Wesergarten – ein neuer urbaner Garten in Minden

Essbare Stadt Minden e.V. richtet nachhaltigen Garten in Innenstadtnähe her, in dem Vereinsmitglieder und Gäste eigenes Gemüse und Obst anbauen können

Ute ist zu Gast im neuen Wesergarten und möchte mal ausprobieren, wie es ist, selber ein Beet herzurichten und essbare Pflanzen anzubauen – Fotos: onm

Ein neuer urbaner Garten in der Stadt Minden macht von sich reden: der „Wesergarten“. Der Verein „Essbare Stadt Minden“ bereitet ein Pachtgrundstück in einer Kleingartensiedlung an der Weser in Innenstadtnähe für nachhaltigen Obst- und Gemüseanbau vor.

Schon lange steht beim „Essbare Stadt Minden e.V.“ in Diskussion, Urban Gardening auf Mindener Bracheflächen zu betreiben. Nach einem erfolglosen Versuch an der Königstraße im Jahr 2013 ist es nun wahr geworden: Seit März 2017 graben um die 10 bis 12 Engagierte im Wechsel ein rund 300 Quadratmeter großes Grundstück Am Brühl 17 / Ecke Hermannstraße um. Ziel des Projekts ist das Gemeinschaftsgärtnern.

Wesergarten-Initiatorin Bettina Fuhg (Mitte) zeigt Stefan Schröder, wie man Rasen richtig aussticht

Mitmachen kann jeder, der sich dem Verein anschließt, und Gäste, so wie Frührentnerin Ute, die bei unserem Besuch am 6. April gerade Unkraut aus dem langen Beet zupfte: „Ich will erst mal schauen. Aber die Idee ist genial, finde ich gut und sollte es hier viel mehr davon geben.“ Außerdem sei die 58-Jährige ein Freund von Tauschnetzen.

Tatsächlich gibt es schon den „Gemeinschaftsgarten Tausendschön“ im Ortsteil Leteln, über den wir öfters berichten. Doch „Essbare Stadt Minden“-Initiatorin Bettina Fuhg verfolgt ein anderes Konzept. „Uns ist es wichtig, dass der Wesergarten sich in Stadtnähe befindet, weil nachhaltige Grünflächen von der Stadt eindeutig erwünscht sind“, erklärte sie. Die gelernte Goldschmiedin mit eigenem Atelier in der Ritterstraße findet im Wesergarten ihren Ausgleich zur filigranen Arbeit im Laden. Außerdem ist die Mindenerin Kreissprecherin der Partei Bündnis 90 / Die Grünen im Kreisvorstand Minden-Lübbecke.

Sie gründete im Februar 2013 die Bürgerinitiative „Essbare Stadt Minden“, die als erste essbare Stadt in Nordrhein-Westfalen (NRW) eingestuft und für ihre frei zugänglichen Kräuterkästen mit dem Motto „Pflücken erlaubt statt Betreten verboten“ auf der Martinitreppe am Marktplatz bekannt wurde (siehe unser Bericht). „Mit Vandalismus haben wir da beispielsweise noch nie Probleme gehabt. Wer was geschenkt kriegt, beschmiert das auch nicht.“

Barbara Noack pflügt den Gemeinschaftsgarten um, damit bald die essbaren Pflanzen in den Boden kommen können

Als erste essbare Stadt Deutschlands wurde Andernach bekannt in Rheinland-Pfalz, die seit 2010 öffentliche Stadtgärten unter dem Motto „Pflücken erlaubt“ mit einer Vielfalt an Nutz- und Zierpflanzen begrünt. Doch die Idee holte sich Fuhg vom „High Line Park“ in New York – ein Park mitten in der Großstadt, errichtet auf einer alten Bahntrasse, der im Juni 2009 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Jedenfalls zwei Jahre später nach Gründung der Initiative, 2015, konnte die „Essbare Stadt Minden“ ins Vereinsregister eingetragen werden und hatte nun mehr Möglichkeiten. Verbündete, wie unter anderem Stefan Schröder (Die Linke, Kreisverband Minden-Lübbecke, Fraktion Minden), die freiberufliche Marketingberaterin Barbara Noack (auch bekannt für ihre vegetarisch/veganen Kochworkshops) und Elke Fukking von der Kräutermanufaktur aus Rahden, halfen Fuhg in der Vergangenheit bei diversen Aktionen und durften bei der Herrichtung des neuen Wesergartens nicht fehlen.

Andrea Sperr erfüllt sich im Wesergarten den Traum vom Sozialgärtnern

Für Andrea Sperr, die wir durch den stadtbekannt engagierten Detlef Müller auf der Gourmetmeile 2015 kennenlernten, geht hingegen einfach ein Traum in Erfüllung. Sie wollte schon seit Langem eine „Sozialgärtnerei“ aufbauen und suchte über ihren Twitter-Account nach Gleichgesinnten. Nun ist sie beim Wesergarten aktiv dabei und richtete am Donnerstag zusammen mit den Ehrenamtlichen des Essbare Stadt Minden e.V. ein extra Gemeinschaftsbeet für Neumitglieder her. Denn soziale Gemeinschaften liegen ihr besonders am Herzen. Ansonsten liebt sie schwarzen Humor, wie beispielsweise „Ich bin jetzt in Buddellaune, ihr wisst ja, was das bei einer Friedhofsgärtnerin heißt“, und nennt ihren persönlichen Einsatz „Gartentherapie“.

Sie überließ uns freundlicherweise einen handgezeichneten Entwurfsplan des Wesergarten-Grundstücks: Umgeben von Obstgehölzen und Hecken (wo jetzt noch herkömmliche Zäune stehen) sollen verschiedenartige Obst- und Gemüsebeete entstehen, ein Gerätehaus, ein Gewächshaus, ein Saatbeet, eine Kompostecke und eine kleine Terrasse, auf der man auch mal gemeinsam grillen kann.

Entwurf Wesergarten in Minden

Was im September 2016 als ein völlig verwildertes, mit Holzmüll überlagertes sowie mit Efeu und Unkraut überwuchertes Grundstück für 79 Euro jährliche Pacht erworben wurde, nimmt langsam Form an: Ein großes Beet ist bereits vorbereitet, junge Stachelbeer-Sträucher ranken aus dem Boden, die alten Obstbäume (Kirsche, Apfel, Pflaume) sind teils gestutzt, der Brunnen mit historischer Pumpe funktioniert und wird genutzt, und eine erste Bestellung an essbaren Pflanzen wurde bereits aufgegeben, wie Salat, Kräuter, Lavendel und Kürbis. Auch Blumen mit „essbaren Blüten“ wurden bestellt, wie Glockenblume, Duftveilchen, Stiefmütterchen, Chrysanthemen und Kamille. Doch „einige Bäume müssen vielleicht weichen“, erklärte Sperr, „weil sonst die Wurzeln die Beete unterwuchern würden.“ 

Schließlich möchte sich die Stadt Garbsen (Niedersachsen) demnächst das Projekt mal anschauen, merkte Fuhg stolz an, während sie Schröder das richtige Ausstechen von Rasen beibrachte.

Der neue Gemeinschaftsgarten liegt nah an der Weser, daher der Name „Wesergarten“, und bietet gerade an sonnigen Tagen einen wunderschönen Ausblick – doch es gibt noch viel zu tun

Wichtig ist, dass der Wesergarten dringend einen ordentlichen abschließbaren Geräteschuppen braucht sowie demnächst Gartenstühle und einen Gartentisch. Wer diese Dinge „übrig“ hat, möchte sich doch bitte per E-Mail (mit Fotos) an mail@essbare-stadt-minden.de wenden oder sich über den Twitter-Account melden. Geldspenden sind natürlich auch immer gern gesehen (IBAN: DE28490501010040129231, Empfänger: Informationszentrum 3. Welt Minden e.V., Verwendungszweck: Essbare Stadt Minden).

Das nächste Treffen im Wesergarten findet am 11. April statt, wahrscheinlich wieder von 16.30 bis ca. 18 Uhr. Über Gäste freuen sich die „Sozialgärtner/innen“ immer. Wer sich dafür entscheidet, aktiv teilnehmen zu wollen, den bittet Fuhg darum, Vereinsmitglied zu werden für gerade mal 12 bis 60 Euro pro Jahr (je nach Einkommen). Vorkenntnisse sind im Übrigen nicht erforderlich. Jeder kann mitmachen.

Last but not least unsere vollständige Bilderstrecke:

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Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.


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