändere sich hierbei nicht das Urheberrecht, so die Verbraucherzentrale NRW, aber der Weg sei nun frei für grenzenloses Streamen von Inhalten innerhalb der Europäischen Union (EU). Nach der Senkung der Roaming-Gebühren (siehe unser Bericht) ein weiterer Meilenstein in der Geschichte von Internet, Smartphone und Co.

Neben der Begrenzung auf “vorübergehende Aufenthalte” gibt es jedoch ein weiteres Aber: „Für den Wegfall der Ländergrenze müssen Streaming-Anbieter außerdem zuvor das Wohnsitzland des Nutzers überprüfen“, erklären die Experten der Beratungsstelle Minden und geben eine Übersicht, was für Nutzer zum Streamen von kostenpflichtigen Online-Abos demnächst gilt:

Grenzenloses Streamen?

Ab dem 1. April gilt für kostenpflichtige Abos von Streaming-Diensten, dass bei “vorübergehenden Aufenthalten” im EU-Ausland die Datenübertragung als Nutzung im Wohnsitzland gilt. Das heißt, Musik, Serien, Filme oder Live-Übertragungen müssen im Netz so angeboten werden, wie sie für Abonnenten auch an ihrem Wohnsitz verfügbar wären.

Was als und wielange ein “vorübergehender Aufenthalt” gilt, legt die neue Portabilitätsverordnung nicht genau fest. Aber wer einen mehrwöchigen Urlaub oder als Student/in einige Semester im EU-Ausland verbringt, kann dort auf das Streaming-Abo seines Heimatlandes zugreifen.

Wichtig: Die neuen Regeln gelten ausschließlich für einen vorübergehenden Aufenthalt in der Europäischen Union. Wer etwa Urlaub in den USA, der Schweiz oder der Türkei unternimmt, kann sein deutsches Abo dort nicht nutzen.

Überprüfung des Wohnsitzes

Um feststellen zu können, wo sich Nutzer aufhalten und ob sie tatsächlich Zuhause sind, können Anbieter von Online-Diensten bei Vertragsschluss oder Vertragsverlängerung Kundendaten wie Wohnsitz, Kreditkartennummern oder IP-Adressen abfragen und nutzen. Generell sind zwei Möglichkeiten erlaubt, um den Wohnsitzmitgliedstaat des Abonnenten zu prüfen. Hierzu können Anbieter auch die Vorlage eines gültigen Ausweisdokumentes verlangen.

Wer bei dieser Prozedur nicht mehr als nötig von sich preisgeben möchte, sollte personenbezogene Daten schwärzen (z.B. auf Ausweiskopie), die zu Prüfzwecken nicht erforderlich sind.

Kein Geoblocking-Abo mehr, aber Datenübertragungskosten

Streaming-Anbieter dürfen für die Dienste-Nutzung im EU-Ausland ab 1. April keine zusätzlichen Gebühren erheben.

Aber Achtung: Wenn Nutzer Angebote über ausländische Mobilfunknetze im EU-Ausland streamen, können Zusatzkosten für die Datenübertragung entstehen. Datenvolumen sparen können Abo-Kunden, indem sie über eine WLAN-Verbindung auf die Inhalte zugreifen.

Online-Angebote im Ausland

Wenn Nutzer auf günstigere oder umfangreichere Angebote eines Streaming-Dienstes in einem anderen Land zugreifen möchten, gelten die neuen Regeln nicht. Wer sich etwa beim Service eines französischen Anbieters bedienen möchte, kommt nicht umhin, auch mit diesem einen Vertrag abzuschließen.

Beratungsstelle Minden der Verbraucherzentrale

Bei Problemen mit dem Abschluss und/oder der Nutzung von Streaming-Diensten in einem EU-Land bietet die Beratungsstelle Minden der Verbraucherzentrale NRW, Portastr. 9, 32423 Minden, vor Ort und telefonisch unter 0571 / 38 63 79 01 rechtlichen Rat und Hilfe an. Kontaktadressen für Termine und Informationen zu den Kosten findet man online unter www.verbraucherzentrale.nrw/beratungsstellen/minden.

Textquelle: Verbraucherzentrale NRW in Minden, Umformulierung/Ergänzung: OctoberNews


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