296 Tiere bei Rassegeflügel- und Kaninchenschau in Minden

Kleintierzuchtvereine KTZV Kuhlenkamp und W92 Hahlen-Holzhausen II präsentierten erstmals ihre Tiere in einer gemeinsamen Ausstellung in Minderheide

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Araucana-Hähne lassen ihre Frauen grüne Eier legen – das und mehr erfährt man auf der jährlich stattfindenden Rassegeflügel- und Kaninchenschau der KTZV Kuhlenkamp in Minden – Fotos: onm

Rexe, Wyandotten, New Hampshire, Shietti und Elsterpurzler haben eines gemeinsam: Sie stammen aus liebevoller Kleintierzucht und bereichern ihr Publikum mit prachtvollem Gefieder und seidigem Fell. So auch am Wochenende, als erstmals zwei Vereine gemeinsam ihre Tiere in einer zweitägigen Rassegeflügel- und Kaninchenschau in Minden präsentierten.

Wenn 296 Hühner, Hähne, Kaninchen, Enten, Gänse und Tauben auf einmal anfangen, ihre menschlichen Gäste zu begrüßen, kann man sein eigenes Wort nicht verstehen. Dafür bekommt man eine Vorstellung, wie vielfältig Tierzucht sein kann. Ob silberfarbenes Fell oder zitronporzellanfarbige Federn – beim KTZV Kuhlenkamp 1943 e.V. (bzw. W800 Minden-Kuhlenkamp) und W92 Hahlen-Holzhausen II wird nichts dem Zufall überlassen.

Auch die zum ersten Mal gemeinsam ausgerichtete Kleintierschau in der Turnhalle der Kuhlenkamp-Schule in Minderheide am 15. und 16. Oktober 2016 wurde präzise geplant. Beheizung, abgestimmte Lichttechnik, rustikal-bunte Dekoration und eigenhändig gerahmte Schautafeln mit Stammbäumen und Bezeichnungen jeder einzelnen Rasseart sowie großräumige Gänge zwischen den Käfigen sorgten für eine angenehme Atmosphäre.

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Im Gegensatz zum Vorjahr wurde bei der 73. Kleintierschau des KTZV aufgrund der angeschlossenen Vereinsschau des Kaninchenvereins W92 die Turnhalle der Kuhlenkampschule bis in die letzte Ecke ausgenutzt

Nur Anja Horstmann war ein bisschen aufgeregt. Ihre erste Begrüßungsrede im Publikumssaal als frisch gewählte 1. Vorsitzende des KTZV war doch ein bisschen anders als in den Jahren zuvor, wo sie sich „nur“ um die Jugend und ihre Kaninchen kümmern musste (den Titel 1. Jugendleiterin hat sie aber noch inne). Die erstmalig angeschlossene Vereinsschau des Kaninchenvereins W92 ließ ihr Herz ebenfalls höher schlagen.

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Heinz Grannemann (2. Stellvertr. Bürgermeister) ist stolz, dass erstmals Züchter aus der Gemeinde Hille in Minden vertreten sind

Stolz bedankte sich die 35-jährige Ausstellungsleiterin für das Erscheinen der 1. Vorsitzenden des W92 Hahlen-Holzhausen II, Stefanie Diekmann-Wilharm, und ihr Team. Ferner begrüßte sie ihre Ehrengäste, den 1. Stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Minden, Egon Stellbrink, den 2. Stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde Hille, Heinz Grannemann, den SPD-Stadtverordneten Minderheide, Hans-Jürgen Wolff, Hille-Südhemmerns Ortsvorsteher Rolf Tiemann, Holzhausens Ortsvorsteherin Kirsten Südmeyer und Hahlens Ortsvorsteher Werner Wesemann. Ebenfalls vor Ort waren Vertreter der Kreisverbände der Rassegeflügel- und Rassekaninchenzüchter wie Wolfgang Schmidt, Wilhelm Rohlfing und Rita Czech.

Grannemann freute sich sichtlich, dass die Gemeinde Hille die Mindener Ausstellung zum ersten Mal ergänzen darf, sowie über das ihm entgegengetragene Ehrenamt und stellte heraus, dass die „Tierzucht kein Hobby für nebenbei“ sei, sondern die Hege und Pflege einen voll in Anspruch nehme. Obendrein, um erfolgreich zu sein, brauche man einen geschulten Blick und Fachwissen, um zu erkennen, ob ein Tier für eine Schau oder sogar einen Preis geeignet sei.

Ebenso gratulierte Stellbrink zu der gelungenen Kleintierschau und „zu den Erfolgen und herausragenden Bewertungen“ der Rassezüchterinnen und -züchter. Insbesondere die preisgekrönten Tauben des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter Minden haben es ihm wohl angetan. Diekmann-Wilharm überreichte sodann an ZGM Brandt Ehrenbänder für fünf Tiere einer Rasse (Alaska schwarz). Und den Kupfergimpel bekam Diekmann-Wilharm selbst überreicht von ihrem Vereinskollegen Paul Zwiener, weil sie sich nicht selbst ehren wollte.

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Die 8-jährige Nele Weihe konnte sich über einen Pokal und mehrere Auszeichnungen bei der Preisverleihung für ihre Tiere freuen

Für absolute Aufmerksamkeit sorgte aber Nele Weihe vom Kaninchenzuchtverein W92. Die 8-Jährige wurde immer wieder – zur großen Freude ihrer Eltern – von den Gastgebern aufgerufen und räumte Jugend-Pokale und -Auszeichnungen für ihre Kaninchenrassen „Zwergwidder weiß BIA“ und „russenfarbig schwarz-weiß“ ab.

Überhaupt war die Jugend gut vertreten am Veranstaltungstag, zum Beispiel mit dem 12-jährigen Till Waltemathe des KTZV, den wir bereits 2015 kennenlernen durften (siehe Bericht). Sein Opa Peter Wegener und er stellten wieder ihre „modernen englischen Zwergkämpfer“ in Schwarz und silberhalsig vor. Dass die „Kämpfer“ durchaus zutraulich sein können, zeigte die Vorsitzende Horstmann eindrucksvoll, indem sie einfach das Leichtgewicht in die Hand nahm.

So richtig „schnattern“ konnte sie zudem mit den riesigen Pommergänsen (grau, gescheckt), Pekingenten (weiß) und Sachsenenten (blau/gelb) von Jochen Strese, der sich ebenfalls über einen Pokal freuen konnte, überreicht von dem Stadtverordneten Wolff. Wobei Wolff in seiner Begrüßungsrede es sich nicht nehmen ließ, auch die problembehaftete Seite der Vereinsarbeit aufzuzeigen:

Denn der Aufenthaltsraum mit Theke und Platz für über 100 Gäste mit angeschlossenen Sanitäranlagen sowie die Turnhalle in der Kuhlenkamp-Schule sind nur noch bis ins Jahr 2018 von der Stadt Minden gesichert für Vereinsaktivitäten aller Art, Kirchenfeiern, SPD-Versammlungen und zahlreich stattfindende Veranstaltungen im Stadtteil Minderheide. Obwohl dieser Ort seit über 40 Jahren als wichtigster sozialer Treffpunkt für die Kuhlenkämper, Minderheider und ihre Besucher gilt und von den Ehrenamtlichen der Vereine und Organisationen stets in Eigenleistung instand und sauber gehalten wird, sei es fraglich, ob der Kreis Minden-Lübbecke, die Stadt Minden oder andere die Räume zukünftig übernehmen.

Für die Kleintierzuchtfreunde des Rassekaninchenzuchtvereins W92 Hahlen-Holzhausen II ist hingegen schon der Ernstfall eingetreten, sie mussten aus ihren Räumen raus, weshalb der KTZV Kuhlenkamp kurzfristig anbot, doch eine gemeinsame Ausstellung in Minden zu organisieren. Zum Glück konnten die Vereinsmitglieder im Jahr 2013 noch ihr 50-jähriges Vereinsjubiläum gebührend in den ehemaligen Räumen feiern.

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Alle Preisträger, Gastgeber und Ehrengäste sind stolz auf ihre Zuchttiere, Errungenschaften und Mitwirkungen

Als Hauptgrund für die Probleme der Kuhlenkamp-Räume sieht Wolff die Auflösung der Ganztagshauptschule in Minden-Todtenhausen. Zwar hatte Mindens Bürgermeister Michael Jäcke zum 111. Geburtstag der Kuhlenkampschule Ende September dieses Jahres geäußert, „dass die Stadt Minden von ihrem Vorhaben, die Kuhlenkampschule an den Standort der Hauptschule Todtenhausen zu verlegen, wieder Abstand genommen hat“ (siehe Bericht Schule), aber es scheint noch alles im Argen zu liegen.

Nichtsdestotrotz hatten die kleinen und großen Hiller und Mindener Kleintierzüchter und -züchterinnen viel Spaß am vergangenen Wochenende bei Kaffee und Kuchen, Bratwurst und anderen Leckereien. Die Kanin-Hop-Vereinsmeisterschaft 2016 des W92 Hahlen-Holzhausen II am Sonntag trug maßgeblich dazu bei. Schließlich sieht man nicht jeden Tag Kaninchen über Hürden springen. Mit klingenden Namen wie unter anderem „Playboy Vegas Hollister“, „Fürstenball“, „Desperados Dvalinn“ und „Moppsi Marcel“ bewältigten die kühnen Rammler Mini-Hürden, wie man sie sonst nur im Großformat beim Pferdespringreiten vorfindet.

Ein weiterer Impuls, dass vielleicht auch bei den Nicht-Züchtern unter den Gästen der Funke zu einem neuen Hobby überspringt, wie Grannemann zu sagen pflegte.

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Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Dieses Rätsel des Lebens konnte Prof. John Brookfield lösen: Da das noch im Ei befindliche Küken bereits einen „Klopfinstinkt“ besitzt und das Ei selber öffnen kann, war das Ei zuerst da. Am Veranstaltungstag war es aber eindeutig andersherum der Fall. :o)

Schlussendlich soll mal einer behaupten, dass Tiere nicht dankbar wären: Live und in Farbe legte am Samstag eine Henne für uns ein braunes Ei ins „Nest“. Ein besonderes Erlebnis, wovon man noch den Urenkeln erzählen kann.


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