Fernsehturm Porta Westfalica zeigt Historie und lebt neu auf

Bismarckbund an der Porta Westfalica e.V. zeigte historische Aufnahmen vom Bau des Fernsehturms auf dem Jakobsberg und hofft auf viele Spenden für Toilettenhaus

Hoch oben auf dem Jakobsberg steht seit 40 Jahren der Fernsehturm Porta Westfalica und begrüßt seine zahlreichen Gäste – Fotos: onm

Was für Radio- und Fernsehsender der Sendemast im Kreis Minden-Lübbecke ist, ist für Ausflügler und Touristen die Aussichtsplattform über die Norddeutsche Tiefebene: der Fernsehturm Porta Westfalica. Zu Ehren seiner Baugeschichte zeigte der Verein „Bismarckbund an der Porta Westfalica“ in den vergangenen Wochen eine Fotoausstellung mit historischen Bildern aus der gesamten Bauzeit.

Mit 134,90 Metern ist der Fernsehturm Porta Westfalica (auch „Fernmeldeturm Jakobsberg“ genannt) zwar nicht der größte Fernsehturm Deutschlands, dafür punktet er mit einem grandiosen Rundumblick übers Norddeutsche Tiefland. Denn 227 Meter über Normalhöhennull (NHN) auf dem Jakobsberg errichtet, besitzt er eine Aussichtskanzel in 250,26 Meter Höhe (über NHN, auf 23,26 Meter Turmhöhe), von der Besucher eine Fernsicht von um die 50 Kilometer haben (siehe Google Maps).

Beim neuen Kiosk unterm Fernsehturm gibt’s Erfrischungen und Leckereien

Mit vor genau 40 Jahren (1977) erfolgter Grundsteinlegung und Bau (ab 1975) des futurisch anmutenden Fernseh- und Aussichtsturms – auf dem Grundstück der ehemaligen Bismarcksäule (1902-1952) und neben dem alten Fernsehturm (1953-1975) – wurde er 1979 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und vom am 1. April 1902 gegründeten Bismarckbund an der Porta Westfalica e.V. gehegt, gepflegt und seit 2016 neu aufgelegt mit einem modernen Besucherkonzept.

So öffnete im April der Bismarck-Gedenkraum zum 115-jährigen Jubiläum des Vereins wieder seine Türen und präsentierte in einer Fotoausstellung einzigartige historische Aufnahmen von der Erbauung des neuen Fernsehturms. Ab 10 Uhr konnten Besucher zudem den Turm besteigen zur Aussichtsplattform und es sich bei selbstgebackenem Kuchen und Kaffee sowie Bratwurst und Kaltgetränken vom Kiosk ebenerdig auf Holzbänken im Freien oder überdacht auf Sitzgelegenheiten gemütlich machen und die frische Waldluft des Wesergebirges genießen.

Der 1. Vorsitzende des Bismarckbunds, Hans Münstermann, begrüßte sogar seine Gäste persönlich vom Kiosk-Häuschen aus. „Alles wird ja vom Bismarckbund an der Porta e.V. betrieben und so auch der Kiosk. Das machen wir in Eigenregie und es läuft erwartungsgemäß gut“, antwortete Münstermann auf unsere Anfrage, wer denn der neue Pächter des Kiosks sei, nachdem im Januar die ehemalige Pächterin aus persönlichen Gründen diesen nicht weiterführte und einen Nachfolger suchte.

Beim Fernsehturm und der Porta-Kanzel gibt’s viel zu erleben

Wir waren jedenfalls am Ostermontag, 17. April 2017, vor Ort und zahlten freiwillig Eintritt am Kiosk. Dafür erhielten wir eine besondere Eintrittskarte mit genauen Höhenmeterangaben des Fernsehturms auf der Vorderseite und Informationen zum Verein mit Abbildung des Fürsten von Bismarck (1815-1898) auf der Rückseite. Außerdem liegen am Kiosk zahlreiche Flyer und Wanderkarten zum Mitnehmen bereit. Darüber hinaus kann man Ansichtspostkarten erwerben oder sich ein Fernglas ausleihen.

Direkt nebenan liegt der Bismarck-Gedenkraum (der für sich genommen schon großartige Bilder, Schriftstücke und Bücher rund um Otto von Bismarck zeigt), der rund drei Wochen lang die Fotoausstellung an Stellwänden beherbergte: von Aufnahmen der einzelnen Bauphasen über Sichtweisen des Kranführers auf in schwindelnder Höhe tätigen Bauarbeitern bis hin zu historischen Bildern aus der Zeit, wo der alte Fernsehturm demontiert und der neue direkt nebenan aufgebaut wurde.

Auch ohne Fernglas oder Kamera hat man an nicht bewölkten Tagen eine Sicht von rund 50 Kilometern auf die Norddeutsche Tiefebene

Natürlich durfte der Aufstieg auf den Fernsehturm nicht fehlen – trotz starkem Wind und Regenfront am Horizont. Aber wir wurden belohnt mit einem grandiosen Ausblick aufs Weser- und Wiehengebirge, auf Schaumburg und den Kreis Minden-Lübbecke.

Doch nach einer Viertelstunde auf der Aufsichtsplattform wurde es einfach zu zügig im Nacken. So stiegen wir ab und nahmen den gar nicht so langen Fußweg vom Fernsehturm zur „Porta-Kanzel“ – einem Aussichtspunkt, von dem aus man dem „Kaiser“ ganz nah sein konnte – genau genommen der Baustelle am Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem gegenüberliegenden Wittekindsberg. Nur wer schwindelfrei ist, sollte den Blick von der Porta-Kanzel in den rund 180 Meter tiefen Abgrund entlang der natürlichen Felsklippe wagen.

Letztendlich entpuppte sich der Rückweg länger als der Hinweg, da wir eine falsche Abzweigung nahmen. Dennoch haben wir es nicht bereut, da wir schließlich auf einem Pfad hinter und unterhalb des Fernsehturms wandelten, von wo aus wir die ganze Pracht des architektonischen Meisterwerks bewundern und fotografisch festhalten konnten:

Der Fernsehturm Porta Westfalica von hinten und unten – hier kann man wunderbar den gesamten Aufstieg vom Kiosk und Bismarckraum aus bis zur Aussichtskanzel (erster Ring von unten) erkennen. Im oberen, größeren Ring befindet sich die Schaltzentrale des Turms.

Bismarckbund sammelt Spenden für ein Toilettenhaus

Neben der historischen Geschichte des Fernsehturms ist es dem Bismarckbund an der Porta Westfalica e.V. zu verdanken, dass es auf dem Jakobsberg seit mehr als 100 Jahren eine Aussichtsplattform mit einer herausragenden Rundumsicht gibt. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins tragen dafür Sorge, den Zugang zur Aussichtsplattform zu erhalten und das Umfeld weiterzuentwickeln. Zudem ist es den Vereinsmitgliedern im Jahr 2016 gelungen, den Kiosk nach jahrzehntelanger Pause wieder zu eröffnen.

Eine Hilfe sei es schon, wenn der Eintritt von nur 1 Euro ehrlich gezahlt werde. Für den Bau eines festen Toilettenhauses links neben dem Bismarck-Gedenkraum muss der Verein jedoch rund 43.000 Euro aufbringen laut Kostenvoranschlag einer Fachfirma. Denn wo getrunken und gegessen wird, muss halt eine entsprechende Sanitäranlage her. Und Plumpsklos in Kunststoffhäuschen wollen sie ihren Besuchern nicht antun.

Links neben dem Bismarck-Gedenkraum soll das neue Toilettenhaus gebaut werden, sobald genug Spendengelder eingegangen sind

Die Sohle für das Toilettenhaus wurde schon gegossen (siehe Foto). „Und seit genau gestern haben wir einen direkten Wasseranschluss. Das Wasser wird mit einer Pumpe mit 16 Bar den Berg hochgedrückt“, teilt uns Münstermann am 29. April mit. „Nun brauchen wir Sponsoren und Spenden, damit wir den Bau durchführen können.“

Denn bei 65 Mitgliedern und 12 Euro Beitrag im Jahr hat der Verein nicht genügend Geld für die Umsetzung. „Wir versuchen, viel selbst zu machen, können aber eben nicht alles. Wir brauchen Material und auch zum Beispiel einen Fliesenleger“, so der 1. Vorsitzende. Schließlich soll der gesamte Bereich ein touristisches Highlight werden.

Demnächst startet der Verein eine große Spendenaktion.

Die Mitglieder hoffen auf eine große Beteiligung aus der Bevölkerung.

Ergänzend fügt Münstermann hinzu: „Im letzten Jahr habe ich den Vorsitz des Vereins übernommen. Wenn sich der Verein mal auflöst, fallen auch die Rechte an der Aussichtsplattform weg.“

Och nö, das wollen wir aber nicht, und zahlreiche Besucher des Fernsehturms sicher auch nicht. Daher machen wir vorsorglich schon mal aufmerksam auf die kommenden

Veranstaltungen:

Am 30. April und 1. Mai 2017 hat der Fernsehturm Porta Westfalica von 10 bis 18 Uhr geöffnet und es gibt nicht nur Kaffee, Kuchen und Eis, sondern auch Bratwurst.

Am 12. Mai 2017 von 18 bis 24 Uhr folgt „Fernsehturm @ Night“. Nach einem Überraschungserfolg in 2016 kann der Sonnenuntergang in Richtung Kaiser-Wilhelm-Denkmal beobachtet und fotografiert werden. Der Eintritt beträgt 3 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder. Für das leibliche Wohl wird zu günstigen Preisen gesorgt.

Neben vielen weiteren Veranstaltungen bietet das Touristikzentrum Westliches Weserbergland auch jeden dritten Sonntag im Monat von April bis Oktober ab 15 Uhr eineinhalb-stündige Gästeführungen „Fernsehturm & Jakobsberg“ (inklusive Aufstieg des Fernsehturms und Besichtigung des Bismarck-Gedenkraums) an. Eine Anmeldung ist erforderlich und die Kosten für die Führungen betragen jeweils 4 Euro für Erwachsene und 3 Euro für Kinder. Tickets kann man vorab online buchen unter shop.westliches-weserbergland.de.

Weitere Informationen, historische Bilder und Veranstaltungstermine findet man auf der Homepage www.bismarckbund-porta.de und der Facebook-Seite Fernsehturm Porta Westfalica.

Standort Fernsehturm:
Jakobsberg 1, 32457 Porta Westfalica
Kann mit Auto angefahren werden, Parkplätze vor Ort

Öffnungszeiten:
Samstag, Sonntag, Feiertage und Ferien jeweils von 10 bis 18 Uhr
Die Aussichtsplattform ist von Anfang November bis Ende März geschlossen.

Reguläre Eintrittspreise für Aufstieg Fernsehturm:
Erwachsene: 1 Euro, Kinder: 50 Cent, Familien: 2,50 Euro

Schließlich unser Rat: „Öfters mal vom Weg abkommen, dann sieht man Dinge aus einer völlig anderen Perspektive.“ :o)


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