Bogenschießen wie die Meister

Minden zeigt Menschen, wie man den Bogen nicht überspannt

Foto: onm

Bogenschützen aller Altersklassen ringen um deutschen Compound-Meisterschaftstitel – Fotos: onm

Die Mindener zeigten Nachwuchstalenten, wie man den Bogen nicht überspannt und lernt, wie ein deutscher Meister das Ziel zu treffen.

Der Deutsche Bogensport-Verband 1959 e. V. veranstalte am 15. und 16. März 2014 die Deutsche Meisterschaft im Bogenschießen in den Compound- und Recurveklassen in der Mindener Kampa-Halle und rief öffentlich alle Interessierten, die sich schon lange mal in diesem Sport probieren wollten, zum Mitmachen auf. Dabei fanden ganz offiziell die Wettkämpfe in der Haupthalle statt, der man von den Plätzen aus zuschauen konnte, und nebenher bot die Mindener Bogenschützen e. V. auf mehreren Ebenen Besuchern aller Altersklassen die Möglichkeit an, sich selbst am Bogen zu versuchen.

Wir waren am ersten Wettkampftag vor Ort, an dem alle Compoundklassen ausgetragen wurden (Sonntag war Recurve), und erhielten zuerst direkt am Eingangsportal einen Abstempelbogen überreicht, auf dem verschiedene Disziplinen verzeichnet waren, die es galt, zu bewältigen. Als Ziele standen Blechdosen, Zielscheiben sowie 3D-Objekte zur Verfügung, und über Nintendo® Wii® Sports Resort konnte man mit einer Computer-Armbrust virtuelle Ziele am Bildschirm anvisieren. High-tech-Werkzeuge, wie die Profis sie benutzen, bekam man natürlich nicht in die Hand, sondern Anfängerbögen, wobei auch diese schon mächtig groß und leistungsstark sind. Auch der Abstand zu den Zielobjekten war mit rd. 3 Metern deutlich geringer als bei den Vorbildern, deren Pfeile eine Distanz von 18 Metern überwinden mussten – auf deutlich kleinere Zielscheiben.

Da geriet man ins Staunen, wenn 5- bis 10-jährige Mädchen und Jungen einen Bogen in die Hand nahmen, der ihrer Gesamtkörpergröße entsprach, und damit selbstbewusst und zielsicher ins Schwarze trafen. Wir waren da doch etwas steifer in der Ausführung und mussten uns noch erklären lassen, wie man erst mal die richtige Körperhaltung einnimmt.

Dieses weibliche Nachwuchstalent zeigt beeindruckend, wie man die richtige Körperhaltung beim Bogenschießen einnimmt. Foto: onm

Kai von den Mindener Bogenschützen braucht diesem selbstbewussten jungen Mädchen gar nicht lange zu zeigen, wie man den Bogen richtig spannt. Foto: onm

Von fortgeschrittenen Bogensportlern hingegen wird vieles abverlangt: Ausdauer, Kraft, Ruhe, Konzentration und innere Spannung. „Nur mit höchster Präzision in der Vorbereitung und Durchführung haben die Bogenschützen Erfolg“, erklärte Schirmherrin Marianne Thomann-Stahl in ihrem Grußwort. Dabei galt ein besonderer Gruß den Gastgebern. „Die Mindener Bogenschützen haben die Deutsche Meisterschaft 2014 engagiert vorbereitet“, lobte sie die ehrenamtliche Tätigkeit vor und hinter den Scheiben. Rund 450 Bogenschützen aus ganz Deutschland und einen Besucheransturm von Erwachsenen und Kindern zu betreuen, muss schon gekonnt sein. In der Tat herrschte trotz umherwuselnder Menschenmasse eine ruhige, angenehme Atmosphäre, in der man sich wohlfühlte.

Kein Wunder, denn die Mindener Bogenschützen können bereits auf 57 Jahre Vereinserfahrung zurückgreifen. „Mit zurzeit rund 170 Mitgliedern zählen sie immerhin zu den größten Vereinen im Bogensport bundesweit“, verriet Bürgermeister Michael Buhre in seinem Grußwort. Auf dem ehemals britischen Gelände „Am Grundbach“ aus dem Ersten Weltkrieg in Minden-Rodenbeck bieten sich auch gute Trainingsmöglichkeiten für FITA- und Feldbogenschießen (FITA = Federation Internationals de Tir L´Arc = internationaler Bogensportverband).

Viel zu schade, um darauf zu schießen? Dann stellen Sie den Jaguar doch ins traute Heim. Foto: onm

Täuschend echte Zielobjekte aus Egeln sorgen im 3D-Dschungel für Spannung. Foto: onm

Stolz sind die Mindener Bogenschützen auf ihren 3D-Parcour, wo auf dem Freigelände verschiedene Tierfiguren aus Schaumstoff aus unterschiedlichen Distanzen getroffen werden müssen. Manchmal werden die auch an Seile gehängt und/oder sind beweglich, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, verrät uns Kai. Die filigran gefertigten Tierfiguren von der Fa. „InForm 3D“ sind zwar eigentlich speziell für den Bogensport entworfen worden, erfreuen sich aber immer größerer Beliebtheit bei den Haus- und Gartenbesitzern, erzählt uns der Hersteller und Computerfachmann Dirk Zeigler aus Egeln auf seiner Promotiontour.

Immer wieder wird auch erwähnt, dass der Bogensport für Menschen aller Altersklassen und Geschlecht geeignet ist, auch für RollstuhlfahrerInnen, wie uns beeindruckend in der Meisterschaft veranschaulicht wurde.

Bogensportler im Rollstuhl sind jederzeit gern gesehen - Foto: onm

Bogensportler im Rollstuhl werden herzlich aufgenommen im DBSV – Foto: onm

Alfred Hermens, einer der Wettkampfteilnehmer, hatte damals z. B. mit Tennisspielen angefangen und ist irgendwann zum Bogensport gekommen, da er mit den Jahren eben auch nicht jünger werde. Der rüstige 75-jährige schätzt den Zusammenhalt der Vereinsmitglieder und lernt immer wieder neue Leute kennen, aus denen bereits Freundschaften entstanden sind. Außerdem findet er die Altersklassen-Aufteilung besser – in der Ü65-Gruppe seines Vereins „SCU-Germering“ aus Bayern fühlt er sich besser aufgehoben als in der Ü50-Gruppe der Tenisspieler, wo der Altersunterschied doch sehr groß sei.

Auch er schießt, wie viele andere Anwärter am vergangenen Samstag auf den Meistertitel, mit einem sog. „Compound“-Bogen. Auf einem Compoundbogen werden mithilfe einer flaschenzug-ähnlichen Konstruktion die Pfeile zunächst schwach und dann immer stärker beschleunigt. Hierdurch wird das Material der Pfeile weniger belastet und Abschussgeschwindigkeiten von mehr als 360 km/h erreicht. Hier wäre ein Duell mit dem derzeit schnellsten Ferrari mal angesagt, dem LaFerrari, der auch „nur“ eine Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h erreicht. ;o)

Davon abgesehen sollte man sich also auf keinen Fall in der Schussbahn befinden, worauf folgende Schilder während der Veranstaltung deutlich hinwiesen:

Wenn Pfeile mit 350 km/h angeflogen kommen, sollte man besser außer Schusslinie stehen. Foto: onm

Wenn Pfeile mit 360 km/h angeflogen kommen, sollte man besser außer Schusslinie stehen. Foto: onm

Und man mag es nicht glauben: Wenn Pfeile mit so einer rasanten Geschwindigkeit auf winzige Zielscheiben treffen, entstehen merkwürdige Geräusche, aber hören und sehen Sie selbst:

Schlussendlich konnte nach einer Drehung am Glücksrad unser Nebenbuhler zwar keinen Gewinn ergattern, bekam aber eine Urkunde überreicht und wurde als „Bogenchampion“ ernannt. Schließlich hatte er alle Disziplinen erfolgreich absolviert und traf sogar die Luftballons auf dem Poster des Mindener Tageblatts, was als Zielscheibe diente. Ist doch mal was zum Einrahmen und eine nette Erinnerung an diese Veranstaltung.

Auch sollte erwähnt werden, dass etliche Händler und Werbestände vor Ort vertreten waren, wie z. B. die sympathischen Jungs und Mädels von G-GEAR (military knives, tools & gear) aus München, Gobel Bogensport aus Seesen, OnePhone aus Erkrath und viele mehr, die man Löcher in den Bauch fragen konnte.

Zuguterletzt war es spannend, die Kampa-Halle als Neu-Mindener überhaupt mal von innen sehen zu können, und diesem fast mediterranen Bogensport beiwohnen zu dürfen. Wenn man selbst nicht ständig daneben getroffen hätte, würde allein die familiäre Atmosphäre einer Anfängerkarriere als Bogenschütze verlockend sein. Aber man kann eben nicht alles können. Meiner einer schießt da besser mit der Kamera – sind ja auch immer wieder neue spannende Zielmotive. Apropos Motive…

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Wenn Sie mit der Mouse, dem Finger oder Stift über die Slideshow fahren, können Sie die Bilder vergrößern („Fullscreen“). Sollten Sie die Slideshow nicht sehen können, haben Sie die Möglichkeit, sich diese direkt in unserer Flickr-Galerie anzuschauen.

Pfeil und Bogen Kinder320

Bambusbogen für Kinder

Tipp:

Für Kinder bietet sich übrigens ein Bambusbogen mit Pfeil an, wobei die Pfeil-„Spitze“ aus einem Sandsack besteht (s. Foto), sodass keine Verletzungen entstehen können.

Diesen erhält man meist auf Mittelaltermärkten, Weihnachtsmärkten oder in ausgesuchten Holzspielzeuggeschäften.

 


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