25 Jahre Berufsfeuerwehr Minden – heute und damals

Von der Geburtsstunde der Mindener Berufsfeuerwehr über freiwillige Einsatzkräfte bis zum Projekt „Freiwillige Feuerwehr Minden (2020)“

Feuerwehr Minden

Die Berufsfeuerwehr Minden rückt seit 25 Jahren zu jeder Situation aus, zu der sie gerufen wird – ob es brennt, Personen in einem verunglückten Auto eingeschlossen sind, Bäume im Sturm umknicken oder Keller nach Unwettern unter Wasser stehen.

Die Evakuierung von mehr als 5.600 Bürgern für eine Bombenentschärfung und ein Kohlenstoffmonoxid-Einsatz in einem Schützenhaus im Mindener Stadtteil Rodenbeck, zwei Großbrände in Gewerbebetrieben und ein Reizgiftalarm in der Obermarktpassage (s. Foto unten) sorgten allein im Jahr 2014 für Aufruhr und erforderten den Einsatz von teils mehr als hundert Feuerwehrleuten.

Spätestens 90 Sekunden nach der Alarmierung von der Wache in der Marienstraße rückt die Mindener Berufsfeuerwehr mit drei Fahrzeugen aus. „Nach spätestens acht Minuten sind wir mit acht Funktionen der Berufsfeuerwehr vor Ort. Nach oft weniger als 13 Minuten ist die Verstärkung der Freiwilligen Wehr mit weiteren acht Funktionen im Einsatz“, weiß Wehrleiter und Pressesprecher Heino Nordmeyer.

116 Mitarbeiter – Beamte der Feuerwehr und Angestellte im Rettungsdienst – beschäftigt die Berufsfeuerwehr Minden derzeit. Sie hat mit 101 Quadratkilometern Fläche ein großes Stadtgebiet „zu bespielen“ und wird – je nach Einsatz – in den ländlichen Randbereichen von aktuell 371 freiwilligen Kräften aus Hille, Petershagen, Porta Westfalica und Bückeburg unterstützt.

„Die Schlagkraft und Schnelligkeit der Einheiten wird von den Unternehmen wie von den Mindener Bürgern sehr geschätzt“, so Bürgermeister Michael Buhre. Eine gut funktionierende Feuerwehr sei zudem ein wichtiger Wirtschaftsstandortfaktor. So könne in Minden auf Brandmeldealarme in Gewerbebetrieben, Hotels und Restaurants sehr schnell regiert werden und dadurch oftmals größere Schäden durch schnelles Eingreifen verhindert werden. „Die Entscheidung, vor 25 Jahren eine Berufsfeuerwehr einzurichten, war eine sehr gute. Die Feuerwehr Minden ist in ihrer bestens funktionierenden Zusammenarbeit ein absolutes Erfolgsmodell.“

„Vor allem den Chemie verarbeitenden Industriebetrieben, von denen es in Minden einige gibt, aber auch dem übrigen Gewerbe in Minden verschaffe die professionell organisierte Berufsfeuerwehr große Sicherheit und Wertschöpfung“, so Klaus-Georg Erzigkeit, Beigeordneter für Städtebau und Feuerschutz.

Feuerwehrgeräte

Die Feuerwehr hält auch Spezialfahrzeuge und Sondertechnik vor, die zum Beispiel bei Gefahrguteinsätzen, Chemieunfällen, als Messwagen oder bei technischen Hilfeleistungen zum Einsatz kommen. „Darüber hinaus wirken sich die kurzen Ausrückzeiten auch positiv auf die Beitragshöhen bei den Haftpflicht- und Gebäudeversicherungen der Unternehmen aus“, nennt Nordmeyer weitere Faktoren für den Wirtschaftsstandort Minden mit seinen rund 3.300 Betrieben. Ansprechpartner des vorbeugenden Brandschutzes vor Ort sowie Aus- und Fortbildungen für Unternehmen runden das Angebot der Berufsfeuerwehr ab.

Daneben verfügt die Berufsfeuerwehr über ein modernes Gebäude in zentraler Lage. „Das ermöglicht uns, nach dem Brandschutzbedarfsplan in acht Minuten zu 80 Prozent alle Punkte im Stadtgebiet zu erreichen“, so Nordmeyer. Das neue Werkstattgebäude von 2003 und die neue Fahrzeughalle mit Wachgebäude von 2004 befinden sich auf dem Grundstück des ehemaligen städtischen Betriebshofes, der 1999 nach Minderheide umgezogen ist. Die eigentliche Feuerwache befindet sich seit mehr als 40 Jahren am Standort zwischen Marienstraße und Kutenhauser Straße.

Das Jubiläum bietet den Anlass für einen Rückblick von Nordmeyer, Norbert Riechmann, der 1990 die Funktion des Geschäftsführers und Pressesprechers der Freiwilligen Feuerwehr innehatte, und Thomas Schmitt (seit 2001 Wehrleiter in Mannheim):

Feuerwehr Minden historisch
Historische Momentaufnahme der Mindener Feuerwehr – Foto: Pressestelle Minden

Als Geburtsstunde der Mindener Berufsfeuerwehr darf der 1. Februar 1990 genannt werden. „Eine Änderung im Brandschutz- und Hilfeleistungsgesetz machte es seinerzeit möglich, dass auch Städte unter 100.000 Einwohnern eine Berufsfeuerwehr gründen konnten“, erinnert sich Dipl.-Ing. Thomas Schmitt, der am 1. Februar 1990 erster hauptamtlicher Leiter der Berufsfeuerwehr wurde und die Funktion elf Jahre besetzte.

Viele kreisangehörige Städte in Nordrhein-Westfalen – vor allem im Ruhrgebiet – machten von der Gelegenheit Gebrauch.

Den Anlass, aus einer damals hauptamtlich besetzten Wache eine Berufsfeuerwehr in Minden zu gründen, bot die schwierige Suche nach einem ehramtlichen Nachfolger für Stadtbrandmeister Helmuth Schäpsmeyer. Dieser sah sich und die Feuerwehrkameraden Ende der 80er Jahre mit immer schwieriger und technisch anspruchsvolleren Aufgaben konfrontiert, sodass die Überlegungen vertieft wurden, auf einen hauptamtlichen Leiter zu setzen.

So folgten auf Thomas Schmitt von Anfang 2001 bis Mai 2004 Jörn Stehr, Dirk Schlomann kommissarisch von Juni 2004 bis Dezember 2006 und seit 1. Januar 2007 Heino Nordmeyer. Außerdem könne man seit 1990 vier ehrenamtliche Sprecher verzeichnen: Egon Pook (bis 1999), Wolfgang Brinkmann (1999 bis 2007), Norbert Riechmann (2007 bis 2013) und seit 2013 Ingo Steinhauer.

Feuerwehr Minden
Erhitztes Fett eines Imbiss in der Obermarktpassage, das in die Lüftung von Kaufland gelangte, löste bei der Feuerwehr Minden im November 2014 einen Reizgiftalarm aus – Foto: Pressestelle Minden

Seit 25 Jahren wird die technisch moderne Ausstattung sowie die Verfügbarkeit der Berufsfeuerwehr rund um die Uhr sehr geschätzt. „Aufgrund der Größe ist aber eine Freiwillige Feuerwehr für Minden zwingend erforderlich, um Einsätze fristgerecht und mit dem erforderlichen Personal abarbeiten zu können“, meint Nordmeyer.

„Aber bei Weitem nicht alle aktiven Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr können jederzeit und sofort ihren Arbeitsplatz verlassen, um zu einem Einsatz zu fahren“, kritisiert Riechmann. Auch erschwere die heute von Arbeitgebern oft vorausgesetzte Mobilität von Beschäftigten die Rekrutierung von freiwilligen Feuerwehrkräften. „Wer in Bielefeld oder Hannover arbeitet und in Minden wohnt, kann in der Woche keinen Bereitschaftsdienst machen.“

Dass es immer Bedarf für Modernisierung gibt, zeigt das 2010 ins Leben gerufene Projekt „Freiwillige Feuerwehr Minden (2020)“. Damit will die Stadt Minden langfristig die Zukunft einer erfolgreichen, effektiven Arbeit und Hilfe der knapp 400 aktiven freiwilligen Einsatzkräfte sicherstellen. Ziel ist es auch, trotz Reduzierung von 15 auf 9 Standorten, die Eigenständigkeit der Löschgruppen zu erhalten. Bis 2020 sollen fünf Neubauten von Feuerwehrhäusern stehen.

Wie dringend Nachwuchs gesucht wird, haben wir hautnah miterleben können. Während der Aufräumaktion einer umgestürzten Birke in Rodenbeck sprach der Einsatzleiter einen Nachbarsjungen an, ob er nicht Lust hätte, bei der Feuerwehr mitzumachen. Der Junge hatte schon von dem Projekt gehört und winkte erst mal dankend ab. Wer Interesse hat, bei der Feuerwehr Minden mitzumachen, findet hier Informationen oder auf der NRW-Seite.

Löschwasser

Und dass Feuerwehrmänner und -frauen auch ordentlich feiern können, weiß unsere Redakteurin aus der eigenen Familie: Vater wie Bruder sind Berufsfeuerwehrmänner. „Gelöscht wird immer!“, hieß es schon damals. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch zum Fünfundzwanzigsten und immer genug Löschflüssigkeit zur Verfügung! ;o)

Quelle: Pressestelle der Stadt Minden + unsere Ergänzung / Fotos: onm + Pressestelle


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