850.000 Euro für über 30.000 Obdachlose in NRW

Gesundheitsministerium stellt Fördermittel für medizinische Versorgung von wohnungslosen Menschen - Antragsfrist endet am 30. September für Städte und Träger

Im Freien ausharren zu müssen, weil kein Geld da ist und ein Dach überm Kopf fehlt, wie hier in Minden, bringt Obdachlose oft in die Gefahr, krank zu werden – Archivfoto: onm

Um Obdachlosen eine bessere medizinische Versorgung gewährleisten zu können, stellt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW) den Kommunen, Wohlfahrtsorganisationen und Freien Trägern in diesem Jahr insgesamt 850.000 Euro zur Verfügung. Davon sollen beispielsweise Ultraschallgeräte oder andere medizinische Ausstattungen für die kommunal organisierten, oft auch ehrenamtlich betreuten, mobilen medizinischen Dienste angeschafft werden. Die Antragsfrist endet am 30. September 2018.

Karl-Josef Laumann, geboren und aufgewachsen im westfälischen Riesenbeck nahe Münster, CDU-Politiker, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (Sozialminister), und Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA), will wohnungslosen Menschen zu einer besseren medizinischen Versorgung verhelfen und stellt mit Pressemeldung des Landes NRW vom 13. Juli klar: „Häufig nutzen wohnungslose Menschen das medizinische Regelsystem nicht, sei es aus Scham oder aus Unkenntnis. Deshalb sind aufsuchende Hilfen und Angebote, die sich speziell auf diesen Personenkreis eingestellt haben, so wichtig.“

Das Leben auf der Straße führe zu besonderen gesundheitlichen Belastungen durch Witterung, mangelnde Hygiene und ungesunde Ernährung, so Laumann und erklärt: „Dadurch ist die gesundheitliche Verfassung von wohnungslosen Menschen deutlich schlechter als beim Durchschnitt der Bevölkerung.“ Als Beispiele nennt er Erkrankungen der Atmungs- und Verdauungsorgane, des Herz- und Kreislaufsystems, Hautkrankheiten sowie psychische und Suchterkrankungen.

Außerdem seien wohnungslose Menschen aufgrund häufig bestehender Vorerkrankungen und ihrer teilweise extremen Lebensbedingungen in besonderer Weise gesundheitlich belastet. Zu den besonderen Belastungen zählen lt. Förderaufruf klimabedingte jahreszeitliche Belastungen, Gewalterfahrungen und hygienische Bedingungen. Darüber hinaus würden gesundheitliche Risiken durch Mangel- bzw. falsche Ernährung, spezifische Belastungen wie Ängste, Isolation/Einsamkeit und Diskriminierungserfahrung entstehen. Zudem seien geschlechterspezifische Risiken bei den Frauen identifiziert worden. So würden obdachlose Frauen durch die bisherigen Angebote der Wohnungslosenhilfe kaum erreicht.

Hinzu komme, dass der Zugang zur medizinischen Versorgung für wohnungslose Menschen eingeschränkt sei, da ihre Lebensverhältnisse und das bestehende System der gesundheitlichen Versorgung nicht miteinander „kompatibel“ seien. Das mache deutlich, heißt es weiter im Förderaufruf, wie notwendig niedrigschwellige, aufsuchende Angebote seien, die versuchen, Versorgungslücken zu schließen, eine angemessene gesundheitliche Grundversorgung zu sichern und gegebenenfalls auch einen Beitrag zur Reintegration in das Regelsystem zu leisten.

Quelle: Kurzanalyse 03/2018 / Wohnungsnotfall-Berichterstattung 2017 des MAGS NRW vom 16.07.2018

Laut einer Kurzanalyse 03/2018 vom 16. Juli 2018 inklusive Wohnungsnotfall-Berichterstattung 2017 des MAGS NRW (die man sich hier downloaden kann), die seit 2011 wohnungslose Personen erfasst, die vorübergehend in Unterkünften untergebracht sind (Asylsuchende und Spätaussiedler ausgenommen), waren zum Stichtag 30. Juni 2017 insgesamt 32.286 Personen in Nordrhein-Westfalen obdachlos.

Erschreckend hoch sei dabei die Anzahl der 18- bis 30-jährigen Obdachlosen in NRW, die 2017 einen Anteil von 27,9 Prozent aller wohnungslosen Personen ausgemacht hätten. Zudem sei mehr als jede fünfte weibliche Wohnungslose minderjährig (22 Prozent). Bei den Männern traf dies nur auf circa jeden Neunten zu (11 Prozent).

Von den Kommunen und Freien Trägern im Kreis Minden-Lübbecke wurden zum Stichtag 295 wohnungslose Menschen gemeldet – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Jahren 2011 bis 2014 sowie von 2016 zu 2017. Nur von 2015 zu 2016 sei die Zahl gemeldeter Wohnungsloser gesunken (von 297 auf 195).

Aus all diesen Gründen sei es für den Sozialminister wichtig, gerade denjenigen zu helfen, die sich vor Ort um Obdachlose kümmern: „Es ist gut, dass wir vielfältige Hilfsangebote der Kommunen, der Träger der freien Wohlfahrtspflege und von ehrenamtlich tätigen Medizinern haben, die sich mit großem Engagement um die gesundheitliche Versorgung von wohnungslosen Menschen kümmern. Ihnen wollen wir mit diesem Sonderprogramm bei ihrer wichtigen Arbeit helfen.“

Das Sonderprogramm nennt sich „Bessere medizinische Versorgung wohnungsloser Menschen in Nordrhein-Westfalen“ und stellt Fördermittel von insgesamt 850.000 Euro bereit. Aus dem Fördertopf schöpfen können kreisfreie Städte, kreisangehörige Gemeinden und Kreise sowie Träger der Freien Wohlfahrtspflege und Freie Träger. Je Einzelprojekt seien Förderungen zwischen 12.500 und 100.000 Euro je Kalenderjahr möglich. Förderfähig sind Investitionskosten beispielsweise für Zahnarztstühle, Ultraschallgeräte oder EKG.

Wer die Förderung in Anspruch nehmen möchte, kann diese bis zum 30. September 2018 beim MAGS NRW beantragen. Der Antrag wird neben weiteren Informationen und Unterlagen in elektronischer Form zum Download bereitgestellt unter https://www.mags.nrw/hilfe-bei-wohnungslosigkeit.

Quelle: Land NRW, MAGS NRW, OctoberNews


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