Hannelore Kraft: „Erst mit Lippe wurde NRW komplett“

Lippe als eine der Top-Wachstumsregionen in Nordrhein-Westfalen bezeichnet - Festakt in Detmold zum 70. Jahrestag der Vereinigung des Landes Lippe mit NRW

Eine rote Schale in Form des Landes NRW übergaben Landrat Dr. Axel Lehmann und Landtagspräsidentin Carina Gödecke an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (re.) während des 70-jährigen Jubiläumsfestakts im Detmolder Landestheater – Foto: Land NRW

Mit einem Festakt haben Landesregierung, Landtag und der Kreis Lippe die Vereinigung des geschichtsträchtigen Landteils Lippe mit Nordrhein-Westfalen (NRW) vor genau 70 Jahren gefeiert. Zahlreiche Gäste waren auf Einladung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Landtagspräsidentin Carina Gödecke und Landrat Dr. Axel Lehmann zu der Feierstunde im Detmolder Landestheater zusammengekommen.

„Wir feiern 70 Jahre Lippe in NRW“ – mit diesem Bannerspruch empfing das Große Haus (auch „Landestheater“ genannt, siehe Vorbericht) in der Bezirksregierung Detmold Hunderte Gäste aus Politik, Wirtschaft, Religion und Gesellschaft, um gemeinsam die 70-jährige Landeszugehörigkeit des Kreises Lippe (ehemals Freistaat Lippe) zu Nordrhein-Westfalen zu feiern.

Der Festakt „70 Jahre Lippe in NRW“ fand im Landestheater Detmold statt – Foto: Land NRW

Denn am 21. Januar 1947 hatte das Lippische Landesparlament beschlossen, die Selbstständigkeit Lippes aufzugeben und als dritter Landesteil (neben der Provinz Nordrhein und der Provinz Westfalen) dem Kraft Besatzungsrecht durch die Besatzungsmacht Großbritanniens am 23. August 1946 gegründetem Land Nordrhein-Westfalen beizutreten (genauere geschichtliche Erläuterung siehe unser Bericht).

Ministerpräsidentin Kraft betonte in ihrer Festrede: „70 Jahre Lippe in Nordrhein-Westfalen geben uns Grund zur Dankbarkeit und Grund zum Feiern. Der 21. Januar 1947 war ein echter Glückstag in unserer NRW-Geschichte. Erst mit Lippe ist NRW komplett.“ Eine große Anerkennung an das „kleine“ Land Lippe, das sich jedes Jahr vehement dagegen sträubt, die Jahresfeier NRWs mitzufeiern, weil es ja damals erst ein Jahr später zugestoßen sei und eine eigenständige, mittlerweile 894-jährige Geschichte aufzuweisen habe.

Und der Lobgesang der NRW-Ministerpräsidentin ging weiter: „Lippe ist eine der Top-Wachstumsregionen in NRW“, unterstrich sie, „mit hochqualifizierten und engagierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Mit Unternehmerinnen und Unternehmern, die in 70 Jahren immer wieder für Innovationen gesorgt haben. Mit besonders vielen mittelständischen Familienbetrieben. Diese Unternehmen sind in der Region verwurzelt und sie sind ein Grund dafür, dass hier in 70 Jahren so eine starke und stabile Wachstumsregion mit viel Zukunftsperspektive entstanden ist.“

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft trägt sich ins Goldene Buch des Kreises Lippe ein – Foto: Land NRW

Das muss Landrat Dr. Axel Lehmann und den Lipper Bürgerinnen und Bürgern doch runtergehen wie Öl. Tatsächlich erklärte Lehmann bei der Festveranstaltung: „Wir Lipper sind besonders stolz darauf, dass wir in unserer mehr als 800-jährigen Geschichte immer unsere Eigenständigkeit bewahrt haben. So waren wir zum Beispiel nie preußisch, und auch heute noch sind wir kein Landkreis unter vielen, sondern ausdrücklich dritter Landesteil Nordrhein-Westfalens: Daran erinnert uns jeden Tag die lippische Rose im Wappen des Landes. Das dreigeteilte Wappen aus Rhein, Ross und Rose macht aber auch deutlich, dass NRW erst durch seine kulturelle und wirtschaftliche Vielfalt stark ist. Und auch wir Lipper wissen zu schätzen, was wir seit 1947 von NRW haben.“

Davon abgesehen, dass Lippe eine fast 900-jährige Geschichte aufzuweisen hat – die hoffentlich im Jahr 2023 ordentlich für alle Bürgerinnen und Bürger mit großen Straßenfesten, Kultur und Livemusik gefeiert wird – klang das jetzt nicht ganz so überzeugend dankbar, wie es sich die Ministerpräsidentin vielleicht gewünscht hätte. „Scherzhafte Seitenhiebe“, wie es der WDR beschreibt, „konnte Lehmann sich auch nicht verkneifen. So sei der Lipper in seiner Mentalität den Niedersachsen durchaus ähnlicher als einem Rheinländer. Der glaube nämlich, es gebe fünf Jahreszeiten.“ Aber Lehmann und die Landtagspräsidentin Carina Gödecke bedankten sich für die großzügige Feier mit einer auffällig roten Schale in Form des Landes Nordrhein-Westfalen, besetzt mit dem Wappen NRWs, das die besagte Rose enthält.

Und diese „Lippische Rose“ findet sich auch in der Detmolder Innenstadt wieder:

Die „Lippische Rose“ – hier in Detmold zu sehen – war das Wappenzeichen der Edelherren zur Lippe und im Staatswappen des Landes Lippe enthalten, das in verschiedenen staatsrechtlichen Ausprägungen bis 1947 als Staat existierte. – Archivfoto: onm

Landtagspräsidentin Carina Gödecke sagte: „Seit 70 Jahren gehören Rhein, Ross und Rose zusammen. Der Zusammenschluss im Januar 1947 war ein Glücksfall für Lippe und für ganz Nordrhein-Westfalen. Damals wurden die Weichen für eine gesicherte Zukunft Lippes und für die Vielfalt des ganzen Landes gestellt, wie wir sie niemals mehr missen möchten.“

Ministerpräsidentin Kraft trug sich im Verlaufe des Abends unter anderem auch in das Goldene Buch des Kreises Lippe ein.

An dem Festakt nahmen außerdem das Landeskabinett und die Spitzen des Landtages teil. Ebenfalls anwesend waren Vertreter der Regierungsbezirke genauso wie Vertreter von Kirchen, Stiftungen, den Regionalverbänden und kommunalen Spitzenverbänden, Gewerkschaften, Wirtschaftsvertreter sowie viele weitere Gäste aus Sport, Gesellschaft und Medien.

Hier blieb kein Platz mehr frei in den vorderen Reihen des Landestheaters Detmold beim Festakt zu Ehren des „Lipperlandes“ – Foto: Land NRW

Das Symphonische Orchester des Landestheaters Detmold (Leitung: Generalmusikdirektor Lutz Rademacher), Christoph Stephinger (Solist), Sin-Young Park (Solistin Violine der Hochschule für Musik Detmold) und der Chor „Groophonik“ (Leitung: Tobias Richter) haben den Festakt musikalisch begleitet. Moderiert wurde der Abend von Nachrichtensprecherin Judith Rakers.

Quelle: Pressestelle Kreis Lippe, Staatskanzlei, Landtag NRW


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