Wer hat eine Blindschleiche gesehen? Nur melden, nicht anfassen!

Blindschleiche wurde zum "Reptil des Jahres 2017" gekürt - NABU und DGHT rufen zur Meldung gesichteter Blindschleichen im Kreis Lippe auf

Reptilien-Experten konnte erste Begegnung mit einer Blindschleiche bei Detmold machen – sie steht unter Artenschutz und wurde nun zum „Reptil des Jahres 2017“ erklärt – Foto: J. Braunsdorf

Was auf den ersten Blick wie eine Schlange aussieht, ist keine: Die Blindschleiche ist eine Echsenart und gehört zur Familie der „Schleichen“. Von der NABU und DGHT wurde sie jetzt zum „Reptil des Jahres 2017“ gewählt. Für ein „Citizen-Science-Projekt“ im Kreis Lippe rufen sie deshalb dazu auf, Fundorte von Blindschleichen zu melden. Aber bitte nicht anfassen! Die Tiere dürfen nur von erfahrenen Reptilien-Fachleuten berührt werden, sonst werfen sie den Schwanz ab.

Vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) wurde die Blindschleiche jetzt zum „Reptil des Jahres 2017“ gewählt. Die Echsenart mit dem wissenschaftlichen Namen „Anguis fragilis“ (auf Deutsch: „zerbrechliche Schlange“) – was auf ihre Fähigkeit verweist, bei Gefahr den Schwanz abzuwerfen – steht unter Artenschutz und darf weder gefangen noch verletzt werden.

Aber für ein geplantes Schutzprojekt rufen Jürgen Braunsdorf von der Stabsstelle für Biodiversität beim Kreis Lippe und Ewald Thies vom Ortsverband NABU Lippe dazu auf, gesichtete Blindschleichen mitzuteilen – am besten mit Fotos und genauer Beschreibung des Fundorts.

Ein solches sogenanntes „Citizen-Science-Projekt“ fand auch im vergangenen Jahr statt, als der Feuersalamander „Amphibie des Jahres 2016“ war (siehe Bericht Kreis Lippe). Dabei werden die Bürgerinnen und Bürger selbst zu Forschern und helfen den Fachbehörden und Wissenschaftlern dabei, wichtige Daten zu erheben und zur Auswertung zu übermitteln. Mit dieser Vorgehensweise konnte im vergangenen Jahr beispielsweise ein Verbreitungsmuster des Feuersalamanders in Lippe festgehalten sowie ein konkretes Schutzprojekt in Detmold ins Leben gerufen werden.

Diesen Erfolg erhoffen sich die Initiatoren nun auch im Hinblick auf die Blindschleiche, denn die genauen Vorkommen und Verbreitungsgebiete dieses Reptils seien in Lippe nahezu unbekannt. Die Eingrenzung sei auch deshalb so schwierig, weil die möglichen Lebensräume der Blindschleiche ein breites Spektrum abdecken: „Sie gilt als die flexibelste heimische Reptilienart, die von der Küste bis in die Alpen neben Wäldern auch die Kulturlandschaft bis hinein in Siedlungen nutzt“, erläutert Braunsdorf. Erforderlich seien im Wesentlichen nur offene, zeitweise besonnte Bereiche mit deckungsreicher Bodenvegetation.

Außerdem sei für die Blindschleiche ein vielfältig gegliederter Lebensraum entscheidend, der viele Kleinstrukturen bietet, wie liegendes Totholz, Rindenstücke, Baumstümpfe und Steinhaufen mit teils überhängender Vegetation aus Büschen oder Hecken. Dort suchen sie nach Nahrung, die aus Nacktschnecken und Regenwürmern sowie vielen Insekten besteht.

„Haben wir Blindschleichen bei uns im Garten, beispielsweise im warmen Komposthaufen, können wir uns freuen, denn auch große Nacktschnecken werden in einem mitunter dreiviertelstündigen ‚Kampf‘ verschlungen“, weiß Thies über die harmlosen Kriechtiere. (ON: Wie praktisch, da verweisen wir doch auf die Tipps der Verbraucherzentrale in puncto Schädlingsbekämpfung.

Meldungen über die Vorkommen von Blindschleichen und Feuersalamandern nehmen Jürgen Braunsdorf unter j.braunsdorf@kreis-lippe.de und Ewald Thies unter ewaldthies@gmx.de entgegen. Es wird darum gebeten, möglichst auch Fotos zu liefern, um Verwechslungen zu vermeiden und die Tierart sicher zuordnen zu können.

Quelle Text und Foto: Pressestelle Kreis Lippe, Textänderung: OctoberNews


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