Elektrische Durchlauferhitzer kosten ein Drittel der Stromkosten

Energieberater der Verbraucherzentrale Minden klärt mittels Strom-Check auf, was ein elektrischer Warmwasserbereiter im Haushalt wirklich verbraucht

Fotos: onm

Ein elektrischer Warmwasserbereiter lässt das Stromrad schneller laufen – Fotos: onm

Wer Warmwasser in seinem Haushalt mit einem elektrischen Durchlauferhitzer bereitet, muss sich auf eine saftige Stromabrechnung einstellen. Ein Verbrauch von 1.000 Kilowattstunden jährlich und mehr sind keine Seltenheit und machen über ein Drittel der Stromkosten aus. Ein Strom-Check vor Ort durch einen Energieberater der Verbraucherzentrale Minden kann da für Aufklärung sorgen.

Nach einer saftigen Nachzahlungsforderung in der Jahresendabrechnung unseres Stromanbieters von 350 Euro wollten wir es genau wissen. Welches Gerät verbraucht so viel Strom im Haushalt, dass es zu solch horrenden Stromkosten kommen konnte? Der Warmwasserbereiter stand schon unter Generalverdacht. Jede Dusche, jedes Vollbad, jede Hand- und Geschirrwäsche kostet Strom.

Doch wie ermittelt man ohne Stromprüfgerät, was ein elektrischer Durchlauferhitzer (auch „Warmwasserbereiter“ genannt) im Jahr so an Kilowattstunden verbraucht?

Der elektrische Durchlauferhitzer

Modellbezeichnung Vaillant

Modellbezeichnung des Vaillant Elektro Geyser

Zuerst öffnen wir die Frontblende am Durchlauferhitzer und schauen nach der Bezeichnung und vorhandenen Daten. Wir fotografieren das Schild und recherchieren nach dem Modell „Vaillant Elektro Geyser® VED 21/3“ im Internet, um genaue technische Daten zum Verbrauch zu erhalten. Zwecklos – das Modell existiert nicht mehr. Doch wir stoßen auf ein Verkaufsangebot dieses Modells, was anzeigt, dass es sich um ein Modell von 1998 handelt. Das Gerät ist demnach bereits 17 Jahre alt.

Weiter sind folgende Daten herauslesbar:
21 kW, 400 V, 3 ~ 50 Hz, 10 bar, p15 >= 1300 Ohm cm IP 25. Das Gerät ist vollelektronisch geregelt und verfügt über einen Zwei-Stufen-Schalter („I“ und „II“).

Sicher entsprach dieser elektronische Durchlauferhitzer im Jahr 1998 dem neuesten Stand der Technik, und bei der Firma Vaillant® handelt es sich um eine Markenfirma. Dennoch sollte man davon ausgehen, dass diese Geräte nach einer gewissen Zeit, so alle 10 Jahre, vom Vermieter (in diesem Fall einer Wohnungsgesellschaft) ausgetauscht werden, um dazu beizutragen, seinen Mietern eine effizientere, stromsparendere Lösung anzubieten. Doch das scheint hier leider nicht der Fall zu sein.

Auf jeden Fall wollten wir wissen, was so ein Warmwasserbereiter definitiv an Strom verbraucht. So machen wir uns weiter auf die Suche im World Wide Web und stoßen auf die Homepage „Energiewende – die Stromsparinitiative“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Das BMUB stellt auf ihrer Projektseite neben allgemeinen Stromspar-Tipps einen „STROMCHECK“ zur Verfügung, über diesen man nach Eingabe des jährlichen Stromverbrauchs (in kWh), der Personenzahl im Haushalt und anderer Kriterien zuerst eine kleine Übersicht erhält und sodann anhand weiterer Eingaben die Stromfresser aufspüren kann.

Wie erwartet entpuppt sich unser elektrischer Durchlauferhitzer, der für Warmwasser in Bad und Küche sorgt, als das Gerät mit dem höchsten Energiegehalt. Der „STROMCHECK“ zeigt uns 1000 kWh an bei einem Gesamtverbrauch von 3200 kWh – und das auf 11 Monate gerechnet, denn die letzte Abrechnung unseres Stromanbieters i. H. v. 950 Euro (Nachzahlung: 350 Euro) bezog sich nicht auf ein ganzes Jahr. Dieser Stromverbrauch entspricht einem 2-Personen-Haushalt in einer Mietwohnung, worüber das BMUB sogar einen extra Beitrag verfasste.

Nun handelt es sich hier lediglich um ein Programm im Internet, was nur Durchschnittswerte ausgeben kann. Wir wollten es aber genau wissen, was unser in die Jahre gekommene Warmwasserbereiter jährlich an Kilowattstunden verbraucht. So haben wir einen Energieberater der Verbraucherzentrale (VZ) Nordrhein-Westfalen zu uns bestellt. Nach Eingabe der Postleitzahl über die Website der VZ – in unserem Fall die 32429 – wird man auf den Vor-Ort-Service der Energieberatung in Minden weitergeleitet.

Der Strom-Check

Strom-Check VZ NRW

Von einer Energieberaterin der Verbraucherzentrale NRW in Minden errechnete Werte

Wir haben uns für den kostengünstigen „Basis-Check“ für 10 Euro entschieden, der eine 60-minütige Beratung einschließt. (TIPP: Empfänger von Transferleistungen, wie beispielsweise Hartz IV, erhalten bei Vorlage eines entsprechenden Nachweises die Beratung kostenfrei – denn unter anderem wird das Website-Projekt auch von der Bundesagentur für Arbeit unterstützt – aber keine Angst, die Berater der VZ sind zur Vertraulichkeit aller Angaben und erarbeiteten Unterlagen verpflichtet).

Innerhalb 2 Wochen konnte ein Termin per E-Mail ausgemacht werden (Angabe von Telefonnummer ist nicht erforderlich). Im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) errechnete eine Energieberaterin vor Ort anhand der letzten Jahresstromabrechnung und nach Begutachtung aller elektrischen Geräte im Haushalt auch den Verbrauch unseres elektrischen Durchlauferhitzers nach folgendem Schema:

21 kW x 365 Tage x 10 Minuten Duschen/Tag bei 2-Personen-Haushalt : 60 (weil 1 Stunde = 60 Minuten) = 1277,5 kWh/Jahr

1277,5 kWh/Jahr x € 0,27 (Tarif Ökostrom pro kWh inkl. 19 % MwSt.) = 344,93 Euro brutto/Jahr

In diesem Gesamtbetrag ist der Verbrauch von Warmwasser für Geschirrspülen, Händewaschen, Baden usw. noch nicht mit einberechnet.

Interessanterweise entspricht dieser Betrag aber so ziemlich genau unserem 350-Euro-Nachzahlungsbetrag der letzten Stromabrechnung. Ein Betrag, mit dem wir vorher nicht rechnen konnten, weil wir zum ersten Mal in einer Wohnung über einen Warmwasserbereiter verfügen.

Fazit

Wer über einen elektrischen Durchlauferhitzer verfügt, muss bei einem Zwei-Personen-Haushalt mindestens 350 Euro jährlich an „indirekter Miete“ draufschlagen, was einem monatlichen Zuschlag von rund 30 Euro entspricht – somit über ein Drittel des Gesamtstromverbrauchs.

Je mehr Personen im Haushalt leben, je mehr geduscht, gebadet und Geschirr abgewaschen wird, desto höher fällt die Stromabrechnung am Ende eines Abrechnungsjahres aus – je nach Modell des Durchlauferhitzers und gewähltem Stromtarif.

Damit Sie nicht am Stromrad drehen

Stromableser verkehrt

Stromableser rückwärts laufen zu lassen, wäre zu schön, um wahr zu sein

Wäre das nicht schön, den Stromzähler auch mal rückwärts laufen zu lassen? Funktioniert leider nicht. Aber es gibt mehrere Möglichkeiten, die Stromkosten zu senken:

  • günstigeren Stromvertrag abschließen (Jahresbonus beachten, immer auf 24 Monate hochrechnen);
  • Vermieter bitten, das Altgerät gegen ein effizienteres Neugerät zu ersetzen (bzw. selbst Neugerät einbauen);
  • Vermieter bitten, das Stromablesegerät mit Drehscheibe (ungenau laut Energieberaterin) gegen ein digitales Ablesegerät auszutauschen (bzw. selbst ersetzen);
  • bei Anschaffung von neuen strombetriebenen Geräten auf die höchste Energiesparklasse achten (z. B. Kühlschrank A+++, Computer mit stromsparenden Prozessoren, lieber Notebook anstatt PC, Flachbildfernseher ohne Stand-by-Leuchte);
  • nur Energiesparleuchtmittel verwenden (z. B. LED 6,5 W anstatt 40-Watt-Glühbirnen, Halogen-Birnen rechnen sich nicht);
  • Aufladegeräte für Batterien, Handys, Smartphones kaufen, die über USB-Anschluss mit Strom versorgt werden;
  • bei jedem Aufdrehen des Warmwasserhahns daran denken, dass jeder Tropfen Warmwasser Strom und damit Geld kostet.

Wir können auf jeden Fall einen Strom-Check vor Ort durch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nur empfehlen. Schlussendlich erhalten Sie noch Informationsbroschüren, Tipps und Tricks rund um Ihre elektronischen Geräte und Leuchtmittel  – und vielleicht auch ein kleines Werbegeschenk, wie beispielsweise einen Heizkörperentlüfter mit Flaschenöffner im Sparschwein-Design, wie wir ihn bekamen. ;o)

Dieser Bericht wurde von Wikipedia.org im Einzelnachweis-Verzeichnis aufgenommen zum Begriff Durchlauferhitzer.


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8 Kommentare zu “Elektrische Durchlauferhitzer kosten ein Drittel der Stromkosten

  1. Hannes
    10.12.2015 at 11:35

    Hallo, wir haben in unserem 2 Familienhaus ebenfalls 2 Vailland 21/3 verbaut. Auf der Suche nach dem Gerät bin ich auch auf dieser Seite gelandet, auf der Sie schreiben: “ (…)so alle 10 Jahre, vom Vermieter (in diesem Fall einer Wohnungsgesellschaft) ausgetauscht werden, um dazu beizutragen, seinen Mietern eine effizientere, stromsparendere Lösung anzubieten.“ Wie Sie richtig schreiben, ist der 21/3 bereits elektronisch geregelt, wo sollen also die Einsparungen her kommen? Ich habe bei Vailland angefragt, ob der Austausch gegen das neuste Modell wirklich grosse Einsparungen zu erwarten sind und folgende Antwort erhalten:
    Zitat Vailland: „unsere elektronsischen DH waren bereits in der Vergangenheit sehr effizient.(…) Ein signifikant kleinerer Stromverbauch ist aber durch den Tausch nicht zu erwarten.“ Es ist also absolut nicht sinnvoll, einen funktionierenden Vailland 21/3 -nur weil er 17 Jahre alt ist, um den Stromverbrauch zu senken, auszutauschen. Im Gegenteil, für die Umwelt ist das eine Katastrophe! Grüsse, Bernd

    • Steve
      07.02.2016 at 02:13

      Hallo,
      Ich habe gerade unsere NK Abrechnung vorliegen. Für die Warmwasseraufbereitung (Gas-zentral) werden ca. € 12,00 / m³ abgerechnet… in dieser Höhe liegt auch in etwa vieler Orts der Preis für Warmwasser per Fernwärme. Bei einem Verbrauch von ca 30 m³ Warmwasser im Jahr (bei 60° Wassertemperatur) sind das knapp € 360 Warmwasserbereitungskosten. Im Vergleich dazu kostet das Erzeugen derselben Menge mit dem Durchlauferhitzer ca. € 450.
      Erklärung: Der DLE schaft 6,9 Liter/min 24 kW bei 60°C tw. Die Erzeugung von 1 m³ verbraucht ca. 58 kW/h das entpicht etwa € 15,00.
      Vorteile: keine Uhren-Miete, keine separaten Abrechnungskosten, keine Anlage im Keller die das ganze Jahre über durchbrennt, keine Zirkulationspumpe und keine 40% Wärmeverluste in den Leitungswegen. Keine Legionellen da keine Warmwasserbevorratung.
      Natürlich macht die Warmwasserbereitung 1/3 der Stromkosten aus, dafür haben Sie keine Gasrechnung über denselben Betrag. Mann sollte die Differenz betrachten und ggf. mit den Vorteilen gegenüber der zentralen Warmwasseraufbereitung abwägen. Grüße Steve

  2. hein
    17.02.2016 at 08:03

    Beachten sollte man auch: Oel oder Gas kostet auch etwas! Und da muss das Wasser 24Std. – oder wird das Wasser 24 Std. am Tag erhitzt.

  3. Hildegard Bergbauer
    25.10.2016 at 19:57

    Ich habe einen Boiler in meinem Haus, es nervt mich, daß ich andauernd höre, wie er das Wasser aufwärmt. Wenn ich jetzt einen Durchlauferhitzer installieren lasse, dann kostet das nur, wenn ich das Wamrwasser aufdrehe? Beim Boiler wird permanent das Wasser aufgeheizt und kostet eine Mnge Geld! Ist so ein Durchlauferhitzer dann ncht viel billiger?

    • Alice
      09.01.2017 at 14:19

      Hallo Hildegard,

      das ist korrekt. Ein Boiler/Warmwasserspeicher verbraucht ununterbrochen Strom, das das Gerät ja immer mehrere Liter Warmwasser vorhalten muss. Ein DLE hingegen erhitzt das Wasser in dem Moment, in dem man es zapft. Daher verbraucht er auch nur dann Strom. Dadurch kann sich der Austausch des Boilers durch einen DLE auf jeden Fall lohnen und armotisiert sich auch in der Regel innerhalb weniger Jahre.

      Bedenken solltest du dann aber dennoch, dass es auch bei Durchlauferhitzern Unterschiede gibt. Hydraulische verbrauchen viel mehr Strom als elektronische DLEs. Klingt wegen des „elektronisch“ im Namen zwar nicht so, ist aber so. Bei einem hydraulischer kann man nämlich die Temperatur nicht aufs Gard genau einstellen. Bedeutet das Gerät spuckt dir z. B. 50 °C warmes Wasser aus, was aber fürs Duschen viel zu heiß ist. Also musst du über den Wasserhahn kaltes Wasser beimischen. Das ist natürlich eine riesen Energieverschwendung. Bei vielen elektronischen DLEs kannst du dagegen deine Temperatur ganz genau einstellen. So verbraucht er dann nicht mehr, als du auch tatsächlich brauchst.

      Oder einfach mal nach elektronischen Durchlauferhitzern googeln. 🙂

      LG Alice

  4. Tobias
    11.12.2016 at 21:35

    Im Vergleich Öl/Gas zu Durchlauferhitzer ist am wichtigsten eigentlich die Frage, ob es sich Lohnt. Hier muss man ganz klar sagen das der Kostenaufwand abhängig von der Einbausituation ist. Ein DLH kostet natürlich eine Menge Stromkosten um das Wasser zu Heizen ist allerdings von der Anschaffung her „günstig“. Eine Gas bzw. Ölheizung kostet in der Anschaffung anfänglich natürlich mehr, dafür ist der Brennstoff günstiger nur kommen hier auch noch einige Aspekte zum tragen: Pumpenstrom, Wartung und Schornsteinfeger. Rechnet man alles gegeneinander auf muss man letzten Endes für sich entscheiden was man eher braucht.

  5. Gast
    19.12.2016 at 14:18

    Hallo, ich habe den gleichen Durchlauferhitzer in meiner Wohnung. Der nun mittlerweile schon fast 19 Jahre alt ist. Macht es denn finanziell, einen Unterschied, wenn ich ihn auf der ersten Stufe stehen lasse, bei der das Wasser eben nicht ganz so warm wird oder ist das was die Kosten angeht völlig egal?
    Desweiteren würde mich interessieren ob mein Geschirrspüler und meine Waschmaschine das Wasser selbst erhitzen oder ob hierfür auch der Durchlauferhitzer läuft. Wie lässt sich das herausfinden? Ich habe eine recht neue Spülmaschine Energieklasse A+, die Waschmaschine ist allerdings schon ca. 15 Jahre alt.

  6. Denker
    29.12.2016 at 12:29

    Der Vorwurf, der Vermieter hätte den alten Durchlauferhitzer nicht gegen ein effizienteres Modell getauscht, geht ins Leere: Strom in Wärme umzuwandeln gelang auch schon vor Jahrzehnten mit Wirkungsgraden um 99%, da ist mit Modernität nichts zu gewinnen.

    Warmwasserbereitung ist energieaufwändig und warmes Wasser in den Kanal zu duschen kommt teuer. Deswegen den Elektro-Durchlauferhitzer zu verteufeln, ist irreführend: Was sind die Alternativen?

    * Gas ist meistens im Betrieb günstiger — wenn den ein Kamin und ein Gasanschluß vorhanden sind.
    * Ist das nicht der Fall, kann ein Nachtspeicher-Boiler sinnvoll sein, der hat aber zwei Nachteile: Er heizt die vor allem seine Umgebung und zwar das auch in der Zeit, in der kein Wasser benötigt wird und ist bei wenig bewohnten Liegenschaften extrem ineffizient; ist das Wasser einmal verbraucht, kommt bis zur nächsten Heizphase kein neues mehr nach.
    * ein E-Durchlauferhitzer wird daher in vielen Fällen günstiger kommen, als ein E-Speicher, vor allem wenn er nahe bei der Verbrauchsstelle installiert ist.

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