4. ADAC Rothenuffler Wiehenfahrt – eine Rallye besonderer Art

63 Oldtimer und Youngtimer bewältigten entlang des Wiehengebirges in Minden-Lübbecke erfolgreich zwei Etappen auf 103 Kilometern Wegstrecke

Wie in den 1930er Jahren kämpfte sich der legendäre Ford Turdor Sedan bei der 4. ADAC Rothenuffler Wiehenfahrt mit 40 PS durch den modernen Verkehr der heutigen Zeit und durchquerte rechtzeitig die Ziellinie – Fotos: onm

Nur ein kurzer Umweg wegen eines Fußballspiels am Häcker-Wiehenstadion störte die Fahrerinnen und Fahrer auf ihrer ADAC Rothenuffler Wiehenfahrt 2018, an der vergangenen Samstag 63 Oldtimer und Youngtimer teilnahmen, die nach 103 Kilometern Wegstrecke, zwei Etappen und rund fünf Stunden erfolgreich die Ziellinie überquerten.

Zum vierten Mal organisierte der Motorsport-Club (MSC) Rothenuffeln e.V. als Ortsclub des ADAC Ostwestfalen-Lippe e.V. die Rothenuffler Wiehenfahrt – eine Art Rallye auf öffentlichen Straßen entlang des Wiehengebirges im Kreis Minden-Lübbecke, an der jeder stolze Besitzer bzw. Besitzerin eines Oldtimers oder mindestens 20 Jahre alten Fahrzeugs (Youngtimer) teilnehmen kann. Marke egal, Hauptsache man sitzt zu zweit im Auto, hat genug Sprit im Tank, kann mit dem Smartphone umgehen und hat ein wenig Bares fürs Nenngeld übrig.

Außerdem “hat jeder sein Bordbuch dabei”, erklärte Dirk Bekemeier, Schatzmeister des MSC Rothenuffeln, der die Zieleinläufer einwies. Das sorgfältig zusammengestellte Heft beinhaltet unter anderem “Chinesenzeichen” (Pfeile und Striche, die den Weg weisen), Straßennamen und Hinweise für die Beifahrer. Denn die müssen die Fahrer während der Fahrt anweisen, wo es langgeht. Für die Jüngeren: Das Bordbuch ist wie ein Navi, nur auf Papier zum Ablesen.

Zudem müssen die Teilnehmer an bestimmten Orten Sonderaufgaben lösen, wie beispielsweise die “Gleichmäßigkeitsprüfung”. “Hier muss man zum Beispiel eine gewisse Strecke in genau 30 Sekunden fahren”, klärte Bekemeier auf. Eine Stoppuhr bzw. entsprechende App im Smartphone sollte man also unbedingt dabei haben. Auf der Bordkarte werden die Stationen zur Kontrolle abgestempelt.

So trafen am 8. September 63 Fahrer/innen mit ihren Beifahrer/innen um 10 Uhr morgens zur Dokumentenabnahme und Besprechung am Kurhaus Pivittskrug in Hille ein, um ab 12 Uhr im Minutentakt hintereinander auf die Strecke zu gehen, je nachdem, welche Startzeit vom MSC Rothenuffeln in der Bordkarte eingetragen wurde. Andere Verkehrsteilnehmer staunten sicher nicht schlecht, als an ihnen “Schätzchen” aus den 1930er oder 1980er Jahren von Ford, BMW, Mercedes, VW, Opel, Audi, Mazda, Citroën oder Toyota aus Minden, Lippe, Schaumburg, Herford, Bielefeld und sogar Braunschweig vorbeirollten.

Thomas Leikert (re.) und sein Freund haben über 500 Kilometer und damit die weiteste Strecke mit ihrem Wartburg zurückgelegt, um an der Rothenuffler Wiehenfahrt teilzunehmen

Wobei die weiteste Strecke Thomas Leikert (39) und sein Freund Uwe Martin mit dem Wartburg 311-1000 aus dem Jahre 1964 zurücklegten. Extra aus dem Landkreis Heidenheim (Nattheim, nahe Ulm und Stuttgart) kommend erzählte Leikert, welche Erinnerungen er mit dem Oldtimer verbinde: “Wir sind ja beide Kinder des Ostens. Ich habe den Wagen noch in der Jugend auf der Straße fahren sehen und Fotos von beiden Großvätern, die in diesem Auto saßen. Einen Zweiten habe ich noch in der Garage. Nun lieben auch meine Kinder (5 und 12 Jahre alt) das Auto, weil es so schön weich gefedert ist.” Gefunden hat Leikert sein “fiat-rotes” Schätzchen in der Nähe von Rostock. “Dort stand er drei Jahre in der Garage und wurde nicht bewegt.”

Auf die Frage, ob der Wartburg, der im ehemaligen VEB Automobilwerk Eisenach, Thüringen, gebaut wurde, im Originalzustand wäre, antwortete Leikert: “Weitestgehend. Das Lenkrad ist vom 311-900er.” Des Weiteren fiel auf, dass eine Stelle im Inneren des weißen Verdecks mit roter Lackfarbe besprüht war. “Der Wagen ist irgendwann wohl neu lackiert worden”, erklärte er, “das eine oder andere muss noch gemacht werden.” Interessant war auch das alte Radio, das damals nur Langwelle und Mittelwelle empfing. Der Choke entpuppte sich als Scheibenwischanlage-Zughebel (einen Choke, also Schnellstarter, habe das Auto aber auch), und über weiße viereckige Druckknöpfe könne man weitere Funktionen bedienen, zum Beispiel die Lichtanlage. Im Übrigen handele es sich um eine Standard-Limousine mit 45 PS unter der Haube. „Ein sehr dankbarer Oldtimer“, so Leikert. Den Nachteil an der Sache nimmt Leikert mit Humor: „Man sagt ja, dass man mehr Zeit unterm Auto verbringt als auf der Frau.“

Spaß gemacht scheint es jedenfalls allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gemacht zu haben den ausführlichen Gesprächen am Nachmittagstisch bei warmem Essen im Pivittskrug zufolge. Da musste die Pokalverleihung auf der Terrasse schon mal hinten anstehen. Davon abgesehen werteten die Vereinsmitglieder des MSC Rothenuffeln zwischenzeitlich die Ergebnisse aus, die man auf der Webseite einsehen kann.

Kerstin und Gerhard Hempelmann aus Hiddenhausen holten mit ihrem “roten Flitzer” Austin Healey 3000 BJ8 den Gesamtsieg bei der 4. ADAC Rothenuffler Wiehenfahrt

Den Gesamtsieg der Wiehenfahrt holten sich Kerstin und Gerhard Hempelmann aus Hiddenhausen mit ihrem Austin Healey 3000 BJ8 aus dem Jahre 1965. Unter den Vorkriegsmodellen sicherten sich Edgar Kurlbaum und Andre Niermeyer aus Hille mit ihrem Ford Model A von 1930 den ersten Platz. Bei den Youngtimern hatten Henning Fieguth und Melissa Ollermann aus Rödinghausen mit ihrem VW Golf I Cabrio aus dem Baujahr 1992 die Nase vorn, gefolgt vom VW Jetta 2 aus 1991, der von Simon Kleffmann und Sebastian Pfeifer aus Lübbecke/Bad Salzuflen gefahren wurde (Platz 2), sowie Niklas und Kai Hornberg aus Gütersloh, die sich mit ihrem Opel Astra Cabrio aus 1994 den dritten Platz holten.

Gewertet wurden erstmals auch Mannschaften, unterteilt in den Klassen “Die Roten Flitzer”, “Erdbeer Enten Käfer”, “Frecce Tricolori” und “Tiemann”. Hier konnte sich das Team “Die Roten Flitzer” an die Spitze kutschieren, sprich Karl-Heinz und Ingrid Rudolph mit der Startnummer 26 im Triumph TR6 (Bj. 1974), Volker Tiemeyer und Theresa Wiszniewski mit der Startnummer 61 in ihrem Audi 80 Cabrio von 1995, Jürgen und Horst Sturm im Jaguar E-Type V12 Coupe (Bj. 1971, Startnummer 21) sowie Olaf und Katja Buchholz im Mazda 626 mit der Startnummer 37. Daneben gab es noch Pokale und Auszeichnungen für die Oldtimerklasse und die besten GLP-Zeiten (Sonderprüfungen).

Vorher verraten werden die zu bewältigenden Wegstrecken vor jeder Rothenuffler Wiehenfahrt jedenfalls nicht, merkte Bekemeier an, damit sich niemand darauf vorbereiten kann. Im Übrigen wurde der MSC Rothenuffeln bereits 1956 gegründet und ist von Anfang an “Heimat für motorsport-begeisterte Menschen”. Der Verein organisierte über die Jahrzehnte Rallyes, Automobil-Turniere, Orientierungsfahrten und ähnliche Veranstaltungen. Zudem konnten zahlreiche Erfolge im Rallyesport gefeiert werden (lt. Historie auf der Website), doch das war in den 19080ern.

Umso stolzer sind die Mitglieder darauf, dass sie zum ersten Mal das Automobilturnier der Saison ausrichten dürfen, das im April begann. Weiter geht’s am 15. September 2018 auf dem Hiller Markt. Das Besondere an dem kommenden Samstag: Es geht um den Endlauf zur Westdeutschen Automobilturnier Meisterschaft. Alle Informationen findet man auf der Website des Motorsportclubs.

Vorab gibt’s aber erst mal unsere 147 Fotos umfassende Bilderstrecke:


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