3. Frühlingsfest ohne Grenzen – ein echter Glückstreffer

Trotz trübem Wetter fanden Hunderte Menschen aus nah und fern wieder bei der KSG am Weserufer in Minden zusammen - sportlich, spielerisch und offenherzig

Beim Glücksrad konnten diese Mädchen aus fernen Ländern keinen Glückstreffer erlangen, weil sie einfach nicht verstanden, wozu das „Ding“ gut sein soll – dafür hatten sie viel Spaß auf dem „Frühlingsfest ohne Grenzen“ 2017 bei Spiel und Sport in Minden – Fotos: onm

Bereits zum dritten Mal veranstaltete das Bündnis „Minden Hand in Hand“ zusammen mit der Kanusportgemeinschaft (KSG) Kurt-Tucholsky-Gesamtschule Minden e.V. ein „Frühlingsfest ohne Grenzen“ und einen „Tag der offenen Tür“ am Weserufer in Minden mit anhaltendem Erfolg.

Längst hat es sich rumgesprochen, dass Geflüchtete aus Syrien und anderen Ländern, die in die ostwestfälische Stadt Minden gefunden haben, nicht nur leckere Speisen aus ihrer Heimat zubereiten können, sondern vor allem daran interessiert sind, in Kontakt mit deutschen Einwohnern zu treten, von ihnen (nicht nur die deutsche Sprache) lernen und sich gemeinsam sportlich austoben möchten.

KSG-Vorsitzender Achim Riemekasten hatte sichtlich Spaß am „Tag der offenen Tür“ seiner Kanusportgemeinschaft und gleichzeitig stattfindendem „Frühlingsfest ohne Grenzen“

So auch am 1. Mai 2017 beim „3. Frühlingsfest ohne Grenzen“ – dessen Initiatoren vom Bündnis „Minden Hand in Hand“ sich zum Ziel gesetzt haben, Einheimische und ausländische Menschen an einem Ort zusammenzubringen und gemeinsam Spaß zu haben. Zugleich fand der „Tag der offenen Tür“ des KSG Minden unter Obhut des Vereinsvorsitzenden Achim Riemekasten statt. So ließen die Kanusportfreunde wieder ihre Drachenboote zu Wasser, so als wäre ihr Motto: „Wir sitzen schließlich alle im gleichen Boot“.

Und tatsächlich standen die zahlreichen Besucher aus nah und fern, ob jung, mittel oder alt, trotz trübem Wetter wieder Schlange am Weserufer und konnten es gar nicht abwarten, mitzupaddeln. Mit Schwimmwesten ausgerüstet und unter kurzer Einführung der KSG-Vereinsmitglieder hieß es einsteigen in den 15-Sitzer, hinsetzen, vom Bootssteg abstoßen und kräftig paddeln übers kühle Nass der Weser.

Trommeln und Paddeln – die Drachenboot-Fahrten der KSG Minden auf der Weser erfreuten sich großer Beliebtheit unter den Besuchern

Da weiß man, was man getan hat, und hatte sich einen Snack verdient. Zu unserem Erstaunen erhielt man diesen ebenfalls kostenlos bzw. gegen eine freiwillige Spende. Entsprechend lang bildete sich eine weitere Schlange am Imbiss-Häuschen, wo es hieß „Bratwurst Pommes kostenlos – wir freuen uns über eine Spende“. Auch die persische Linsensuppe unterm Zeltdach verlangte Nachschlag. Mal abgesehen von dem orientalischen Buffet, das gegen 13.30 Uhr, als wir eintrafen, leider schon leergefegt war. Und weiter ging’s am Getränkestand: „Getränke kostenlos – wir freuen uns über eine Spende“.

Die ehrenamtlichen Helfer am Imbiss-Stand hatten alle Hände voll zu tun, um die kostenlosen Bratwürste und Pommes zu verteilen

Somit war klar, diese Veranstaltung richtete sich an alle Menschen aus Minden und Umgebung, egal welcher Einkommensklasse, Nationalität oder Herkunft – Hauptsache, man spricht miteinander. Wie schon in 2015, als das „Frühlingsfest ohne Grenzen“ aus der Taufe gehoben wurde (siehe Bericht). Zur Not verständigte man sich mit Händen und Füßen oder gebrochenem Englisch. Von Berührungsängsten keine Spur – schon gar nicht bei den Kindern. Diese tobten auf dem aufgeblasenen Kletterkegel oder in der Hüpfburg, ließen sich schminken oder traten beim „Lebend-Fußball-Kicker“ gegeneinander an. Nur mit dem Glücksrad wussten ein paar ausländische Mädchen nicht so recht was mit anzufangen (siehe Titelbild).

Apropos verständigen: Nach vielen Chats über soziale Medien trafen wir endlich persönlich auf Muhannad Musa, vielen einfach bekannt als der ehrliche Flüchtling aus Syrien, der in einem Schrank Bargeld und Sparbücher im Wert von rund 150.000 Euro fand, den Fund der Ausländerbehörde meldete und das Vermögen abgab (siehe dazu unser Bericht und die Vorberichte).

Ein Mann mit einem strahlenden Lächeln: Der Syrer Muhannad Musa hat seine Heimat in Minden gefunden und studiert jetzt an der Uni Bielefeld

Auf jeden Fall strahlte er übers ganze Gesicht und freute sich sehr, unsere Redakteurin live zu sehen, machte einen gesunden Eindruck und hatte eine Kamera dabei, mit der der 25-Jährige alles fotografierte, was ihm wichtig ist. Aus Zeitgründen war seitens der Redaktion leider nur eine kurze Begrüßungs-Unterhaltung möglich, aber die erfolgte herzlich und beiderseits auf Deutsch (im Gegensatz zu vorherigen Chats auf Englisch). Mittlerweile studiert er an der Universität Bielefeld, wie man seinem Linked-In-Profil entnehmen kann.

Für musikalische Unterhaltung sorgten währenddessen „Raydikal Ray“ und „Raw“ – zwei junge Männer aus Minden, die sich beeindruckend dem deutschen Hip Hop verschrieben haben mit sozialkritischen Texten wie „Das Leben ist kein Streichelzoo“ oder „Hab‘ das Gelaber satt, krieg‘ schon ’nen Dreitagebart“ (wobei bei Raw die Stoppeln schon etwas länger wuchsen). Einen Tag nach dem Frühlingsfest ging – wie von Ray angekündigt – seine Facebook-Seite @Rayalist online, mit der er aufs Debütalbum von 2009 „Es kommt wie es kommen muss“ hinweist.

Für Hip-Hop-Stimmung sorgten beim Frühlingsfest (v. li.) „Raydikal Ray“ und „Raw“ unter dem Motto: „Kimusaver – Passe dich nicht an, wenn deine Seele dabei stirbt!“

Doch dann das: Wir wurden von einer Puppe angesprochen. Genauer gesagt „Marco“, das Maskottchen des DRK (Deutsches Rotes Kreuz) Minden. Von Gudrun Drinkuth am Händchen geführt, sprach Marco etliche Passanten, darunter auch „Minden Hand in Hand“-Initiator Detlef Müller, an, ob es ihnen gesundheitlich gut gehe oder sie Hilfe bräuchten. Marco sei ja ansonsten beim Jugendrotkreuz aktiv und besuche Kindergärten und Grundschulen. Vom Pflasterkleben über Verbände bis zum Notruf bringe der „Zottelkopf“ den Kindern alles rund um Erste Hilfe bei, in Dreiviertelstunde-Exkursionen, natürlich zusammen mit seiner „Lehrerin Gudrun“.

In diesem Zusammenhang machte Drinkuth auf den Grundlehrgang in Notfalldarstellung am kommenden Wochenende in der Kutenhauser Straße aufmerksam. Der Kurs dauert drei Tage (Freitag: Theorie, Samstag: 9 bis 22 Uhr, Sonntag: 9 bis 16 Uhr), wofür sich bereits 16 Leute anmeldeten und damit voll besetzt wäre. Wer sich aber generell für Lehrgänge dieser Art interessiert, findet alle Informationen auf der Website des DRK Kreisverband Minden e.V. unter www.drk-kv-minden.de. Im Übrigen suche das DRK grundsätzlich immer Ehrenamtliche in der Jugendgruppe.

Initiator Detlef Müller brauchte vor Maskottchen „Marco“ und Gudrun Drinkuth vom DRK Minden keinen Eid abzulegen auf dem „Frühlingsfest ohne Grenzen“ 2017, auch wenn es so aussehen mag, denn er setzt sich seit Jahren aktiv für den Kanusportverein und Geflüchtete ein

Insgesamt pendelten die Stimmen nach Veranstaltungsende jedenfalls von „Sehr gelungen!“ über „Das war in Ordnung“ bis „Also, ich fand’s gut!“, so Detlef Müller. Auch die Breakdancer seien gut angekommen, heißt es von anderer Seite. Was die Besucherzahl betrifft, konnten KSG-Vorstand Achim Riemekasten, Müller und Eike sich wohl nicht einigen, so Müller: KSG-Vorstand Achim schätzt, dass es doppelt so viele Gäste wie 2016 waren. Eike meinte, verglichen mit dem letzten Jahr waren es erheblich mehr. Ich selbst meine, es waren genauso viel wie 2016, eher etwas mehr.“

Völlig egal, denn eins sei mal sicher, „es hat sich gelohnt!“, so Detlef Müller und greift vor: „Das Frühlingsfest ohne Grenzen wird es 2018 wieder geben.“

Wir meinen, dass ein Fest dieser Art ein echter Glückstreffer ist in der Stadt Minden. Denn Sport und Spiel verbindet und Liebe geht über den Magen – so einfach ist das.


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