Kreis Lippe feiert 70-jährige NRW-Landeszugehörigkeit mit Festakt

Lippe seit 70 Jahren Teil des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen: Landesregierung lädt Vertreter des Kreises Lippe ins Detmolder Landestheater zu einem Festakt ein

Im Landestheater, einst Sitz des „Hochfürstlich Lippischen Hoftheaters“, feiert Lippe mit einem Festakt die 70-jährige Landeszugehörigkeit zu NRW – gegenüber dem Fuß des Hermannsdenkmals – Archivfoto: onm

Fünf Monate nach dem 70. Geburtstag Nordrhein-Westfalens (NRW) feiert nun auch der Kreis Lippe seine 70-jährige Landeszugehörigkeit. Landtagspräsidentin Carina Gödecke, Landrat Dr. Axel Lehmann und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft laden deshalb am 21. Januar 2017 ab 18 Uhr zu einem Festakt ins Detmolder Landestheater ein. Im Vorfeld trifft sich die Ministerpräsidentin mit ihren Ministern zu einer Kabinettssitzung in Detmold.

Im vergangenen Jahr feierte das Bundesland Nordrhein-Westfalen seinen 70. Landesgeburtstag. Die damalige britische Besatzungsmacht hatte das Rheinland und die Westfalen am 23. August 1946 mehr oder minder unfreiwillig vereint. Der kleinste Landesteil Lippe kam mit fünfmonatiger Verspätung dazu, und zwar am 21. Januar 1947 (umfassende geschichtliche Erklärung siehe unser Bericht).

Deshalb feiern die Lipper ihren 70sten erst in diesem Jahr – aber das mit einem Festakt im Großen Haus in Detmold (auch „Landestheater“ genannt). Die Feierlichkeiten mit ausgewählten Vertretern des Landes finden in einer geschlossenen Veranstaltung statt.

Moderiert wird die Jubiläumsfeier von Judith Rakers. Die in Paderborn (Ostwestfalen) geborene Moderatorin und Nachrichtensprecherin führt ab 18 Uhr durch den Abend.

Veranstaltungsstätte nicht zufällig für den Festakt ausgewählt

Dass die Veranstaltungsstätte nicht zufällig ausgewählt wurde, zeigt ein Blick in die Geschichte: Das Große Haus am Theaterplatz 1, als Spielstätte auch oft nur „Landestheater“ genannt, ist die Hauptbühne des Landestheaters Detmold sowie Sitz der Verwaltung, Proberäume und Werkstätten.

Richtlinie für die Aufnahme des Landes Lippe in das Gebiet NRW von 1974 – Foto: Landesarchiv NRW

An dieser Stelle wurde bereits am 8. November 1825 der Vorgängerbau des jetzigen Theaters als „Hochfürstlich Lippisches Hoftheater“ mit Mozarts Oper „Titus der Gütige“ eingeweiht. Auftraggeber war Fürst Leopold II., der sich vor allem zu Repräsentationszwecken ein eigenes Hoftheater gewünscht hatte. Am 5. Februar 1912 erlag das Theater einem Feuer und brannte bis auf die Grundmauern nieder. An gleicher Stelle wurde am 29. September 1919 der neue Theaterbau eingeweiht. Das neue Gebäude „Großes Haus“ dient heute als Spielstätte für Opern und Operetten, Musicals und Ballettaufführungen sowie für große Schauspielproduktionen.

Wichtig dabei ist, dass Paul Alexander Leopold II. (1796 in Detmold geboren, verstarb 1851) der Fürst zur Lippe war. Unter dem Eindruck der Märzrevolution in 1848 bewilligte Leopold das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zum Lippischen Landtag, das durch die Verordnung vom 16. Januar 1849 eingeführt wurde. Der Landtag des Landes Lippe (heute Landgericht Detmold) war die Volksvertretung des Fürstentums und Freistaates Lippe.

Und dieser Freistaat, auch „Lipperland“ genannt, hat eine mittlerweile rund 894 Jahre alte eigenständige Geschichte aufzuweisen, wie wir ausführlich beschrieben. Denn erstmals wurden im Jahr 1123 die Brüder Bernhard und Hermann zur Lippia genannt. Hermanns Sohn, Bernhard II., regierte die Herrschaft Lippe von 1167 bis 1194. Ihm folgte sein Sohn Hermann II. 1529 wurde das Haus Lippe zur Reichsgrafschaft erhoben. 1621 teilte es sich in die Linien Lippe-Brake (1709 erloschen), Lippe-Alverdissen bzw. ab 1643 Schaumburg-Lippe und Lippe-Detmold.

Schon wären wir bei Detmold, der Stadt, die bis 1947 Hauptstadt des Freistaats Lippe war und anschließend in das neue Bundesland Nordrhein-Westfalen eingegliedert wurde. Seitdem ist die Stadt Sitz der neu gegründeten Bezirksregierung Detmold (siehe auch Fotostrecke unserer Redakteurin bei Flickr).

Und gegenüber dem Landestheater in Detmold steht der linke Fuß des Hermanns, ein Originalabdruck des linken Fußes des Hermannsdenkmals, gefertigt zum Varusjahr 2009 von der Firma Stuck-Kaminski aus Detmold – mit Fußspitze gerichtet auf das „Große Haus“.

Also Vorsicht, wer den „kleinen“ Kreis Lippe mit Füßen tritt, könnte vielleicht den großen Fuß des Hermanns zu spüren bekommen. :o)

Quelle: Landesregierung NRW, Landestheater Detmold, Lipperland.de, Wikipedia, OctoberNews


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