Endgültiger Umzug Tierheim Minden nach Päpinghausen

Rund 40 Ehrenamtliche sorgten am 18. März 2017 für reibungslosen Umzug der Tiere innerhalb Mindens von der Werftstraße nach Zweihöfe in Päpinghausen

Reporter der gesamten Medienlandschaft Mindens und Umgebung waren beim Umzug der Hunde, Katzen und Kleintiere des Tierheims Minden am 18. März dabei – und wir mittendrin – Fotos: onm

Das alte Tierheim Minden an der Werftstraße hat nun für immer seine Tore geschlossen und ist mit den Tieren endgültig zum neuen Gelände nach Päpinghausen umgezogen. Um die 40 ehrenamtliche Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf und freuen sich auf das neue Tierheim.

Nach rund fünf Jahren andauernder Sanierung des neuen Tierheims im Mindener Stadtteil Päpinghausen und einwöchigen Umzugsaktionen ist es nun soweit: Das Tierheim Minden bezieht mit den Tieren sein neues Zuhause. Der endgültige Umzug mit den Tieren fand am Samstag, 18. März 2017, statt.

Trotz Regen und starkem Wind standen punkt 9 Uhr zahlreiche Umzugshelfer/innen auf der Matte, um dem Tierheim Minden beim Auszug aus der Werftstraße zu helfen

Frühmorgens regnete es in Strömen, aber sie waren alle gekommen, um das achtköpfige feste Team des Mindener Tierheims bei ihrem Auszug aus der Werftstraße und dem Umzug zum wesentlich größeren Hof nach Päpinghausen zu unterstützen: rund 40 Ehrenamtliche aus Minden, Hille und Umgebung, die ihre Familienmitglieder und privaten Pkws mitbrachten, und ein DHL-Angestellter inklusive Firmen-Lkw.

Während ein Teil der Mitarbeiter und Helfer in Päpinghausen alles für die Ankunft auf dem neuen Gehege vorbereiteten und auf die Fuhren warteten, um sie auszuladen, ging es im alten Tierheim an der Werftstraße rund am vergangenen Samstag. Der letzte entscheidende Schritt nach einer Woche Umzugsaktionen stand bevor: die rund 10 Hunde, 30 Katzen und diversen Kleintiere (Zwerghamster, Kaninchen, Farbratten) mussten überführt werden.

Neben allerlei Einrichtungsgegenständen und den Tieren wurden auch Zaunelemente demontiert und für den Transport nach Päpinghausen verladen

Punkt 9 Uhr ging es los. Die Werftstraße zugeparkt mit Helfer-Fahrzeugen tummelten sich auf dem alten Tierheim-Gelände Menschen allen Alters, die nur darauf warteten, mit anpacken zu können. Bekannte Gesichter vom ersten Frühlingsfest in Päpinghausen (siehe Bericht) wie Klaus Friedrich (ehemals 1. Vorsitzender des Tierheims), der Lagerist „Peter“ aus Bölhorst, Carmen Anietowski (Angestellte des Tierheims) und Petra Yarwood, die just vor einem halben Jahr aufgrund der hohen Mediennachfrage zur Pressesprecherin erkoren wurde, waren auch wieder dabei.

Doch bevor die Tiere stressfrei verladen werden konnten, mussten zahlreiche Möbel, Elektrogroßgeräte und verschiedenste Einrichtungsgegenstände aus den Gebäuden geschleppt und gekarrt werden. Auch Zaunelemente wurden demontiert. Jede/r freiwillige Helfer/in schnappte sich das, was er bzw. sie tragen, ziehen und mit Werkzeug bewerkstelligen konnte.

DHL-Mitarbeiter Frank Gieselmann verbrachte nicht nur einen großen Lkw, sondern packte ordentlich mit an beim Einladen

Frank Gieselmann der Deutsche Post DHL Group stellte dafür extra seinen großen Paket-Lastwagen zur Verfügung und packte ordentlich mit an beim Einladen. Nach zwei Stunden war der Lkw voll bis unters Dach. Das Tierheim-Team bedankte sich für die „riesige Umzugshilfe“ auf ihrer Facebook-Seite und merkte humorvoll an: „… damit ist sicher auch bei so manchem Hund das Verhältnis zum Paketzusteller ins bessere Licht gerückt worden“.

Pressesprecherin Yarwood war erstaunt, wie reibungslos, ruhig und schnell das alles über die Bühne ging, doch nicht verwundert. Denn regelmäßig treffen sich circa 20 Helfer/innen in der Cafeteria im neuen Tierheim, um sich über die nächsten Aktionen auszutauschen, um sie anschließend in die Tat umzusetzen. Richtig gut ankommen würden vor allem die von den Ehrenamtlichen selbstgebackenen Kuchen und Torten. Zudem habe sich die Cafeteria, die jeden 1. Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr öffnet, zu einem beliebten Anlaufpunkt für Besucher entwickelt, sei stets gut besucht, und ausnahmslos alle Einnahmen kommen dem Tierheim zugute.

Einer älteren Dame lag es während der Umzugsaktion am Herzen, zu erwähnen, dass die neuen Hundehäuser in Päpinghausen ordentlich geputzt waren, bevor die Vierbeiner eintreffen. Gesagt, getan machte sie sich am Vortage dran und brachte das neue Zuhause auf Hochglanz.

Neugierig verfolgte vor allem diese Katze den Trubel, der sich vor ihrer Türe abspielte

In den Katzen-Gehegen des alten Tierheims war derweil Neugierde und Aufregung angesagt. So viel Menschen auf einen Haufen, die am Gatter oder „Zimmer“ vorbeilaufen und ihnen nebenbei Aufmerksamkeit schenken, haben sie wohl lange nicht erlebt. „Leider bekommen sie sonst zu wenig Zuneigung, müssten viel öfters gestreichelt werden. Doch dafür bleibt uns bei all dem täglichen Aufwand, insbesondere jetzt in der Umzugsphase und während der langjährigen Sanierungsphase des neuen Tierheims, leider zu wenig Zeit“, erklärte eine Tierheim-Mitarbeiterin.

Man habe zwar vor Kurzem eine 450-Euro-Kraft gesucht und gefunden, theoretisch bräuchte man aber viel mehr Mitarbeiter/innen in Päpinghausen, schon aufgrund des riesigen Geländes von circa 22.000 Quadratmetern, das einen deutlich höheren Aufwand erfordere, insbesondere bei der Gartenpflege und der Pflege der Tiergehege. Seit 2012 wird der historische Gutshof von 1934 schon saniert und für die Unterkunft der Pflegetiere vorbereitet.

„Kuhkatzen“ werden aufgrund ihrer Farbbegebenheit seltener vermittelt

Die kleine Spende, ein 750-Gramm-Katzenfutter-Beutel für ausgewachsene Katzen, des Katzenliebhabers „Jojo“ (Schlagzeuger der Mindener Band Ogopogo), den er extra für das Ereignis kaufte und wir überbrachten, kam da ganz recht und zauberte ein Lächeln auf die Lippen der fleißigen Umzugshelfer/innen.

Nicht so angenehm war hingegen die Aussage einer Helferin, dass schwarz-weiße (genannt „Kuhkatzen“) und schwarze Katzen unverständlicherweise kaum Anklang finden bei den Tierfreunden, Rot- und Grauhaarige hingegen ungebrochen in der Beliebtheitsskala ganz oben stünden.

Zwischenzeitlich klarte der Himmel auf und wuchs die Spannung gegen 9.30 Uhr: Die ersten Hunde wurden aus ihren Gattern geholt, in spezielle Transportboxen verstaut und in die bereitgestellten privaten Kraftfahrzeuge verladen, um sie nach Päpinghausen zu überführen. Gilson, der verschmuste Podenco-Mix-Rüde aus Portugal, war die ganze Zeit schon total aufgeregt und bellte bei jeder Bewegung. Streicheleinheiten einer Tierheim-Mitarbeiterin konnten ihn aber schnell beruhigen.

Gilson spürte bei jeder Bewegung, dass hier was im Busche sein muss – nur gut, dass seine Tierpflegerin vorbeischaute und ihn mit Streicheleinheiten beruhigen konnte

Bax hingegen, ein weißer American-Bulldog-Mix-Rüde, bedurfte einer Sonderbehandlung, weil er Transportboxen partout verabscheue. Doch auch das war für das Team vom Tierschutzverein Minden und Umgebung e.V. kein Problem: an der Leine gehalten spazierten sie mit ihm bis zum Auto, setzen ihn aufs Kissen, Klappe zu und gut war. Denn er liebt Autofahren.

Zuchtratten haben aufgrund ihrer wilden Artgenossen einen schlechten Ruf unter den Kleintieren

Als Nächstes wurden die Kleintierkäfige mit Kaninchen, Hamster, Ratten und Co. verladen. Aber vorher philosophierten wir noch mit einer Helferin darüber, wie niedlich und pflegeleicht die Zuchtratten doch wären und dass sie an die Zeit der Punks aus den 1980er Jahren erinnern, die mit ihnen auf der Schulter durch die Stadt liefen. Doch die Zeiten sind vorbei, heutzutage werden die possierlichen Tierchen meist verabscheut, weil man sie fälschlicherweise mit Rattenplagen in Abwasserkanälen vergleicht.

Mittlerweile konnte man sich auch ein Bild über den desolaten Zustand der Räume und Häuser auf dem Gelände an der Werftstraße verschaffen, nachdem viele ausgeräumt waren. Kein Wunder, dass das Tierheim Minden auf den Umzug drängte. Man bekam das dumpfe Gefühl, dass die Zeit hier in den 1970/80er Jahren stehenblieb. Schließlich öffnete das Tierheim bereits am 22. August 1953 – maßgeblich befürwortet vom damaligen Fabrikanten und Diplom-Brennerei-Ingenieur Wilhelm G. Strothmann, wie man der Chronik der Tierheim-Website entnehmen kann.

Zahlreiche Helferinnen und Helfer stellten ihre Privat-Pkws zur Verfügung, um den großen und kleinen Tieren den Weg zu ihrem neuen Zuhause zu erleichtern

Die Jahr für Jahr eintreffenden Mai-Kätzchen (aus Funden im Freien oder Würfen nicht kastrierter bzw. sterilisierter Katzen) und der daraus resultierende Aufnahmestopp löste zudem immer wieder Unmut und Unverständnis in der Bevölkerung aus, wie auch die fehlende Auslaufmöglichkeit der Hunde.

Somit wurden hier über 63 Jahre lang herrenlose Tiere gehegt und gepflegt, bis der baufällige Zustand es einfach nicht mehr zuließ und in Päpinghausen ein neues Gelände gefunden und vor allem finanziert werden konnte – denn ohne Spenden (und natürlich die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer) würde das neue Projekt niemals Wirklichkeit und der Umzug niemals realisiert worden.

Das alte Tierheim-Grundstück wurde übrigens von der Ernst Böcker GmbH & Co. KG gekauft, dem Sauerteigspezialisten aus Minden, der seine Anlagen ausweiten und expandieren möchte. Direkt nebenan konnte man die qualmenden Schornsteine sehen.

Schlussendlich, nachdem der große DHL-Lkw vom Hof fuhr und alle Hunde und Kleintiere unterwegs nach Päpinghausen, wurden auch die Katzen für den Transport vorbereitet, denn sie reagieren am sensibelsten auf Veränderungen. Dafür holte man alle Transportboxen aus den Gebäuden, die zu finden waren, und sortierte sie nach Funktionsfähigkeit. Während einige Katzen von ganz allein reinstiegen, mussten andere erst mal aus der hintersten Ecke rausgeholt und eingefangen werden. Dann hieß es wieder Autos vorfahren und einladen.

Gut vorbereitet und unter möglichst stressfreien Bedingungen wurden die Katzen als Letztes in zahlreiche Pkws verfrachtet, um sie nach Päpinghausen zu fahren

Alles in allem „wurde niemand verletzt, weder Mensch noch Tier“, freute sich Yarwood. Gegen 11.30 Uhr war der Auszug aus der Werftstraße erfolgreich abgeschlossen und eine merkliche Erleichterung unter den fleißigen Helferinnen und Helfern zu spüren. Sie alle freuen sich auf das neue Gelände in Päpinghausen.

Zuguterletzt machte die Pressesprecherin darauf aufmerksam, dass das Hundehaus II auf dem Hof in Päpinghausen sich noch im Aufbau befinde (Katzenhaus und Hundehaus I sind fertig). Aber ab dem 26. März 2017 jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr könnten private Hundehalter wieder ihre Lieblinge auf dem beliebten Freigehege ausführen gegen eine geringe Spende.

Das neue Tierheim öffnet am 4. April 2017 wieder seine Türen für Besucher (zwecks Tiervermittlung u.a.). Die offizielle Eröffnungsfeier mit Sommerfest steigt dann am Wochenende 10./11. Juni 2017.

Doch vorher habe sich Grünen-Politiker und NRW-Umweltminister Johannes Remmel für den 24. März ab 14 Uhr angekündigt, um dem nagelneuen Tierheim einen Besuch abzustatten, da er sich persönlich davon überzeugen möchte, wofür die Zuwendung vom Land NRW verwendet werde, erklärte Yarwood.

Neue Anschrift Tierheim Minden:
Zweihöfe 27 / Ecke Thunekamp, 32423 Minden (Google Maps)

Weitere Informationen, Kontaktmöglichkeiten und das Spendenkonto findet man auf der Website www.tierschutzverein-minden.de.

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