Muckertreffen 2016 holte junge Musiktalente auf die Bühne

Open Stage von Klaus Fuhse im Kulturzentrum BÜZ in Minden wird immer beliebter - neben altbekannten Bands überzeugte dieses Mal die Jugend und neue Formationen

Carmen Habbe

Kam aus dem Nichts und fegte mit ihrer Stimme beim Muckertreffen 2016 in Minden die Gäste vom Hocker: Carmen Habbe – ein echtes Gesangstalent aus Kutenhausen – Fotos: onm

Die Bude war rappelvoll, die Stimmung gut, Bands und Musiker noch facettenreicher vertreten als bisher. Beim 5. Muckertreffen 2016 im Kulturzentrum BÜZ in Minden ging der Punk ab. Neben altbekannten Bands und Musikern überraschte Veranstalter Klaus Fuhse dieses Mal mit neuen Formationen und vor allem neuen jungen Musiktalenten.

Klaus Fuhse

Veranstalter und Musiker Klaus Fuhse nahm wie immer auch selbst die Gitarre in die Hand

„Ab 11.30 Uhr kamen die Leute schon in Stimmung, traten die ersten Bands auf“, erzählte Klaus Fuhse – ein Mann aus Minden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, jedes Jahr zum Neujahrsmeeting ins Kulturzentrum BÜZ am Johanniskirchhof einzuladen und Musiker zusammenzuführen zum Mucken und Schnacken (siehe auch Bericht von 2014).

Sieben Stunden lang versorgten altbekannte Bands wie neue Formationen sowie einzelne Musikerinnen und Musiker ihr Publikum mit „Stoff“ für Herz, Leib und Seele.

Da wir erst ab 16 Uhr vor Ort waren, können wir nur über den Nachmittag im BÜZ berichten, aber fragten Klaus Fuhse, wer denn am vergangenen Sonntag noch so auftrat. „Unter anderem stellten Stephan Böhme aus Porta Westfalica zusammen mit anderen Musikern aus der Region spontan ihr neues ‚Pink Floyd – The Wall‘-Projekt vor“, erklärte er. „Aber auch viele andere Bands standen auf der Bühne.“

Ausgenommen Sanity Law – diese Musikband bekam trotz vorheriger Anmeldung keine Gelegenheit, aufzutreten, wie man ihrer Facebook-Seite entnehmen kann. Denn – wie so oft bei Veranstaltungen mit offener Bühne –  nahm ein alteingesessener „Musiker-Kern“ zu lange die Bühne ein. „Sanity Law“ blieb daher nichts anderes übrig, nachdem sie von 11 bis 14.30 Uhr auf ihren großen Moment gewartet hatten, als den Saal zu verlassen. Den nächsten Auftritt auf einer Privatparty des Motorradclubs Skull in Bückeburg am 20. Februar haben sie eh schon sicher.

Julian Brandhorst

Julian Brandhorst – ein junges Talent am Schlagzeug, was mit Hoggar Knights die Hardrock- und Metal-Szene unsicher machen will

Nichtsdestotrotz ging es natürlich weiter. Als wir eintrafen, machten gerade fünf Musiker die Bühne unsicher. Stilsicher und taktvoll mit einer fantastisch guten Stimme von Frontmann Christoph Sasse (Sänger und Gitarrist), schlagkräftigen Argumenten von Oliver Jahns, Keyboardklängen von Henk Vrugteveen sowie Christian und Peter an Bass und E-Gitarre rockten sie, was das Zeug hielt. Eine perfekte Formation ohne Bandnamen – hier wird sich sicher noch was entwickeln.

Doch es ging noch ein Zacken schärfer. „Jetzt kommt mal was Leises“, kündigte Gitarrist Peter Rohleder mit verschmitztem Blick an, „von Motörhead.“ Nachdem sich Black Swamp irgendwie in Luft auflöste (Korrektur: zumindest die Website, die Band gibt es noch, ist nur etwas ruhig zurzeit), suchte Bassmann Jay Bee Burns neuen Anschluss – und fand ihn bei Hoggar Knights, die gerade ihren Schlagzeuger verloren. „Der Ersatz war schnell gefunden“, so Jay Bee. Julian Brandhorst – ein junges Schlagwerktalent – kann sich nun dem Kreis des blonden „Petershagener Saitengotts“ Mika Beier und dem Rest der vierköpfigen Rockband anschließen.

Und wenn dieses Quartett auftritt, dann wird’s laut und dreckig – ganz Lemmy-Like eben (wie schon am Vormittag mit Fritz Griepentrogs Truppe, die wir leider nicht mehr antrafen) und natürlich zu seinen Ehren. Denn Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister – die britische Metal-Legende schlechthin – verstarb am 28. Dezember 2015.

Jetzt gibt’s erst mal eine kleine Hör- und Sehprobe von „Hoggar Knights“:

„Diese neue Bandformation hat sich übrigens beim letzten Muckertreffen 2015 (siehe Bericht) kennengelernt“, erklärte Fuhse stolz. Das war ganz in seinem Sinne, denn genau das sollen diese Muckertreffen bewirken, dass sich unbekannte und bekannte Musiker aus der Region zusammenfinden und sich gemeinsam austauschen können.

Ganz nebenbei mischte sich auch „Bratmeister“ Heino unter die Gäste, dessen begnadetes E-Gitarren-Spiel wir schon beim Open-Air-Muckertreffen 2014 (siehe Bericht), das ebenfalls von Klaus Fuhse ins Leben gerufen wurde und seitdem jedes Jahr veranstaltet wird, verfolgen durften. Dieses Mal hielt er sich zwar dezent zurück, freute sich aber sichtlich über die Liveauftritte der Musiker und genoss die gute Stimmung.

Doch jetzt krallen Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich bitte fest an den Stuhl oder ans Sofa. Denn von dieser Sängerin, über die wir jetzt berichten, werden wir (hoffentlich !!!) noch ganz oft hören. Carmen Habbe aus Minden-Kutenhausen betrat beim Muckertreffen am 10. Januar 2016 zum ersten Mal in ihrem Leben eine Open-Stage-Bühne und fegte mit ihrer Stimme alles weg, was Rang und Namen in der Umgebung und darüber hinaus hat. Das 16-jährige Gesangstalent haute die Songs „Zombie“ von „The Cranberries“ und „Rolling in the Deep“ von „Adele“ so was von selbstbewusst, stark, takt-, tonmäßig und stimmlich einwandfrei raus, dass die Härchen auf der Gänsehaut noch anstanden, als sie längst fertig war. Genauso lange hallte auch ihr Applaus nach, den sie sich wahrlich mehr als verdient hat.

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Carmen Habbe eroberte zusammen mit internationalen und Musikern aus der Region die offene Bühne

Man möge meinen, dass man ansonsten von ihr noch nie was gehört habe. Fataler Irrtum. Angefangen hat sie bereits im zarten Alter von zwei Jahren, an einer Musikschule Rhythmus zu erlernen. Dann folgten jahrelange Blockflötenspiele, bis sie mit sechseinhalb Jahren zur Querflöte griff. Seit der 1. Klasse ist sie Kirchenmitglied und hat sich TOOKULA angeschlossen, einem 85 Mitglieder umfassenden Konzertchor der Chorschule Christuskirche, der für seine Stimmgewalt längst bekannt ist. Seit zwei Jahren begleitet sie am Keyboard und nimmt seit Neuestem auch noch Gitarrenunterricht.

Carmen Habbe und Ray Pasnen

Carmen Habbe freut sich darüber, von Ray Pasnen eine Visitenkarte zu erhalten

Uns fehlten die Worte. Wo will dieses Musiktalent denn hin? „Ich muss noch mein Abitur machen. Und später will ich vielleicht Musik studieren“, erklärte sie wie selbstverständlich. An eine Bandgründung oder so ähnlich habe sie auch schon gedacht, aber das andere habe Vorrang. „Aber ich habe von meiner Schwester Annika (19 J.) zu Weihnachten eine Überraschung bekommen. Ich durfte bei N-Joy ein Lied aufnehmen“, erzählte sie stolz und bedankt sich auf diesem Wege nochmals bei ihrer Schwester. Eine gepresste CD mit einem Song von ihr hält sie demnach schon in den Händen. Ihre Lieblingsband ist übrigens „Linkin Park“ – jau, passt. Nun warteten aber ihre Eltern Jutta und Michael auf sie, die sie bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt dieser Art begleiteten.

Apropos: Ray Pasnen, der unscheinbar wirkende Musiker mit dem Basecap, der Carmen auf der Bühne mit Akustikgitarre begleitete, ist auch nicht zu verachten. Der internationale Musiker und Entertainer tourt seit vielen Jahren quer um den Globus und pendelt zurzeit zwischen Deutschland und Australien. Seine markante Stimme nimmt die Wärme des Landes, die Seele des Rhythm&Blues und die Antriebsenergie des Rock’n’Roll auf und liefert sie in seinem eigenen Stil“, heißt es auf seiner Website. Wer sich von Rays Musik selbst überzeugen möchte in Minden, bekommt von Januar bis März dieses Jahres noch genügend Gelegenheiten – einfach mal auf seinen Veranstaltungskalender schauen. Letztendlich überreichte er Carmen nach dem Auftritt noch seine Visitenkarte, die sie stolz wie Oskar entgegennahm.

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Klause Fuhse (li.) verabschiedete kurz vor Ende des Muckertreffs 2016 mit Musikern aus der Region und Multitalent Ray Pasnen am Keyboard seine Gäste

Was kann jetzt schon noch kommen, dachten sich wohl die zahlreich erschienenen Gäste, die sich größtenteils bereits auf den Heimweg machten. Natürlich der wohl jüngste talentierteste Gitarrist, den die Region je erlebt hat: Marlin Herzog. Nachdem er uns bereits bei den vergangenen Muckertreffen mit seiner E-Gitarre aufgefallen ist, die er beherrscht, als gäbe es kein Morgen, besetzte der wohl mittlerweile 12-Jährige bei dieser Veranstaltung locker flockig den Bühnenstuhl und spielte „Stairway to Heaven“ von „Led Zeppelin“ auf Akustik-Gitarre. Rüdiger König begleitete ihn dabei am Keyboard und ein regional ansässiger Sänger. Wer jetzt nichts damit anfangen kann, warum es so besonders ist, den Song auf Akustikgitarre zu spielen, der schaue sich zum Vergleich das Original auf YouTube an.

Marlin Herzog

Marlin Herzog – der Jüngste im Bunde – überraschte mit einem Akustikspiel von Led Zeppelin

Im Übrigen sang der irische Musiker Viwwy – auf Betteln der Gemeinschaft hin (eigentlich wollte er nicht auf die Bühne, weil er ein bisschen Alkohol getrunken hatte, verriet er uns) – wieder „Whiskey in the Jar“. Er hat aber auch die verboten gute Stimme dafür – liegt ihm halt einfach im Blut.

Die Idee zum „Muckertreffen“ entwickelte sich übrigens 1995 nach einem Rolling Stones Konzert, was wir schon in unserem Beitrag von 2014 anklingen ließen. Nachdem wir von Stephan Böhme erfuhren, dass Rüdiger König (Klavierbauer aus Porta Westfalica) ebenfalls am Keyboard was zum Besten gab, brach es aus Böhme heraus: „Klaus ist schuld.“ Gemeint ist Veranstalter und Jurist Klaus Fuhse, der die Musiker zusammentrommelt. „Klaus ist schuld, dass er hier spielt … und wir alle“, ergänzte Böhme und erklärte weiter: „Aus der Rolling Stones Nachfeier damals in Ollis Treckerschuppen in Wietersheim, glaube ich, ist der Muckertreff geworden. Damals hat das Heiko Grannemann eigentlich organisiert. Da brannte die Luft.“ Nachdem es dieses Lokal wohl nicht mehr gab, hatte Fuhse die Idee aufgegriffen und in Minden umgesetzt. Und das mit Erfolg, wie man merkt.

Daher noch ein paar Bildchen – und Veranstaltungstipps:

<a href="https://flic.kr/s/4gLq58K" target="_blank">Click to View</a>

Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.

Freudig kündigte Fuhse noch während der Veranstaltung an, dass am 19. Juni 2016 das nächste Open-Air-Muckertreffen stattfinden wird im Fort A in Minden (in der Festungsstraße – gegenüber Fahrrad Dorn und DOC Tankstelle, an der Friedrich-Wilhelm-Straße, siehe Karte).

Und man kann sich schon auf die „Rocktoberparty“ am 2. Oktober 2016 im Mindener Kulturzentrum BÜZ am Johanniskirchhof freuen mit Sanity Law und Hoggar Knights. Die Party ist in Vorbereitung – aktuelle Infos wird es auf der Facebook-Veranstaltungsseite geben.


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2 Kommentare zu “Muckertreffen 2016 holte junge Musiktalente auf die Bühne

  1. Henk Vrugteveen
    13.01.2016 at 09:22

    Sehr schöner Bericht. Der nächste Open Air – Stage Mucker Treffen, ist Sonntag, 19.06.2016,- Fort A – in Minden ab 11:00 Uhr

  2. Jay Bee Burns
    13.01.2016 at 20:50

    Klasse Bericht,sehr schön und witzig geschrieben,wie erwartet 🙂
    Allerdings gibt es BLACK SWAMP nach wie vor und ich bin auch noch dabei,es ist etwas ruhig im Moment weil wir unseren neuen Sänger Steve Smith „einarbeiten“…
    …und das mit LEMMY war Fritz Griepentrogs Truppe. Aber macht doch nichts,der Bericht ist einfach genial!!!!

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