Vom „Goldenen Osterei“ bis zum „Armen Ritter“ – so schmeckt die Region

Schnippelparty in Bad Oeynhausen von GreenFairPlanet aus Minden war eine kulinarisch-köstliche Integration

Fotos: Elisabeth Schmelzer

Groß und Klein durften bei der ersten Schnippelparty in Bad Oeynhausen wie früher Gemüse abwiegen und zubereiten – Fotos: Elisabeth Schmelzer / GreenFairPlanet

„Es schmeckt wie früher.“ Dieser Satz war vergangenen Sonntag oft zu hören. GreenFairPlanet aus Minden lud am vergangenen Wochenende zur ersten Schnippelparty auf dem Frühjahrsmarkt nach Bad Oeynhausen ein und warb für Regionales und Saisonales (siehe Vorbericht).

Birgit Brinkmann aus Rinteln, Diplom-Sozialwissenschaftlerin für Ernährung und Ökologie, präsentierte das „Goldene Osterei“ mit selbstgemachtem Brennnesselkaviar, Goldnesselblättchen und einem Kornelkirschenblütensträußchen. Mit Hazem Sadek aus Kairo konnte in Erinnerungen geschwelgt werden, als noch gekocht wurde, was es saisonal gab und Schmalhans Küchenmeister war. Der praktizierende Arzt des Klinikums Minden sagte spontan zu, den Kochlöffel zu schwingen, und bereitete die westfälische Spezialität „Blindhuhn“ (Eintopf) zu.

Das Goldene Osterei der "Brennessel-Lobby"

Das Goldene Osterei der „Brennessel-Lobby“

Susanne Schnake hingegen setzte auf Verwenden statt Verschwenden und bat den Besuchern „Arme Ritter“ aus Brot vom Vortag an. „Es geht mir um die Wertschätzung von Lebensmitteln und längst vergessenen Rezepten“, meinte die Hüllhorsterin, die auch mit ihren Gästen über die guten alten Zeiten nachsann.

Bei frühlingshaftem Wetter kamen mehr als 1000 Besucher zum Frühjahrsmarkt nach Bad Oeynhausen, von denen rund 150 Menschen jeden Alters und aller Kulturen an einer langen Tafel des Mindener Vereins saßen, um Gemüse und Obst aus der Region zu schnippeln und mit Bäuerinnen und Bauern Klönschnack zu halten.

„Wir möchten den Bäuerinnen und Bauern aus der Region beim Schnippeln, Tanz und Talk ein Gesicht geben und gemeinsam bäuerliche Landwirtschaft und ihre Ernte wertschätzen“, referierte Elisabeth Schmelzer, Initiatorin der Veranstaltung. Für die Mindenerin ermöglicht regionale Ernährung den persönlichen Kontakt zwischen Verbrauchern und Erzeugern, schafft Vertrauen, fördert den Austausch, das gegenseitige Verständnis der täglichen Herausforderungen und Bedürfnisse.

Carsten Duftgarten Schumacher

Carsten „Duftgarten“ Schumacher stellte Besuchern sein „Gemüse-Abo“ vor

Der Verein aus Minden hatte dazu eingeladen, die regionale Landwirtschaft zu stärken und die Direktvermarktung ihrer Produkte zu fördern. Gemüse, Obst, Eier, Milch und Brot für ihre Kochaktion erhielten die Aktivisten von Landwirten aus der Region, unter anderem Bulthof Günter Becker aus Minden, Gärtnerei Duftgarten aus Hüllhorst und Gärtnerhof Westerwinkel aus Stemwede. Die Organisatoren setzen bewusst auf die Vorzüge des ökologischen Landbaus. Mit der Projektgruppe „Kulinarischer Widerstand“ werben die Aktivisten von GreenFairPlanet konsequent für regionale ökologische Erzeugnisse.

Vertrauensvolle Beziehungen zwischen Verbrauchern und Erzeugern sind dem Verein wichtig, der zur „Wir haben es satt“-Demo im Januar 282 Menschen mit nach Berlin brachte (siehe Bericht). Und „gutes Essen, gute Landwirtschaft für alle – Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ ist ihre Messages. Großes Interesse an regionalen Produkten, die ideal von den Bio-Betrieben präsentiert wurden, viele nette und anregende Gespräche, eine Vielfalt an Köstlichkeiten und ein buntes Rahmenprogramm ließen die zahlreichen Besucher vor der Auferstehungskirche in Bad Oeynhausen verweilen.

Susanne Schnake Arme Ritter

Susanne Schnake servierte „Arme Ritter“ vor der Auferstehungskirche

Die Vorzüge von Regionalität und dem persönlichen Kontakt zum Erzeuger haben sich längst herumgesprochen, meint der Verein. Kurze Lieferwege, transparente Handelsstrukturen, maximale Frische und Menschen, die Freude haben, an dem, was sie machen – damit punkteten beispielsweise die Biolandgärtner aus Löhne, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern.

Um die Verarbeitung des kleingeschnittenen Obstes und Gemüses während der „Schnippelparty“ kümmerten sich Florian Kliem und der „Kulinarische Widerstand“. „Wir befinden uns gerade in einer sehr schwierigen Jahreszeit“, erläuterte der Profi-Koch. Einerseits sei ein Großteil der vorhandenen Vorräte bereits aufgebraucht, andererseits sei es bis zur nächsten Ernte noch einige Zeit hin. Das spiegele sich auch bei den verwendeten Zutaten wider. So zauberte er aus Rote Beete und Couscous eine orientalische Kreation mit warmem Spitzkohlsalat und begeisterte Kinder mit einer Pastinaken Schaumcreme. Auf den Einsatz von Gewürzen verzichtete er dabei weitgehend. „So kann man Obst und Gemüse besser durchschmecken.“

Nichts geht über den Dialog mit den Besuchern. Carsten Schumacher und Nadine Gläser von der Bioland Gärtnerei Duftgarten aus Hüllhorst war diese Aktion eine Herzensangelegenheit. Während sie an einer langen Tafel Gemüse schnippelten, beantworteten sie die Fragen der Gäste, hörten zu, was sie bewegte, und luden zum nächsten Hof-Event ein.

Einkaufen auf dem Hof oder Wochenmarkt als sinnvolles Erlebnis, das ist das Geheimnis der Bio-Bauern. „Die Bioland Gärtnerei Ulenburg aus Löhne prägt ein sehr persönliches herzliches Flair“, meinten einige Besucher des Aktionstages.

Mohamed und Hazem Sadek

Flüchtlingskind Mohamed aus Afghanistan und Hazem Sadek aus Kairo kochten gemeinsam

Zuguterletzt herrschte große Freude im Flüchtlingsheim in Kleinenbremen. Ein Fahrdienst hatte sie zum Frühjahrsmarkt gebracht. So konnten sieben Erwachsene und ein Kind mitschnippeln und sich mitten unter die anderen Gäste mischen. Das ist für GreenFairPlanet Integration und Migration.

„Hier herrscht eine gute Atmosphäre und das macht warm ums Herz. Besser kann man Regionalität nicht vermitteln“, betonte schließlich Katja Wiese aus Lemgo. Die Veranstalter sind glücklich über dieses Kompliment.


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