Erster Neujahrsempfang der Stadt Minden mit 250 Gästen

"Bürgerinnen und Bürger sind Säulen dieser Stadt" - Bürgermeister Jäcke empfing beim offenen Neujahrsempfang 2017 rund 250 Gäste und verlieh Preise an Ehrenamtliche

Während Bürgermeister Michael Jäcke (oben rechts) beim offenen Neujahrsempfang in der Mindener Bürgerhalle Preise an Ehrenamtliche verlieh, unterhielt das Trio „Filou“ die Gäste mit Jazzmusik

Rund 250 Gäste konnte Bürgermeister Michael Jäcke zum ersten offenen Neujahrsempfang in der Bürgerhalle des Rathauses Minden begrüßen und verlieh mit jeweils 500 Euro dotierte Preise und Urkunden an Ehrenamtliche. Für musikalische Unterhaltung sorgte die Jazzband „FILOU“ aus dem benachbarten Schaumburg.

Rat und Verwaltung der ostwestfälischen Stadt Minden hatten erstmals zum offenen Neujahrsempfang eingeladen. Diese Veranstaltung löst den Parlamentarischen Abend der vergangenen Jahre ab. „Ich kann auf ein spannendes und auch erfolgreiches Jahr zurückblicken“, eröffnete der seit Oktober 2015 im Amt befindliche Bürgermeister seine Rede und ergänzte: „Diese Erfolge haben ganz viele zusammen erreicht.“

Gemeint sind die Bürgerinnen und Bürger, die Jäcke als „Säule dieser Stadt“ bezeichnete und in 2016 viele wertvolle Beiträge durch ehrenamtliches Engagement und aktives Mitwirken geleistet hätten. Auch die 60 Stadtverordneten und zahlreichen sachkundigen Bürgerinnen und Bürger schloss er damit ein.

Bürgermeister Michael Jäcke bei seiner Neujahrsrede

Allein in der ehrenamtlichen Flüchtlingsunterstützung seien um die 300 neuen Patenschaften entstanden – ein „wichtiger Beitrag zu einer gelingenden Integration“, so Jäcke. Weiter gäbe es ehrenamtlichen Deutschunterricht, Fahrradwerkstätten, Kleiderausgaben, Mal-, Back- und Kochaktionen sowie zahlreiche Sport- und Freizeitangebote für die mehr als 1400 Geflüchteten.

Der Bürgermeister dankte auch Politik und Wirtschaft, die Minden im vergangenen Jahr „weiter nach vorn gebracht“ hätten. Ein Lob ging auch an die Stadtverwaltung mit den rund 1100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ihm stets mit Rat und Tat zur Seite stünden. „Das hat es mir leicht gemacht, den Einstieg zu finden und nun die vielen Projekte umzusetzen“, hob Jäcke hervor. Die seit Amtseinführung oft gestellte Frage, ob sein Amt eine Bürde sei, beantwortete er auch dieses Mal mit einem „deutlichen Nein“ und dass seine Familie hierbei eine wichtige Stütze sei. Er wolle mit Menschen ins Gespräch kommen, Minden voranbringen und Ideen sammeln, was er auch fleißig getan habe, so Jäcke rückblickend.

Für 2017 sehe er es als wichtigste Aufgabe an, die vielen angestoßenen Projekte umzusetzen. Dazu zählt er den Abschluss der Arbeiten in der neu gestalteten Fußgängerzone in der Innenstadt, die beginnende Planung für die Weserpromenade und Schlagde, die Vorstellung der Machbarkeitsstudie für die Multifunktionshalle, die Entwicklung des Rechten Weserufers mit einem integrierten städtebaulichen Konzept (ISEK), die Fortsetzung der Schulentwicklungsplanung und das Projekt „Feuerwehr 2020“, das Handlungskonzept Wohnen und als größtes Projekt die Sanierung des Rathauses, die 2018 in die Umsetzung gehe.

Weitere wichtige Projekte für die Innenstadtentwicklung seien zudem der Bau eines Geschäftshauses am Scharn durch einen Investor und auch die im Herbst vorgestellte Entwicklung für das ehemalige Kaufhaus Wehmeyer – ebenfalls durch einen privaten Investor.

„Das ist ein Riesen-Rucksack an Aufgaben“, verdeutlichte Jäcke zum Abschluss seiner Begrüßung.

Preisvergabe an Ehrenamtliche und Freiwillige

Nach einer kurzen Pause stand die Vergabe der beiden Preise für ehrenamtliches und freiwilliges Engagement auf dem Programm. 16 Vorschläge waren für die Auszeichnung 2016 eingegangen. „Die Jury hatte keine leichte Wahl“, so der Bürgermeister. Alle Vorgeschlagenen stünden für die große Zahl an Ehrenamtlichen, die „Minden mit ihrem Engagement bereichern und uns allen damit einen Mehrwert verschaffen“ – im kulturellen, sportlichen, sozialen oder karikativen Bereich. „Ihre Arbeit ist nicht hoch genug zu bewerten.“

Ehrenamtspreisträger Herbert Hackel empfängt Urkunde und 500 Euro von Mindens Bürgermeister Jäcke

Einer aus ihrer Mitte ist Herbert Hackel. Er erhielt unter dem Beifall der Gäste den mit 500 Euro dotierten Preis 2016 als Einzelperson. Seit 1974 ist er als Schiedsmann in Minden-Hahlen tätig und damit der Dienstälteste in dieser Funktion im Landgerichtsbezirk Bielefeld. Er schlichtet vorgerichtlich Streit bei Nachbarschaftskonflikten, bei Beleidigungen, Sachbeschädigungen und Vorstößen im Rahmen des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes.

Neben dieser Tätigkeit fand Hackel in den vergangenen Jahrzehnten auch noch Zeit, sich im Sport zu engagieren – als Turner, Leichtathlet, im Feldhandball, als Fußballtorwart und dann auch als Trainer. Auch übernahm er Funktionen im Vorstand seines Vereins MSV 05 (jetzt Union Minden) und als Stellvertretender Geschäftsführer im Stadtsportbund. Nebenbei engagiert er sich seit vielen Jahren beim MTV 1860 Minden für die Abnahme des Sportabzeichens.

Den jetzt erhaltenen Ehrenamtspreis der Stadt Minden spendete er nach dem Neujahrsempfang spontan dem neuen Großverein SV 1860 Minden e.V. für eine Veranstaltung, die das Zusammenwachsen von MTV, Jahn und Eintracht Minden fördert, teilt der MTV 1860 Minden auf seiner Webseite mit. Zuletzt machte er sich als Initiator des Projektes „Sportabzeichen 50+“ einen Namen.

In seiner Dankesrede warb Herbert Hackel für beide seiner Ehrenämter und riet als Schiedsmann dazu: „Laufen Sie nicht gleich zum Anwalt oder zum Gericht.“

Großen Applaus gab es auch bei der Bekanntgabe des Preises für die Gruppe, der an die Mindener Aktiven des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Minden-Lübbecke e.V. ging. Die Ehrenamtlichen werden auf Wunsch tätig, wenn Familien mit einem Kind, das unter einer lebensverkürzenden Erkrankung leidet, Unterstützung benötigen. Die Aktiven besuchen die kranken Kinder und Jugendlichen, spielen mit ihnen und ihren Geschwistern, gehen einkaufen, stehen den Eltern mit Rat und Tat zur Seite.

„Am Ende der Begleitung stehen immer das Sterben und der Tod der Kinder. Dennoch dauerhaft die Kraft aufzubringen, die Familien zu unterstützen, ist eine enorme Leistung der ehrenamtlichen Kräfte, die an dieser Stelle gewürdigt werden soll“, hieß es vonseiten des Bürgermeisters.

Elisabeth Glücks, Vorsitzende des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Minden-Lübbecke e.V., nahm stellvertretend für alle Aktiven den Gruppenpreis von Bürgermeister Jäcke entgegen

Den Vorschlag hatte Stadtverordneter Hendrik Mucke eingereicht. Den mit ebenfalls 500 Euro dotierten Preis nahm die Vorsitzende des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes, Elisabeth Glücks, zusammen mit zahlreichen Mitstreiterinnen entgegen.

Nominiert waren als Gruppe die Tucholsky-Bühne, der Dombauverein, die Mindener Glacisschützer, der Bürgerfunk Minden, die Mindener Tafel, der Tierschutzverein Minden und Umgebung sowie die Tschernobyl-Kinderhilfe. Für den Einzelpreis waren nominiert: Wiebke Sundergeld für die Aufnahme eines irakischen Geflüchteten, Christiane Lindner für ihren Einsatz für das Mindener Glacis, den Tag des Glacis und den Tag des offenen Denkmals 2016 sowie Martina Höfel für ihren Einsatz für Geflüchtete in der Hafenschule, Eckhard Rüter für sein Engagement in den Belangen für Menschen mit Behinderungen, Peter Mehwald für sein Engagement im Volleyballsport, Rolf Plöger, der ehrenamtliche Beauftragte für Bodendenkmalpflege, und schließlich Hans-Eberhard Brandhorst, der die Funktion des Schatzmeisters im Mindener Geschichtsverein inne hat, hier auch Studienfahrten leitet und sich zudem in Hahlen als Ortsheimatpfleger und auch anderweitig im Stadtbezirk engagiert.

Abschließend stand der Austausch zwischen Vertretern der Politik, Wirtschaft, Kirchen, sozialen Einrichtungen und Verwaltungen mit den Bürgerinnen und Bürgern Mindens im Vordergrund. Diese Möglichkeit wurde, wie schon in den Vorjahren, sehr intensiv genutzt.

Für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung sorgte das Jazz-Trio „FILOU“ aus Schaumburg. Udo Schatz, Peter Burrack und Rolli Reuter unterhielten die Gäste mit Chansons, Bar-Jazz, Bossa Nova- und Swing-Stücken.

Das Catering wurde wieder vom Kulturzentrum BÜZ ausgerichtet. Im Vorfeld des Neujahrsempfanges wurde in der Ratskirche Sankt Martini ein ökumenischer Gottesdienst abgehalten.

Um die 250 Gäste aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft versammelten sich am 13. Januar in der Bürgerhalle des Rathauses Minden, um den Worten von Bürgermeister Jäcke zu lauschen, mit den Verantwortlichen der Stadt ins Gespräch zu kommen und den Preisträgern zu gratulieren

Was nicht gesagt wurde

Nicht alles ist so rosig in der Stadt Minden, wie einem größtenteils vermittelt wird, weiß unsere Redaktion. Zur maroden Obermarktpassage fiel beispielsweise kein Wort in der Pressemeldung der Stadt, auch nicht, dass der „Schulentwicklungsplan Minden 2017-2022 für die allgemeinbildenden weiterführenden Schulen“ von vielen Eltern und Schülern kritisiert wird. Auch über die Schließung der Ganztagshauptschule Todtenhausen, deren Schüler nun alle nach Rodenbeck kommen sollen, wurde nichts verlautet.

Auch über das neue Bauprojekt in Bärenkämpen, das erste Stadtteilzentrum Mindens, auf dem freien Grundstück der ehemaligen Kindertagesstätte Sieben Bauern wurde nichts gesagt. Überhaupt, dass die Stadtbezirke Rodenbeck und Bärenkämpen alles auffangen sollen, was in der Innenstadt wohl nicht gewünscht ist.

Zudem hüllt die Stadt sich in Schweigen, was für ein „neues Wohngebiet in einer integrierten Lage auf Grundlage des Bebauungsplanes Nr. 919 ‚Harrelkämpe'“ (laut einer Antwortmail der Pressestelle vom 18. Juli 2016) am Schwabenring in Rodenbeck entstehen soll. Bisher wurde dort lediglich eine „Retentionsfilteranlage“ gebaut, ansonsten steht die Baustelle seit Monaten still – wie so viele andere in der Stadt Minden, die angefangen werden, sich dann aber monatelang nichts tut.

Und über das neue Containerdorf für Flüchtlinge in Minderheide, dessen Umsetzung über die Köpfe der Anwohner (und Gewerbetreibenden und Musiker, die ihre Proberäume ganz in der Nähe haben) hinweg praktisch „über Nacht“ entschieden wurde, findet sich auch kein Satz. Überhaupt scheint die Devise der Mindener Stadtverwaltung zu lauten: „Fangt schon mal mit dem Bauen an, die Bürgerinnen und Bürger können wir immer noch kurz vorher unterrichten, die werden sich schon damit abfinden.“ Ein trauriges Bild, das sich leider schon über viele Jahre – wenn nicht sogar Jahrzehnte – hinwegzieht.

Da hilft es nichts, alles „schön zu reden“ (was einem von der Deutschen Bundesregierung gern vorgemacht wird). Touristen und Einheimische sehen doch, was Sache ist, und sind an vielen Stellen enttäuscht.

Doch nicht umsonst nennt man das (Wahl-) Jahr 2017 das „Jahr der Veränderungen“. Vielleicht hat Bürgermeister Jäcke sogar den Zahn der Zeit erkannt mit seiner Aussage, dass das ein „Riesen-Rucksack an Aufgaben“ ist. Und den gilt es, gut durchzuschütteln, den Inhalt neu zu sortieren und das Ganze bürgerfreundlich zu erledigen.

Quelle Text und Fotos: Pressestelle Stadt Minden, aufgearbeitet und ergänzt von OctoberNews


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