Minden-Lübbecker Wirtschaft rechnet mit Aufschwungphase

IHK Minden gibt Ergebnisse der Konjunkturumfrage 2016/2017 für den Kreis Minden-Lübbecke bekannt - Industrie geht es gut, Handel und Dienstleistung durchwachsen

Jedes Jahr führt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld Konjunkturumfragen durch – die IHK-Zweigstelle Minden gibt dann die Ergebnisse des Kreises Minden-Lübbecke bekannt – Archivfoto: onm

Die gewerbliche Wirtschaft befinde sich „unbeirrt im Konjunkturhoch“, der Industrie im Kreis Minden-Lübbecke gehe es nach wie vor gut, gibt die Zweigstelle Minden der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen (IHK) zu Bielefeld bekannt. Beim Einzelhandel und den Dienstleistern sehe es jedoch nicht ganz so rosig aus. Mindener IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting, IHK-Vollversammlungsmitglieder Helmut Dennig und Günter Hagedorn präsentierten die Ergebnisse der Befragung am 23. März 2017 in der IHK-Zweigstelle in Minden.

„Die Umfrageergebnisse befinden sich seit sieben Jahren in einer Aufschwungphase“, so Dennig. Minden-Lübbecke sei mit dem Konjunkturklimaindikator bei der aktuellen Umfrage Spitzenreiter unter allen ostwestfälischen Kreisen und der kreisfreien Stadt Bielefeld. Auch im Frühjahr und Herbst 2015 lag Minden-Lübbecke ganz vorne in Ostwestfalen. Dennig: „Ein Kompliment an die Unternehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

An der aktuellen Konjunkturumfrage Frühjahr 2017 der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld beteiligten sich von Anfang Januar bis Ende Februar 314 Minden-Lübbecker Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistung mit insgesamt über 29.000 Beschäftigten.

Die Erwartungen bei der Geschäftslage für die nächsten zwölf Monate seien in der Industrie außergewöhnlich positiv, beim Handel sehr positiv und bei den Dienstleistungen positiv. Als Risikofaktoren für die zukünftige Entwicklung sehen die Unternehmen laut Umfrage vor allem den Fachkräftemangel, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland und im Ausland sowie die hiesigen Arbeitskosten, je nach Branche mit unterschiedlichen Gewichtungen.

Schaubild mit dem Konjunkturklimaindikator Minden-Lübbecke und Ostwestfalen – Grafik: IHK

Laut Hunting sei in den letzten drei Jahren der Welthandel mit seinen Verflechtungen ein Stück weit erlahmt. Das sei gerade für die Bundesrepublik mit ihrer hohen Exportabhängigkeit und Exportquote von über 45 Prozent kritisch. Zukünftig bestünden mit dem britischen EU-Austritt (Brexit) erhebliche Risiken. Und die Unternehmen seien sich uneinig, ob mit der neuen US-Regierung unter Donald Trump (45. Präsident der Vereinigten Staaten) nun positive oder negative Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit verbunden sind.

Mit Beschäftigtenzunahmen könne laut Dennig in den nächsten zwölf Monaten vornehmlich in der Industrie gerechnet werden, aber auch teilweise bei den Dienstleistungen und abgeschwächt in Teilen des Handels.

In Ostwestfalen bestehe mit 684.693 Beschäftigten im Jahr 2016 ein Rekord bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Die Umfragewerte aus der Industrie seien laut Dennig zusammengefasst weiterhin gut. Beabsichtigt sei demnach offenbar eine Verbesserung der bisherigen Ertragslage. Dies führe zu einer verbesserten Ertragsprognose für die nächsten zwölf Monate: 47 Prozent der Betriebe rechnen zukünftig mit steigenden Erträgen, lediglich zehn Prozent mit fallenden.

„In der Dienstleistungsbranche liegen die Umfrageergebnisse im Bereich der Herbstumfrage 2016 oder sind leicht zurückgegangen“, so Hagedorn. Viele Umfragewerte fallen allerdings unter Betrachtung der zurückliegenden Jahre vergleichsweise gut aus. So bewerten 44 Prozent der antwortenden Betriebe ihre derzeitige Geschäftslage als gut und fünf Prozent als schlecht.

Laut Hagedorn seien im Handel die IHK-Halbjahresumfragewerte vom Frühjahr 2017 fast ausnahmslos besser ausgefallen als im Herbst 2016. Für die nächsten zwölf Monate rechnen 31 Prozent der Handelsunternehmen mit steigenden Umsätzen und sieben Prozent mit fallenden. Fast alle Werte des Einzelhandels bewegten sich jedoch unterhalb der Werte des Gesamthandels, die Situation in Minden-Lübbecke sei also schlechter.

Wir meinen:

Letztgenanntes ist vor allem den weiter steigenden Online-Käufen zu verdanken. Ohne Internet und Apps scheint heutzutage gar nichts mehr zu laufen. Aber es sind Anzeichen zu erkennen, dass die Menschen – nicht nur die ältere, sondern auch jüngere Generation – bei all dem „Smartphone-Wahn“ wieder von Angesicht zu Angesicht sprechen, nicht von „Maschinen“ abhängig und nicht zum „gläsernen Menschen“ werden wollen. Auch der abflachende Datenschutz und zunehmend bösartige Hackerangriffe spielen dabei eine große Rolle.

Statistik Arbeitslosenzahlen im Kreis Minden-Lübbecke mit Stand Februar 2017 der Bundesagentur für Arbeit

Gerade in ländlichen Gebieten, aber auch in den Städten, sprießen daher kleine Läden gerade wie Pilze aus dem Boden. Zurück zur Natur heißt das Zauberwort: Der Mensch möchte wieder unbehandeltes Obst und Gemüse essen (oder selbst anbauen bzw. selbst ernten), Kleidung und mobile Computer tragen, die nicht von Billiglohnarbeitern im Ausland gefertigt und in Deutschland teuer verkauft werden, nur so viel kaufen, wie man verbraucht, und nicht die Hälfte wegschmeißen – einfach bewusst leben.

Und bei aller „Aufschwung-Euphorie“ darf man nicht vergessen, wie viele kleine Firmen von großen „geschluckt“ wurden, wie viele Handwerks- und Einzelhandelsbetriebe Insolvenz anmelden und schließen mussten. Andere wandern ins Ausland ab oder ersetzen ihre Arbeitskräfte durch Roboter.

Die Folge sind rund 3,5 Millionen Arbeitslose und rund 7 Millionen Arbeitslosengeld- und Hartz IV-Leistungsempfänger in Deutschland (aktuellen Medienberichten zufolge), davon rund 9000 im Kreis Minden-Lübbecke bei nur rund 3000 gemeldeten Arbeitsstellen und einer Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) von rund 13.000 Menschen (siehe Bild Statistik BA – die stets aktuelle „offizielle“ Statistik der Bundesagentur für Arbeit findet man hier).

Quelle: Pressemeldung IHK-Zweigstelle Minden, BA, OctoberNews


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