Stadt Minden sucht weiter Wohnungen für Flüchtlinge

Der Flüchtlingsstrom geht weiter - 40 bis 50 Flüchtlinge sollen pro Woche nach Minden-Lübbecke kommen - wegen Engpass Unterbringung in Wohnungen erforderlich

Wohnung Fluechtlinge Bundeswehr 1

Freiwillige Feuerwehr Minden und Bundeswehr arbeiten Hand in Hand beim Abladen von Möbeln für die Einrichtung von Flüchtlingswohnungen, um die Stadt Minden bei der Unterbringung zu unterstützen

Das große Thema „Flüchtlinge“ ist nach wie vor im Kreis Minden-Lübbecke präsent. So seien – laut einer Momentaufnahme der Ausländerbehörde – im letzten Jahr 2015 bis zur vorletzten Dezemberwoche rund 970 Asylsuchende dazugekommen. In der Stadt Minden sind rund 300 Flüchtlinge in der Notunterkunft Häferstädt untergebracht. In den nächsten Wochen sollen ca. 40 bis 50 Flüchtlinge pro Woche im Mühlenkreis hinzukommen. Es werden daher weiterhin leerstehende Wohnungen gesucht.

Im vergangenen Jahr kamen rund 970 Männer, Frauen und Kinder neu in den Mühlenkreis Minden-Lübbecke. Da die Bezirksregierung Detmold beschloss, auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände „Gut Denkmal“ im Stadtteil Bärenkämpen alle Flüchtlinge aus dem Kreis in Minden zusammenzuführen, der Abschluss der Umbauarbeiten jedoch erst im Frühjahr 2016 erwartet werde, und der Zustrom an Neuankömmlingen nicht abreiße, komme es zwischenzeitlich zu Engpässen bei der Unterbringung.

Peter Kienzle

Peter Kienzle, Erster Beigeordneter der Stadt Minden, verfolgt weiterhin das Ziel, Flüchtlinge in Mietwohnungen unterzubringen

Da die Stadt Minden vom Land NRW dazu verpflichtet sei, die ihr zugewiesenen Flüchtlinge aufzunehmen, werden weiterhin Wohnungen gesucht. 200 Einheiten konnte die Stadt Minden mit aktuellem Stand zwar bereits für diesen Zweck von den Eigentümern anmieten, darunter Mietwohnungen in einem Mehrfamilienhaus in Minden-Rodenbeck und im angrenzenden Mindener Stadtteil Bärenkämpen. Auch etwa 50 Vermieter, die sich nach einem Aufruf im März letzten Jahres bei der Stadt gemeldet haben, haben zur Unterbringung der Flüchtlinge beigetragen. Doch der große Zustrom habe zeitweilig zu Engpässen bei der Unterbringung der Asylsuchenden geführt – vor allem bei den vielen allein reisenden jungen Männern.

„Unser Ziel ist es nach wie vor, Familien in Wohnungen unterzubringen. Das ist teilweise unter großen Kraftanstrengungen bisher auch gelungen“, fasst Peter Kienzle, Erster Beigeordneter der Stadt Minden (zuständig für Soziales, Jugend, Recht, Bürgerdienste, Sicherheit und Ordnung), zusammen. Er lobt die große Bereitschaft von privaten Eigentümern, Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen.

Auch Ende Oktober 2015 hatte der Bereich Soziales der Stadtverwaltung einen Aufruf gestartet, der auf große Resonanz stieß. Doch „momentan stehen nur noch wenige Wohnungen zu Verfügung, einige müssen auch noch eingerichtet werden“, so Bereichsleiter Achim Hermening. Er rechnet für die nächsten Wochen mit durchschnittlich 40 bis 50 zugewiesenen Flüchtlingen wöchentlich. Nun heißt es daher erneut: „Wohnungen dringend gesucht!“

Wohnung Fluechtlinge Bundeswehr 2

Hilfe bei der Verteilung von Möbeln und Küchengeräten erhielt die Stadt Minden zuletzt von der Bundeswehr, die am 6. Januar 2016 mit 11 Soldaten im Einsatz war

Gesucht und gebraucht werden in den kommenden Monaten vor allem Appartements und kleinere Wohnungen für drei- bis vierköpfige Familien und zwei bis vier Einzelpersonen, aber auch größere Einheiten bis zu 120 Quadratmetern. Meldet sich ein Eigentümer, wird zunächst ein Termin mit der Stadt Minden vereinbart, Mietkonditionen und weitere Einzelheiten besprochen. Stimmen die Konditionen, wird ein Mietvertrag aufgesetzt, den Erster Beigeordneter Kienzle unterzeichnen wird.

Nach der Übergabe der Wohnung beginnt das rund 12-köpfige Team von Hartmut Kuhlmann mit der Einrichtung. „Küchenzeilen, Betten, Matratzen, Waschmaschinen und Geschirr werden mittlerweile en gros beschafft und zwischengelagert“, so Teamleiter Kuhlmann, zuständig für den Verwaltungsbereich Obdachlosenbetreuung.

Team Hartmut Kuhlmann

Sechs von rund 12 Teammitgliedern der Stadt Minden, die für einen reibungslosen Ablauf beim Einrichten von Flüchtlingswohnungen sorgen (v. li.): Bujar Rizvani, Daniel Horstmaier, Stefanie Althans, Petra Steinmann, Andreas Brandt und Teamleiter Hartmut Kuhlmann.

Jeder, der eine freie Wohnung oder auch ein Haus mit mehreren Einheiten habe, könne sich an Andreas Brandt, Telefon 0571 / 89 630, E-Mail: a.brandt@minden.de, oder Michael Lax, Telefon 0571 / 89 789, E-Mail: m.lax@minden.de, wenden.

„Für die Vermieter gibt es kein Risiko ausbleibender Zahlungen von Miete und Nebenkosten, wenn die Stadt Minden die Wohnungen anmietet“, so Bereichsleiter Hermening. Auch bei Schäden tritt die Stadt Minden als Mieter dafür ein, ebenso bei Auszügen. Es gelte das normale Mietrecht, dass die Wohnung wieder so herzurichten sei, wie sie übernommen wurde.

Die Stadt Minden verfolge weiterhin den Grundsatz, der sich an die Empfehlungen des Flüchtlingsrates Nordrhein-Westfalen anlehne, Asylbewerber möglichst nur in Wohnungen unterzubringen, fasst Kienzle zusammen. „Wir haben bereits im Jahr 2013, als sich abzeichnete, dass die vorhandenen Wohnungen und die Gemeinschaftsunterkunft nicht für die Unterbringung aller Flüchtlinge ausreichen werden, vorausschauend Maßnahmen ergriffen.“ Es wurden bereits in 2014, in größerem Maße aber letztes Jahr, Wohnungen angemietet. „Vorräte gab es in 2015 nur in der ersten Jahreshälfte, momentan sind diese auf ein Minimum geschrumpft.“

Gut Denkmal

Luftbildaufnahme des ehemaligen Bundeswehrgeländes „Gut Denkmal“ in Minden-Bärenkämpen, das zur Notunterkunft für rund 1000 Flüchtlinge aus Minden-Lübbecke umgebaut wird – Foto: Land NRW, Bezirksregierung Köln, Abteilung 07 – GEObasis.nrw

Bundes- und Landesministerien sowie Experten gehen davon aus, dass 2016 in etwa die gleiche Zahl an Flüchtlingen nach Deutschland kommen werde wie 2015. „Das bedeutet weiter eine große Herausforderung für alle Städte und Gemeinden, die die Hauptaufgabe bei der Aufnahme und Integration der Flüchtlinge zu leisten haben“, fasst Bürgermeister Michael Jäcke zusammen.

Vielerorts seien die Unterbringungsmöglichkeiten bereits erschöpft, zahlreiche Kommunen stünden am Rande ihrer Leistungsmöglichkeiten, berichtet der Deutsche Städtetag in einer jüngsten Pressemitteilung.

„In Minden war die Lage im Wohnungsangebot bisher recht gut, aber der Markt werde nun auch hier dünner. Umso mehr sei die Stadt auf die Bereitschaft von Eigentümern angewiesen, freien Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, so der Bürgermeister abschließend.

Zu den aktuell zugewiesenen Flüchtlingen, die meist nur über eine sogenannte „BÜMA“ (Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender) verfügen, zählen im Übrigen auch Personen mit einer Duldung und einer Aufenthaltsgestattung.

Die neue Unterkunft „Gut Denkmal“ soll nach Abschluss der Planungen, Abstimmungsprozesse und Umbauarbeiten im Frühjahr 2016 den Betrieb aufnehmen. Im gleichen Zuge sollen die bestehenden Notunterkünfte in Minden-Häverstädt, Porta Westfalica (Veltheim),  Bad Oeynhausen (Dehme) und Lübbecke aufgelöst werden. Die Notunterkunft des Landes Nordrhein-Westfalen an der Zähringerallee in Minden-Bärenkämpen soll zunächst für ein Jahr betrieben werden.

Quelle Text und Fotos: Pressemeldungen Stadt Minden

Anmerkung der Redaktion:
Man sollte sich vielleicht nicht nur auf die ohnehin überlasteten Randbezirke wie Bärenkämpen und Rodenbeck beschränken, sondern auch Wohnungen in der Innenstadt Mindens zur Verfügung stellen wie auch auf andere Bezirke ausweichen. Oder reicht das soziale Verständnis von Integration von Flüchtlingen nicht soweit? ;o)


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